Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld

An nordischen Königshöfen zur Víkingerzeit

Aus der Regierungszeit von König Oláfr Haraldsson helgi, 1015—1030:
Von Steinn, dem Sohne des Skapti

 

 

Thóroddr, der Sohn des Goden Snorri, und Steinn, der Sohn des Skapti, zwei junge Isländer, hielten sich am Hofe des Königs Oláfr Haraldsson helgi in Norwegen auf und sahen zu ihrem Verdrusse sich daselbst in ihrer FreiheitVier junge Isländer, Söhne der vornehmsten der dortigen Häuptlinge, hatte Oláfr an seinen Hof geladen. Darunter befanden sich Steinn und Thóroddr. Als dieselben sich nun eine Zeitlang in Niðaróss aufgehalten hatten, dann aber um die Erlaubnis zur Heimfahrt baten, erklärte ihnen der König, daß allein Gellir Thorkelsson heimfahren dürfe und zwar mit dem speziellen Auftrage, dem Althing auf Island eine königliche Botschaft zu überbringen, dahin lautend: „Die Isländer sollten sich schlüssig machen, das norwegische Landrecht anzunehmen und eine Kopfsteuer zu zahlen." — Die übrigen, Steinn, Thóroddr und Egill wurden, um dieser politischen Sendung Nachdruck zu geben, inzwischen als Bürgen vom Könige zurückbehalten. Das Althing lehnte des Königs Ansinnen ab. In diese Zeit der politischen Spannung, währenddem die jungen isländischen Edelinge begannen, ihren Aufenthalt am königlichen Hofe als ein Unglück und einen Zwang zu empfinden, fällt unsere Erzählung, also in den Winter 1027/28.
Heimskvingla, Oláfs saga hins helgi, Kap. 136.
. Steinn war von großer männlicher Schönheit, in allen Waffenspielen durchgebildet und daneben auch bewandert in der Skaldenkunst. Er liebte die Pracht und war ehrgeizig.

Sein Vater Skapti hatte ein Lobgedicht auf König Oláf verfaßt, es seinen Sohn gelehrt und den Wunsch ihm auf die Reise mitgegeben, dasselbe gelegentlich dort dem Fürsten vorzutragen.

Nun enthielt sich aber Steinn nicht der tadelnden Worte über den König, ausgesprochen bald in gebundener, bald in ungebundener Rede.

Beide, er wie auch sein Landsmann Thóroddr benahmen sich unvorsichtig in ihren Äußerungen.

Unter anderem sagten sie, der König benehme sich schlechter als wie diejenigen, welche ihre Söhne ihm zugesandt hätten auf Treu und Glauben, denn der Fürst beraube sie in unverantwortlicher Weise ihrer Freiheit.

Solche Worte wurden Oláfr hinterbracht und er zeigte sich darüber sehr gereizt.

Da begab es sich eines Tages, daß Steinn im Gefolge des Königs stand und denselben fragte, ob es nun ihm gestattet sei, das Gedicht seines Vaters vorzutragen.

Worauf der König: „Ich wünschte zuvor zu vernehmen, was du selber über mich gedichtet hast!*

„Ich habe nichts gedichtet", gab Steinn zur Antwort, „denn ich bin kein Skalde. Und vermöchte ich auch Verse zu machen, so würdet Ihr doch meinen, daß dieselben, wie alles andere an mir, minderwertig seien."

Steinn zog sich darauf zurück, denn er fühlte, aus welcher Ecke der Wind blies und glaubte nun genau zu wissen, daß der König, über alles unterrichtet, darauf in seiner Bemerkung anspiele.

Thorgeirr, der Vogt, welcher im Orkadalr ein königliches Gut verwaltete, befand sich zu jener Zeit auch in der Umgebung des Fürsten und war Ohrenzeuge eben dieses Gespräches, reiste aber bald darauf ab.

So waren einige Tage verstrichen. Da verließ Steinn zur Nachtzeit heimlich die Stadt, begleitet nur von seinem Diener.

Sie reisten gen Süden, über Gaularáss hinaus, und rasteten nicht eher, als bis sie ankamen im OrkadalrNoch in der Landschaft Thrándheim, etwa 100 Kilometer südlich von Niðaróss..

