Der Sohn des Seekönig

Eine Wikingergeschichte von Gerd Lobin

 

Sechstes Kapitel

Torkils Geschichte und ein Brand

 

Der alte Knecht Knut blickt überrascht von seiner Arbeit auf, als Ingolf bei einbrechender Dunkelheit mit einem fremden Mann auf dem Pferd in den Hof reitet. Dann tritt er näher und hilft dem Fremden beim Absteigen, mustert mit Kennerblick den Rotschimmel.

„Ein prachtvoller Hengst“, murmelt er halblaut und sagt dann zu Ingolf: „Du solltest gleich ins Haus gehen. Der Seekönig wartet schon auf dich. Er ist wegen deines langen Ausbleibens beunruhigt. Um den Hengst werde ich mich kümmern.“

In der Vorhalle tritt den Ankömmlingen Erik entgegen. Er blickt erst den Fremden, dann Ingolf fragend an, sagt aber kein Wort. „Ich habe einen Gast mitgebracht“, erklärt Ingolf die Anwesenheit des Fremden. „Oben am Berghang, wo sich die Wege gabeln, habe ich ihn getroffen.“

„Dein Sohn hat mir das Leben gerettet“, sagt der Fremde, und Erik hört zum ersten Mal, dass ein anderer Ingolf seinen Sohn nennt. „Ohne ihn hätten mich die Wölfe zerfleischt!“

Erik legt dem Mann zur Begrüßung die Hand auf die Schulter, wie es Sitte ist.

„Willkommen in meinem Haus“, sagt er dann. „Wen einer meiner Söhne mitbringt, der ist mein Gast!“

„Ich bin Torkil, Händler aus Gotland“, stellt sich der Fremde vor.

Erik mustert den Gast von Kopf bis Fuß.

„Dass du kein Krieger bist, hat mir schon deine Kleidung verraten“, sagt er dann. „Wie aber kommt ein Händler in die Öde des Gebirges, noch dazu ohne Waffen?“

„Ich bin auf der Flucht“, berichtet Torkil. „Doch das ist eine lange Geschichte, die... “

„....die du mir erzählen sollst, wenn du gegessen und getrunken hast“, unterbricht ihn Erik. „Ein schlechter Gastgeber, der mit seinem Gast in der Vorhalle herumsteht, anstatt ihn an den Tisch zu bitten. Tritt ein, Torkil, Gudrun, mein Weib, wird dich bewirten! Du musst hungrig sein!“

Auf einen Wink hin läuft Ingolf ins Vorratshaus, um einen Krug Bier zu holen. Draußen begegnet ihm Thorleif, der gleich neugierig fragt: „Wer ist das, den du da mitgebracht hast?“ „Torkil, ein Händler aus Gotland“, antwortet Ingolf. „Mehr weiß ich auch nicht!“

„Du kennst nur seinen Namen und lädst ihn gleich ein“, wundert sich Thorleif. „War das nicht ein bisschen leichtsinnig?“

„Er war in Not“, rechtfertigt Ingolf sein Verhalten. „Als ich ihn fand, war er am Ende seiner Kräfte und wehrte sich verzweifelt mit einem Knüppel gegen drei Wölfe, die ihn angriffen!“

„Wölfe? Um diese Jahreszeit?“ wundert sich Thorleif. „Wie hast du sie vertrieben?“

„Ich habe einem von ihnen den Schädel gespalten, da sind die anderen beiden mit eingekniffenem Schwanz weggerannt.“

„Du hast einen Wolf erlegt? Einen richtigen Wolf?“

Ehe Ingolf antworten kann, hört er die ungeduldige Stimme Eriks: „Wo bleibt denn das Bier?“

„Geh in die Halle und sieh dir den Mann an“, raunt Ingolf dem Freund und Bruder zu. „Alles andere erzähle ich dir später.“

Die Ankunft des Fremden hat sich schnell in der Siedlung herumgesprochen. Als Torkil sich an Bier, gebratenem Schweinefleisch und frischem Brot gelabt hat, finden sich immer mehr Männer in der Halle des Seekönigs ein, unter ihnen Gisli, der Schiffsbaumeister, Vilgard und Ragnar. Und als Thorleif und Ingolf alle Krüge gefüllt haben, richtet Erik das Wort an den Gast und fordert ihn auf, jetzt zu erzählen, wie er waffenlos in die öde Bergwelt gelangt ist.

„Wir sind begierig, deine Geschichte zu hören“, ermuntert der Seekönig seinen Gast.

„Ich bin, wie ich dir schon gesagt habe, Händler“, erzählt Torkil, „auf Gotland, der Insel im Ostmeer, steht mein Haus. Meine Fahrten führen mich nicht nur nach Helgö und nach Truso, sondern noch weiter nach Osten. In Holmgard habe ich einen Handelsfreund, dessen Schiffe bis hinunter nach Kiew fahren. Ich selber besitze ein Lagerhaus in Haithabu, wo sich mit Kauffahrern aus England und Schottland einträglich Handel treiben lässt.“

„Wie bist du aber hierher, in den Norden gekommen, wenn du, wie du selber sagst, mit deinem Handelsschiff das Ostmeer befährst?“ will Erik wissen.

„Ich hatte in Haithabu gegen vorzügliche Zobel- und Marderfelle eine Anzahl Ulfbert-Klingen eingetauscht. Die wollte ich hier oben im Norden absetzen und dafür Taue aus Seehundshaut und Walroßhauer erwerben.“

„Und, bist du deine Klingen losgeworden?“

„Ja“, gibt der Händler dem Seekönig zur Antwort. „Aber leider auf ganz andere Weise, als ich gedacht hatte.

Ich fuhr hinein in den Hardangerfjord und weiter in den Eidfjord. Thurgeis, der Häuptling dort, zeigte für die Klingen großes Interesse, so dass ich auf einen günstigen Handel hoffen durfte. Als er aber entdeckte, dass ich ein Christ bin, brach er den Kauffrieden, der doch überall herrscht, wenn ein Händler kommt, nahm mir mein Boot und meine Waren weg und jagte mich mit Hunden von seinem Hof. Ich war froh, dass ich mein nacktes Leben rettete.“

„Was ist das, ein Christ?“ erkundigt sich Erik.

„Das Christentum ist eine neue Religion, die von Männern in langen Kutten verbreitet wird“, belehrt ihn Torkil. „Sie nennen sich Mönche, und sie ziehen vor allem von Irland aus, die neue Lehre zu verkünden. Ihr Symbol ist das Kreuz!“

Torkil nestelt an seinem Hemd und zieht dann das Kettchen mit dem kleinen Kreuz hervor, das Ingolf schon gesehen hat.

„Es sieht aus wie ein Thorhammer“, sagt Erik kopfschüttelnd. „Und das ist das Zeichen deiner Götter?“

„Wir Christen kennen nur einen Gott“, sagt Torkil. „Den Allmächtigen!“ Da lacht Erik lauthals und haut mit der flachen Hand immer wieder auf die Tischplatte.

„Nur einen Gott?“ ruft er. „Dann ist das aber eine arme Religion! Da will ich doch lieber bei meinen alten Göttern bleiben.“

„Ich habe auch von der neuen Religion gehört“, wirft Gisli ein. „Bei uns in Drontheim gibt es schon viele Männer und Frauen, die das Taufhemd übergestreift haben und Christen geworden sind. Und von anderen Ländern hört man, dass der mächtige Gott der Christen die alten Götter längst verdrängt hat.“

„Auf meinen Handelsfahrten treffe ich viele Christen an“, berichtet Torkil weiter. „Bei den Franken im Süden des Ostmeeres ist die neue Religion schon seit mehr als hundert Jahren verbreitet. In Jütland hat Harald Blauzahn, der Sohn Gorms des Alten, den heiligen Hain bei Jelling beseitigen und dort eine christliche Kirche bauen lassen, nachdem er die Dänen zu Christen gemacht hatte. Den großen Stein, in den er diese Tat einritzen ließ, habe ich selber gesehen. Und fern im Osten, im Reich Wladimirs, des Großfürsten von Kiew und Holmgard, geht das Gerücht, der Fürst wolle sich taufen lassen. Er will sein Reich Missionsmönchen aus Byzanz und Griechenland öffnen, damit sie dort die neue Lehre verkünden.“

„Wir bleiben bei unseren alten Göttern“, ruft Erik. „Bei 0din und Thor, Freyja und Freyr! Was sollen wir mit Gott dem Allmächtigen, wir sind mit unseren Göttern zufrieden!“

„Obwohl ich manchmal glaube, dass sie nicht mehr die Kraft wie früher haben“, wirft Ragnar ein.

