Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld

An nordischen Königshöfen zur Víkingerzeit

Aus der Regierungszeit von König Magnús Oláfsson góði, 1035—1047:
Von Hrafn Guðrúnarson aus dem Hrútafjörðr.

 

 

Thorgrímr, ein Bauer von großem Reichtume, aber von kleinlicher Gesinnung, wohnte auf seinem Gute Staðr, gelegen am HrútafjörðrEs befanden sich fünf größere Güter des Namens „Staðr" (Stätte oder Ort) in Island zur Sagazeit. Dieser Staðr hier lag an der äußersten Spitze des Hrútafjörðr, welcher sich streckte in der Richtung von Nord nach Süd, als eine Zweigabbuchtung des Stúnaflói, im Nordwesten Islands.; Thorgerdr hieß sein Weib und beider Söhne waren Kálfr und Grímr, mittelmäßig entwickelt, händelsüchtig und von treuloser Gemütsart; in allen diesen Dingen sehr ähnlich ihrem Vater.

Sein Gutsnachbar war Sighvatr, wohnhaft auf Melar, gleichfalls am Hrútafjörðr. Dieser hatte zum Weibe Guðrún, eine einsichtsvolle und energische Frau. Beider Sohn hieß Hrafn, jung, hübsch und körperlich stark entwickelt.

Sighvatr war kein guter Wirt. Er hatte zwar vorzügliches Land, aber er gab auch viel Geld aus. — Eines Sommers sagte er zu seinem Weibe, es müsse ein Stück Land verkauft werden zur Schuldentilgung und zum Ankaufe von Vieh.

„Dafür gibt es doch noch andern Rat", sagte Guðrún, „verkaufe lieber meinen Goldring und zahle damit Schulden, nicht aber mit Land."

„So will ich den Nachbar Thorgrímr aufsuchen", fuhr jener fort, „der hält Vieh über seinen Bedarf."

„Davor möchte ich dich doch dringend warnen, mit Thorgrímr Kaufgeschäfte zu treiben, denn der ist voller List und Trug."

Dieser Warnung zum Trotz begab sich Sighvatr zu Thorgrímr und sprach: „Der Zweck meines Kommens ist es, Vieh von dir zu kaufen."

„O, das paßt mir gerade", gab der zurück.

„Und mit diesem Goldringe zahle ich!"

„Das ist nicht ritterlich, zu veräußern ein Schmuckstück seines Weibes. Verkaufe mir lieber die Wiese, welche die Leute Graenateigrdas grüne Stück nennen. Ich brauche beides, Heu und Grünfutter, aber du behältst noch mehr als genug der Wiesen zurück."

„So will ich dir denn den Graenateigr abtreten; aber wohlgemerkt unter einer Beschränkung, lediglich zum Heuschnitt, nicht zum Weidegange, Anderer Leute Vieh will ich nicht auf meinem Lande haben!"

„Gut! Unter dem Beding sei der Handel geschlossen!" sagte Thorgrímr.

Sighvatr kam heim und erzählte seiner Frau von dem abgeschlossenen Geschäfte.

„Unverkauft wäre die Wiese geblieben, hätte ich zu bestimmen gehabt", sagte sie. „Bald genug wird er sein Vieh auf unser Land jagen, besitzt er erst ein kleines Stück davon."

Tags darauf wurde das von Sighvatr angekaufte Vieh herangetrieben. Und als der Sommer seinem Ende sich zuneigte, sprach Thorgrímr:

„Unseren Wiesenbestand haben wir nun vermehrt, und doch höre ich von den Mägden, daß das Milchvieh nicht genug Gras hat und dieses Gras obendrein schlecht sei. Ich seh' mich also gezwungen, unsere Kühe auf Sighvatrs Wiese zu treiben zum Weidegange. Dieses Stück Land ist ja auch von Rechts wegen mein eigen!"

Er tat das.

Als Guðrún das sah, sprach sie: „Meine Vermutung lief nicht fehl. Wenig war mir an diesem Verkaufe gelegen. Und es wird das noch schlimm enden. Denn Thorgrímr schickt nun auch seine Knechte mit, so daß sein Vieh nicht bloß unsere Wiesen abweiden, sondern auch unsere Heudiemen anfressen wird."

Sighvatr darauf: „Das ist ja allbekannt, daß Thorgrímr Gut mit Übel lohnt."

Eines Tags machte sich nun Sighvatr auf und trieb Thorgrímrs Hornvieh von seinem Heudiemen zurück.

Dieser eilte alsbald herbei und schrie: „Frechling! Der du dich benimmst gleich wie ein Knecht! — Da!"

Und er holte aus und durchstach mit dem Speere Sighvatr, welcher auf der Stelle an dieser Wunde verstarb.

Nach solcher Tat schritt Thorgrímr heim.

Guðrún hörte schnell genug diese Kunde und ließ dem Gatten die Gruft rüsten; absichtlich aber in aller Stille.