Es war Abend geworden, als sie dort von den Pferden stiegen auf dem königlichen Gute, welches unter der Verwaltung des Thorgeirr, als VogtUnter diesen königlichen Vögten (ihr Titel war Ármaðr) stand die Verwaltung der Krongüter, deren Ertrag einen Teil des königlichen Einkommens bildete., stand, und wurden nach einer kurzen Erörterung über das Woher und Wohin ihrer Fahrt, von demselben aufgefordert zur Nachtrast.

Steinn ersuchte am andern Morgen den Vogt um die Stellung eines Pferdes und Schlittens zur Weiterfahrt; denn ersah, wie soeben auf solch einem Schlitten Korn angefahren wurde.

Thorgeirr erwidert darauf: „Nicht weiß ich, wie es um deine Reise steht, ob du mit des Königs Erlaubnis hier bist. Neulich hatte ich den Eindruck, daß du nicht sehr bei ihm in Gnaden stündest!"

Worauf Steinn: „Bin ich schon abhängig von dem Könige, so bin ich doch nicht abhängig von des Königs Knecht!"

Mit diesen Worten zog er sein Schwert und streckte den Vogt nieder. Dann nahm er eigenmächtig Pferd und Schlitten, ließ den Diener hinten aufsitzen, selbst aber nahm er den Vorderplatz im Schlitten ein. So brachen sie auf und fuhren die ganze Nacht hindurch, bis sie, vom Gebirge herabsteigend, ankamen in Maeri, im Súrnadalr. Hier wurde mittelst einer Fähre über verschiedene Fjorde gesetzt und nach Kräften die Fahrt beschleunigt.

Nirgends verrieten sie etwas von dem geschehenen Totschlage, sondern gaben an, sie seien Königsleute, was allenthalben einen freundlichen Empfang ihnen verschaffte.

Eines Abends trafen sie auf der Insel GizkyVorgelagert dem Festlande Norwegens zwischen dem 62. und 63. Breitengrad, unweit dem heutigen Molde. ein und begaben sich nach dem Hofe des Thorbergr Árnason. Der Hausherr selbst war nicht anwesend, jedoch seine Ehefrau Ragnhildr, die Tochter des Erlingr.

Von dieser erhielt Steinn die allerfreundlichste Aufnahme, denn sie waren aus früherer Zeit her sehr gute Bekannte.

Der Grund dieser Freundschaft hatte folgenden Ursprung.

Steinn, vor Jahren auf eigenem Schiffe herüberkommend, ankerte damals nahe der Gizky.

Um diese Zeit sah Ragnhildr ihrer Entbindung entgegen und fühlte sich sehr matt. Ein Priester lebte weder auf den Inseln, noch in der weiteren Umgebung des Festlandes.

Da kommt zu Steinn ein Bote mit der Anfrage, ob auf seinem Schiffe vielleicht ein Priester sich befände.

Es war ein solcher dort, namens Brandr aus den Westfjorden, noch ein junger Mann; doch von geringer theologischer Bildung.

Die Sendboten ersuchten den Priester, mit ihnen zu Ragnhildr zu fahren. Doch der hatte große Bedenken, denn er kannte seine Unwissenheit und wollte nicht mitgehen. Da warf Steinn sein Wort in die Wagschale und munterte den jungen Mann zu dem Gange auf.

„Ich will das tun, wenn du mit mir kommst", sagte Brandr, „um durch deinen Rat mich zu unterstützen."

Steinn entschloß sich dazu.

Beide fuhren zu dem Hofe der Ragnhildr, welche bald darauf eines Kindleins genas. Dieses war ein Mädchen, überaus zart und schwach.

Der Priester taufte das Kind und Steinn übernahm die Patenstelle. Dabei verehrte er dem Täuflinge einen goldenen Fingerring.

Ragnhildr hatte damals dem Steinn ihre volle Freundschaft angelobt und ihn aufgefordert, seinen Besuch zu wiederholen, namentlich wenn er irgendwie ihrer Hilfe bedürfen sollte.