„Was willst du damit sagen?“ fährt ihn Erik an.

„Denke doch nur an eure Sturmnacht auf dem Nordmeer“, sagt Ragnar ruhig. „Ihr habt ein Boot verloren. Meinst du, dass Harald und seine Männer nicht die Götter angerufen haben, als die wilden Wellen ihr Boot zu ihrem Spielball machten?“

„Die alten Götter sind stark wie eh und je“, sagt jetzt auch Vilgard, der Führer des zweiten Drachenbootes. „Als meine Möwe von den Wellen verschlungen zu werden drohte, rief ich Thor um Hilfe an, und plötzlich schwamm das Boot wieder so sicher wie zuvor.“

„Wir können nur hoffen, dass wir unsere Götter nicht erzürnen, wenn wir einem Andersgläubigen Herberge geben“, sagt der alte Gumbjörn, der sich bisher nicht zu Wort gemeldet hatte, mit düsterer Stimme. „Vielleicht leben unsere Götter mit dem Christengott in Fehde und nehmen es uns übel, wenn wir einen seiner Anhänger aufnehmen.“

„Gumbjörn hat recht“, pflichtet Nils an der anderen Ecke der Tafel seinem Vorredner bei. „Hört nur, wie der Wind heult. Das ist nach einem klaren Tag immer ein schlechtes Zeichen. Vielleicht sind die Götter schon wütend auf uns. Thurgeis hat den Christen auch fortgejagt.“

„Ich bin aber nicht Thurgeis, der den Kauffrieden bricht, sondern Erik, der Seekönig“, ruft der Hausherr. „Und unter meinem Dach herrscht Gastrecht wie bei Thorolf, meinem Vater. Ingolf hat Torkil mitgebracht. Er mag solange bleiben, wie es ihm hier gefällt! Wem das nicht passt, der mag aufstehen und hinausgehen!“

Eriks Augen blitzen, an seiner Stirn ist die Zornesader geschwollen. Er ist von seinem Hochsitz aufgesprungen und weist mit der Hand zur Tür, die sich in diesem Augenblick öffnet. Knut, der alte Knecht, steckt den Kopf herein und ruft: „Feuer! Es brennt! Eines der Vorratshäuser brennt!“

Ein unbeschreiblicher Tumult bricht aus. Alle Männer in der Halle sind aufgesprungen, stürzen zur Tür. Ingolf und Thorleif erreichen als erste die Vorhalle. Als sie die zweite Tür aufreißen, blicken sie in die rote Feuersglut. Das Vorratshaus drüben, auf der anderen Seite des Hofes neben dem Gesindehaus, steht in hellen Flammen.

„Wasser! Wir brauchen Wasser, holt Eimer!“, hören sie Knuts Stimme.

Die beiden Jungen laufen hinüber zur Küche, raffen alle leeren Eimer und Schüsseln zusammen, rennen zum Brunnen, wo Knechte schon dabei sind, Wasser zu schöpfen.

Die Männer bilden eine Kette, die vollen Eimer fliegen von Hand zu Hand, es brodelt und zischt, wenn sich Feuer und Wasser mengen.

„Das brennende Vorratshaus ist nicht mehr zu retten“, ruft Torkil, der neben Thorleif in der Reihe steht. „Wir müssen die Dächer und Außenwände der Nachbargebäude befeuchten, damit die Funken nicht überspringen und andere Häuser in Brand setzen können!“

„Torkil hat recht“, pflichtet Erik seinem Gast bei, und schon klatschen die Männer an der Spitze den Inhalt der Eimer und Schüsseln gegen das Gesindehaus und das zweite Vorratshaus. Das Dach dieses hoch gebauten Vorratshauses ist von unten schwer zu erreichen, und angstvoll verfolgen die Augen vieler Männer und Frauen den Funkenflug.

„Komm schnell, wir holen eine Leiter“, ruft Thorleif und rennt hinüber zur anderen Hofseite.

Thorleif und Ingolf lehnen die Leiter an das Dach des Vorratshauses, und Thorleif will hinaufsteigen. Ingolf zieht ihn zurück.

