Dr. Heinrich Lenk

Die Saga von Hrafnkell Freysgoði

Erläuterungen zur Saga:
Die Waffenaufnahme am Schlusse der Thingzeit (vápnatak).

 

Der Ausdruck vápnatak, d. i. Waffenaufnahme, bezieht sich auf das Wiederaufnehmen der Waffen am Schlusse der Thingzeit, da dieselben während des Thinges abgelegt werden mussten, und bezeichnet daher auch Abschluss der Thingzeit überhaupt; dies heisst: Wiederaufnahme der Waffen erfolgte erst, wenn alles Volk vom Thinge wegreitet.

Die rechtsförmige Feststellung des Anfanges und Schlusses der Thingzeit hatte in mehrfacher Hinsicht eine sehr erhebliche Bedeutung. Einerseits nämlich durften diejenigen Personen, welche das Recht überhaupt als Thingbesucher betrachtete, das Thing bei Strafe der Landesverweisung nicht vor seinem legalen Schlusse verlassen, während andererseits auch demjenigen bestimmte Rechtsnachtheile drohten, welcher, zum Erscheinen am Thinge verpflichtet, zur Zeit seines legalen Anfanges noch nicht zur Stelle war.

Sodann aber wurde durch feierliche Hegung des Thinges einerseits und durch dessen feierliehe Aufsagung andererseits auch die Zeit begrenzt, für welche der besondere Thingfriede (die Þinghelgi) zu gelten hatte. Dieser Thingfriede begründete für alle Thingleute einen erhöhten Rechtsschutz, indem die Busse für Körperverletzungen u. dergl. mehr auf das Doppelte stieg, anstatt der blossen Landesverweisung gleich der Waldgang als Folge einer That eintrat und im Falle eines Todtschlages das auf den Kopf des Thäters gesetzte Geld verdreifacht wurde.

Während der Dauer des Thingfriedens durften ferner friedlose Leute an der Thingstätte und selbst auf eine Pfeilschussweite von ihrer Grenze weg sich nicht blicken lassen.

Das 10. Capitel der Saga bildet eine Hauptquelle für die Kenntnis der isländischen Thingverfassung in den Jahren 930 bis 965. Vieles von dem, was hier nur angedeutet ist, könnte nach den späteren Quellen leicht ausgeführt werden, wenn es zulässig wäre, dieselben für die Verhältnisse der ältesten Zeit zu benutzen. Die Hauptquellen für die spätere, ausgebildetere isländische Thingverfassung sind: die Njála (Njáls saga), und das im Jahre 1117 zum erstenmale aufgezeichnete altisländische Gesetzbuch Grágás (d. h. die Graugans), welchem allerdings die von Ulfljótr im Jahre 930 eingeführten Gesetze und Gerichtsgebräuche zugrunde liegen (Erläuterung: DasThing).

Auf Grund der Njálssaga verfasste der grosse dänische Literarhistoriker und Sprachforscher Niels Mathias Petersen seine ausgezeichnete und lehrreiche Abhandlung: 0m den islandske Rettergang ifølge Njála, im vierten Bande seiner Historiske Fortællinger, welche aber für die Zeit, in welche die Ereignisse unserer Saga fallen, nur mit Auswahl benutzt werden kann.

 

Quelle:
Dr. Heinrich Lenk: Die Saga von Hrafnkell Freysgoði. - Sagan af Hrafnkeli Freysgoða (1883).

 

Diesen Artikel weiter empfehlen …. href="http://www.manfrieds-trelleborg.de"

 

Zurück zum Capitel

 

5,752,260 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang