Willibald Leo

Die Hovard Isfjordings-Sage
(Hávarðar saga Ísfirðings)

23. und 24. Capitel

 

23. Capitel

 

Hierauf fuhren Hovard und auch all die Andern heim an den Isfjord; Bjargey war im Herzen froh und ganz glückselig darüber, und ebenso die Väter der fünf Brüder, und war es ihnen gerade so zu Muthe, als wären sie wieder zu frohen Jünglingen geworden. Hovard machte sich nun darüber, seinen Freunden ein grosses Fest- und Freudenmahl zu geben; der Hof war gross und stattlich und es fehlte da an nichts; er lud denn Steinthor auf Eyri und seinen Schwager Atli, Gest Oddleifsson, und all seine Verwandten und Freunde zu sich ein, so dass es da eine Menge Gäste gab; es war das ein herrliches Festmahl und sie sassen eine ganze Woche bei einander in Lust und Freuden.

Hovard war reich an allerlei Gut und Habe, und als das Festmahl zu Ende war, theilte er GeschenkeBeim Abschied gab der Wirth nach uraltgermanischer Sitte, besonders nach grossen Gastgeboten, den meisten oder allen Gästen, je nach ihrem Stande, Geschenke, welche gewöhnlich aus Ringen, Schwertern, Gürteln und andern Kleinoden, selbst Kleidern u. dgl. bestanden. aus und gab dem Steinthor dreissig Stück Schafe und fünf Ochsen, einen Schild, ein Schwert und einen goldenen Armring, lauter kostbare Kleinode; dem Gest Oddleifsson gab er zwei Goldringe und neun Ochsen; ebenso dem Bauern Atli; auch den Valbrands-Söhnen, den Thorbrands-Söhnen und den Söhnen Thorbjörns von Eyri gab er werthvolle Geschenke, theils schön gearbeitete Waffen, theils andere Sachen; seinem Blutsfreund Hallgrim jedoch gab er das Schwert Gunnlogi und noch andere gute Waffen dazu, und dankte Allen für ihren guten Beistand und für ihr mannhaft Thun und Handeln. Auch all die Andern, die er zu sich eingeladen, ehrte er mit werthvollen Geschenken, denn nicht fehlte es da an Gold und Silber.

Als nun die Tage dieses Festes vorüber waren, schieden sie sämmtlich in herzlichster Freundschaft von einander. Steinthor ritt heim nach Eyri, Gest an den Bardastrand und Atli nach Otrardal.

Diejenigen hingegen, welche ausser Landes sollten, fuhren westwärts nach Vadil und noch während des Sommers von dorten weiter; sie bekamen günstigen Fahrwind und kamen glücklich in Norwegen an, wo damals Jarl Hakon herrschte; da blieben sie den Winter hindurch, und als der Frühling wiederkam, nahmen sie sich Schiffe und zogen als Wikinger auf Heerfahrt aus und wurden ruchtbare und berühmte Secheiden. Das trieben sie mehrere Jahre und kamen endlich wieder zurück in ihre Heimath, als Thorarin gestorben war. Sie wurden berühmte Männer und es wird viel von ihnen erzählt, sowohl auf Island, als auch weit und breit an andern Orten; wir haben jedoch jetzt nichts weiter von ihnen zu berichten.

 

24. Capitel

 