„Lass mich hinauf“, ruft er. „Denk an deine Schulter.“

„Denk du nicht immer an dich und die Möglichkeit, Mut zu zeigen“, fährt ihn Thorleif an. „Diesmal klettere ich auf das Dach, und du kannst mir die Eimer zureichen!“

Es gelingt den beiden Jungen und den Männern, ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbargebäude zu verhindern. Das Vorratshaus aber brennt nieder. Ein paar verkohlte Balken sind alles, was von ihm übrigbleibt.

Die Männer versammeln sich verschwitzt und durchnässt um Erik und blicken verstört in die rauchende und glimmende Glut. Der Wind treibt ihnen den Qualm in die Augen, dass sie tränen. Ingolf schüttelt sich. Hemd und Hose sind von Wasserspritzern durchnässt, ihn fröstelt es.

Erik sieht es und breitet seine Arme aus.

„Kommt noch auf einen Trunk mit hinein ans warme Feuer“, ruft er. „Was hier zu tun bleibt, können die Knechte besorgen. Wir alle haben uns einen Schluck verdient, denke ich!“

Er geht auf die Vorhalle des Hauses zu, gefolgt von den anderen. Nur Gumbjörn, der Alte, wendet sich zum Gehen. „Kommst du nicht mehr mit uns, Gumbjörn?“ lädt ihn Erik ein. Der Alte schüttelt den Kopf.

„Es ist besser, dein Haus nicht zu betreten“, sagt er mit grollender Stimme. „Das Feuer hat gezeigt, dass die Götter ihre schützende Hand nicht mehr über dich und dein Anwesen halten, in dem ein Andersgläubiger Herberge gefunden hat.“ „Die Rache der Götter“, sagt auch Nils und stellt sich neben Gumbjörn.

„Die Rache der Götter“, murmelt es mehrstimmig dort, wo die Frauen stehen.

Erik lässt seine Blicke schweifen und blickt seine Gefolgsmänner an. Er erkennt schnell, dass sich zwei Gruppen bilden. Einen Augenblick lang überlegt er, ob er wie Thurgeis handeln und Torkil, den Händler, fortschicken soll. Doch gleich verwirft er den aufkommenden Gedanken. Dies zu tun, würde nicht nur das heilige Gastrecht verletzen, es würde auch seinem Ansehen und seiner Autorität schaden. Er hat vorhin in der Halle vor allen Männern Torkil das Gastrecht gewährt. Die meisten von ihnen würden ihn für wortbrüchig halten, wenn er sich jetzt eines anderen besänne.

„Die Rache der Götter?“ ruft er deshalb mit lauter Stimme.

„Weshalb soll es auf die Rache der Götter zurückzuführen sein, wenn es irgendwo brennt? Haben wir nicht in jedem Jahr mehr als einmal Feuer am Fjord, ohne dass wir für den Brand gleich den Unwillen der Götter verantwortlich machen?“

„Aber du hast die Götter erzürnt, weil du einen Andersgläubigen aufgenommen hast“, widerspricht ihm Gumbjörn. „Das ist etwas ganz anderes. Ich gehe jetzt und werde dein Haus solange nicht betreten, wie der Christ unter deinem Dach weilt.“

Nicht nur Nils, auch viele andere Männer folgen dem Alten. Die übrigen schweigen bedrückt, als sie hinter Erik und Torkil ins Haus gehen.

In der großen Halle bleiben an diesem Abend viele Plätze leer. Torkil sieht es mit Betrübnis und wäre am liebsten aufgestanden und fortgegangen. Erik scheint seine Gedanken zu erraten, denn er hebt den Krug und trinkt ihm zu: „Bleib ruhig sitzen und vertreibe die trüben Gedanken hinter deiner Stirn“, sagt er zu seinem Gast. „Die Männer sind heißblütig. Dass sich allerdings Gumbjörn so halsstarrig zeigt, betrübt mich sehr.“

„Hat er nicht recht mit seinen Einwänden?“ sagt Torkil nachdenklich. „Kaum hast du mich unter deinem Dach willkommen geheißen, da brennt eine Scheune nieder. Ein Zufall, gewiss! Aber nicht alle Männer glauben an den Zufall.“

„Was mich mehr als der Widerstand der Männer betrübt, ist der Verlust der Vorräte“, gibt Erik dem Gespräch eine Wendung. „Knut, mein alter Knecht, hat mir vorhin berichtet, dass in dem Vorratshaus alles Korn verbrannt ist. Die Ernte im August ist verhagelt, das wenige aber, das meine Knechte einbringen konnten, ist jetzt verbrannt. Wovon sollen wir im Winter Brot backen? Wir werden darben, und das ist das Schlimmste an dem Brand.“

