Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld

An nordischen Königshöfen zur Víkingerzeit

Aus der Regierungszeit von König Magnús Oláfsson góði, 1035—1047:
Von Thorsteinn austfirding.

 

 

Kapitel I.

Thorsteinn hieß ein Mann, stammend aus den Ostfjorden Islandsdaher der Beiname „austflrding", d. h. ein Mann, stammend aus den Ost-Fjorden Islands. , jung und flink. Er begab sich auf die Reise; sein Sinn stand nach Norwegen und dann weiter nach Rom. Auf diesem Wege kam er nach Dänemark. Dort vernahm er, daß der König Magnús, mit dem Beinamen „der Gute"Magnús Oláfsson goð regierte Ober Norwegen von 1035 bis 1047., im Lande anwesend sei, verwickelt in harte Kämpfe.

Da geschah es eines Tages, als Thorsteinn seine Straße so dahinzog, daß er gewahr wurde einen Mann, stehend unter einer Eiche und angegriffen von vier Leuten, gegen welche er sich wacker verteidigte. Und er gewann den Eindruck, der müßte wohl sehr beherzt sein.

Da sprach Thorsteinn zu sich selbst also: „Ritterlicher ist es, hier zu helfen dem einen, der sich wehrt, statt jenen vieren, welche ihn angreifen!"

Gesagt, getan! Er zieht sein Schwert, haut feste und lange darauf zu und tötet in kurzer Zeit drei Leute, während jener, dem er beisprang, einen erlegte.

Jener war ein jugendlicher Mann und trug eine seidene Weste unter dem Panzer; er war gar sehr geschmückt, aber doch weidlich ermattet vom Streite.

Da fragte Thorsteinn: „Wie heißt der Kämpe, dem ich soeben die Schwerthilfe geleistet?" —

„Styrbjörn heiße ich", spricht er, „und bin ein Gefolgsmann von König Magnús. Ich war in einer ziemlich verzweifelten Lage, bevor du mir beisprangst, denn meine Leute hatten sich im Walde zerstreut. Du hast mir einen großen Dienst geleistet, der schwer zu lohnen ist! — Doch, wer bist du und wohin steht dein Sinn?"

„Ich bin ein Isländer und mein Sinn steht nach Süden! Dort fahre ich hin."

„Kannst du diese Südlandsfahrt nicht einstweilen in das Salz stecken?"

„Das könnte ich schon! Doch, entschlösse ich mich dazu, so täte ich das zumeist nur um des Königs Magnús willen, oder seiner Mannen!"

„Liebst du denn den König Magnús?"

„Von ganzem Herzen! Denn er ist ein Fürst, trefflich und hochberühmt in allen Landen!"

Darauf schloß Styrbjörn: „Ich halte es für ratsam, du setzest deine Reise fort, wie du dir vorgenommen hast. Doch suche mich auf, wenn du heimkehrst. Du findest mich stets in der Begleitung des Königs Magnús."

Darauf trennten sich beide. Thorsteinn aber reiste gen Rom und kehrte zurück im Frühjahre.

 

Kapitel II.

Er gelangt in Norwegen an, als just König Magnús beim Mahle sitzt. In den Vorsaal getreten, verlangt er den Einlaß. Die Türhüter antworten, es sei nicht der Brauch, daß unbekannte Leute eingelassen würden, zumal zur Zeit, wo der König bei Tafel sitze.

Thorsteinn antwortet: „So bittet heraus zu mir den Mann, welcher Styrbjöm heißt!"

Da springt hinein einer der beiden Türhüter, bricht aus in ein Lachen und ruft in den Saal: „Der Styrbjöm komme heraus!"

Nun entsteht ein großer Tumult, alle Hofleute springen auf von ihren Sitzen und rufen: „Geh' du nun hinaus, du Styrbjörn! — Ein Isländer verlangt nach dir! — Der Kerl muß wohl gut Bescheid wissen über die Namen der Hofleute, aber wir kennen hier unter uns keinen, der so heißt!"

So überließen sie sich zügellos allem Spaß und Spott, jeder in seiner Weise, und schrien beständig: „Hinaus, Styrbjörn! Styrbjörn, hinaus!"

Der König rief sie zur Ordnung und sprach: „Das ist ein wohlfeiler Scherz! Es gibt mancherlei Namen, passend für mancherlei Leute. Doch diesen Namen sollt ihr mir nicht länger lächerlich machen!" —

Des Königs Befehl ward befolgt.