Der kleine Hrafn, beider Sohn, war damals erst vier Jahre alt. Er plauderte oft von seinem Vater und fragte, wo der wäre? —

„Tot ist er", sagte die Mutter, „an einer plötzlichen Krankheit verstorben." —

Kurze Zeit später erschien Thorgrímr eines Tages bei Guðrún und sprach:

„Du wirst glauben, ich hätte etwas vorschnell an dir gehandelt. So bin ich denn hier, um für deinen Mann die Buße zu zahlen; ich biete mich selbst dir an zum Ersatz! — Willst du meinem Schutze dich anvertrauen? — Das soll nicht dein Schaden sein!"

Darauf erwiderte sie: „Mir scheint es am passendsten, von uns beiden bleibt ein jeder für sich allein! Ich bin nicht so mannstoll, daß ich Lust hätte, bei mir einzulassen meines Eheherrn Mörder, selbst wenn du weiblos wärest!" —

Hrafn wuchs auf unter den Händen seiner Mutter, groß und stark, liebreich und gefällig für jederman. Besonders war er ein Freund heiterer Geselligkeit.

Darum ging er oftmals hinüber nach Staðr zum Spiele. Thorgrímr nahm ihn freundlich auf und Hrafn fühlte sich dort behaglich.

Er und Kálfr, Thorgrims Sohn, waren zumeist die Spielpartner; Hrafn fünfzehnjährig, Kálfr etwas älter, aber weniger robust gebaut. Er wurde nicht selten auf Hrafn ärgerlich, weil dieser, sehr ehrgeizig im Spiele, stets gewinnen wollte.

Eines Tags, als sie so gegeneinander kämpften, rief Kálfr: „Schlecht magst du, Hrafn, deinen Eifer dämpfen! Dich wird noch das Los deines Vaters treffen!" —

„Es ist das Los aller Menschen, zu sterben!" gab dieser zurück. „Mir wird es auch so ergehen."

„Du kennst demnach nicht deines Vaters Todesart? — Erschlagen wurde er. Und zwar tat das mein Vater. Und ich, ich werde töten — dich!" —

Ohne ein Wort zu erwidern, wandte ihm Hrafn den Rücken.

Nach Hause zurückgekehrt, zeigte er sich von gedrückter Stimmung. Seine Mutter fragte ihn: „Was ist dir zugestoßen?" —

„Du sagtest mir", sprach er, „an einer Krankheit sei mein Vater gestorben; doch Kálfr schleuderte es mir heute ins Angesicht: ,Nein! — Er ist erschlagen!' — Mutter! — Es dünkt mich gar seltsam! — Warum verschwiegst du mir das?" —

„Folgendes war mein Grund! Du warst noch ein Kind, aber unsere Gegner waren reich und mächtig. Doch nun wehre ich dem nicht. Mag jetzt das Feuer rauchen, welches sie geschürt haben!" —

„Wo liegt meines Vaters Grab?"

„Gras wuchs darüber, mein Kind!"

„Doch, führe mich dorthin! Jetzt kommt der Frohmut mir zurück, da ich die Wahrheit weiß! — Darauf kommt jetzt alles an, daß mein Vater einen starken Sohn hat!" —

Zum Spiel ging er hinüber, gleich wie zuvor, und niemand merkte ihm seinen Kummer an.

Es schmolz die Zeit dahin, und Hrafn ward nun achtzehnjährig.

Da, eines Tages, legte er nach geendigtem Spiele wieder sein Wams an, als Kálfr ihm zurief:

„Besser gefällt es dem Hrafn, seine Handknöchel am Balle zu härten, als seinen Vater zu rächen!"

„Das soll nun sofort geschehen!"

Und Hrafn stürzt sich auf Kálfr und erschlägt ihn.

Thorgrímr, als er das hörte, sprach: „Es nahm seinen Weg, wie gedacht! — Und doch, es verträgt sich nicht mit meiner Ehre, dieses ungestraft zu lassen!" —

Hrafn ging nach Hause und erzählte seiner Mutter den Totschlag.

„Teuer wird uns das zu stehen kommen!" sagte sie. „Jetzt muß ich den Sohn missen, wie früher den Mann! Mach dich fort! — Denn ich kann dir keine Hilfe gewähren!"

Sie geleitete Hrafn hinaus und führte ihn auf den Vorratsspeicher, welcher draußen in einem Winkel des Grasgartens („tún"tún, der besonders gepflegte Grasgarten rings um das Gutshaus;) stand. Dieser Speicher war ganz unterkellert, ein Verlies („jardhús"jardhús = Erdhaus, eine in den Erdboden gesenkte geheime Zufluchtsstätte, welche in jenen unruhigen Zeiten fast auf jedem Hofe sich vorfand, zur schnellen Rettung bei Überfällen.) geräumig und fest verwahrt. Hier schloß sie den Sohn ein und versorgte ihn reichlich mit Speise und Trank.

Am nächsten Morgen erschien Thorgrímr auf ihrem Gehöfte mit elf Mann. Doch auch Guðrún hatte über Nacht an sich gezogen von den Nachbarhöfen Hilfsmannschaft. So war sie dem Thorgrímr zurzeit überlegen.

Dieser sprach: „Ich bin gekommen, um Hrafn zu suchen, deinen Sohn. Bring ihn heraus!"

„Das ist ja natürlich", spricht sie, „daß du suchst nach dem Totschläger deines Kindes. Doch der ist nicht hier. Sehr begreiflich! — Denn mir fehlen Macht und Mut, ihn zu schützen vor dir, zumal in einem Hause, welches dem deinigen so nahe liegt."

Er darauf: „Ich begreife es, daß du nicht frei heraussagst, wo jener steckt? — Darum will ich jetzt deinen Hof durchsuchen!"

„Nicht zählte ich bisher zu den Dieben", antwortete sie; „darum wirst du die Haussuchung unterlassen, solange du weniger Leute zur Stelle hast, als ich!"

Nach diesen Worten ließ sie ihre Bewaffneten heraustreten.

„Du hast dich gut vorgesehen!" sprach Thorgrímr, und ritt von dannen.

Doch im nächsten Sommer brachte er seine Klage vor das Althing und setzte es durch, daß Hrafn für friedlosEin „Friedloser", ab aqua et igne interdictus, war rechtlos. Der Aufenthalt in bewohnten Stätten war ihm untersagt. Darum hieß ein solcher auch „skógar-madr = Waldmann. — Die Strafe der Friedlosigkeit kam also einer lebenslänglichen Verbannung gleich, vgl, Grágás II, 109. erklärt wurde.

Ein Handelsschiff lag segelbereit im Hrútafjörðr. Seine Eigner waren zwei Norweger, Einar aus dem NaumudalrDie Landschaft südlich von Hálogaland, zwischen dem 64. und 65. Breitengrad in Norwegen. und Bjarni. Jener wohlhabend und von trefflichem Charakter, war von König Magnús góði ein erprobter Freund. Sein Bruder Sigurdr, ein Jüngling, der zu großen Hoffnungen berechtigte, befand sich mit auf dem Schiffe.

Zu diesem Schiffe ritt Thorgrímr hinab, kommend direkt vom Althing und sprach zu den Kaufleuten, welche fertig zur Fahrt dort lagen:

„Kund und zu wissen wollte ich euch tun, daß ich einen friedlosen Mann habe mit Namen Hrafn; diesen mitzunehmen über das Islandsmeer, davor wollte ich euch doch dringend hiermit gewarnt haben, sollte er euch angeboten werden!"

„Das wird uns nicht schwer fallen", sagten sie; „alle Missetäter sollen hier abgewiesen werden!"

Kurze Zeit später kommen zu eben demselben Schiffe auch Mutter und Sohn und baten den Kapitän Einar zur Zwiesprach ans Land.

Gegenüber diesem ergriff Guðrún das Wort:

„Hier bin ich mit meinem Sohne! — Ihm folgt eine üble Nachrede. Doch, es handelt sich um eine Tat, von welcher mancher sagen wird, sie gereiche ihm zur Ehre. Ich aber bin zu schwach, ihn zu verteidigen gegen Thorgrímr; so hat das Gericht ihn denn verurteilt. Darum bitte ich, nehmt ihn mit nach Norwegen. Ich wage es zu hoffen, ihr werdet mehr Gewicht legen auf seine edlen Verwandten in Norwegen und auf den wirklichen Sachverhalt als auf Thorgrímrs Händelsucht und Schimpf. Denn er war der Schuldige, er erschlug mir einstmals meinen schuldlosen Gatten, Hrafns Vater, ohne zu zahlen irgend eine Buße!"

Einar erwiderte darauf: „Wenig ist uns dein Sohn belobt worden. Auch liegt es nicht uns im Sinne, verurteilten Leuten zur Flucht zu verhelfen!"

Da fiel ihm sein Bruder Sigurdr ins Wort:

„Wie? — Kannst du dich dazu entschließen, ihn von der Hand zu weisen? Achtest du nicht, wie schmuck er aussieht? Es war ja eine mannhafte Tat, daß er den ihm angetanen Schimpf gerächt hat! Hrafn, komm du her zu mir, obwohl mein Schutz weniger bedeutet, als der meines Bruders. Hier auf das Schiff, schnell; wir sind segelfertig und günstig wehet der Wind. He! —Hast du Verwandte in Norwegen?"

„Meine Mutter sagt, der Skalde Sighvatr sei ihr Bruder!"

„Das ist gut! — Um seinetwillen kommst du mit!" — Nun wurde die Schiffstreppe eingezogen, der Anker gelichtet und das Fahrzeug stieß vom Lande.

In demselben Augenblicke erscheint Thorgrímr. Von den Bergen herab sprengt er ans Ufer und schreit hinüber zu den Kaufleuten:

„Ich fürchte, ihr wurdet wortbrüchig!"

Sigurdr ruft: „Zeig dich jetzt, Hrafn. Es paßt gerade, daß Thorgrímr so nahe ist."

Hrafn springt mitten auf das Schiff, oben auf die aufgestapelten Ballen und schreit: „Ja, das wäre die rechte Nähe, wenn meine Streitaxt ihn fressen könnte!*

Bjarni schlägt nun ernstlich vor, den Hrafn wieder ans Land zu setzen.

Sigurdr aber legt sich scharf ins Mittel: „Sollte Hrafn mit Gewalt dem Thorgrímr ausgeliefert werden, dann wollte ich wohl, daß einige hier zu kurz bei dieser Arbeit kämen. Laßt uns das Segel hochwinden; das ist jetzt unser Werk!"

So geschah's denn auch. Der günstige Wind aber blieb ihnen, bis sie landeten in Thrándheim.

Ketill, mit dem Beinamen „Hrípr"der Korb, war durch des Königs Ernennung Amtmann über die junge Handelsstadt Niðaróss. Signý war sein Weib und Helga, ein liebreizendes und wohlerzogenes Mädchen, beider Tochter.

Als nun nach beendigter Fahrt die Kaufleute, das Schiff verlassend, heimwärts wollten, sprach Einar zu Hrafn:

„Das wird nun doch meine Pflicht sein, dir zu helfen, obwohl ich nicht so ein Hitzkopf bin, wie mein Bruder Sigurdr. Willst du, daß ich dir hier in der Stadt Wohnung mit Kost besorgen soll, so werde ich für dich zahlen. Das scheint mir zunächst besser für dich, als die Einladung auf meinen Hof."

Hrafn erwiderte: „Ich werde mich deiner Führung anvertrauen, da du mir wohlgesinnt bist. Zwar gewillt, mit niemandem hier Händel anzufangen, würde ich doch scharf heimzahlen Angriff wie Ehrenkränkung."

Dann suchten beide den Ketill auf.

„Diesen jungen Mann wollte ich dir empfehlen", sprach Einar, „behandle ihn gut! — Aber du, Hrafn, besuche mich, so oft es dir gefällt und die Zeit es dir gestattet."

Hrafn lebte nun in der Familie des Ketill. Er verhielt sich still und bescheiden, war aber doch freundlich zu jedem, der ihn ansprach. Oft unterhielt er sich auch mit Helga, Ketills Tochter, und der Vater wandte zunächst nichts dagegen ein, denn Hrafn benahm sich taktvoll.

Indessen bald darauf änderte Ketill die Gesinnung, entsprechend seinem Charakter, der treulos und eigenwillig war. Er hielt es seinem Weibe und seiner Tochter vor, daß Hrafn ein unruhiger Geselle sei, dazu arbeitscheu, und dass er viel zu viel mit ihnen beiden schwatze. Beide erwiderten, das geschehe in durchaus schicklicher und schuldloser Weise. Hrafns Benehmen sei jetzt noch dasselbe wie früher, wo er selber es gelobt habe. Hrafn sei durchaus ein Ehrenmann!

Ketill widersprach dem: „Ihr beide seid behext!" sagte er. Fortan warf er seinen Haß auf Hrafn und dichtete über ihn Spottverse.

Dieser aber gab sich den Anschein, das nicht zu merken. Kaufleute aus den WestlandenSchottland oder Irland lagen mit ihrem Schiffe in der Stadt und hielten sich reisegerüstet. Zu ihnen geht Ketill eines Tages hinab und spricht, er habe einen Knecht zu verkaufen.

„Den können wir gerade brauchen", sagten sie.

„Doch, ich will euch nicht prellen bei dem Handel. Er ist verlogen und behaftet mit noch vielen andern Fehlern. Zuerst würde es ratsam sein, ihn hart anzufassen, damit er die Strenge fühlt!" — Noch mancherlei andere Geschäfte schloß Ketill mit diesen Leuten ab.

Dann begab er sich heimwärts, betrat seinen Hof und sprach zu Hrafn:

„Willst du mich nicht begleiten zu einem Spaziergange hinab an den Hafen?"

„Gern begleite ich dich, wenn du mir wohl gesinnt bist."

Sobald die Kaufleute den Hrafn kommen sahen, rannten sie ihm entgegen und packten ihn an. Hrafn wehrte sie ab und fragte, was diese Narrenspossen zu bedeuten hätten? —

„Das wirst du bald gewahr werden!" sagten sie. Doch Hrafn war viel stärker, als sie und schüttelte sie von sich ab wie Staub von den Füßen.

„Dieser Knecht ist doch allzu frech!" sagten jene Leute. „So? Das ist die Meinung?" schrie Hrafn. „Wohlan denn! Meine liebste Knechtsarbeit ist das Ringen!" Und er packte einen der Kaufleute und schüttelte ihn dermaßen, daß dem Manne völlig die Besinnung schwand.

Ketill machte nun eilends kehrt und rannte seinem Hofe zu.

Hrafn sprang ihm nach und erschlug ihn auf dem Wege.

Als die Kaufleute dieses gewahr wurden, entfernten sie sich schleunigst, denn sie fürchteten, jener Totschlag könnte ihnen angekreidet werden.

Hrafn hielt die Vorübergehenden an und bekannte sich vor ihnen offen als den Täter, dann schritt er hinauf zu Ketills Hof. Hier traf er Mutter und Tochter und sagte ihnen, es sei soeben etwas geschehen, was ein ferneres Zusammenleben mit ihnen zur Unmöglichkeit mache.

Sie erwiderten: „Ja! — Das ist ein böses Ereignis!" — Aber man merkte es ihnen doch an, sie hätten gerne die Tat entschuldigt. — Rasch rafften sie für ihn zusammen Kleider und Kost und drangen in Hrafn, mehr vor des Königs Grimm, als vor dem ihrigen sich zu verbergen. So flüchtete denn Hrafn sich in die Wälder, und Dunkelheit deckte sein Haupt!

Der König Magnús kam bald darauf zur Stadt und man meldete ihm den Vorfall.

Empört darüber, sprach er:

„Das ist doch ein Übermut sondergleichen, daß Isländer zu dem Zweck hier in das Land mir kommen, um meine Amtleute, oder Statthalter zu morden. Der Mann, welcher solche Untat verübt hat, soll recht- und friedlos sein!"

Einar, aus dem Naumudalr, welcher zu jener Zeit bei dem Könige sich befand, wandte dagegen im Hinblick auf Ketill ein:

„Ein Mann, Herr, kann sich auch so schlecht benehmen, daß es zur Pflicht wird, ihn zu töten,"

Wenige Tage später begab der König sich auf die Jagd mit Falken und mit Hunden. Sein Gefolge im Jagdeifer drängte vor und der Fürst blieb allein zurück.

Indem tritt aus dem Walddickicht hervor ein hochgewachsener Mann, gemummt in einen Lodenmantel, und bat den König um einen Gnadenbeweis.

Dieser erwidert: „Was habe ich mit dir zu schaffen?"

„Nichts anderes, Herr, als daß meine Verwandten zu Euren Freunden zählen. Und dann Eure Großmut, welche niemandem, der Euch anflehte, bisher die Hilfe versagt hat!«

Darauf der König: „Ein Mann, er nennt sich Kollr, wohnt südwärts im Thauskadalr. Zu ihm will ich dich senden, er soll dir Herberge geben! — Doch, dein Name?" —

SpellvirkiTu' nicht gut", so hieß ich; doch diesem Namen gab ich den Abschied. Den Leuten mußte ich bis jetzt stehlen, was zum Leben mir not tat. Darum erbitte ich Eure Gnade! Wollt Ihr zu Kollr mich senden, dann gebt mir auch ein untrüglich Zeichen, daß der Mann mich aufnimmt. Den Winter über will ich dort rasten."

„Tu' das! — Ich selbst werde daselbst eintreffen in der Woche nach Ostern."

Mit diesen Worten zog der König von seiner Hand einen Goldring, steckte ihn auf seines Speeres Spitze und reichte denselben hinüber jenem Unbekannten, der bescheiden von ferne stand.

„Kennst du Hrafn, den Verbannten", sprach dabei der Fürst, „wo mag der jetzt sich aufhalten?"

„Ja, Herr! — Der wird zurzeit aufsuchen den Einar im Naumudalr, Euren Freund, dort müßt Ihr ihn packenl" Griff damit schnell den Ring von des Speeres Spitze und verschwand, in Blitzeseile, im Waldesdickicht.

Darauf der König: „Das war ja, trügt nicht alles, der Hrafn! Hat der Geselle mir einen Streich gespielt!**

Dieser Hrafn aber kam an bei Kollr, wies das königliche Wahrzeichen vor, und fand Aufnahme.

Kollr sprach: „Wunderlich dünkt mich dies Ding, da besitzest du des Königs untrügliche Beglaubigung, und doch standest du noch soeben unter seinem Zorne?" —! —

Hrafn verbrachte den Winter daselbst und machte sich beliebt bei jedermann; doch des Königs Ankunft wagte er nicht hier abzuwarten, sondern verschwand am Sonnabend vor Ostern.

Sobald der König eingetroffen war, fragte er sofort den Kollr: „Wo ist Hrafn, Guðrúnarson? Treff ich ihn hier?"

„Herr, der machte sich aus dem Staube!"

„Das verdrießt mich! — Darum, wissen soll es hier jedermann, daß jener Mensch friedlos und vogelfrei ist. Denn schwerer noch als sein Totschlag wiegt bei mir die Ehrenkränkung, welche er mir persönlich angetan, indem er mich hinters Licht geführt hat! Darum setze ich den Preis von 3 Mark Silbers3 Mark Silber = 108 Mark nach damaligem Geldwerte. Heutiger Wert mit 10 vervielfältigt = 1080 Mark. auf seinen Kopf. Und niemand falle es ein, für ihn zu bitten um Straflinderung und Frieden!" —

Der König führte alsbald ein großes Heer südwärts längs der Küste hin. — Er gedachte gegen Dänemark zu Felde zu liegen. Denn gerade in jene Zeit fiel der, heftig entbrannte. Streit zwischen ihm und Sveinn Ülfsson.

Ein halber Monat des Sommers war dahin. Da trat Hrafn aus des Waldes Dickicht und schritt hinab an den Seestrand. Es war eine Bucht. Doch wie erstaunte er, vor sich eine große Flotte zu sehen. Er näherte sich einem Platze, wo junge Burschen am Strande mit Speisekochen beschäftigt waren. Behutsam schlich er heran und fragte sie: „Wem gehört jene große Flotte?"

„Du mußt wohl ein Weltfremder und dazu ein Tropf sein", antworteten sie. „König Magnús liegt hier und wartet auf guten Wind zur Weiterfahrt nach DänemarkEs war dieses gegen Ende April des Jahres 1043. — Die Schlacht, eben dieses Feldzuges, bei Lýrskógsheiði entschied siegreich für Magnús und vertrieb Sveinn aus Dänemark, so daß Magnús die Herrschaft über Dänemark führte von 1043—1047. Erst 1047 kehrte Sveinn nach Dänemark zurück und herrschte dann bis 1070.."

„Welche Recken sind dort im Gefolge des Königs?"

„Da ist der Einar aus dem Naumudalr, des Königs Freund, dann Einar Thambarskelfir mit seinen 13 Schiffen, auch Sighvatr, der Skalde, ist hier. Der fährt aber auf dem Königsschiffe."

Hrafn bat sie dann: „Meldet doch diesem Sighvatr, daß ein Mann hier am Ufer stehe, der in dringender Angelegenheit ihn sprechen wolle!"

Sie führten den Auftrag aus.

Hrafn zog sich an den Waldesrand zurück. — Sighvatr schritt auf ihn zu und fragte: „Wer ist dieser vierschrötige Bursche?" — „Der ist Hrafn!"

„Troll dich! Auf deinen Kopf steht Geld und ich mag es nicht verdienen! Daß ich dich hier gefunden habe, soll niemand von mir erfahren!"

„Gemach! Das ist nicht so selbstverständlich! Du stehst in dem Rufe, ein geiziger Herr zu sein. Und mir wiegt mein Leben federleicht! — Ich kann es missen! Mancher Mann muß härter scharwerken um geringeren Lohn! — Geh nur und verrate mich! — Ist zwar des Königs Axt langgeschäftet, so reicht sie doch nicht bis in den Wald zu mir! Indessen, falls du mir von Nutzen sein willst, so würde das dir recht wohl anstehen, zumal du meiner Mutter Bruder bist!"

Darauf antwortet der Skalde: „Nicht leugne ich es ab, dir blutsverwandt zu sein! Doch seh' ich keinen Ausweg, dir zu helfen! Indessen bleib und erwarte mich an dieser Stelle!"

Darauf Hrafn: „Nein! Ich will mit dir aufs Schiff. Besser dünkt's mich, dort an deiner Seite totgeschlagen zu werden! Dieser Wunsch bedeutet eben nicht viel! Und weniger wirst du mir nicht gewähren wollen!"

Hierauf der Skalde: „Du bist ein Hitzkopf! — Wie? — Soll ich selbst dort unter die Axt dich liefern? Und so würd's enden für uns beide, hätt' ich auch zur Hilfe aller Männer Beistand und Gebot! Sei nun verständig! Hör' auf meinen Rat und warte hier mich ab. Unterdessen eil' ich, meine Freunde aufzusuchen!"

„Ich werde tun, wie du willst, und warten! Doch kurz muß dieses Warten sein! Geht's nicht schnell, so folg ich dir nach aufs Schiff! Denn beides ist zu viel, den bittern Tod erleiden und dann noch lange auf ihn warten!"

Sighvatr suchte nun den Einar aus dem Naumudalr auf und sprach zu ihm: „So steht's, Kamerad, daß ich in einer Verlegenheit stecke, und dazu in einer recht peinlichen! Hrafn ist da und besteht darauf, in die Gewalt seiner Feinde sich zu stürzen! Sag, welche Hilfe könnte mir von deiner Seite werden?" —

„Das ist ja ein Unglücksmensch! Wir sind verpflichtet, ihn vor dem Tode zu retten, aber ohne uns gegen den König aufzulehnen, bei unserer geringen Macht! Niemals künftig wieder würde der Fürst uns sein Vertrauen schenken, wenn wir jetzt gegen seine ausdrücklichen Befehle handelten!" —

Demnächst begab sich Sighvatr zu Einar Thambars-kelfir und sprach: „Kann ich einige Hilfe von deiner Seite erlangen, Einar?"

„Wessen bedarfst du?"

„Hrafn, mein Verwandter, ist da!"

„Das kannst du mir nicht zumuten, mich mit dem Könige zu überwerfen um seinetwillen. Einmal geschah es, daß ich einen Mann in meinen Schutz genommen habe, auf welchem des Königs Zorn lag, und ich war nahe daran, zu verlieren all mein früheres Ansehen bei ihm und seine Gunst!Es war dieses Thorsteinn, der Sohn des Siðu-Hallr. Der Vorgang wird berichtet in der gleichnamigen Erzählung dieses Buches. Wir beide, Eindridi, mein Sohn; und ich, haben hier dreizehn Schiffe unter unserem Befehl, und das ist unsere nächste Pflicht, an des Königs Seite gegen die Dänen jetzt zu streiten! — Treibe den Mann fort, daß er sich rette, und verhindere sein Kommen auf unsere Flotte! Er würde hier unweigerlich erschlagen werden, denn ich kenne des Königs Charakter. Lieber verzichtet er auf unser Geleit, als daß er sich irgend einen Zwang gefallen läßt!"

Während beide, Sighvatr und Einar Thambarskelfir diese Verhandlung führten, ging Einar aus dem Naumudalr ans Land, um mit Hrafn zu reden.

„Sei so verständig, Kamerad", sagte er, „und bringe nicht alle Leute hier in Verlegenheit. Nimm meinen Rat an und mache dich fort! Ich will dich entsenden nordwärts nach Hit, zu meinem Gute, da wirst du eine Zeitlang sicher wohnen!"

„Abwarten will ich hier noch den Sighvatr."

Einar ging und Sighvatr kam kurze Zeit darauf zurück.

Hrafn fragte ihn: „Wie steht es mit der Häuptlinge Hilfe?«

„Nicht gut", sagte er. „Du hast kein Glück! — Doch, was willst du jetzt anfangen?"

„Dasselbe, was ich dir bereits früher gesagt; mit dir auf des Königs Schiff gehen!"

„So willst du denn wirklich in den Tod dich stürzen?"

„Ja! Lieber will ich selber den Tod suchen, als die Ursach werden, daß des Königs Zorn auf euch alle falle. Denn ihr habt hier mit mir verkehrt! Daraus wird er sicherlich den Schluß ziehen, daß ihr mir habt forthelfen wollen!"

„Das ist ein wackeres Manneswort!" sagte Sighvatr. „Doch, ich habe noch einen Rückhalt, noch einen sehr vertrauten Freund, und bei diesem will ich nun um Trost und Hilfe anklopfen! Nie ließ dieser bisher mich im Stiche. Das ist mein König Oláfr, der Heilige."

Und nun warf sich Sighvatr nieder auf seine Knie zum Gebet und rief den König Oláfr an.

Nachdem er dieses Mittel versucht, gingen sie beide den Strand hinab und betraten des Königs Schiff.

König Magnús hatte soeben in seiner Kammer am Hintersteven geruht und erwachte in demselben Augenblicke, als Sighvatr und sein Neffe das Vorderschiff betreten hatten.

Der König erhob sich rasch von seinem Lager und befahl: „Auf, alle meine Mannen, auf! Günstig wehet der Wind, und gewiß ist uns der Sieg drüben in Dänemark!"

Alle Schiffe hoben jetzt ihre Anker und machten klar. Die Flotte segelte aus ohne Verzug!

In Dänemark angekommen, verließ man die Schiffe, und alles Volk stieg ans Land. Ihnen gegenüber stand ein großes Dänenheer und es entbrannte eine sehr blutige Schlacht.

König Magnús bewegte sich kämpfend in den vordersten Reihen.

Und Hrafn, Guðrúnarson, hielt sich stets, im Ansturm, an des Königs Seite, ihn deckend. Er kämpfte mit bewunderungswürdiger Kühnheit; doch niemand sprach zu ihm ein Wort.

In jener Schlacht wollen einige auch Oláfr, den Heiligen, an des Königs Seite erblickt haben. Der Sieg, welchen Magnús an diesem Tage erstritten hat, war ein glänzender.

Man zog sich abends zu den Schiffen zurück und dankte dort Gott für den errungenen Sieg.

Als der König mit Gefolge sein Schiff betreten hatte, sprach er: „Wo ist nun Hrafn?" — Dieser, nicht länger sich verbergend, hatte unter das Schiffsvolk sich gemischt!

Der Sieg, welchen Magnús an diesem Tage erstritten hat, war ein glänzender.Einar und Sighvatr nahten jetzt dem Könige und baten;

„Herr! — Schenke Frieden diesem Manne! — Er war so tapfer!" —

„Noch kann ich nichts geloben; doch sehen will ich ihn, den Mann!"

Da ging Einar aus dem Naumudalr zu Hrafn und rief ihn herbei.

„Du sollst jetzt vor den König hintreten! Benimm dich bescheiden, aber doch furchtlos. Alle seine Fragen beantworte wahr und klar!"