Torkil schüttelt den Kopf, trinkt aus seinem Krug und sagt dann: „Ihr werdet nicht darben, wenn du meinem Vorschlag folgst, Erik. Ich bitte dich, mich heute Nacht und morgen unter deinem Dach ausruhen zu lassen, damit ich wieder zu Kräften komme. Für den Tag danach aber rüste mir ein Boot aus, das mich nach Haithabu bringt. Dort angekommen, will ich das Boot mit Korn und Hirse beladen, soviel es fassen kann. Das soll mein Dank für meine Rettung sein. Du aber wirst Korn haben, aus dem die Frauen Brot backen können.“

„Aber die Winterstürme?“ wirft Erik ein. „Es ist ungeschriebenes Gesetz bei uns, im Winter nicht das Nordmeer zu befahren!“

„Der Winter lässt sich Zeit in diesem Jahr“, entgegnet Torkil. „Als Handelsfahrer kenne ich mich aus, glaube mir. Der Wind hat gedreht, er kommt vom Osten her. Das ist das Segelwetter, wie wir es brauchen, um schnell nach Haithabu zu kommen. Wenn du mir einen erfahrenen Schiffsführer gibst, werden wir in zwei Nächten und drei Tagen am Ziel sein.“

„Ich will das Boot führen“, ruft Vilgard. „Die Möwe ist so schnell, wie ihr Name es sagt. Und sie ist segelfertig. Wenn du willst, können wir schon morgen Abend auslaufen. Dann fahren wir während der Nacht durch den Fjord und haben zwei Tage und zwei Nächte auf dem Meer vor uns.“

„Und wenn das Wetter umschlägt?“ gibt Erik zu bedenken. „Vergesst nicht, dass ich in diesem Herbst schon ein Boot verloren habe.“

Doch die Zahl der Männer, die dafür sind, Vilgard mit dem Drachenboot nach Haithabu zu entsenden, wächst. Als auch Ragnar sich zum Fürsprecher des Unternehmens macht und darauf hinweist, dass mit Ausnahme der Fahrt durch das Skagerrak das Boot ständig unter Land fahren könne, gibt sich Erik geschlagen.

„So sei es also“, sagt er. „Aber ich lasse mir von dir die Waren nicht schenken. Gastfreundschaft ist eine, Handel eine andere Sache. Was du uns lieferst, wird in Silber aufgewogen. Schließlich hast du im Eidfjord an Thurgeis ein beladenes Boot verloren.“„Ich bin immer noch ein wohlhabender Mann“, sagt Torkil stolz. „Wenn ich wollte, könnte ich zehn Schiffe beladen. Aber es soll geschehen, wie du sagst, doch unter einer Bedingung.“ Torkil deutet mit der Hand auf Ingolf und sagt: „Gib mir nach Haithabu Ingolf mit, meinen Lebensretter. Er soll den Handelsplatz kennenlernen, und ich hoffe, ihm manches zeigen zu können, was er hier nie zu sehen bekommt.“

Ingolf ist ganz rot geworden, als die Augen aller Männer plötzlich auf ihm ruhen. Obwohl er weiß, dass er ungefragt eigentlich schweigen muß, wenn Männer miteinander reden, bittet er: „O ja, lass mich mitfahren, Erik!“

Der Seekönig denkt einen Augenblick nach. Seine Zustimmung gibt er erst, nachdem auch Ragnar und Vilgard für Ingolf gesprochen haben.

„Wenn Ingolf und Thorleif nächstes Frühjahr mit auf Kriegsfahrt sollen, wird es gut sein, wenn sie sich vorher an das Leben auf einem Drachenboot gewöhnen und lernen, wie man ein Schiff steuert“, sagt Vilgard.

„Dann darf auch ich mit?“ ruft Thorleif erfreut. Erik widerspricht sofort.

„Du bleibst hier! Erstens deiner kranken Schulter wegen und zweitens, weil ich nicht gleich beide Söhne verlieren möchte, falls dem Drachenboot etwas passiert. Doch Ingolf darf fahren. Ich hoffe, dass ihr in sieben Tagen mit einem voll beladenen Boot wieder hier sein werdet.“

 

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