Von Hovard wird nunmehr erzählt, dass er seinen Hof verkaufte und gen Norden nach Svarfadardal hinaufzog in jenes Thal, welches Ochsenthal heisst; da erbaute er einen neuen Hof, den er Hovardstatt nannte. Als er da einige Jahre lang gewohnt hatte, vernahm er, dass Jarl Hakon gestorben, und dass Olaf TryggvassonNachdem Jarl Hakon, der sich die Oberherrschaft über 16 andere Jarle errungen und Anfangs sehr beliebt gewesen, von einem Sklaven 996 n. Chr., als er gerade mit Olaf Tryggvasson im Kriege lag, ermordet worden war, fiel das ganze norwegische Land dem eben erwähnten Olaf Tryggvasson zu, und er wurde wie sein Vorfahr Harald Schönhaar Alleinherrscher über Norwegen. Er war seinem Volke, was den Römern Kaiser Constantin und was uns Karl der Grosse gewesen, und hatte sich wie diese die Verbreitung des Christenthums zur Lebensaufgabe gemacht. Er stand hart an der Gränzscheide des Heidenthums, und um ihn und seine Geschichte haben Dichtung und Sage einen immergrünen Kranz geschlungen; — er ist mit einem Glanz auf die Nachwelt übergegangen, wie kein andrer König Norwegens mehr.
Drei resp. vier verschiedene ausführliche Sagen, die sein Leben beschreiben, sind uns erhalten geblieben, seine Literatur ist also reicher als die irgend einer andern bedeutenden Persönlichkeit des alten Nordens, und wenig Sagen dürfte es geben, in denen er nicht wenigstens erwähnt wird. Da er ein Freund der Dichtkunst war, so ist nicht anders anzunehmen, als dass Hovard sich an seinem Hof als Skalde aufhielt; denn es ist bekannt, dass die Island. Skalden meist die gefeiertsten waren, und noch in spätem Jahrhunderten finden wir isländische Skalden an den Höfen nordischer Könige; da sangen sie in längst christlich gewordener Zeit von dem Ruhm, dem Glanz und der Kraft ihrer Vorfahren, und mit tiefer Wehmuth im Herzen beklagten sie den Untergang der alten, herrlichen Götter.
ins Land gekommen und Alleinherrscher über Norwegen geworden sei, und dass er einen neuen und wahreren Glauben, als den heidnischen, verkündigte.

Da brach er denn auf mit seiner Ehefrau Bjargey und seinem Blutsfreund Thorhall, und begab sich hinüber zu König Olaf, welcher ihn wohl aufnahm. Da wurden Hovard und die Uebrigen, die mit ihm waren, getauft, und sie blieben den ganzen Winter hindurch bei dem König, der sie sehr ehrte und hochhielt.

In diesem Winter starb Bjargey und Hovard fuhr hierauf mit Thorhall allein im Sommer wieder zurück nach Island, Hovard hatte viel Holz zu einem Kirchenbau mit sich herüber genommen. Er schlug nun seinen Wohnsitz im unteren Theil von Thorhallsdal auf; indess nur eine kleine Zeit wohnte er da noch, als er in eine Krankheit verfiel.

Da rief er denn seinen Blutsfreund Thorhall zu sich und sagte: „Die Sachen stehen nun so, dass ich eine Krankheit bekommen habe, die mich wohl auf den Schrägen hinstrecken wird. Da möchte ich denn haben, dass du all mein Gut nach mir erhältst; ich gönne dir von Herzen, dass du es fortan genfessen magst, denn treulich bist du zu mir gestanden, und dein Arm war meine Hilfe in Noth und Gefahr. Und das will ich, dass du in das obere Ende von Thorhalldal zeuchst, und allda eine Kirche bauen lässt, und darin will ich einmal mein Grab finden,“ — Und wenige Augenblicke, nachdem er gesagt, was ihm im Sinn lag, und wie er es begehrte, starb er.

Thorhall brach ohne Verzug auf, zog höher ins Thal hinauf und baute sich daselbst einen stattlichen Hof, welchen er Thorhallsstatt nannte. Er machte dann eine gute Heirath, und mächtige Männer stammen von ihm ab. Er selber wohnte auf dem Hof bis in sein hohes Alter.

Auch wird erzählt, als das Christenthum nach Island kam, da habe er von dem Bauholz, das Hovard von Norwegen mit heimgebracht, bei seinem Hofe eine Kirche bauen lassen, — Es war das ein gar stattliches Gotteshaus, und bei dieser Kirche begrub man denn später auch Hovards Gebeine.

Nach all Dem muss er ein sehr ausgezeichneter Mann gewesen sein, und damit schliessen wir denn auch seine Sage.

 

Quelle:
Willibald Leo: Die Hovard Isfjordings-Sage - Hávarðar saga Ísfirðings (1878).

 

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