Nun erhob sich der Fürst von seinem Sitze. Er trug einen kostbaren Mantel. Zum Saale hinaustretend sprach er: „Sei willkommen, Isländer! Hülle dich in diesen Mantel und tritt ein. Man soll dir ein warmes Bad bereiten. Und sei willkommen an meinem Hofe! Niemand aber erdreiste sich, dir irgend einen Verdruß zu bereiten!"

Alle erfaßte darob ein Staunen.

Fortan lebte Thorsteinn in der nächsten Umgebung des Königs. Doch hielt er sich bescheiden und war wortkarg. —

 

Kapitel III.

Da sprach eines Tages zu ihm der König: „Wer hier unter uns mag nun wohl der Styrbjörn sein? Was meinst du?" —

Thorsteinn erwiderte: „Ich habe, Herr, sehr stark die Vermutung, daß Ihr es wart, der diesen Namen sich beilegte."

„Da hast du recht. Und du bist mein Lebensretter! Es soll dir das wohl belohnet werden!"

Nun hob der König an, alles der Wahrheit gemäß zu erzählen, wie es sich zugetragen hatte mit ihrem Zusammentreffen in Dänemark, und zwar von Anfang an.

Später begab sich der Hof nordwärts.

Eines Tages, auf dieser Fahrt, als sie in einem Hafen nicht weit ab vom Lande lagen, waren einige damit beschäftigt, am Ufer die Speisen zu bereiten. Man hatte Grütze gekocht. Und als die gefüllte Schüssel, der Reihe nach gehend, zu Thorsteinn kam, schöpfte dieser alles heraus.

Die Hofleute machten sich darüber lustig und riefen: „Ein Held bist du, Landsmann, im Vertilgen von Grütze!"

Der König lächelte dazu und dichtete aus dem Stegreife folgenden Vers:

Der Wurfspießträger

Lies stürzen im Pfeilkampf

Drei gegen eins;

Ein seltenes Schauspiel! —

Mit gleicher Wucht,

Einer für drei,

Greift er zur Grütze,

Gekocht auf der Fahrt

Im Nordland! —

Auch hierin ein Sieger!

„Dies ist der Mann, welcher mir wackern Beistand leistete damals, als von euch niemand zu sehen war;

und er brachte die Schwerthilfe einem solchen, den er ganz und gar nicht kannte. Das ist die Probe für den echten Mann! Darum ist es hier weiser, seinen Witz nicht zu wetzen an einem, den man nicht kennt. Weil wahrlich lange wir suchen könnten, ehe wir finden würden einen mutigeren und braveren Menschen. So mag sich denn glücklich preisen, scheint mir und nicht minder euch andern, wer solch einen findet!"

Thorsteinn antwortete: „Offenbar, o Herr, war es Gott, der mich Euch zur Hilfe sandte. Und ganz besonders auch machte Euer Aussehen mir den Eindruck, Ihr wäret doch weit mehr, als ein Mann aus dem gemeinen Volke. So zuckte es mir denn durch das Herz, Euch müßte ich beispringen!"

Der König blieb dem Thorsteinn überaus gewogen und sprach zu ihm eines Tages:

„Worauf steht nun dein Sinn? — Was scheint dir am besten? — Was möchtest du am liebsten? — Etwa hier dich ansässig machen und dich verheiraten?" —

Thorsteinn erwidert: „Das ist ein treffliches Angebot, Herr! Und solange Ihr lebt, würde ich hier meinen Vorteil finden, mehr als anderswo. Doch niemandem ist ein langes Leben verbürgt, und möchte ich der Neider wohl manche zu fühlen bekommen, wenn Euer Schutz mir fehlte. Doch, dessen bin ich gewiß, Ihr werdet für mich schon so zu sorgen wissen, daß Eure Freigebigkeit auf lange Dauer hin mir zum Segen gereichet!"

Der König erwiderte darauf: „Das ist weise gesprochen!"

Später rüstete der König den Thorsteinn auf das beste aus mit reichem Gut, zur Fahrt nach Island, wo derselbe Grundbesitz erwarb. Den Thorsteinn pries man als einen der glücklichsten Leute!

Hier schließt die Saga von ihm.

 

Quellen:
Professor Dr. E. Christian Dagobert, An nordischen Königshöfen zur Vikingerzeit
Erschienen 1910 im Karl J. Trübner Verlag

 

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