Drachen nach Drontheim

Eine Wikingergeschichte von Gerd Lobin

 

Epilog

Wikinger, Eroberer und Könige im 11. Jahrhundert

 

Nach der Seeschlacht bei Svolder, in der König Olaf Tryggvason Krone, Land und Leben verlor, wird Norwegen dreigeteilt. Sven Gabelbart verleibt seinem Dänenreich den Süden des Landes, vor allem die Wiken am Skagerrak, ein. Nordnorwegen fällt an Schweden, und in Mittelnorwegen mit Drontheim als Hauptstadt herrschen fünfzehn Jahre lang, von 1000 bis 1015, die Jarl-Söhne Erik und Sven als Könige. Sie werden von Olav dem Heiligen abgelöst, der sie entmachtet und bis 1028 als König das Werk Olaf Tryggvasons fortsetzt und die Christianisierung des Landes auf friedliche Weise vollendet. Ihn stürzt 1028 der Dänenkönig Knut, Sven Gabelbarts Sohn. Als Olav 1030 den Thron zurückzuerobern versucht, unterliegt er Knut bei Stiklestad und fällt auf dem Schlachtfeld. Seine Grabkirche in Nidaros bei Drontheim wird zum Ausgangspunkt städtischen Lebens in Norwegen.

Sven Gabelbart richtet nach der Niederwerfung Olaf Tryggvasons seine Anstrengungen auf die Eroberung Englands. Dort lässt König Ethelred am 13. November 1002 als Rache für die ständigen Übergriffe der Wikinger alle in seinem Machtbereich lebenden Dänen umbringen. Unter den Getöteten ist auch Gunhild, eine Schwester Sven Gabelbarts, der in den folgenden Jahren eine Reihe von Vergeltungszügen gegen England unternimmt. Diese erreichen ihren Höhepunkt zehn Jahre später, als Sven wie schon 994 zusammen mit Olaf Tryggvason, mit einer großen Flotte auf der Themse erscheint und London bedroht. Die Stadt wird diesmal jedoch von dem normannischen Söldner Torkil so umsichtig und verbissen verteidigt, dass es der Dänenkönig vorzieht weiterzusegeln.

Er erobert Wessex und zwingt Ethelred zu einer überhasteten Flucht nach Frankreich, wo er bei seinen Verwandten in der Normandie Zuflucht findet, die ursprünglich als Wikinger aus Norwegen gekommen und 911 sesshaft geworden waren. Nach Sven Gabelbarts Tod besiegt sein Sohn Knut bei Ashingdon Ethelreds Sohn Edmund und macht sich zum König von England. Zwei Jahre später, nach dem Tod seines Bruders Harald, erbt Knut das Dänenreich, gewinnt 1028 das früher von seinen Vorfahren beherrschte Mittelnorwegen zurück und zwingt 1031 auch Schottland zur Huldigung. Doch das Reich Knuts des Großen, in dem die Nordsee ein Binnenmeer ist, verfällt so schnell, wie es entstanden ist. Schon 1035 erobert Olavs Sohn Magnus, der den Beinamen der Gute führt, den norwegischen Thron zurück, und 1042 verlieren die Dänen auch wieder England.

In Schweden setzt sich das Christentum nur allmählich durch. Erst nachdem Olav Schoßkönig 1008 zur Taufe geht, dringt das Kreuz von Götaland langsam nach Norden vor. Im Osten, wo Rurik schon 859 ein wikingisches Fürstentum in Kiew gegründet hatte, führt Großfürst Wladimir, seit 980 Alleinherrscher, Russland in die Reihe der christlichen Völker, nachdem er die byzantinische Prinzessin Anna geheiratet hat und zur Taufe gegangen ist. Unter seinem Sohn und Nachfolger Jaroslav dem Weisen (1019—1054) weitet sich die byzantinische Kultur in Russland machtvoll aus.

 

In Mitteleuropa hatte sich schon Karl der Große mit eroberungssüchtigen Seekönigen herumschlagen müssen, die mit ihren Drachenschiffen und beutegierigen Kriegern die Flüsse hinauffuhren und die Städte bedrohten. Sie eroberten im 9. Jahrhundert Paris und Hamburg, zerstörten Xanten und Dorestad und drangen mit ihrem Großen Heer bis nach Aachen, Köln, Bonn, Mainz, Worms und Metz vor. Wichtige machtpolitische Veränderungen zeichneten sich ab, als Anfang des 10. Jahrhunderts ein Haufen Wikinger in der Normandie sesshaft wurde, ihr Häuptling Rollo die Tochter Karls des Einfältigen heiratete, sich taufen ließ und Lehnsmann des Frankenkönigs und Herzog der Normandie wurde.

