Willibald Leo

Die Hovard Isfjordings-Sage
(Hávarðar saga Ísfirðings)

12. Capitel

 

Hovard schritt jetzt in die Stube hinein; da brannte im obern Gelasse ein Licht, im untern war's dunkel. Er begab sich geraden Weges hin zum Schlafgelass. Da traf es sich nun so, dass die Hausfrau, noch nicht zu Bett gegangen war; sie war noch in der Stube und einige Frauen waren bei ihr, so dass das Schlafgelass nicht geschlossen war. Hovard schlug mit der flachen Klinge seines Schwerts an die Thüre. Ljotr erwachte und fragte, wer es denn sei, der einen solchen Lärm aufschlage. Hovard sagte es.

„Was willst du hier, Bauer Hovard?“ fragte Ljotr, „gestern haben sie dich doch schon todt gesagt.“

„Da will ich dir doch vorher noch von andern Leuten sagen, dass sie todt sind,“ enviderte Hovard, „denn ich komme dir jetzt zu melden, dass deine beiden Brüder Thorbjörn und Sturla erschlagen sind.“

Als Ljotr das hörte, griff er eilends nach einem Schwerte, welches oberhalb seines Bettes hing, und befahl seinen Mannen, die da in der Stube schliefen, schnell aufzustehn und zu den Waffen zu greifen. Da sprang Hovard ohne Weiteres ins Schlafgelass hinein und versetzte ihm einen Hieb über die Schulter; aber Ljotr drehte sich so schnell um, dass das Schwert von der Schulter abglitt, ihm den ganzen Arm blutig riss und beim Ellbogen abschnitt: er sprang jetzt vor und wollte mit gezücktem Schwert auf Hovard einhauen; indessen war jedoch Eyjulf herzugekommen und hieb ihm über die rechte Schulter, so dass der Arm wie ein Stück Holz zu Boden kollerte, und dann machten sie ihn vollends nieder. Da entstand nun ein grosser Lärm in Haus und Hof; Ljotrs Mannen wollten auch aus dem Bett, und zu den Waffen greifen; auch die Thorbrands Söhne waren hereingekommen, so dass es jetzt nach allen Seiten Hiebe und kleinere Wunden regnete.

Hovard gebot nun den Leuten des Hauses, sich vollkommen still und ruhig zu verhalten und kein Glied zu rühren; — „sonst schlagen wir euch allmiteinander todt und schonen nicht Kind, noch Kegel“; — und es schien den Letzteren in der That das Vernünftigste, sich nicht weiter darein zu mischen; denn nur Wenigen ging der Tod Ljotrs naher zu Herzen, obwohl sie seine Dienstmannen gewesen waren.

Darauf gingen sie hinaus, denn Hovard wollte es für jetzt genug sein lassen. Thorfi und Hallgrim kamen ihnen nun entgegen, sie wären auch gerne mit drinnen gewesen; sie fragten, was indessen geschehen wäre, und Hovard sang dieses Lied:

„Er wollte den Wiking

Wuthvoll erschlagen,

Es schwirrte sein Schwert

Im Schwung durch die Luft.

Doch siegreich seht ihr

Der Geirdis Sohn,

Denn hochherrlich hielt sich

Mein Eyjulf als Held.“

Darauf gingen sie allzumal zum Schiff hinunter, wo sie Thorhall mit Freuden empfing. Thorfi Valbrandsson fragte, was sie jetzt thun sollten.

„Nun wollen wir uns nach Beistand und Hilfe umschauen,“ sagte Hovard. „Obwohl die Rache nicht so gross war, als ich sie mir dachte und wünschte, so sind wir doch nicht mächtig genug, um uns nach diesen Thaten bloss auf uns selbst verlassen zu können; denn es ist noch eine grosse Zähl von Blutsfreunden Thorbjörn's übrig, welches lauter angesehene Männer sind. Mir däucht es am räthlichsten, wenn wir zu Steinthor auf Eyri unsere Zuflucht nehmen, denn der hat mir ausdrücklich Hilfe versprochen, so ich derselben einmal bedürftig wäre.“

Sie baten ihn einmüthig darum, nur nach seinem eigenen Ermessen zu handeln, und Mann für Mann gab ihm die Zusage, ihm getreulich Folge zu leisten und ihn nicht zu verlassen, bis er es ihnen erlaube.

Hierauf stiegen sie wieder in ihr Boot hinein und steuerten dem gerade gegenüberliegenden Gestade des Fjords zu, und holten wacker aus mit Arm und Ruder; Hovard selbst sass am Steuer. Hallgrim bat ihn, wieder einmal ein neues Lied zu singen, und da sang er denn auch sogleich:

„Geschlachtet, erschlagen

Liegt Thjodreks Geschlecht nun;

So rächten wir rühmlich

Und reuelos Olaf.

Doch den Todtschlag der Tapfern

Hat Thorbjörn verschuldet,

Und nichts kühlt die Kampflust

Der Kämpenvernichter.“

 

Quelle:
Willibald Leo: Die Hovard Isfjordings-Sage - Hávarðar saga Ísfirðings (1878).

 

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