Dr. Heinrich Lenk

Die Saga von Hrafnkell Freysgoði

Erläuterungen zur Saga:
Die landwirtschaftlichen Arbeiten.

 

Für die wichtigsten landwirtschaftlichen Arbeiten waren auf Island regelmässig wiederkehrende Zeiten bestimmt, auf welche sogar die Rechtsbücher Rücksicht nahmen. Zuerst kam die Frühjahrsarbeit (várönn), welche bis zum Ablaufe des ersten Sommermonates währte und worunter wohl das Ausführen und Breiten des Mistes, das Bewässern der Wiesen, das Ausbrechen und Sammeln von Steinen zum Bauen oder Bessern der Gebäude, Zäune, Wege u. dergl. m. zu verstehen ist.

Darauf folgte zwei Monate lang die Arbeit der Einzäunungen (löggarðsönn); den vierten und fünften Sommermonat nahm die Heu arbeit (heyönn) in Anspruch, welche in die zweite Hälfte des Juli und in die erste Hälfte des August zu fallen pflegte; im letzten Sommermonate aber kam nochmals die Zaunarbeit zum Zuge.

Die Heugewinnung bildete für die isländische Landwirtschaft eine Hauptarbeit, denn alle Feldwirtschaft beruhte auf ihr und die Heuernte war die eigentliche Arbeitszeit der gemieteten Dienstleute. Man hatte bestimmte, der regelmässigen Heugewinnung dienende Ländereien und unterschied dabei zwischen dem oft sehr ausgedehnten Grasgarten (tún), in dessen Mitte der Hof zu liegen pflegte und den entfernt gelegenen Wiesen (engjar). Das tun wurde besonders sorgfältig gepflegt und mit Dünger (táð) aufgebessert; das auf ihm gewachsene Heu (táða) wurde darum dem auf dem entfernteren Wiesen gewonnenen als das bessere entgegengesetzt, die Heugewinnung auf dem tún stand an der Spitze der ganzen Heuarbeit.

War das Gras völlig reif zum Schnitte, dann zog alles hinaus in's Heu; der Vater, die Hausfrau, Kinder, Tagwerker, Knechte und Mägde fassten rüstig an. Die Männer hauen, die Mägde wenden das gehauene Heu, sondern das feuchte Heu ab und schichten mit den anderen von dem dürren die grossen Haufen auf, welche bis vier Klafter Dicke und Höhe aufgebaut und mit einem Zaune von Torf und Holz geschützt wurden (heygarðr).

Nach Bedürfnis wurde hievon Heu in die Scheunen geholt. Was man bald heimführen wollte, band man in Bündel und schaffte dieselben mittelst Pferden, denen man sie paarweise auflud, nach Hause. War die Heugewinnung missrathen, so mussten die isländischen Thiere mit Fischen vorlieb nehmen.

Die angeführten Mittheilungen haben natürlich in allem Wesentlichen auch noch für die Gegenwart ihre Richtigkeit. Konrad Maurer, der Island bereiste, erzählt, dass heutzutage auf Island sich eine besondere Festlichkeit an die Heuernte knüpfe, indem nach Beendigung derselben den Mähern neben ihrer ordentlichen Kost noch ein besonderes Extragericht von bestimmter, hergebrachter Beschaffenheit verabreicht werden müsse.

 

Quelle:
Dr. Heinrich Lenk: Die Saga von Hrafnkell Freysgoði. - Sagan af Hrafnkeli Freysgoða (1883).

 

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