Willibald Leo

Die Hovard Isfjordings-Sage
(Hávarðar saga Ísfirðings)

13. Capitel

 

Von ihrer Fahrt ist nun nichts weiter zu erzählen, bis sie nach Eyri kamen; es geschah das gerade um die Zeit am Tage, da Steinthor mit seinen Leuten bei Tische sass. Ihrer vier von den Angekommenen gingen da in die grosse Wohnstube hinein, sammtlich mit Schild und Wehr, und Hovard trat vor zu Steinthor und begrüsste ihn freundlich. Steinthor grüsste ihn gleichfalls und fragte ihn, wer er wäre. Er sagte darauf, Hovard sei sein Name.

„Bist du es denn gewesen, der da im vergangenen Sommer einmal in unserer Bude war?“ fragte Steinthor. — Hovard antwortete ja, er wäre es gewesen.

„Jetzt sage mir Einer von euch,“ rief Steinthor seinen Leuten zu, „ob er schon einmal einen Mann gesehen hat, der sich selber so ungleich gewesen wäre? -- Denkt nur einmal daran, wie er im vorigen Jahr ausgesehen hat, und wie er jetzt dahergeht! — Damals war es ja gerade, als ob er kaum von Bude zu Bude ohne Stab gehen könnte, und ich glaubte nicht anders, als dass man ihn Tags darauf todtkrank in seinem Bett finden müsste, so sah er aus vor lauter Gram und Sorgen, jetzt hingegen möchte ihn Jeder für den kräftigsten Mann halten, der da Schild und Wehr trägt. Habt ihr mir denn eine Nachricht zu bringen ?“

„Wir haben dir den Tod Thorbjörn Thjodrekssons zu melden und den Sturla's und Ljotrs, seiner beiden Brüder, und dann den Tod Brand's des Starken, — im Ganzen sieben an der Zahl,“ antwortete Hovard.

„Das sind grosse Zeitungen,“ sagte Steinthor, „und wer hat denn die That vollbracht, solche Kämpen und Häuptlinge zu erschlagen?“

Hovard erwiderte, dass er selbst und seine Verwandten das gethan hätten. Darauf fragte Steinthor, wo er nun Schutz und Beistand zu suchen gedenke nach einer solchen Grossthat.

„Ich habe gedacht, was ich nun auch gethan habe,“ antwortete Hovard, „bei dir Schutz zu suchen; es kam mir in den Sinn, dass du im vorigen Jahre einmal gesagt hast, wenn ich wo eine kleine Hilfe brauchte, dann dürfte ich gerade so gut. zu dir kommen, wie zu den anderen Häuptlingen.“

„Ich weiss nicht,“ sagte Steinthor, „was du dir denkst unter einer grossen Hilfe, wenn das, was. du jetzt brauchst, bloss eine kleine sein soll; — freilich müsste dir die Art, wie ich dich damals bei mir aufnahm, jetzt sehr werthlos erscheinen, wenn ich jetzt mein Wort nicht hielte und dir hilfe, wo es Noth thut;. und das soll auch nicht geschehen; sondern ich will dir hiemit anbieten, Hovard, mit deinen Kampfbrüdern hier bei mir zu bleiben, bis die Sachen, in denen du jetzt bis an den Hals drinnen steckst, wieder vollkommen in Ordnung sind; auch will ich dir versprechen, deine Sache so in die Hand zu nehmen, als wäre es meine eigene, denn ihr seht mir sämmtlich darnach aus, als ob es das Beste wäre, euch mit Rath und That beizustehen, und ich zweifle, ob es Uberhaupt noch gewaltigere Kämpen giebt auf Island, die es mehr verdienten, in Schutz genommen zu werden, als ihr. Uebrigens ist es diesmal mehr nach Recht, als nach Dem gegangen, was wahrscheinlich war.“ — Hovard hub an zu singen:

„Hin zu dem Hochsitz

Des Herrlichen tret ich,

Der muthige Männer

Mächtig beschützt.

Dreifache Drangsal

Droht nun uns Kampen;

Gegen ruchlose Rächer

Nicht reicht uns're Macht.“

Sie dankten Steinthor für sein edelmüthiges Anerbieten, und er bat sie, ihm ihre Kleider, sowie Schwert und Panzer zu geben, und gab ihnen dafür trockene Kleider. Während Hovard Helm und Panzer ablegte, sang er:

„Hei, wie sie höhnisch

Den Helden verlachten,

Den sie meuchlings und muthlos

Am Morgen ermordet.

Gar plötzlich und blutig

Wandte das Blatt sich:

Und todt sind Thjodreks

Tückische Söhne.“

Darauf forderte Steinthor den Hovard auf, sich auf dem Hochsitz ihm selbst gegenüber niederzulassen, und seinen Kampfbrüdern die Plätze neben sich anweisen zu wollen. Das that Hovard denn auch; den Hallgrim liess er zu seiner Rechten Platz nehmen, und neben diesem die Thorbrands Söhne Odd und Thorir; links von ihm sassen Thorfi, Eyjulf, die zwei Valbrands-Söhne und Thorhall nebst den Leuten Steinthor's, die schon vorher da gesessen. Als Hovard sich auf seinem Hochsitze niederliess, begann er also zu singen:

„Hier lass, o Häuptling,

Uns hausen im Winter,

Denn droht mir auch Drangsal,

Ich trotze dem Kampf.

Geringe nur rechn' ich

Die Thaten der Rache,

Da ich Busse den Bösen

Nimmer noch bot!“

„Das merkt man dir jetzt an, Hovard,“ sagte Steinthor, „dass die Sache so recht nach deinem Herzen gegangen ist, und auch das, was du da singst, wäre wahrscheinlich, wenn dir die Rache und die Klage auf Todtschlag. nicht sicher wäre von wegen so grosser und mächtiger Männer, wie die drei Brüder waren, und von Seiten so angesehener Häuptlinge, wie ihre Uberlebenden Blutsfreunde.“

Hovard erwiderte, dass ihm das gar keine Sorgen mache; von nun an trüge er keinen Gram und Schmerz mehr auf dem Herzen, und wie sich seine Sache auch wenden möge, ihm sei es jetzt einerlei. Er war auch so frohgemuth und freundlich gegen Jedermann, als wäre er noch ein Jüngling.

Diese Neuigkeiten verbreiteten sich nun weit umher, und die Meisten fanden sie geradezu unglaublich. Sie blieben auf Eyri bei Steinthor dem Bauern; an Leuten fehlte es da nicht; es waren da nicht weniger als sechzig waffentühtige Männer; die Bewirthung liess Nichts zu wünschen Übrig, denn Steinthor achtete nicht darauf, was es kostete. -- Jetzt wenden wir den Blick ab von Diesen, während sie dorten sitzen in Lust und Freuden beim Gelag auf Eyri.

 

Quelle:
Willibald Leo: Die Hovard Isfjordings-Sage - Hávarðar saga Ísfirðings (1878).

 

Diesen Artikel weiter empfehlen …. href="http://www.manfrieds-trelleborg.de"

 

Zum Inhaltsverzeichnis der Hovard Isfjordings-Sage oder direkt Zum Tor

 

6,002,438 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang