Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld

An nordischen Königshöfen zur Víkingerzeit

Aus der Regierungszeit von König Haraldr Sigurðarson harðráði, 1047—1066:
Von Hemingr, dem Sohne des Áslákr

 

 

 

Kapitel I.

Das ist der Anfang dieser Erzählung, daß König Haraldr über Norwegen herrschte. Er war der Sohn des Sigurðr, mit dem Beinamen: Sýr, d. h. „die Sau", und der Ásta, der Mutter von König Oláfr helgi. Haraldr war 20 Jahre lang ein König über Norwegen, und befand sich im zweiunddreißigsten Jahre seines Lebens, als er die Regierung antrat. Zur Gemahlin hatte er die Ellisif (Elisabeth), eine Tochter des Königs Jarosleiv. Er ließ sie zurück in Hólmgarðr unter dem Versprechen, sie später abzuholen, indem er ihr ein großes Vermögen als Unterpfand zurückließ. Dieses lag in einem Ledersacke, abgezogen einem Ziegenbock, samt den Hörnern, angefüllt bis obenan mit reinem Silber. „Dieser Reichtum ist dein eigen", sagte er, „falls ich deiner nicht gedacht haben sollte nach einem Verlaufe von 16 Jahren." Dann schwur ein jeder von ihnen dem andern seine Treue. Beider Tochter war Maria, die schmuckeste unter den Weibern, und die edelste Jungfrau, welche jemals gelebt hat.

Dennoch, als Haraldr zur Regierung in Norwegen gelangt war, vermählte er sich daselbst zum zweiten Male, und zwar mit Thóra, einer Tochter des Thorbergr Árnason und der Ragnhildr welche ihrerseits eine Tochter des Erlingr war, der in Jáðar wohnte. Dessen Vater aber hieß Skjálgr.

Dieser Ehe mit Thóra entsprossen zwei Söhne, nämlich Oláfr, welcher ein König ward und als solcher den Beinamen „kyrri", d.h. der „Ruhige" führte sowie Magnús, der Vater des Hákon, welchen der Steigar-Thórir als seinen Pflegesohn auferzog.

Der König Haraldr war von stattlichem Wuchs, ritterlicher Haltung, klug und wohlberedt. Manch ein [tapferer Mann befand sich in seinem Gefolge. So sein I Schwager Nikulás Thorbergsson, vom Könige besonders hochgeschätzt. Sodann der Isländer Halldórr, ein Sohn des Coden Snorri. Ein dritter war Böðvarr, der Sohn des Eldjárn, der wiederum ein Sohn des Arnórr kerlingarnef war. Ein vierter war Oddr, der Sohn des Ofeigr; und dieser hatte seinen Wohnsitz auf Melr im ,Midfjórdr*. Ein fünfter war Hjörtr Oláfsson. Ein sechster Thórarinn, der Sohn des Nefjúlfr.

Alle diese Männer standen beim Könige Haraldr in höchster Achtung.

Haraldr hatte, folgend einer alten Sitte der Nordlandskönige, es zu seiner Gewohnheit gemacht, einmal in jedem Halbjahre sich anzusagen zum Gastgelage bei einem der Großbauern, bald im Norden, bald im Süden seines Reiches.

Da begab es sich einst, um die Herbstzeit, daß er mit Gefolge in den Norden des Landes hinaufzog zu solch einem Besuche. Von dieser Fahrt soll handeln die hier folgende Erzählung. —

 

Kapitel II.

Áslákr, so hieß ein Großbauer, dessen Hof auf der Insel Torgir stand. Diese Insel lag nördlich von Thrándheim, und zwar unmittelbar vorgelagert der Küste Norwegens. Áslákr war ein sehr kluger Mann und der Häuptling über das gesamte Eiland. Sein Sohn, namens Björn, war ein durch und durch tüchtiger Mensch.

König Haraldr, von der Stelle aus, wo er sich gerade auf seiner Fahrt aufhielt, sandte Botschaft an Áslákr und befahl ihn zu sich. Áslákr machte umgehend sich auf, kam zum Könige und begrüßte denselben respektvoll.

Der König nahm seinen Gruß gnädig auf und sprach:

„Rüste ein Gastgebot aus für mich und mein Gefolge von hundert Mann. Drei Tage wollen wir bei dir verweilen.*

Áslákr erwiderte: „Unfähig bin ich, mein Herr, solch Prunkmahl Euch zu rüsten! — Doch will ich Euch dazu herliefern das Vieh, und allen Aufwand bestreiten für Euch, und für nicht weniger der Mannen, als Ihr zu laden gedenkt. — Außerdem noch mögt Ihr Euch auswählen aus meinem Besitzstande die passenden Gastgeschenke, gleichwie ich das getan haben würde bei einer Bewirtung auf meinem Hofe!"

Der König fragte: „Was ist der Grund, daß du dem dich entziehen willst, auf deinem Hofe mich zu bewirten?*

„Ich fürchte, mir mangelt genügender Hausrat, um vornehme Leute würdig aufzunehmen", erwiderte Áslákr.

„Das lasse ich als einen Hinderungsgrund nicht gelten", warf der König ein.

„Die Tischeinrichtung fehlt mir", entgegnete Áslákr. „Außerdem bestreite ich, daß Euch das Recht zusteht, von mir eine Hausbewirtung zu verlangen!" —

Der König erwiderte: „Such' nur an Gegengründen zusammen, was du willst; es bleibt dabei, ich komme dorthin zur Bewirtung! — Mein Wille entscheidet!"

„Nun denn, so will ich mich nicht länger weigern!" sagte Áslákr. „Wie bald gedenkt Ihr einzutreffen?" —

„Nicht später als morgen!" entschied der König. „So handelt denn nach Belieben!" —

Áslákr zog mit diesem Bescheide heimwärts; aber der König erschien am andern Morgen, in Begleitung von hundert Mann.

Áslákr geht dem Fürsten entgegen, und empfängt ihn mit der ausgesuchtesten Höflichkeit, geleitet ihn und das Gefolge in einen großen Bankettsaal, wo man zunächst die Reihenfolge der Sitzplätze anordnet.

Dieser Saal war durchweg mit aufgehängten Schilden geschmückt, und überhaupt in seinem Innern auf das prachtvollste ausgestattet.

„Wie kam es dir in den Sinn, Áslákr, bei solch einer Hauseinrichtung, um dieses Gastgebot dich herumdrücken zu wollen?" — fragte der König.

„Mich dünkt", sprach Áslákr, „mancherlei möchte hier wohl noch fehlen! — Gleichwohl, denk' ich, genug der Vorräte für das Gastmahl möchten hier vorhanden sein, wenn es so den Herrschaften genügt! Doch alles habe ich mit meinen eigenen Pflöcken hier gezeltet, und nichts ist dazu geborgt!" —

Der König nahm dieses Bekenntnis beifällig auf. —

Áslákr sorgt auch ausgiebig für Unterhaltung, und alle sind darüber einig, niemals einem splendideren Gastgebote beigewohnt zu haben. So endet der erste Tag. Am nächsten Morgen, nach der Hausandacht, begaben sich alle zum Frühstück. Bei diesem zog der König den Áslákr in ein Gespräch. —

Des Königs Frage war folgende: „Áslákr! In welchem Sinne verstehst du das Gesetz, erlassen von König Oláfr Haraldsson, dem Heiligen? — Man sagt mir, du seist ein guter Kenner der Gesetze!" —

„Mit Verlaub; ich glaube Euch guten Bescheid geben zu können!" war Áslákrs Antwort.