In Deutschland herrscht im Jahre 1000 Otto III. in dem von seinem Großvater errichteten Reich.

Die Dänen, die sich im Norden so mächtig ausdehnen, sind dem Kaiser tributpflichtig. In Frankreich sind die normannischen Herzöge mittlerweile mit zahlreichen Fürstenhäusern, vor allem in England, verschwägert. 1042 wird Ethelreds zweiter Sohn Eduard, der bei den Verwandten seiner Mutter Emma, einer Tochter des Normannenherzogs Richard I., aufgewachsen ist, König von England. In seinem Hofstaat überwiegt der normannische Einfluss den der sächsischen Edlen. Als er 1066 kinderlos stirbt und in der von ihm erbauten Westminster Abbey beigesetzt wird, setzt der einflussreiche Earl Godwin von Kent durch, dass die Lords seinen Sohn Harold zum König wählen.

Der illegitim geborene Herzog Wilhelm der Normandie erhebt sofort Anspruch auf den Thron, den er mit seinen verwandtschaftlichen Beziehungen zu seinem Vetter Edward begründet, der ihn schon 1052 zu seinem Nachfolger bestimmt habe. Harold, der von den Lords gewählte König, war von Wilhelm als junger Mann zum Ritter geschlagen worden, nach dem Verständnis der damaligen Zeit also ein Gefolgsmann des Herzogs. Um seinen Anspruch durchzusetzen, rüstet Wilhelm ein Heer aus, bewegt die normannische Ritterschaft, an einem Zug nach England teilzunehmen, lässt Drachenschiffe in großer Zahl bauen (Bildteppich von Bayeux) und bricht mit einer vielköpfigen Streitmacht nach England auf. Zuvor veranlasst er noch König Harald den Harten von Norwegen, einen ehemaligen Waräger-Führer aus Byzanz, bei York an der Mündung des Humber zu landen. Harold wendet sich sofort gegen den Norweger und besiegt ihn. Wilhelm der Eroberer, wie er fortan genannt wird, geht mit seinem gewaltigen Heer am 28. September 1066 ungestört in Sussex an Land.

Bei Hastings kommt es am 13. Oktober zur Schlacht zwischen den geschwächten sächsischen Truppen Harolds und der ausgeruhten normannischen Streitmacht Wilhelms. Die Normannen siegen, Harold verliert das Leben und Wilhelm gewinnt die Krone von England.

 

Schon im 9. Jahrhundert waren Wikinger auch in das Mittelmeer vorgestoßen. 844 suchte eine aus 54 Langschiffen bestehende Flotte die Küsten des Emirats Cordoba heim und überfiel die spanischen und portugiesischen Häfen. Fünfzehn Jahre später verheerte eine Wikingerflotte drei Jahre lang die Mittelmeerküsten und brandschatzte in Marokko und Südfrankreich. 1016 treten normannische Krieger, von Jerusalem kommend, in Süditalien auf, und damit beginnt der Wikingerzug gegen Byzanz und später gegen die Sarazenen, die um diese Zeit das südliche Mittelmeer beherrschen. Robert Guiscard, einer von zwölf Söhnen Tancreds von Hauteville, eines normannischen Landadeligen, erhält 1059 von Papst Nikolaus II. ganz Süditalien als Lehen, nachdem er von seinen älteren Stiefbrüdern die Grafschaft Apulien geerbt hatte. Robert und sein jüngerer Bruder und Nachfolger Roger erobern bis 1091 Sizilien von den Sarazenen, und Roger II. errichtet das Königreich beider Sizilien, das von 1130 bis 1194 besteht und nach dem Tod des letzten normannischen Königs Wilhelm III. an die Staufer fällt.

 

Diesen Artikel weiter empfehlen …. href="http://www.manfrieds-trelleborg.de"

zum Inhaltsverzeichnis oder direkt Zum Tor

 

5,646,021 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang