Dr. Heinrich Lenk

Die Saga von Hrafnkell Freysgoði

Erläuterungen zur Saga:
Die Namen.

 

Die Angabe, dass Thormóðr mit Thórdis, der Tochter Thórólfr Skallagrímsson's vermählt sei, beruht unzweifelhaft auf einem Irrthume unserer Saga, da hievon in der Egilssaga an gehöriger Stelle keine Erwähnung gethan wird, an ein Versehen aber hierbei nicht zu denken ist, da die Genealogien in den Sagas in der Regel sehr eingehend behandelt werden. Ueberdies heisst es in der Landnámabók, dass Thormóðr mit Thuriðr, der Tochter des Thorleifr, vermählt worden sei.

Thórólfr Skallagrímsson ist der Bruder Egill Skallagrímsson's, des Helden der Egilssaga. Die Bezeichnung Sohn des... (son) oder Tochter des... (dóttir) bot sich bei den isländischen (und altskandinavischen) Namen von selbst als Zuname, da eigentliche Familiennamen damals nicht vorkamen; so finden wir hier den Zusatz Skallagrímsson, d. h. Sohn des Skallagrímr, und Þórólfsdóttir, d. h. Tochter des Thórólfr. Das neugeborene Kind bekam einen entweder einfachen oder zusammengesetzten Namen und unterzog sich gleichzeitig einer Art von heidnischer Taufe, indem es mit Wasser besprengt wurde.

Nur ausnahmsweise ward der Sohn nach der Mutter benannt, wenn der Vater frühzeitig gestorben war. Ausser diesen Benennungen nach den Eltern kam es häufig vor, dem Manne irgend einen Beinamen zu geben, sei es nun nach einer inneren oder äusseren Eigenthümlichkeit — selten schmeichelnd — oder nach dieser oder jener Begebenheit oder komischen Situation in seinem Leben.

Selbst heutzutage sind sehr wenige Familiennamen auf Island zu finden; das neugeborene Kind bekommt nur einen Taufnamen und wird durch den Beisatz Sohn des... oder Tochter des... von anderen gleichnamigen Personen unterschieden, z. B. Jón Jónsson, Ólöf Björnsdóttir u. s. w.

Man pflegt auch den Aufenthaltsort dem Namen anzufügen, z. B.: Pétr á Rejkjahlíð, Árni á Skörðum u. s. w. Beide Benennungsweisen kommen auch in Norwegen und Schweden bei der Landbevölkerung vor, z. B.: Björnstjerne Björnson, Synnöve Solbakken d. i. Synnöve vom Sonnenhügel usw.

 

Quelle:
Dr. Heinrich Lenk: Die Saga von Hrafnkell Freysgoði. - Sagan af Hrafnkeli Freysgoða (1883).

 

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