Josef Calasanz Poestion

Die Saga von Fridthjof dem Starken.
(Friðþjófs saga hins frœkna)

7. Theil

 

Zwölftes Kapitel

Die Eisfahrt

 

Dessen wird gedacht einmalD. h. es wird berichtet - eine oft wiederkehrende, typische Formel der Sagas., dass König Ring zu einem Gastgebote fahren sollte, und die Königin mit, nebst grossem Gefolge. Der König sprach zu Thjof: „Willst Du mit uns fahren oder zu Hause bleiben?“

Er sagte, er wolle lieber mit ihnen fahren. Der König sprach: „Das scheint (auch) mir besser.“

Sodann machten sie sich auf die Reise und hatten über einen gefrorenen See zu fahren. Thjof sagte zum Könige: „Unzuverlässig scheint mir das Eis und unvorsichtig dünkt mir die Fahrt.“

Der König sprach: „Oft begibt es sich, dass Du gut für uns denkst.“

Kurz darauf brach das ganze Eis ein. Thjof lief da hin und zog den Wagen und Alles was darauf und darin war herauf zu sich. Der König und die Königin sassen beide darin; Alles dies zog Thjof auf das Eis und das Pferd mit, das vor dem Wagen gespannt war.

König Ring sprach: „Nun ist Alles wohl heraufgebracht, Thjof, und nicht Fridthjof der Starke würde es stärker aufgenommen haben, wenn er hier gewesen wäre, und sind solches die tüchtigsten Gefolgsmannen.“

Nun kamen sie zu dem Gastgebote; dort fiel nichts Merkwürdiges vor und der König fuhr heim mit werthvollen Geschenken. Der Hochwinter ging vorüber, und als es Frühjahr wurde, begann die Witterung besser zu werden, der Wald zu blühen, das Gras zu grünen und die Schiffe konnten hinstreichen zwischen den Ländern.

 

Dreizehntes Kapitel

Versuchung im Walde

 

Es geschah eines Tages, dass der König zu seinen Gefolgsmannen sprach: „Ich will, dass ihr heute mit mir hinaus in den Wald fahrt, damit wir uns ergötzen und die schöne Landschaft sehen.“

Und so thaten sie; eine Menge Männer zogen mit dem Könige hinaus in den Wald.

So trug es sich zu, dass beide, der König und Fridthjof, zusammen im Walde waren, fern von den anderen Männern. Der König sagt er sei müde „und ich werde schlafen.“

Thjof entgegnete: „Fahret heim, Herr; denn für einen vornehmen Mann geziemt das sich besser, als unter freiem Himmel zu liegen.“

Der König sagte: „Nicht mag' ich das.“ Hierauf legte er sich nieder und schlief fest und schnarchte laut. Thjof sass nahe bei ihm, und zog das Schwert aus der Scheide und warf es weit von sich.

Ein wenig später richtete sich der König auf und sagte: „War es nicht so, Fridthjof, dass Dir manches in den Sinn kam und wohlberathen ward? Du sollst nun grosse Ehren haben hier bei uns; aber ich erkannte Dich sogleich am ersten Abend, als Du in unsere Halle kamst; Du wirst nun nicht so schnell von uns scheiden, und es steht Dir noch etwas Grosses bevor.“

Fridthjof sagt: „Du hast mich, Herr, gut und freundschaftlich aufgenommen und gepflegt; aber ich muss nun alsbald fort, denn meine Leute kommen mir bald entgegen, wie ich ihnen früher befohlen habe.“

Darauf ritten sie heim vom Walde; da stiess die Gefolgschaft des Königs zu ihnen; sie fuhren sodann nach Hause in die Halle und tranken tüchtig. Da wurde es dem ganzen Volke mitgetheilt, dass Fridthjof der Starke den Winter über dagewesen sei.

 

Quelle:
Josef Calasanz Poestion: Die Saga von Fridthjof dem Starken - Friðþjófs saga hins frœkna (1879).

 

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