Dr. Heinrich Lenk

Die Saga von Hrafnkell Freysgoði
(Sagan af Hrafnkeli Freysgoða)

16. Capitel.

 

Eyvindr mit den Seinigen war nun die Fljótsdalsheiði heraufgekommen. Er ritt westwärts bis er mitten auf die Heide gelangte. Hier heisst es Bessagötur. Da ist ein MoorAller Boden auf Island ist mehr oder weniger mit Wasser getränkt und weite Strecken sind wahre Sümpfe (mýrar, sing, mýrr), besonders die flachen Abdachungen von Hügeln und die ebenen Gründe in den Flussthälern. Es ist dies kein Wunder in einem Lande, wo es so viel regnet und infolge dessen die von den Gebirgen aufgenommenen Wässer an deren Fnsse in so vielen Quellen wiedergegeben werden, und wo niemand daran deckt, auch in dieser Beziehung der Natur nur im geringsten Gewalt anzuthun.
Winkler, der Island bereiste, schreibt: Um die Passage durch einen Sumpf zu finden, ist ein landeskundiger Führer am allernoth-wendigsten, denn am Myri endet alle Spur eines Weges, wie an einem Flusse. Es führt auch eine Furt hindurch, die gesucht werden muss. Bei manchen Sümpfen sollen, wie man mir sagte, gewisse Pflanzenarten erkennen lassen, wo sie zu passieren möglich und wo nicht. Es ist immer eine höchst unbehagliche Lage, man reitet wie auf Gummi elasticum, der Boden schwankt auf und nieder unter dem Fusstritt des Pferdes. Das Pferd versinkt mit den Hinterfüssen und indem es sich anstrengt, wieder frei zu werden, geht es ihm vorn ebenso. Dabei wird es unruhig und der Reiter muss sich beeilen, dessen Rücken frei zu machen, um seine eigenen Füsse vor dessen Schlägen in Sicherheit zu bringen.
ohne Rasendecke und ist so beschaffen, wie wenn man im blossen Schlamme weiter ritte; und man sank stets bis zum Knie, oder zur Mitte des Schenkels, zeitweilig bis zum Bauch; aber weiter unten ist es so hart wie Steingrund. Im Westen davon liegt ein grosses LavafeldLavafelder (isländisch: hraun) sind auf Island häufig vorkommende Passagen. Der Ritt durch ein solches Lavafeld ist eine höchst mühselige, langweilige Arbeit. Wie eine Schale liegt die einst flüssige Masse nun auf den Boden gedeckt, keineswegs dessen Gestalt nachahmend, sondern eine unübersehbare Abwechslung von Buckeln, Löchern, Klüften, Rinnen, Spitzen und Zacken. (lt. Winkler), und als sie auf dasselbe gelangen, schaut Eyvindr's Bursche rückwärts und sagt zu ihm: „Männer reiten da auf uns los; nicht weniger als achtzehn; ein grosser Mann in einem blauen Gewande sitzt zu Pferde und scheint mir dem Goden Hrafnkell ähnlich, obwohl ich diesen nun lange nicht gesehen habe.“

Eyvindr erwidert: „Was wird das uns angehen? Ich weiss keinen Grund zur Furcht vor dem Ritte Hrafnkell's; ich habe nichts gegen ihn unternommen. Er wird einen Auftrag haben, westwärts im Thale seine Freunde zu treffen.“

Der Bursche entgegnet: „Es will mir nicht aus dem Sinne, dass er dich doch gerne treffen wollen würde.„

„Ich weiss nicht“, sagt Eyvindr, „dass zwischen Hrafnkell und meinem Bruder Sámr etwas vorgefallen wäre, seitdem sie sich verglichen haben.“

Der Bursche erwidert: „Ich wollte, dass du westwärts in's Thal rittest, dort wirst du in Sicherheit sein; ich kenne Hrafnkells Sinnesart, dass er uns nichts anthun wird, wenn er dir nicht nahe kommt; alles ist geborgen, wenn nur du es bist; es ist dann kein Thier in der SchlingeDieser sprichwörtliche Ausdruck bedeutet soviel als: es ist dann kein Fang gemacht, sie haben nichts für ihre Mühe., und dies ist gut, was immer aus uns werde.“

Eyvindr sagte, er werde nicht schnell davon reiten; „denn ich weiss nicht, wer diese sind; manchem Manne müsste dies lächerlich scheinen, wenn ich davon liefe, ohne näher hin zu sehen.“

Sie reiten nun westwärts vom Lavafeld. Da liegt vor ihnen ein zweiter Sumpf, welcher Oxamýrrd. h. Ochsensumpf. heisst; dieser ist sehr dicht mit Gras bewachsen; da ist weicher Schlamm, so dass er beinahe ungangbar ist. Darum legte der alte Hallfredr jenen oberen Weg an, obgleich derselbe länger war. Eyvindr reitet westwärts in den Sumpf; die Pferde sanken vor den Reitern tief hinein; sie verzögerten sich da sehr. Hrafnkell und seine Leute kamen schnell hintendrein, da sie ohne Gepäck ritten; nun nehmen auch sie ihren Weg durch den Sumpf. Eyvindr mit den Seinen war schon aus dem Sumpf herausgekommen: da erblicken sie Hrafnkell und seine beiden Söhne.