Steinn hatte ihr scherzend erwidert, bei noch mehreren kleinen Mädchen würde er nicht wieder Pate stehen wollen.

So hatten sie in jener Zeit Abschied voneinander genommen.

Jetzt aber waren die Dinge zu einer so ernsten Gestalt gelangt, daß Steinn jene Freundschaftszusage von Ragnhildr einzukassieren gedachte.

Darum teilte er ihr offen die begangene Tat mit, und daß er dadurch eine Zielscheibe für des Königs Zorn geworden sei.

Sie versprach nach Kräften ihren Beistand, fordert Steinn auf, Thorbergs Rückkehr hier abzuwarten und wies ihm in der Halle den Platz an zur Seite ihres Sohnes Eysteinn orriEysteinn, orri oder auch horri (der Birkhahn) entwickelte sich zu einem Manne von ausgezeichneten Eigenschaften und wurde der Schwager des Königs Haraldr Sigurdarson. Sein Charakter wird in ein helles Licht gesetzt in der Erzählung von Thorvardr, dem Krähenschnabel, oder dem Segel, welches Haraldr ausschlug, welche Saga auch auf der Gizky spielt., der damals zwölf Jahre zählte.

Steinn überreichte Gastgeschenke an Ragnhildr und Eysteinn.

Thorbergr kommt nun heim, bereits unterrichtet von Steinns Flucht und in übelster Stimmung.

Ragnhildr sucht ihn auf, spricht offen über Steinns Kommen und erbittet für denselben des Hausherrn freundliche Aufnahme und seinen Schutz.

„Ich habe in Erfahrung gebracht", spricht er, „daß der König nach Thorgeirs, des Vogtes, Tötung ein großes Thing abgehalten hat, auf welchem Steinn für friedlos erklärt worden ist. Oláfr ist auf das äußerste empört, und ich habe zu viel der Erfahrung, um durch die Aufnahme eines friedlosen Mannes des Königs Ungnade mir zuzuziehen! Laß den Steinn abreisen, und zwar so schleunig als möglich!**

Ragnhildr erklärt darauf entschlossen: sie würden entweder beide abreisen, oder beide hier bleiben!

Thorbergr bittet sie hinzureisen, wohin sie wolle. „Denn ich bin sicher", setzt er hinzu, „daß du schleunigst wieder heimkehren wirst, da ich meine, nirgends wirst du so geehrt dich fühlen, als hier!"

Da trat auch Eysteinn, der zwölfjährige Sohn beider, hervor und erklärte, auch er werde nicht im Hause bleiben, wenn seine Mutter Ragnhildr wegginge.

Thorbergr tadelte scharf den großen Trotz, welcher bei diesem Anlasse beider Charakter enthülle.

„Es wird ja das beste sein, daß ihr beide nun zusammen euren Entschluß fasset, da es sich um einen sehr folgenschweren Schritt hier handelt. Aber zu sehr, Ragnhildr, gleichst du darin deiner Familie, in welcher es Brauch war, wenig eines Königs Worte zu respektieren!"

„Ragnhildr darauf: „Nun! Ist es denn in deinen Augen ein so großes Wagestück, den Steinn hier zu beherbergen? So bringe ihn doch zu meinem Vater Erlingr, oder gib ihm wenigstens dorthin ein sicher Geleit!"

Thorbergr erklärt, er werde ihn nicht dorthin bringen, denn Erlingr hätte schon genug auf dem Kerbholze bei dem Könige.

Als Resultat stellte sich sodann heraus, daß Steinn den Winter über bei Thorbergr verblieb.

Nach Weihnachten geschah es, daß Sendboten des Königs auf der Gizky eintrafen mit dem Befehle, Thorbergr habe sich beim Könige zu stellen, und zwar in der Mitte der Fastenzeit. Diese Ordre wurde mit großem Nachdruck eingeschärft.

Thorbergr legte die Sache seinen Freunden vor und suchte bei ihnen Rat, ob er unter den obwaltenden Umständen sich der Gefahr aussetzen und zu König Oláfr hinziehen solle.

Die meisten widerrieten und redeten zu, eher den Steinn auszuliefern, als zum Könige zu gehen.

