Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld

An nordischen Königshöfen zur Víkingerzeit

Aus der Regierungszeit von Magnús Erlingsson, 1162—1184:
Von Máni, dem Skalden.

 

 

König MagnúsKönig Magnús Erlingsson (1162—1184), nur mütterlicherseits, durch seine Mutter Christina, vom Königshause abstammend, war ein Enkel von König Sigurðr Magnússon Jórsalafari, dem Jerusalemfahrer (1103—1130), und trat die Regierung an zunächst unter der Vormundschaft seines vielvermögenden Vaters Erlingr Ormsson, nachem der Gegenkönig Hákon Sigurðarson hinn herðibreiði (der Breitschultrige) (1157—1162) in der Seeschlacht bei Sekkr (heute Säkken, einer Insel im Moldefjord), überwunden und getötet war (1162), — Magnús Erlingsson beherrschte Norwegen dann bis zum Jahre 1184. — Nach ihm beginnt eine neue Epoche! Norwegen wird ein Wahlreich mit großen Zugeständnissen an den Einfluß des Episkopates; bis es erst Hákon Hákonarson gamli (1217—1263), dem alten Königshause entstammend, gelang, dem Reiche den inneren Frieden wiederzugeben. und sein Hof befanden sich eine Woche lang im LystrDer Lysterfjord, eine nördliche Abzweigung von dem Sognefjord, benachbart Bergen. zu Unnardys. Und in der Begleitung des Fürsten befand sich damals auch der Isländer Máni, ein SkaldeDer isländische Dichter Máni, genannt auch Skáldmáni, von dem diese Saga spricht, ist seiner Abstammung nach unbekannt. Außer dem hier Mitgeteilten ist wenig über ihn kundgeworden. Sein erstes Auftreten an König Magnús' Hofe erfolgte im Mai 1184. Diesem Fürsten diente er bis zu dessen sehr bald eintretenden Ende und ging dann vermutlich über in den Dienst auch von dessen Nachfolger, König Sverrir Sigurðarson. Dann ist noch erhalten ein kurzes lyrisches Bruchstück von Máni aus dem Jahre 1214. Wann und wo sein Tod erfolgt ist, wissen wir nicht. Die hier, in dieser Saga, mitgeteilten Strophen zeigen das Talent zur Auffassung von komischen Zügen an Personen, wie Dingen, bei schneller Improvisationsgabe und leicht fließender Darstellung.. Man wartete auf günstigen Wind zur Weiterfahrt. Da rezitierte der Dichter dem Könige folgende Strophe:

„O Herrscher der Sonne,

Du Freudenerbringer,

Entsende die Winde,

Die günstiger wehen

Zur Reise nach Bergen! —

Was schlafest du Süd? —

Wo eisig der Nord

In träge Ketten uns schmiedet!" —

„Schön gedichtet, kleiner MondMáni, in der altnord. Dichtersprache „der Mond". — Ursprünglich nur ein Spitzname, hergenommen von der haarlosen Glatze auf dem Schädel (z. B. Thorkell máni), wurde später das Wort ein Personenname, wie hier.", sagte der König. Es lagen da, zu einem Haufen geschichtet, frischgewaschene Hemden; von diesen ließ der Fürst eins dem Skalden als Liedeslohn überreichen.

Vor einiger Zeit war dieser Máni zu dem Könige gekommen, als derselbe in den Ostmarken seines Reiches sich aufhielt.

Der Skalde befand sich am Schlüsse einer Pilgerfahrt, von Rom heraufkommend, und war ganz zum Bettler geworden. In diesem Zustande trat er in die Halle, wo der Fürst mit seinem Gefolge sich aufhielt.. Er sah wahrlich nicht sehr respektabel aus, dieser Máni, kurz geschoren sein Haupthaar, abgemagert die Glieder, und nahezu ohne Gewand.

Und doch verstand es eben dieser Bettler, in höfischer Weise den König zu begrüßen. — „Wer bist du?" fragte der Fürst.

„Mein Name ist Máni, und ich bin ein Isländer. Zurzeit komme ich aus Rom, dort weit her aus den Südlanden." — „Dann mußt du auch Saga und Sang vorzutragen verstehen, lieber Mond! — Setze dich nieder und erzähle uns etwas."

Máni trug darauf vor die Drápa (episches Heldengedicht) von der Ausfahrt König Sigurðs, des Jerusalemfahrers, welcher ein Großvater von König Magnús Erlingsson gewesen war. Der Verfasser dieses Liedes aber war Halldórr skvalðriVon den persönlichen Umständen dieses Skalden ist wenig bekannt und auch von seinen Dichterwerken sind erhalten nur kurze Bruchstücke zweier Epen. Das eine Epos betitelt „Utfarar-drápa" wird eben hier, mit Glück, von Máni zum Vortrage gebracht. — Das andere besingt den König Haraldr gilli (ein irisches Wort = servus) (1130—1136). (der Redselige) gewesen. — Lied, wie Vortrag, fanden großen Beifall. Man fand alles sehr unterhaltend.

Auch zwei Musikanten standen zurzeit dort in der Halle. Sie ließen kleine Hunde über hochgehaltene Ruten springen vor den Edelleuten; und um so höher mußten die Tiere hüpfen, je vornehmer die Zuschauer waren.

Der König wandte sich von jener Szene weg zu Máni und sprach: „Findest du nicht, lieber Mond, daß jene fahrenden Gesellen dich schief ansehen? — Mache flink auf sie ein Gedicht, und der Lohn dafür soll nicht ausbleiben!" — Máni improvisierte, auf der Stelle, folgende Strophe:

„Verschmitzter Geselle

Mit Geige und Pfeife,

Im Kleide des Narren,

Was reckst du dein Maul? —

Weil fuchsige Hunde

Den Stab überhüpfen? —?—

Sind das deine Künste? —?—

Mit nichten! —

Ist's Schande! —

Hinweg mit den Burschen! —

Treibt mir sie hinaus!" —! —

Und gleich darauf rezitierte er noch einen zweiten Vers über dasselbe Thema:

„Die Geige singt

Die Pfeife klingt,

Wohin sie schleichen

Die Clowns, die bleichen! —

Mit Backen, den vollen;

Mit Augen, die rollen.

Stößt jener ins Horn,

Als war' er im Zorn! —

Du grober Geselle,

Halt! Daß ich dich prelle!" —

Über diesen Spottvers entstand nun ein unbändiges Gelächter unter den Hofleuten. Sie schlossen einen Ring um die beiden armen Possenreißer und wiederholten immer den Schlußreim:

„Mit Backen, den vollen,

Mit Augen, die rollen.

Stößt jener ins Horn,

Als war' er im Zorn!" —

Den armen Spielleuten aber kam es so vor, als befänden sie sich mitten im Fegefeuer, und sie drückten sich schleunigst zur Halle hinaus.

Der König nahm sodann den Máni, nach dieser Probe seines Talents, in sein Gefolge auf. — So befand er sich denn auch hier, mit ihm, auf dieser Fahrt nach Bergen.

 

Quellen:
Professor Dr. E. Christian Dagobert, An nordischen Königshöfen zur Vikingerzeit
Erschienen 1910 im Karl J. Trübner Verlag

 

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