Die Männer bitten Eyvindr, von dannen zu reiten: „Nun sind alle gefährlichen Stellen passiert; du wirst Aðalból erreichen, während sie noch im Sumpfe stecken.“

Eyvindr entgegnet: „Ich werde nicht vor den Männern fliehen, welchen ich kein Unrecht zugefügt habe.“

Dann reiten sie den Bergrücken hinauf. Dort erheben sich kleine Hügel. Am Fusse eines derselben ist eine Torfscholle, mit HaferTorf kommt in gewissen Gegenden auf Island massenhaft vor, während andere seiner völlig entbehren. — Unter dem Hafer ist hier eine eigene Art, Sandhafer (arundo arenaria) gemeint, welche auf Island auf dürren Stellen, mitten im Sande, wild wächst, und dessen Korn gedörrt und zu Mehl gemahlen wird, um dann sowohl zur Nahrung der Menschen als zum Futter des Viehes zu dienen. bewachsen, von den Winden ganz ausgefegt, mit steilem Abfalle nach allen Seiten. Eyvindr reitet zu derselben, steigt dort vom Pferde und erwartet die Feinde. Dabei sagt er: „Nun werden wir gleich ihren Auftrag kennen.„ — Darauf geht er mit seinen Leuten die Torfscholle aufwärts und sie lösen einige SteineMit losgebrochenen Steinen pflegte man sich gegen nachrückende Feinde zu vertheidigen. los.

Hrafnkell bog vom Wege ab und südwärts zur Torfscholle; er sprach kein Wort mit Eyvindr, sondern schritt sofort zum Angriffe. Eyvindr wehrte sich tüchtig und mannhaft. Sein Bursche hielt sich nicht kraftvoll genug zum Kampfe, sprang darum zu Pferde und ritt westwärts über den Bergrücken nach Aðalból und erzählte Sámr, was vor sich ginge.

Sámr brach sogleich auf und sandte nach Männern; es sammelten sich im ganzen zwanzig; diese Schaar war wohl gerüstet. Sámr ritt ostwärts auf der Heide bis dahin, wo sich der Kampfplatz befand. Da war es bereits zur Entscheidung gekommen: Eyvindr und alle seine Männer waren gefallen, Hrafnkell ritt von seinen Kampfthaten weg nach Osten.

Das erste, was Sámr that, war, dass er untersuchte, ob noch Leben in seinem Bruder wäre; aber die Blutthat war wirklich geschehen — alle fünf Männer zusammen waren des Lebens beraubt. Doch waren auch von Hrafnkel's Leuten zwölf Mann gefallen, die sechs übrigen aber davon geritten. Sámr hielt nur kurze Rast; er und seine Männer setzen sogleich Hrafhkell nach. Dieser reitet mit den Seinen so schnell als sie können davon; doch haben sie ermüdete Pferde.

Da sprach Sámr: „Nahen können wir ihnen, denn ihre Pferde sind erschöpft, während wir alle noch feurig haben; und es wird auf dem Sprunge stehen, ob wir sie erreichen, oder nicht, bevor sie von der Heide wegkommen.“

Da war Hrafnkell ostwärts über die Oxamýrr gekommen. Nun reiten beide Gegner bis Sámr zum Rande der Heide kommt; da sieht er, dass Hrafnkell herab zu den Hügeln gekommen war; er erkennt, dass Hrafnkell in das Flj&oakute;tsdalshérað herab entwischen wird.

Da sprach er: „Hier werden wir umwenden, denn Hrafnkell wird es nun leicht sein, Männer zu sammeln.“

Sámr kehrt nun mit so verrichteter Sache zurück; er kommt zur Stelle wo Eyvindr lag, greift zu und wirft einen Hügel über seinen und seiner Genossen Leichname auf. Dort heisst es nun Eyvindartorfa (Eyvindr's Scholle'), Eyvindarfjöll (Eyvindr's Felsen) und Eyvindardalr(Eyvindr's Thal).

 

Quelle:
Dr. Heinrich Lenk: Die Saga von Hrafnkell Freysgoði. - Sagan af Hrafnkeli Freysgoða (1883).

 

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