Willibald Leo

Die Hovard Isfjordings-Sage
(Hávarðar saga Ísfirðings)

17. und 18. Capitel

 

17. Capitel

 

Es war auf Eyri auch ein Leibeigener, der hiess Svart, ein grosser und starker Mann, so dass man ihm allgemein nachsagte, er habe die Kraft von vier Männern; er war auf dem Hofe von grossem Nutzen, denn er war ein tüchtiger Arbeiter. Eines Tages liess ihn Steinthor zu sich rufen und sagte: „Sie wollen haben, dass du bei dem heutigen Kampfspiel mit dabei sein sollst, denn es fehlt uns ein Mann.“

„Darum solltest du mich nicht bitten,“ sagte Svart, „denn ich habe sehr Vieles zu thun und zu schaffen, und ich glaube auch nicht, dass deine Gäste die Arbeit für mich verrichten werden; doch ich will es thun, wenn du es gerade haben willst.“

So wird nun erzählt: Hallgrim und Svart sollten mit einander ein Kampfspiel beginnen, und es ging nicht besser als so, dass bei jedem RingenDas Ringen (glíma, fáng) ist bis auf den heutigen Tag auf Island das Lieblingsspiel des Volkes geblieben. Bei festlichen Gelagen, während der müssigen Stunden der Thingzeit etc., war es die Hauptbelustigung Aller. Der Ringkampf wurde regelrecht betrieben, und die nöthige Fertigkeit erlernten die Knaben schon in früher Jugend. Mancher Ringkämpfer erlangte grossen Ruhm, wie z. B. Thord, von dem in der Gunnlaugs Ormstunges-Sage die Rede ist. Svart unterlag, und so oft er hinfiel, verlor er dabei seine Schuhe, und das war ihm sehr hinderlich, da er so viel Zeit brauchte, um sie dann wieder zu binden; so trieben sie es längere Zeit und man johlte und lachte sehr darüber. Dabei sang Hovard folgendes Lied:

Singen und sagen

Soll man noch lange

Von Walbrand's wackern

Gewalt'gen Söhnen.

Nicht nutzlos als Netze

Nahm ich zum Fang sie: —

Da war wohl die Woge

Im Sommer bewegt.“

Das Spiel ging ungemein vergnüglich von Statten. Hallgrim war damals erst achtzehn Jahre alt, und allgemein war man der Ansicht, er verspräche einmal ein ausgezeichneter Mann und Recke zu werden, sobald er vollkommen erwachsen wäre.

Der Winter ging nun zu Ende, ohne dass man etwas Neues erlebte, bis sie sichzur Thingfahrt rüsteten. Steinthor sagte, dass er nicht wüsste, was er nun mit Hovard und seinen Kampfbrüdern machen sollte; er wollte sie nicht zum Thing mitnehmen, doch hielt er es auch nicht für gerathen, sie währenddem bei sich daheim zu lassen. Wenige Tage vor dem Thing sprachen er und Atli mit einander darüber. Atli fragte ihn, was er mit den Männern während der Thingzeit vorhabe, denen er bei sich Unterkunft gegeben?

Steinthor antwortete, dass er selbst nicht wisse, wohin er sie schicken sollte, damit sie in Sicherheit wären, „wenn nicht du sie vielleicht bei dir behältst,“ sagte er zu ihm. — Atli antwortete: „Ich will sie gerne bei mir aufnehmen.“

„Da thust du sehr wohl daran,“ sagte Steinthor hierauf. „Ich will deinen Willen thun, so weit meine Kräfte es erlauben,“ fügte Atli hinzu. „Darauf rechne ich auch,“ erwiderte Steinthor.

 

18. Capitel

 

Hovard und seine Mannen zogen nun mit Atli. Als sie nach Otrardal kamen, nahm er sie mit offenen Armen auf; er liess es an Nichts fehlen und richtete ein prächtiges Gastmahl für sie her; es waren ihrer zehn waffentüchtige Männer. Atli Hess das Vorrathshaus räumen und schlug da ihre Betten auf; er hängte ihre Waffen an die Wand und sorgte für Alles auf das Beste.

Steinthor bot inzwischen Männer auf; es fehlte ihm nicht an Freunden und Verwandten, er war auch mit Häuptlingen in Schwägerschaft; er ritt zum Thing mit dreihundert Männern, und die waren sämmtlich seine eigenen Thingmänner, Freunde, Blutsfreunde und Schwäger.

 

Quelle:
Willibald Leo: Die Hovard Isfjordings-Sage - Hávarðar saga Ísfirðings (1878).

 

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