Hrafn trat vor den Monarchen und verbeugte sich. Der König richtete zunächst an Einar die Frage: „Warum verhalfst du einem verurteilten Manne aus Island zur Flucht?"

„Weil, Herr, er um deswillen friedlos geworden war, daß er seinen Vater gerächt hatte, der, einst ein völlig schuldloser Mann, erschlagen ward."

„Und du, Hrafn, warum erschlugst du denn den Ketill?"

„Aus dem Grunde, Herr, weil er zuerst Spottverse auf mich machte, und dann zu zweit, weil er in die Knechtschaft mich verkaufen wollte. Doch, als ich ihn getötet hatte, habe ich auf ihn ein Sterbelied gedichtet. Es fiel freilich nur kurz aus und ist nicht sehr kunstvoll!"

„Trag es vor", sagte der König.

„Nach Eurem Befehl, Herr! — Aber dann wollet Euer Ohr leihen auch einem andern Liede!*

„Welchem?«

„Welches ich zu Eurem Lobe dichtete, Herr!"

„So beginne!"

Und nun trug Hrafn die beiden Gedichte vor. Als er geschlossen, sprach der Fürst:

„Ungleich sind diese beiden Lieder! Wie konntest du in deinem Gedichte so viel zu meinem Lobe sagen? — Ich wollte dich ja töten!"

„Weil du, Herr, eines guten Liedes wert bist!*

„Und warum tratest du an mich damals heran im Walde?"

„Ich erwartete von Eurer Hand mein Glück, wie das auch eingetroffen ist. Vordem lebte ich in größter Not! Kein Helfer, oder Freund, stand mir zur Seite hier in diesem fremden Lande. Ich wurde verwickelt in einen schweren Fall. Einen viel vermögenden Mann sah ich mich gezwungen, zu erschlagen. Und ich glaubte dabei in meinem Rechte zu sein!"

Darauf der König:

„Was deinen Fall betrifft, so ist die Untersuchung jetzt geschlossen! — Doch nun von meiner Seite, ein Erlebnis! Hört, was mir begegnete! —

„Ich war in tiefen Schlaf gesunken, auf meinem Schiffe. Da trat an mich heran der König Oláfr, mein Vater, und sprach in scharfem Tone: „Da liegst du nun, König Magnús, und sorgst mehr darum, wie du töten könntest einen Blutsverwandten meines Skalden, um geringer Schuld willen, als wie du erringen magst ruhmvollen Sieg über das Dänenvolk, deine Feinde! Denn günstiger Wind ging auf. Sei wohlwollend gegen alle, welche in diesem Augenblicke auf deinem Schiffe sich befinden, sonst dürfte ein unerwünschtes Los, als Strafe, dich überfallen schon hier unten in dieser Welt!

„Nach diesem Traume erwachte ich. Da sah ich stehen vorne am ersten Riemen jene beiden, Sighvatr und Hrafn. Doch die Drohung meines Vaters hatte mein Sorgen geweckt und ich gedachte nicht des Totschlages, begangen an Ketill, noch der andern Schuld Hrafns.

„Hrafn! Komm her! Sei freundlich von mir empfangen! — So wollte es mein Vater. Und zur Entschädigung für die erlittene Pein werde ich dich vermählen mit Helga, Ketills Tochter. Eine reiche Mitgift soll meine Sorge sein!"

„Das werde ich mit vielem Danke annehmen", sagte Hrafn. „Aber hinüber muß ich noch diesen Sommer nach Island, um dort mich zu lösen von Urteilsspruch und Bann! Dann suche ich Euch wiederum auf, so schnell ich kann, und mache zweimal die Fahrt in einem Sommer, wenn das mir glückt." - „So tue!" sagte der König.

Und nun berichtete auch der Skalde Sighvatr dem Fürsten, wie er den König Oláfr im Gebet angerufen habe um Hilfe für Hrafn, nachdem seiner Freunde Beistand ihm versagt hatte.

„Hoch schätzt mein Vater deine Freundschaft", erwiderte der Monarch, „daß er dir gewährt dies und jenes, was du erbittest; zur gegenwärtigen Stunde, wie auch früher, da er noch hier auf dieser Erde wandelte!"

Hrafn fuhr den Sommer nach Island und kam dort an gerade um die Zeit, als das Althing tagte (Juni). Sein Rechtsfall wurde noch einmal daselbst verhandelt und die Strafe ward aufgehoben. Dann kehrte er nach Norwegen zurück, und zwar in Begleitung seiner Mutter. Es fand die Vermählung zwischen ihm und Helga statt, und der König schenkte beiden ansehnlichen Grundbesitz.

Hrafn hielt sich fortan stets zu dem Gefolge des Königs Magnús, solange dieser Fürst lebte; bewährt als ein entschlossener Mann in jeglicher Gefahr!

Hier schließt die Saga von Hrafn Guðrúnarson.

 

Quellen:
Professor Dr. E. Christian Dagobert, An nordischen Königshöfen zur Vikingerzeit
Erschienen 1910 im Karl J. Trübner Verlag

 

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