Thorbergrs Neigung war für die Reise, nicht für die Auslieferung.

Etwas später suchte er seinen Bruder Finnr auf, machte ihn mit seiner Lage bekannt und bat um dessen Begleitung zum König.

Doch Finnr erwiderte, ihm erschiene solch ein Weiberregiment sehr vom Übel, daß er lediglich aus Furcht vor seiner Ehefrau die Unbefangenheit eingebüßt habe, vor seinem Lehnsfürsten zu erscheinen.

„Du hast ja ganz und gar nicht die Verpflichtung mitzukommen", sagte Thorbergr, „und ich meine, dich treibt zu dieser Weigerung weniger die Furcht, als die Liebedienerei vor Fürsten!"

Beide trennten sich ziemlich verstimmt. Darauf begab sich Thorbergr zu seinem zweiten Bruder Árni, stellte ihm die Sachlage auch vor und bat um sein Geleit zum König.

„Es ist zum Erstaunen", antwortete dieser, „daß ein so kluger und vorsichtiger Mann, wie du, in solch eine schlimme Ungelegenheit hineingetappt ist. Du zogst des Königs Zorn auf dich, da, wo es doch wahrlich nicht vonnöten war. Das wäre wohl zu entschuldigen, wenn ein Mann seinen Verwandten, oder seinen Kameraden hielte und schützte; aber ganz und gar nicht ist das entschuldbar, wenn jemand bei sich aufnimmt solch einen hergelaufenen Isländer, und dazu noch einen vom Könige geächteten Mann, um auf diese Weise sich und alle seine Verwandten aufs Spiel zu setzen!"

Thorbergr antwortet ihm: „Wahrlich das Sprichwort hat recht: Jede Familie besitzt ihren Bastard. Das Unglück meines Vaters leuchtet mir nun ein, wie ihm mißglückte die Zeugung seiner Söhne, indem der letzte ganz und gar unähnlich ausfiel unserm Geschlechte. Er ward ein Feigling! Und sicherlich, ich würde dich nicht für meinen echten Bruder halten, wäre das nicht eine Beleidigung für meine Mutter!"

Thorbergr kehrte ihm den Rücken und fuhr heim. Er war äußerst unfroh! — Schließlich sandte Thorbergr auch noch zu seinem dritten Bruder Kálfr, der nordwärts über Thrándheim hinaus wohnte, und bat diesen um eine Zusammenkunft in AgðanesDas südliche Vorgebirge an der Ausmündung des Fjordes in das Meer, einige Kilometer entfernt von der Residenz Niðaróss..

Als die Boten zu Kálfr kamen, versprach dieser sein Kommen ohne Verzug.

Ragnhildr sandte Botschaft ostwärts nach JaðarJaðar, eine häufig vorkommende Stellenbezeichnung, heißt im allgemeinen „Kante" oder „Rand". — Hier ist gemeint die Binnenlandschaft Norwegens, südlich von dem heutigen Stavangr. zu ihrem Vater Erlingr unter dringender Bitte um Zusendung von Mannen. Darauf kamen Erlings Söhne Sigurdr und Thórir, jeder mit einem Schiffe von zwanzig Ruderbänken, darin eine Besatzung von je 90 Mann. Thorbergr nahm dieselben mit Freuden auf. Auch er rüstete nun zur Reise und befehligte ein gleich starkes Schiff. Nordwärts zogen sie ihren Weg und stießen bald auf Thorbergs Brüder Finnr und Árni, ebenfalls mit zwei Langschiffen. Thorbergr begrüßte sie freundlich und äußerte, es hätte die Anstachelung doch bei ihnen einigen Nutzen geschafft.

„Einer solchen Anstachelung bedarf es bei mir selten", gab Finnr zurück.

Dann brachen sie alle miteinander auf nach Thrándheim, und Steinn nahm teil an dieser Fahrt.

In Agðanes stoßen sie auf Kálfr, der ebenfalls ein Schiff von zwanzig Ruderbänken in bester Ausrüstung herbeiführte.

