Willibald Leo

Die Hovard Isfjordings-Sage
(Hávarðar saga Ísfirðings)

10. Capitel

 

Nun ist zu erzählen von Thorbjörn und seinen Stallbrüdern, dass sie von Westen her desselben Weges gefahren kamen; es sassen in dem Boot Sturla und sein Sohn Thjodrek, Thorbjörn und Vakr, Brand der Starke und zwei Hausknechte, und war das Fahrzeug sehr schwer beladen. Sie kamen am nämlichen Abende, bei bereits sinkender Nacht nach Laugabol.

„Wir brauchen uns nicht so zu eilen,“ sagte Thorbjörn; „das Schiff können wir über Nacht hier liegen lassen, und wir brauchen nichts Anderes mit hinaufzunehmen, als unsere Waffen und Kleider, denn es ist jetzt gutes und trockenes Wetter; nimm unsere Waffen, Vakr, und trage sie hinauf.“

Vakr nahm zuerst ihre Schwerter und Lanzen und trug sie hinauf zur Schiffshütte. Da sagte Thorfi: „Kommt, lasst uns jetzt zuerst ihre Schwerter und Lanzen wegnehmen, und dann packen wir den Mann, der sie trägt!“

„Nein, warten wir lieber noch ein klein wenig,“ sagte Hovard; dann bat er Hallgrim, hinauf zu gehen, das Schwert Gunnlogi zu nehmen und ihm dasselbe zu bringen; und als Vakr wieder hinabging zum Schiffe, lief Hallgrim hin, nahm das Schwert und brachte es Hovard; der schwang es in der Luft, dass der Griff zu wackeln anfing.

Vakr kam nun wieder herauf, die Schilde hatte er auf den Rücken genommen, und die eisernen Sturmhauben trug er am Arme und einen Helm hatte er auf den Kopf gesetzt. Als er bis zur Bucht hinuntergekommen war, sprangen sie plötzlich hervor und wollten ihn greifen; da er indess vernahm, wie sie daherrasselten, merkte er gar bald, welche Gefahr ihm drohte, und suchte so schnell als möglich wieder zu seinen Leuten zurück zu kommen mit den Waffen, und wie er sich nun eilends umdrehte, glitt er mit den Füssen am Uferrand aus und stürzte kopfüber ins Wasser hinein.

Es war zwar da sehr seicht, doch war der Grund und Boden so sumpfig und seine Waffen lagen mit solcher Schwere auf ihm, dass er sich nicht mehr heraufzuarbeiten im Stande war; und da ihm auch Niemand im Geringsten die Hand reichen mochte, so musste da Vakr sein elendes Leben auf das Kläglichste enden.

Als sie das sahen, liefen sie sogleich zum Steinhügel hinunter, und als Thorbjörn sie erblickte, warf er sich schnell ins Wasser und schwamm geraden Weges in die See hinaus. Hovard war der Erste, der das sah; er eilte ihm sogleich nach und sprang ebenfalls ins Wasser hinein.

Von Brand dem Starken ist zu erzählen, dass er einen von den grossen Walfisch-Rippknochen ausriss und damit dem ehemaligen Pflegevater des jungen Hallgrim den Schädel einschlug. Hallgrim war nämlich da gerade von dem Hügel heruntergekommen und als er den Onn fallen sah, sprang er mit hochgeschwungener Axt hinzu und gab dem Brand damit einen Schlag auf den Kopf, dass er bis zu den Schultern hinunter gespalten war.

Das geschah gerade zu gleicher Zeit, als Thorbjörn und Hovard ins Wasser sprangen, und als er das sah, sprang auch er schnell hinein und schwamm den Beiden nach. Thorfi Valbrandsson lief Sturla entgegen, er war ein grosser und starker Mann und wusste-seine Waffen vortrefflich zu gebrauchen, die ihm auch sämmtlich zur Hand waren, und kämpften die Zwei mit einander einen langen und männlichen Kampf.

 

Quelle:
Willibald Leo: Die Hovard Isfjordings-Sage - Hávarðar saga Ísfirðings (1878).

 

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