„Nun denn, welche Strafe hat Oláfr darauf gesetzt, falls Leute ihre Kinder in Heimlichkeit aufziehen lassen?" — fragte der König.

Áslákr erwidert: „Mir ist nicht bekannt, daß es einem Manne verwehrt sei, seine Kinder dort aufziehen zu lassen, wo er es für gut befindet!" —

Der König dagegen: „Anders lautet die Auslegung, welche ich vernommen habe über jenes Gesetz Oláfs, des Heiligen, als du!" —

„Und, was habt Ihr vernommen?" fragte Áslákr.

„Dieses hörte ich, daß solche Leute friedlos werden sollen, verlustig an Land und Leben!" —

„Wie kann man darauf eine so harte Strafe legen?" wirft Áslákr ein.

Worauf der König erwidert: „Nicht kann man jemanden verwenden zur Landesverteidigung, von dem man nichts weiß! Und, wie kann man sich schützen vor einem, den man nicht kennt?" —

„Nicht will ich darob rechten", spricht Áslákr, „denn der Fall geht mich ja nichts an!" —

„Und doch ist mir dieses berichtet worden", betont der König, „daß du gerade es bist, der seinen Sohn im Geheimen erziehen läßt!" —

„Wer behauptet das?" fuhr Áslákr auf.

„Das behauptet hier Nikulás Thorbergsson", spricht der König.

„Du sagtest dergleichen, Nikulás?" stellt ihn Áslákr zur Rede.

Worauf Nikulás antwortet: „Es wird mir schwer, zwischen Klippe und Woge hier zu segeln; da es mir nicht ziemt, den König einer Abweichung von der Wahrheit zu beschuldigen; und doch vermag ich nicht zu leugnen, daß ich von so etwas zu ihm sprach. — Soweit meine Erinnerung zurückreicht, war ich hier, in Torgir, als ein Knabe von zehn Jahren, und ich galt allewege für einen wackeren Jungen. Damals hattest du einen Sohn, der Hemingr hieß. Wir beide spielten miteinander unsere Kinderspiele, und ich sah niemanden ihm gleich; in allem war er der Stärkere, obgleich er nur sechs, ich aber zehn Winter zählte. Er blieb hier zurück, während wir abreisten. Später habe ich niemals wieder etwas von ihm gehört. Anderes aber habe ich dem Könige nicht gemeldet!" versicherte Nikulás.

Der König stellte nun die Frage, was aus jenem Knaben geworden sei? —

Worauf Áslákr berichtet: „Dies ist der Sachverhalt! Ich besaß einen Sohn, der Hemingr hieß. Er war mir lieb und wert. Doch bald darauf wurde er geistesgestört, und ich sandte aus diesem Grunde ihn fort von Torgir; weitab von allen Menschen, in der Absicht, daß niemand fürder nach ihm fragen sollte. Auch ich habe niemals in der Folgezeit etwas über ihn zu wissen verlangt. Mir ist es völlig unbekannt, ob er noch lebt, oder ob er gestorben ist?" —

Darauf erklärte der König: „Nicht will ich länger für diesmal deiner Bewirtung zur Last fallen. Ich werde unsere Abreise befehlen. Doch, im nächsten Halbjahre, und zwar in eben diesen Tagen, siehst du uns hier wieder, als deine Gäste! Dann hast du hier zur Stelle deinen Sohn Hemingr, gleichviel, ob derselbe über einen großen, oder über einen kleinen Verstand gebietet. Desgleichen, sollte er gestorben sein, so will ich seine Knochen sehen!" — Das war der Befehl des Königs.

„Das streicht mir hart gegen den Sinn!" — antwortete Áslákr; „doch, weil Ihr die Sache so scharf verfolgt, kann ich Euch zu Willen sein, wenn Ihr's verlangt!" —

 

Kapitel III.

Nun brechen beide ihr Gespräch ab. Der König fährt zurück, hält sich daheim dieses Halbjahr, und das ganze Land genoß seinen Frieden. Doch, nach Verlauf von sechs Monaten begibt sich Haraldr wiederum zum Gastgebote bei Áslákr auf Torgir. Dieser empfängt den Fürsten nach Wert und Würden. Am nächstfolgenden Morgen kommt es zwischen beiden zur Aussprache.

Der König fragte: „Erinnerst du dich vielleicht deines mir letzthin gegebenen Versprechens?" —

„Nicht habe ich daran gedacht!" erwidert Áslákr.

„Es sollte hier zur Stelle sein dein Sohn", betonte der König, „welchen du in die größte Verborgenheit geschickt hast." —

„Daran habe ich wahrlich nicht gedacht", erwiderte Áslákr; „auch bin ich ganz außerstande, ihn hierher kommen zu lassen! — Denn unermeßlich weit ab liegt sein Bergungsort."

Der König spricht: „Für dieses Mal will ich nicht meinen vollen Zorn über dich ausschütten, wie du es verdient hast. Ich werde jetzt die Abreise befehlen, und zwei Monate fern bleiben. Ist dann aber Hemingr nicht zur Stelle, so hüte dich; du könntest dann unzufrieden mit deinem Lose werden!" —

Áslákr erwidert: „Wozu die stolzen Worte? Mich hindert nichts, ihn herkommen zu lassen zu der von Euch angesetzten Zeit!" —

Allen Männern ward es leicht, dem Könige anzusehen, wie der Zorn in ihm aufkochte. Dann trennte man sich.

Nun machte der Fürst Besuche auf dem Festlande, bis der erste Wintermonat (der November) verstrichen war. Dann brach er auf, zu Schiffe, wiederum nach Torgir.

Áslákr hielt ein Bankett bereit. Man war in frohester Stimmung. Und alle teilten den Eindruck, kein Fest nähme einen gleich stattlichen Verlauf, denn dieses hier.

Da richtet der König im Laufe des Tages an Áslákr die Frage: „Ist jetzt hier zur Stelle jener Hemingr, dessen Anblick du mir in deinem Trotze so lange verweigert hast?" —

Áslákr erwidert: „Noch kam mir nicht in den Sinn Euer beharrliches Begehren um diese Sache!" —

Der König sprach: „Nicht bedarf es vieler Worte hier. Vernimm nun meinen Entschluß. Sende du nach deinem Sohne, oder sende nicht, wie es dir beliebt. Aber wir bleiben hier, in deinem Hofe, sitzen, bis der Hemingr zur Stelle ist, oder bis die Armut dich überfällt. Dann dürftet ihr nicht wieder in die Lage kommen, Gastmähler auszurichten, weder du, noch dein Sohn Björn!" —

„Das steht in Eurer Macht!" erwiderte Áslákr. — So schloß ihr Gespräch.

 

Kapitel IV.

Der Bauer Áslákr entbietet zur Zwiesprache mit sich seinen Haushofmeister, mit Namen Kálfr, nebst zweien seiner Hausknechte und spricht zu ihnen:

„Eine Reise habe ich für euch im Sinne!" Und sie erklärten sich reisebereit, wie er es wolle, beides, zu Wasser, oder zu Lande.

„Zu Schiffe sollt ihr reisen", sprach er, „und nordwärts rudern, an Snös vorbei, und landen auf der Halbinsel, welche Framnes heißt. Dort steigst du aus, Kálfr, und nimmst mit dir vier Knechte, um landeinwärts zu ziehen; die übrigen bleiben als Hüter bei dem Schiffe. Wenn ihr das bebaute Land durchzogen habt, dann kommt ihr in einen Wald. In sein Dunkel hinein führt ein schmaler Fußweg, der sich vor euch öffnet. Dieser Steg verbreitert sich, sobald ihr ihn eine Zeitlang verfolgt habt. Ihr werdet vier Tage lang wandern müssen, selbst wenn ihr wacker zuschreitet. Bei sinkender Sonne tretet ihr aus dem Walde. Dann liegt vor euch ein Tal. Es ist auf beiden Seiten von schroffen Felswänden eingeschlossen, die dichtes Gehölz überdeckt, und dieses Dickicht endigt nicht früher, als bis ihr das ganze Tal durchschritten habt. An seinem Ausgange zeigt sich eine menschliche Ansiedelung. Tretet dort ein, Ihr werdet da niemanden finden, außer einem Manne und einer Frau ^ Diese werden euch nach eurer Heimstatt fragen, und ihr gebt Antwort mit voller Wahrheit. Beide Leute bieten euch dann an ausreichende Bewirtung, solche laßt ihr euch gefallen und rastet dort eine Weile. Laßt zeitig euch die Bettstatt rüsten. Ihr werdet in der Wohnstube schlafen, wo das Feuer brennt. Aber einer von euch Männern muß stets Wache stehen. Dann, wenn ein Teil der Nacht vorüber ist, vermute ich, tritt in das Gemach ein Mann, schmuck, hochgewachsen und wohlernährt. Die Flammen sind nun aufs neue anzuschüren. Der Mann setzt sich neben die Feuerstatt. Und das bezweifle ich nicht, er erscheint euch noch schöner, als ich vermeldet habe. Dann sollt ihr euch erheben und dem Hemingr euren Respekt bezeugen, ihn bei Namen nennend, auch meinen Gruß ihm vermelden, und zu einem Besuche bei mir einladen. Wenn er sich äußern sollte, nicht so schnell reisebereit zu sein, dann bittet ihn, selbst über sich bestimmen zu wollen; aber setzt hinzu, mein Leben sei verpfändet, sowie das meines Sohnes Björn. Indessen mehr liegt mir daran, daß er sich selbst in Sicherheit bringe. Darum melde ihm, daß ich besorge, sein Leben stehe in Gefahr, sobald er hierher kommt. Darum lasse ich ihn bitten, selbst entscheiden zu wollen, was von beidem ihm am annehmbarsten erscheint. Ist dieses ausgerichtet, so sagt ihm Lebewohl!" —

Nach solcher Belehrung Áslákrs brachen seine Leute auf, um zu ziehen den bestimmten Weg, Kálfr, begleitet von vier Männern, geht an Land und nichts Mitteilenswertes begegnet ihnen auf der Wanderung, bevor sie eintraten dort bei jenem Manne und seiner Frau.

Sorgsame Aufwartung wird ihnen zuteil, sobald dieselben erfahren, von wem sie entsandt sind. — Nun ist das Zimmer zur Nacht hergerichtet, und die Männer begeben sich zur Ruhe, während die beiden Eheleute noch am Feuer sitzen bleiben.

Da ergreift das alte Mütterchen das Wort: „Spät wird es, daß unser Pflegesohn diesen Abend heimkehrt."

Worauf ihr Ehegespons: „Wenig des Guts ist mein eigen; und doch wollte ich all dieses hingeben dafür, daß er gar nicht heimkäme; diese ganze Woche nicht!" —

„Warum denn das?" fragte die Alte. — „Weil ich bange bin", erwidert der Mann, „jene Leute da sind nach ihm ausgesandt!"

„Und ich; nicht weiß ich, was aus mir werden soll", klagte das Mütterchen, „müßte von meinem Pflegekinde ich mich trennen!"

„Ich könnte mich trösten!" spricht der Greis, „wüßte ich nur für gewiß, daß ein besseres Los seiner wartet!"

Kaum ist diese Zwiesprache beendet, da werden draußen, längs der Hauswand, Schritte vernehmbar, und alsbald tritt ein Mann in das Zimmer. Er trägt ein scharlachrotes Wams, dessen Saum, abwärts vom Gürtel reich bestickt war. Ein golddurchwirktes Band umschließt sein Haupt, von dem das Lockenhaar herabfällt bis auf die Schultern. Kálfr empfängt den Eindruck, nie eine so schöne männliche Erscheinung gesehen zu haben, ungerechnet den inneren Adel.

Jene beiden Alten erheben sich und begrüßen Hemingr, ihren Pflegesohn.

Er nahm dankend ihren Gruß auf, und ließ sich am Herdfeuer nieder. Der Greis fragte: „Wie ging es mit deiner Jagd?" —

Worauf Hemingr berichtet: „Ich sah nur wenige Vögel; und dazu fehlte mir die Lust, sie abzuschießen!" —

Dann fragte er: „Was für Leute sind da gekommen?" —

Der Greis gibt nun den Bescheid: „Es sind Sendboten deines Vaters, und ich fürchte, sie kommen mit dem Auftrage, dich einzuladen, zu deinem Vater zu gehen!" —

Hemingr erwidert: „Darüber wird man sagen: Das kommt mehr, als spät!" — —

 

Kapitel V.

Kálfr, so schreitet die Erzählung fort, erhebt sich, tritt auf Hemingr zu und begrüßt denselben. Dieser erwidert freundlich den Gruß und fragt, woher er käme?

„Ich bin mit Aufträgen von deinem Vater entsandt", berichtet Kálfr. „Er entbietet dich zu sich, und wollte, daß du kämest." —

„Das klingt ja in hohem Tone: ,Er entbietet dich!*" wirft Hemingr ein; „ich meine, das Recht zu besitzen, selbst zu bestimmen! — Es beliebt mir, hier zu bleiben!" —

„Einen bereits geschweißten Ring braucht niemand mehr zu schmieden, dünkt mich!" erwidert Kálfr; „Áslákr überläßt ja die Entscheidung dir selbst." Und nun wiederholt der Bote dem Hemingr alle diejenigen Worte, welche Áslákr ihm aufgetragen hatte. — Worauf Hemingr spricht: „So reiset gleich morgen ab, und verziehet nicht, bevor ihr zum Schiffe kommt. Sehet ihr dort, daß ich nicht zur Stelle bin; so fahret eure Straße weiter; ihr dürfet dann nicht auf mein Mitkommen zählen!" — Damit schloß ihr Gespräch. —

Sofort am kommenden Morgen rüsten Kálfr und seine Leute die Heimfahrt und rasten nicht eher, als bis sie unten bei ihrem Schiffe angekommen sind. Sie stoßen das Fahrzeug ins Wasser. Und, als die Segel gesetzt sind, erblicken sie den Hemingr auf Schneeschuhen, im raschesten Laufe, vom Binnenlande herabkommen. — Er steigt zu ihnen in das Schiff.

Kálfr richtete an ihn die Frage: „Wann seid Ihr von Hause aufgebrochen?" — „Diesen Morgen, als es dämmerte"; gibt er zurück.

Nun stoßen sie vom Lande ab; und von dieser Fahrt bis zur Landung in Torgir ist nichts zu vermelden. — Áslákr empfing auf das herzlichste seinen Sohn.

Am kommenden Morgen, als die Männer vom Besuche der Frühmesse heimgekehrt waren, und der König seinen erhöhten Sitz eingenommen hatte, da betritt He-mingr die Halle, stellt sich vor den Fürsten hin und begrüßt ihn auf hofmännische Weise.

Der König erwidert seinen Gruß und fragt nach seinem Namen. Er stellt sich vor als Hemingr.

Da wirft ihm der König das Wort zu: „Nicht wollte ich zerschneiden die Haut des alten Stieres, von dessen einem Beine du das Leder bist!"

Rasch fällt Hemingr mit einem Sprichwort ein: „Nicht immer deckt der Schein das Sein, noch zeigt das Kleid des Mannes Würd und Wert!"' — Dann fährt er fort: „In der Absicht kam ich her, mich freiwillig Euch zu stellen. Ist meine Waffenhilfe, die ich bringe, auch nur gering; dennoch, ich stehe Euch zu Befehl, wollt Ihr mich nützen. Oder, schickt mich auch in die Verbannung, und laßt mich damit erkaufen den Frieden für meinen Vater und die andern Verwandten. Ja, wollt Ihr mich zum Tode verurteilen, so werde ich auch dem durch eine Flucht mich nicht entziehen!* —

Der König stellt darauf an ihn die Frage: „Bist du in irgend welcher Art von Wettspiel geübt?"

Worauf Hemingr: „Jene beiden Alten glaubten, daß ich mancherlei davon verstände, doch andern Leuten habe ich meine Kunst noch nicht gezeigt; und wenig werdet Ihr an mir entdecken! In einem Stücke aber glaube ich etwas leisten zu können; in der Schneeschuhfahrt ! Darin getraue ich mir, mit einem jeden es aufzunehmen; hier soll mich niemand überholen!" —

Der König darauf: „Wir wollen dein Wettspiel sehen! Und prüfen, welche Übung dir darin eignet?" —

Hemingr erwidert: „Ich werde mich bemühen, nachzumachen, was deine Hofleute mir zuvor tun!"

„Auf denn hinaus; das Wettspiel mag beginnen!" — entschied der König.

Da trat Áslákr vor den Fürsten und meldete: „Segelfertig zu Eurer Fahrt, Herr, liegen die Schiffe, wenn's beliebt!«

Worauf der König: „Ich verlängere meinen Aufenthalt bei dir um einen Tag!" Nach diesen Worten trat der Fürst ins Freie, und alle seine Kavaliere folgten. —

 

Kapitel VI.

Die Insel war mit dichtem Walde überwachsen. Zu diesem Walde schritt der König samt seinem Gefolge. Hier angelangt, griff der Fürst nach einem Speere und stieß ihn mit seiner Spitze in den Erdboden. Dann legt er einen Pfeil auf den Bogen, und schießt ihn aufwärts in die Lüfte. Der Pfeil wendet sich in der Luft um, senkt sich zur Erde nieder, fährt in das Ende des Speerschaftes hinein, und bleibt darin aufrecht stecken! —

Hemingr nahm darauf einen andern Pfeil, und schoß ihn ab in derselben Richtung. Lange blieb dieser Pfeil oben in der Luft verschwunden, aber sodann fuhr er nieder und mit seiner Spitze gerade in den Einschnitt (mit dem der Pfeil auf der Bogensehne aufliegt) — jenes ersten Pfeiles! —

Hierauf ergreift der König den Spieß, wägt ihn in der Hand und schleudert. Er wirft so kräftig und so weit, daß alle diesen Wurf laut priesen, und das nicht bloß aus Schmeichelei.

Nun fordert er den Hemingr auf, es ihm gleich zu tun. Hemingr gehorcht, und wirft noch weiter, so daß der Handgriff seines Speeres vor der Spitze des königlichen Spießes zu liegen kommt.

Der König faßt seinen Speer, und wirft ein zweites Mal, nun aber um eine Speereslänge weiter, als der Hemingr.

„Jetzt will ich nicht wieder werfen", sagt Hemingr, »da ich sehe, daß ich nichts vermag!"

„Du sollst werfen"; befiehlt der König, „deinen Mut zusammennehmen, und noch weiter schleudern, wenn du es kannst! Denn das Sprichwort sagt sehr richtig: Feig' ist, wer die Waffe nicht schwingt, welche ihm dazu in der Hand liegt!" —

„So gehe es denn, wie es mag", spricht Hemingr. Er wirft und überholt nun weit den Wurf des Königs.

Da ergreift der König ein Messer, und stößt dasselbe hinein in einen Eichstamm. Dann legt er einen Pfeil auf seinen Bogen, zielt auf dieses Messers Griff, und trifft, so daß der Pfeil fest in dem Messerrücken stecken bleibt.

Dann greift Hemingr nach seinen Pfeilen. Der König stand neben ihm und sagte: „Vergoldet sind deine Pfeile! — Du bist ein sehr protziger Mann!" —

Worauf Hemingr: „Keinen dieser Pfeile bestellte ich selbst; zum Geschenk erhielt ich sie, nahm ihnen aber den Zierat nicht ab!"

Hemingr tut darauf den zweiten Schuß. Sein Pfeil trifft das Ende des Messergriffs, ja zerspaltet diesen, und es kommt die Pfeilspitze zu stehen gerade auf dem oberen Ende der Messerklinge, welche von dem Holzgriffe umschlossen ist.

Der König rief: „Laß uns beide diesen Wettstreit noch verlängern und bis zur Entscheidung treiben!"

Dann griff er nach einem Pfeil! Des Königes Angesicht rötete sich dabei stark vor Zorn. Er legt diesen Pfeil auf den Strang, und zieht den Bogen so scharf an, daß seine Hörner fast sich zu berühren scheinen. Der Pfeil fliegt nun unermeßlich weit, und bleibt endlich stecken in einem schlanken Aste.

Da brachen die Kavaliere sämtlich in die höchste Verwunderung aus und riefen: „Dieses wäre der rühmlichste Schuß, der je getan!" —

Darauf schießt Hemingr, und zwar noch um etwas weiter. Sein Pfeil blieb stecken in einer Waldnuß, welche derselbe spaltete. — Darüber brach, unter dem Gefolge, noch ein größeres Erstaunen aus.

Nun befahl der König: „Man nehme eine Nuß und lege sie auf das Haupt Björns, deines Bruders! Du sollst sie treffen. Und zwar bewillige ich dir keine kürzere Entfernung für diesen Schuß, als die von soeben! Fehlst du, so ist dein Leben verwirkt!" —

„Nehmt mein Leben, Herr!" rief Hemingr, „aber diesen Schuß werde ich nicht tun!" —

Da fiel Björn ein: „Doch, du sollst schießen; und nicht dein Leben lassen! — Denn es ist jedes Menschen Pflicht, sein Leben zu erhalten, solange er kann.

Hemingr fragte: „Bist du wirklich dazu entschlossen? Willst du ganz stille stehen? — Und nicht wanken?" — „Fest entschlossen!" gab Björn zurück.

„Wohlan!" sagt Hemingr, „so mag der König sich neben Björn hinstellen, um zu prüfen, ob ich die Nuß getroffen habe!" —

„Nein", sagt der König, „neben dich selbst werde ich mich hinstellen!"

Aber dem Oddr Ófeigsson erteilte er sodann den Befehl, neben Björn Platz zu nehmen, und scharf aufzupassen, ob nach Vorschrift geschossen würde? — Oddr geht in der bezeichneten Richtung fort und spricht dabei zu sich selbst: „Das ist eine Treffprobe auch für mich! — Hier gilt es, Mut zu haben!" —

Hemingr nimmt den ihm vom Könige angewiesenen Standort ein, schlägt das Kreuz über sich und spricht:

„Gott nehme ich hiermit zum Zeugen, daß ich es nicht bin, der meinen Bruder Björn töten will, lieber tötete ich mich selber! — Vielmehr, ich wälze auf dich, König Haraldr, alle Verantwortung!" —

Nun schleudert Hemingr seinen Spieß'. Raschen Laufs fliegt dieser dahin und gleitet hindurch zwischen Nuß und Scheitel; Björn ward aber nicht im mindesten verletzt. Der Speer sauste noch viel weiter fort, und nichts hemmte seinen Lauf, bevor er niedersank.

Da schreitet der König vor, und befragt den Oddr, ob die Nuß getroffen sei? Dieser erwidert: „Wollt Ihr auch Glauben schenken, dem, was ich hier berichte?" —

Worauf der König: „Der Zeuge muß aussagen, was er weiß!" —

„Nun denn", berichtet Oddr, „noch besser hat er's gemacht, dünkt mich, als bloß getroffen! — Er schoß unter der Nuß hindurch, so daß diese vom Kopfe herabrollte; aber der Mann erhielt keine Verletzung!" —

„Nach meiner Schätzung war der Schuß nicht so getan, wie ich befahl!" — entschied der König.

— Man durchschlief ruhig die kommende Nacht!

 

Kapitel VII.

Am nächsten Morgen tritt Áslákr vor den König hin und meldet: „Gerüstet habe ich Eure Abreise, Herr, und es dünkt mich nun an der Zeit, die Spiele hier zu beendigen."

„Wir haben uns entschlossen, noch heute hier zu bleiben!" erwidert der König.

Und nach Aufhebung der Frühstückstafel fordert er die Männer auf zu einem Gange an den Seestrand. Auf diesem Gange zieht der König in sein Gespräch den Halldórr Snorrason.

„Dir ist es von mir zugedacht, den Hemingr heute im Schwimmen zu überwinden." —

Worauf Halldórr: „Das mag eine Aufgabe sein für Leute, welche darin geschickter sind, als ich!" —

Da sprach der König an den Böðvarr Eldjárnsson, worauf dieser erwiderte:

„Wenn ich auch aller Männer Gewandtheit in mir vereinigt fände, so würde ich doch sicherlich ihn nicht überwinden; und am allerwenigsten jetzt, wo ich mir eingestehen muß, in allen Dingen ihm weit nachzustehen!" —

Hierauf wandte sich der König an Nikulás Thorbergsson: „Du sollst mir heute den Hemingr im Wettschwimmen ermüden!" —

Nikulás erwiderte: „Nicht weiß ich, wie das enden wird? Aber versuchen kann ich es ja, wenn du befiehlst!" — Der König fordert demnach beide zum Schwimmen auf.

Hemingr äußerte sich dazu folgendermaßen: „Nicht darf ich hier mich schonen! Denn, noch am liebsten messe ich mich mit diesem da, wenn ich den Wettstreit nicht vermeiden kann." — Nun werfen beide die Kleider ab und springen ins Wasser.

Nikulás fragt: „Was wollen wir nun probieren? — Etwa in gerader Richtung, vorwärts, um die Wette schwimmen?" —

„Es ist gut", sagt Hemingr, „wir wollen das Dauerschwimmen versuchen! — Du hast mich ja früher in den andern Schwimmspielen besiegt!" —

Nach diesen Worten schwimmt Hemingr vom Lande aus fort.

Nikulás fragt, als sie eine gute Strecke geschwommen waren: „Scheint's dir nicht, wir könnten nun umkehren?" —

Hemingr antwortet: „Nur vorwärts! — Will etwa des Königs Schwager Halt machen auf der Reise?" — Und er schwimmt weiter.

Nikulás bleibt schon etwas zurück, und wiederholt die Frage bald darauf: „Bist du wirklich entschlossen, noch weiterzuschwimmen?* —

Worauf Hemingr: „Kehre allein um, willst du durchaus ans Land; ich, für meinen Teil, werde weiterschwimmen!" — Darauf Nikulás: „Es wäre doch vernünftiger, wir beide kehrten nun um. Ich für mein Teil muß aufhören!"

Damit wandte er sich rückwärts. Und es dauerte nicht lange, daß er stark ermattete. Alle seine Kraft war dahin. —

Etwas später schwimmt Hemingr (der auch inzwischen gewendet hatte) an ihn heran, und fragt, wie's mit seinem Schwimmen gehe? —

Nikulás erwidert barsch: „Was geht's dich an? — Zieh' deinen Weg allein!" —

Darauf Hemingr: „Du hättest es verdient, hier dein Leben zu lassen; so mein ich. — Aber, nun wollen wir doch beieinander bleiben. Lege deine Hand auf meinen Rücken und stütze dich!" —

Auf diese Weise schwammen die beiden ans Land. Nikulás schleppte sich mühsam bis an des Ufers Rand; Hemingr dagegen ging noch eine ganze Strecke weit, bis dahin, wo die Hochflut anspült, und setzte sich hier auf einen Stein.

Der König richtete an Nikulás die Frage, wie es mit dem Schwimmen gegangen sei? — Worauf dieser erwiderte: „Keinen Bescheid würde ich dir hier, auf dem Lande, geben können, wäre Hemingr mir nicht ein besserer Kamerad gewesen, als du!" —

„Nun soll Halldórr den Hemingr überholen!" entschied der König.

Dieser aber wandte ein: „Das möchte mir kaum gelingen, da es dem Nikulás fehlgeschlagen ist, welcher soeben die Schwimmprobe gegen Hemingr, dünkt mich, recht schlecht bestanden hat!" —

Da warf der König selbst seine Kleider ab, und es schwoll ihm hochauf der Zorn.

Áslákr eilte, als er dieses sah, zu Hemingr und drang in ihn: „Entflieh' und rette dein Leben; denn der König sinnt auf deinen Tod! — Der Weg dort zum Walde hin ist nur kurz!" —

Hemingr gab ihm zur Antwort: „Feindliche Adler sollen ihre Klauen gegeneinander hauen! Und den wird niemand versenken, welchen Gott will bedenken! — Laß ihn tun, wie er will!" — Mit diesen Worten erhob sich Hemingr von seinem Steine, etwas weiter abwärts auch der König. Beide stürzten sich nun in die Flut.

Sogleich drängte der König, schwimmend, sich an den Hemingr heran, und drückt ihn hinab in die Tiefe. Niemand der Zuschauer konnte etwas von ihrem Ringen da unten erblicken, aber das Meer siedete und wallte ob dem Kampfe beider auf seinem Grunde.

Der Abend rückt vor. Ganz finster ist es schon geworden. Das Meer hat sich beruhigt. —

Der König steigt ans Ufer; aber er sieht so zornig aus, daß niemand den Mut findet, ihn anzureden. Ihm wurden trockene Kleider gereicht. Den Hemingr aber sah man nicht, und es erdreistete sich auch niemand, nach ihm zu fragen. — Umringt von seinem Gefolge schritt der Fürst heimwärts.

Das Mahl verlief ohne alle Fröhlichkeit. Der König war wortkarg, vor Zorn; und Áslákr, vor Harm über seines Sohnes Schicksal. Die Fackeln wurden nun in der Halle angezündet. Und der König ersteigt seinen Hochsitz.

Da tritt Hemingr in den Saal. Er schreitet hin vor den Fürsten und dessen Gefolge. Hemingr legt sodann ein Messer auf des Königs Knie nieder. Es ist dasselbe Messer, welche! der Monarch den Tag über in seinem Gürtel getragen hatte.

Alle durchzuckte nun der Gedanke, Hemingr habe dieses Messer dem Könige entwunden bei ihrem Kampfe in jener Tiefe. Ja! — Es war dasselbe Messer; und Haraldr hatte gedacht, dem Hemingr damit den Todesstoß zu geben! —

Bald darauf begaben sich alle zur Ruhe und man überließ sich dem Schlummer über Nacht.

 

Kapitel VIII.

Früh am nächsten Morgen tritt Áslákr vor den König und meldet: „Gerüstet haben wir alles zu Eurer Abreise, Herr! wenn Ihr fort wollt!" —

Worauf der König: „Nun will ich nicht länger säumen; doch Hemingr soll uns auf das Festland begleiten!"

Darauf verließ der König samt seinem Gefolge Torgir, und Hemingr befand sich in seiner Begleitung. Man landete an dem Fuße eines hohen Gebirges, dessen Name Smalsarhorn ist.

Dieses Gebirge fiel steil ab, und es lief längs seinem Abhänge ein Saumpfad, breit genug nur für einen einzelnen Wanderer. Senkrecht in die Tiefe steigende Klippen bildeten dessen Rand, und aufsteigend von ihm, reckte sich hochaufragender Fels. Eine schmale Bergterrasse, nur für einen einzigen Mann passierbar.

Der König wandte sich jetzt an Hemingr und sagte: „Durch den Lauf auf Schneeschuhen, über jenen Felsengrad hin, sollst du uns ein Schauspiel bereiten. Das mag die Zeit uns hier kürzen!" —

Hemingr erwiderte: „Es ist nicht rätlich, dort auf Schneeschuhen zu laufen; denn auf den Bergen fehlt der Schnee, es liegt Glatteis oben, und der Boden ist sehr holprig."

Der König wandte ein: „Nun, das wäre ja auch keine Kraftprobe, auf Schneeschuhen nur über gebahnte Straßen hinzulaufen."

Es blieb bei dem Befehle. — Hemingr nimmt nun seine Schneeschuhe, steigt hinauf, und läuft längs diesem Bergabhange hin, abwechselnd auf- und niedersteigend. Es war das ungeteilte Urteil aller über diese Leistung, niemals habe man jemanden geschickter im Laufen gesehen.

Hemingr tritt nach Beendigung dieser Fahrt vor den König hin und spricht: „Aufhören möchte ich jetzt mit der Schneeschuhfahrt."

Der König erwiderte: „Noch eine Probe; dann mag das Spiel endigen! — Jetzt sollst du laufen den Berg steil hinauf, und dann vom Gipfel niederwärts; wohlbedacht; einzuhemmen ist die Fahrt, hart am Rande des Abgrundes!" —

Worauf Hemingr: „Wollt Ihr meinen Tod, warum denn diesen Aufschub?" — ! —

„Weigerst du dich meines Befehls?" spricht der König, „dann ist dein Leben verwirkt!" —

Hierauf Hemingr: „Nur kurz ist die Spanne bis zum Tode; so bin ich Euch zu Willen! — Es ist jedes Menschen Pflicht, alles daran zu setzen, sein Leben zu verlängern! — Wohlan denn, ohne Verzug, wie es auch enden mag!" — —

Da tritt Áslákr vor den König hin, und bot ihm an sein ganzes Vermögen, wenn dieses imstande wäre, Hemingrs Leben zu retten.

Der König lehnte dieses Anerbieten ab: „Ich brauche dein Geld nicht! — Übrigens soll dieser Lauf die letzte Kraftprobe sein!" — Darauf wendet er sich an Hemingr mit dem Befehle: „Mache dich fertig!"

Hemingr bat, niemand möge sich fürder für ihn verwenden. Dann bricht er auf, und alle ziehen sich von ihm zurück. Nur Oddr Ófeigsson folgt ihm nach, und spricht:

„Auf schlechte Art trennen wir uns hier von einem wackeren Recken! — Doch ich wenigstens will dir die Stange halten, und zeigen, daß deines Lebens Hut mein Wunsch ist. Hier ist ein Schweißtuch; es stammt aus dem Besitze des heiligen Stephanus. Das werde ich dir umbinden; denn ich kenne keine Kreatur, welche, bekleidet mit diesem Tuche, verunglückt wäre! — Läufst du über die Felswand hin und stirbst dabei; ja, wahrlich, dann wäre dieses Tüchlein um nichts besser, als jeder andere Leinenlappen. Indessen, wenn es dir vergönnt wird, dein Leben aus dieser Todesnot zu erretten, dann sollst du mir dieses Wertstück, falls wir uns nicht persönlich treffen, zurücksenden; ich mache es dir nicht zum Geschenk; dir nicht, und auch keinem andern, soviel man mir auch bieten möchte!" —

Hemingr erwiderte: „Großen Dank kann ich dir dafür nicht bieten; aber besser ein kleiner, denn keiner!" — Beide trennten sich, ohne daß jemand ihre Zwiesprach gehört hätte.

Der König stellt sich nun hart an den Rand des Felsens, und mit ihm alle die Männer seines Gefolges. Er hatte übergeworfen einen roten Mantel, welchen eine Agraffe über der Brust schloß, und trug einen Spieß in seiner Hand. Aus jener Agraffe zieht Haraldr nun die Nadel heraus, welche deren beide Spangenteile zu verbinden hatte und stößt die Lanzenspitze vor sich nieder in den Erdboden. Nikulás Thorbergsson, sein Schwager, steht hinter dem Rücken des Königs, ihn an den Hüften mit seinen Händen umklammernd, so stützt er denselben. Auf dieselbe Art tut das jeder der übrigen mit seinem Vordermanne.

Hemingr erklimmt jetzt den Berg, legt die Schneeschuhe dort an und rennt von oben herab den Abhang! — Er fuhr so rasend daher, daß es wie mit einem Wunder zuging, daß er sich nicht in den Tod stürzte. Gleichwohl blieben unter ihm die Schneeschuhe fest. Da kommt er herab zu jenem letzten Vorsprunge, wo der König und des Königs Leute standen. Nun stemmt er sich fest auf seinen Alpenstab, hart am Rande der Klippe, und tut einen Luftsprung. Die Schneeschuhe flogen weit unter ihm weg; aber Hemingr selbst kommt auf seine Füße zu stehen, hart am Klippenrande. Doch er kann sich nicht aufrecht halten im Vorwärtsschießen und greift darum in des Königs Mantel. Der Fürst bückt sich und läßt den Mantel über seinen Kopf hinweggleiten. Da nun die Mantelspange gelöst war, stürzt Hemingr kopfüber in den Abgrund.

Der König rief: „So trennt sich der dem Tode Verfallene von uns, denen das Leben winkt!" —

Oddr Ófeigsson sprach: „Besser; das war' nicht geschehen! — Wahrlich! Ihr beide würdet nicht denselben Weg gefahren sein, wäret ihr mitsammen hier hinabgestürzt!" —

„Nun denn? — Welch' Nachtquartier denkst du dir für jeden von uns beiden nach seinem Tode?" — fragte der König.

„Ich für meine Person", antwortete Oddr, „möchte fahren zu der Herberge, welche dem Hemingr, hoffe ich, bereitet ist! — Aber, das glaube ich auch, Christus hat es in seiner Milde verhütet, daß der Teufel die Freude genösse, dich heimzuholen, noch heut' zur Nacht!" —

„Stracks denn will ich dir verhelfen zu jener guten Herberge, wo Hemingr jetzt sitzt!" Nach diesen Worten gebietet der König seinen Mannen, den Oddr zu greifen, und ihn hinabzustürzen in den Grund.

Da erhebt Halldórr Snorrason drohend seine Stimme und ruft: „Entweder sterben wir Isländer hier alle miteinander, oder keiner von uns! — Aber etwas fällt hier sicherlich noch vor, denk ich, bevor wir ins Gras beißen!«^ —

„Um deinetwillen. Halldórr", sagte der König, „begnadige ich den Oddr. Er hat aber künftig mein Antlitz zu meiden. Diesen Winter lang verbürge ich ihm noch die Unverletzlichkeit. Doch mit dem anbrechenden Frühling hat er sich zurückzubegeben nach Island. Von da ab verhänge ich über ihn die Landesverweisung aus allen Gauen Norwegens. Ihn zu erschlagen hat ein jeder dann das Recht, wer ihn noch antrifft hier in meinem Reiche!"

Hierauf Oddr: „Am Abend soll man den Tag loben! Doch mich dünkt es kein Verlust zu sein, daß wir beiden uns jetzt voneinander trennen!" — Mit diesen Worten schied Oddr aus dem Gefolge des Fürsten.

Der König begab sich nun zu dem Gastmahle, welches ihm bereitet war, zum ersten Male, an diesem Platze.

Von Oddr berichtet die Saga, daß er nächsten Sommer nach Island fuhr, und werden wir von ihm noch weiteres hören.

 

Kapitel IX.

Wir kehren zurück zu Hemingr! Welches war sein Schicksal bei jenem Abstürze in den Grund? — Nun, ihm widerfuhr, was allen andern beim Abstürze von einem steilen Orte widerfährt; alle seine Kleider bliesen sich auf. Da blähet sich auch auf jenes Schweißtuch, streift eine Felsenspitze, und bleibt an derselben hängen. So hängt Hemingr in der Schwebe und hat sein Bewußtsein verloren. Als er wieder zu sich kommt, da war er voller Angst und Schrecken. Nachdem er aber über seine Lage sich klar geworden war, verschwand die Furcht aus seinem Herzen.

Er hielt hier mit sich folgendes Zwiegespräch:

„Was begab sich? — Wie bin ich hier in meinem Sturze aufgehalten? — Aber, sicherlich; das ist nicht schwerer für Gott, mich von diesem Orte zu erlösen, als mich hierher heil und gesund ankommen zu lassen. Und nun will ich ein strenges Gelübde tun, und letztwillig verfügen über mein ganzes Vermögen, welches die Hälfte aller fahrenden Habe in Torgir ausmacht. Dieses Gut soll man zerlegen in drei Teile, den ersten Teil weihe ich Oláfr Haraldsson, dem Heiligen; den zweiten widme ich einer Wallfahrt nach Rom und für die Armen; den dritten Teil aber soll haben der heilige Stephanus; diese letzte Erbportion lege man Zins auf Zins, bis ich den Oddr Ófeigsson auffinde. Die Romfahrt aber will ich antreten, so es Gott gefällt, mich von hier entrinnen zu lassen. Ich möchte einst stehen, ebenso nahe, als ein Zeuge von König Haralds Tod, wie er nun sicherlich der Meinung ist, meinen Tod gesehen zu haben.''

Als Hemingr dieses Gelübde gesprochen hatte, ward es finstere Nacht.

Plötzlich wird er gewahr, wie ein heller Lichtschein über ihm aufflammt, und in seiner Glorie sieht er einen Mann im Strahlenkleide, und von stolzester Haltung, über die Felsenwand hinschreiten. Dieser ergreift den Hemingr bei der Hand und zieht ihn die Felsenwand hinauf. Dabei spricht er:

„Hier ist nun Oláfr, der Heilige, dir erschienen; denn ich will es nicht, daß König Haraldr belastet werde mit der Verantwortung für deinen Tod. Doch dein Gelübde sollst du erfüllen und nach Rom pilgern. Kommst du aber zu fremden Leuten, dann nenne dich Boejarleifr und führe diesen Namen, solange König Haraldr am Leben ist. Es soll dir gewährt werden, worum du gebeten hast. Du darfst dereinst Zeuge sein von König Haralds Tode; aber schlecht würdest du, dünkt mich, deinem Lebensretter danken, wolltest du selbst solchen Tod herbeiführen!" —

Hemingr darauf: „Doch das mußt du mir erlauben, ihm so einen Denkzettel (eine Wunde) aufzudrücken, wenn wir gelegentlich einander begegnen!" — Oláfr, der König, versicherte: „Das will ich nicht verbieten! — Doch, für jetzt, laß uns voneinander scheiden!"

Allsogleich sah Hemingr den König sich erheben, in seiner Glorie, aufwärts in die Luft, vor seinen staunenden Augen. Dann schritt er die Felsen hinab, suchte sich ein Schiff und fuhr nach Torgir. Hier ging er zunächst zur Kirche; diese fand er mit Kerzen erhellt und darin Áslákr, wie auch seinen Bruder Björn, versunken im Gebet. —

Björn schaute sich um, erblickte seinen Bruder Hemingr, und frohbewegt sahen sich alle drei wieder.

Darauf erzählte ihnen Hemingr, wie alles sich zugetragen hätte, was wir bereits wissen. Auch brachte er alle seine Gelübde zur Ausführung.

Ein wenig später segelte er ab, westwärts nach England und führte mit sich, zur Vermehrung durch Tauschhandel, denjenigen Teil seines Vermögens, welchen er dem heiligen Stephanus gelobt hatte.

 

Kapitel X.

Um diese Zeit herrschte über England der König Játvarðr (Eduard). Er war vermählt, hatte aber keine Nachkommen. Die Königin war eine Schwester von Sigriðr, dem Stolzen. Dieser war es, der in einer Nacht zwölf Fürsten in den Flammen umkommen ließ. —

Zu jenem Könige Játvarðr kam Boejarleifr und bat ihn um Winterquartier, in gastlicher Aufnahme, was ihm auch der Fürst gewährte. Schnell erwarb er sich unter dessen Hofleuten viele Freunde.

Von hier aus sandte Hemingr an Oddr Ófeigsson heimliche Botschaft mit der Bitte, zu ihm zu kommen. Und als Oddr diese Nachricht empfing, rüstete er ein Schiff und segelte nach England. Beide begrüßten einander auf das herzlichste und Boejarleifr überreichte ihm nun jenes Schweißtuch unter Danksagung für seine Hilfe.

Oddr blieb den Winter über in England. Er war umgänglich und in hohem Grade freigebig, womit er sich denn auch schnell Freunde erwarb. Mit jenem Vermögensanteile, welchen Hemingr ihm, entsprechend seinem Gelübde, einhändigte, kaufte Oddr Bauholz zu einer Kirche, nebst Glocken.

Eines Tages berief der König, nach seiner Gewohnheit, eine Volksversammlung, um Staatsangelegenheiten zu ordnen.

Dorthin begaben sich auch Oddr und Boejarleifr. In der Versammlung bemerkte Oddr einen Mann, der ein auffallend schönes Schwert und einen schmucken Pelzmantel trug. Nach seinem Namen gefragt, gab er an: „Ich heiße Aðalbrekkt!" —

„Wie kommst du zu diesen Kostbarkeiten?« forschte Oddr.

„Ich kaufte sie gelegentlich, und zwar zum vollen Werte!" gab dieser zurück.

„Meinem Bruder war beides zu eigen", bezeugte Oddr, „er hat beide Wertstücke lange getragen. Keine Kunde erhielten wir von ihm, seitdem er eines Tages, auf einem Schiffe, von Island fortgesegelt ist. — Und nun ist meine Vermutung diese, du hast ihn getötet. Denn niemals würde er sein Schwert verkauft haben. Darum ist es meine Pflicht, für diese Tat dich zur Rechenschaft zu ziehen!" —

Boejarleifr trat hinzu und forderte den Aðalbrekkt auf, die reine Wahrheit zu sagen.

Oddr bemerkte außerdem: „Das ist die Eigenschaft dieses Schwertes, es schneidet nicht, sobald derjenige eine Lüge ausspricht, welcher es in seiner Hand trägt!* —

Nun beichtete Aðalbrekkt: „Ich stieß eines Tages auf ein Schiff, bemannt mit tapferen Leuten. Wir töteten die ganze Besatzung, und ich eignete mir an diese Wertstücke samt einer Menge andern Gutes!* —

Oddr erwiderte: „Diese Rechtssache will ich dem Könige unterbreiten!* — — So geschah es. —

Und der König füllte folgenden Spruch: „Aðalbrekkt Kopf ist dir verfallen! — dennoch bitte ich dich, lege sein Leben in meine Hand!" — Worauf Oddr bat, der König möge frei darüber bestimmen.

Nach dieser Abmachung zahlte der Monarch dem Oddr ein Bußgeld an Stelle jenes Mannes, belegte diesen Aðalbrekkt aber mit der Strafe der Verbannung. Die Mittel zur Auslandsreise auf einem Schiffe erhielt er außerdem.

Etwas später rüstete auch Oddr zur Heimfahrt nach Island. Von Hemingr schied er mit Ausdrücken wärmster Freundschaft, und ein jeder empfahl den andern der Hut Gottes.

Oddr und seine Leute stachen in See. Da erheben sich wider ihn Sturm und Finsternis. Sie kommen ab vom rechten Wege und nicht früher finden sie sich zurecht, als bis sie auf die Küste Norwegens gestoßen sind, und zwar in der Gegend von Niðaróss. In dieser Stadt hielt sich damals gerade König Haraldr auf.

Als Oddr mit seinem Schiffe im Fjorde angelegt hatte, stellen sich Leute ein, welche nach dem Namen des Kapitäns forschen. Oddr antwortet, nie habe er seinen Namen verleugnet, und sagte dann die volle Wahrheit. Der König, alsbald von Odds Ankunft unterrichtet, entschließt sich rasch, und gibt den Befehl, vor die Mündung des Fjordes zu legen Langschiffe, mit starken Seilen untereinander verbunden, um so dem Oddr den Ausweg zu sperren. Haraldr selbst aber stellt sich an der Spitze einer Heeresabteilung am Lande auf, damit Oddr hier nicht entschlüpfen könnte. Als Odds Schiffsgesellen des inne wurden, entstand unter ihnen ein großes Murren und Schelten. Oddr redete ihnen begütigend zu; sie sollten sich nicht so fürchten; es würde ein guter Ausweg noch zu finden sein. „Doppelt so schlecht war Hemingr gebettet, nach des Königs Willen, und dennoch wurde ihm geholfen, auf Grund seiner Gelübde, so daß er unbeschädigt davonkam. Darum wollen auch wir diesen Glaubensweg einschlagen! — Ich will euch nun meinen Entschluß mitteilen. Kann ich mich retten von hier nach Island, so will ich zu Melr am Miðfjorde eine Kirche bauen und dieselbe ausstatten mit all dem Gute, welches ich hier in meinem Schiffe bei mir führe!" —

Darauf beten sie sämtlich das Vaterunser und den Marienpsalm. Dann hißten sie die Segel. Der Fahrwind war so günstig, wie nur möglich, und Oddr stellte sich selber an das Steuerruder.

Die Hofleute wechselten Spottreden untereinander und fragten, was denn Oddr eigentlich wolle, ob segeln ins Land hinein, oder zum Sunde hinaus? —

Der Wind aber schwoll plötzlich an zum Sturme, und Oddr steuerte direkt auf des Königs Kriegsschiffe zu. Es erfolgte ein Zusammenstoß mit der Wirkung, daß zwei der Kampfesschiffe auf den Grund sanken. Oddr gewann damit freie Fahrt und bald darauf auch das offene Meer. So entschlüpfte er dem Könige.

Haraldr sah sich geschlagen, und ihn übermannte das peinliche Gefühl, daß seine Ehre in diesen Händeln mit Oddr eine empfindliche Kränkung erfahren hätte.

Oddr segelte nach Island, errichtete zu Melr am Miðfjorde eine schöne Kirche und stattete dieselbe aus mit reichem Gute. Auch Glocken schenkte er, welche noch dort sind. Hier ward nun auch niedergelegt jenes wundertätige Tuch des heiligen Stephanus, welches dann in Zukunft, bei vielen Gelegenheiten, als höchst wirksam sich bewährte.

Oddr bewirtschaftete sein Gut zu Melr bis ins hohe Greisenalter, stand als einflußreicher Mann in höchster Achtung und bewährte, der besten einer, bis an des Lebens Ende seinen Glauben.

Hemingr aber war, nach seiner Trennung von Oddr, in England verblieben. Über ihn berichtet eine alte Urkunde, daß er durch einen tödlichen Pfeilschuß König Haraldrs Ende herbeigeführt habe. Doch ist der Sachverhalt nicht völlig verbürgt. Hierauf habe er von neuem eine Wallfahrt nach Rom unternommen, sei dort in ein Kloster eingetreten, und habe sein Leben in heiligen Übungen beschlossen. Hiermit endet diese Saga.

 

Quellen:
Professor Dr. E. Christian Dagobert, An nordischen Königshöfen zur Vikingerzeit
Erschienen 1910 im Karl J. Trübner Verlag

 

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