Vereinigt fahren sie dann alle nach Hólmr und gehen hier vor Anker über Nacht. Am nächsten Morgen treten die Recken zu einer Beratung zusammen.

Kálfr macht den Vorschlag, unterstützt von den Söhnen des Erlingr, mit vereinter Heeresmacht zur Stadt zu fahren, um dort mit Nachdruck die Entwicklung der Dinge zu betreiben.

Doch Thorbergr empfahl dagegen, mit Schonung vorzugehen und zuerst Buße anzubieten. Ihm stimmten Finnr und Árni bei. So wurde denn beschlossen, Finnr und Árni zum Könige Oláfr zu entsenden, und zwar mit nur kleinem Gefolge.

Der König hatte bereits die Kunde empfangen von jener auffälligen Ansammlung zahlreicher Schiffe und verhielt sich bei dem Empfange der Gesandten sehr zurückhaltend.

Finnr bot Buße an für seinen Bruder Thorbergr und für Steinn, so viel des Geldes, wie der König bestimmen wollte. Dafür sollte Thorbergr den Landfrieden und sein Besitztum behalten, Steinn aber empfangen die Sicherheit für Leib und Leben.

Der König antwortete: „Mir scheint, ihr habt diese Fahrt von Hause aus in dem Sinne unternommen, daß ihr wähnet, mehr Macht in dieser Sache zu besitzen, als ich. Und das hätte ich wohl am letzten von euch Brüdern erwartet, daß ihr mit Heeresmacht gegen mich heranziehen würdet. Doch ich durchschaue das Treiben der Jadarieute. Sie haben dieses Unterfangen angezettelt! — Nein, ich werde kein Bußgeld annehmen!"

Da antwortete Finnr: „Nicht haben wir Brüder aus dem Grunde so viele Leute versammelt, daß wir Euch, Herr König, Unfrieden ansagen wollten! — Ganz im Gegenteil, Herr, dies hat nur den Zweck, unsere Dienste auch anzubieten! — Euch zuerst! — Doch, schlagt ihr diese unsere Dienste aus und sinnet auf Übel wider Thorbergr, unseren Bruder, ja, dann ist es unser Entschluß, dann werden wir mit allen unsern Mannen hinüberfahren zu KnútrKnútr Sveinsson riki, von 1018—1035 König über Dänemark, unterhielt geheime Verbindungen mit der Aristokratie in Norwegen, welche sich in ihren Privilegien vom König Oláfr, der gleiches Recht für alle im Lande wollte, vielfach gekränkt fühlte. Es waren das Anschläge, welchen König Oláfr auch schließlich unterlag, getötet in der Landschlacht zu Stiklastaðir am 29. Juli 1030. Der Platz wird heute bezeichnet durch die Kirche von Vaerdalen, in nordöstlicher Lage zu Levanger, gehörend zur Provinz Thrandhjem. dem Großen."

Da sah ihn der König scharf an und sprach: „Wollt ihr Brüder mir einen Eid schwören, welcher euch verpflichtet, mir zu folgen außen- wie binnenlands, und nicht euch von mir zu trennen, es sei dann mit meiner ausdrücklichen Erlaubnis? — Auch das sollt ihr mir schwören, in keiner Weise es vor mir zu verbergen, falls ihr in Erfahrung bringt, daß Ränke gegen mich geschmiedet werden! — Unter dieser Bedingung will ich mit euch einen Vergleich eingehen!"

Mit solcher königlichen Entscheidung kehrten Finnr und Árni zu den versammelten Schiffen zurück. Man trat dort wiederum zu einer Beratung zusammen.

Thorbergr gab zuerst seine Erklärung ab: „Was mich betrifft, so nehme ich diese Entscheidung an. Ich verspüre keine Lust, Grund und Boden zu verlassen, um auswärtige Fürsten aufzusuchen. Mehr Ehre erwarte ich vom König Oláfr. Darum will ich stehen, wo er steht!" —

Darauf Kálfr: „Ich lehne jenen Eid ab. — Nur so lange will ich in diesem Lande bleiben, als ich mein Lehn mit allen Ehren behalte, und der König selbst mein Freund bleiben will! — Diesem Vorschlage tretet auch ihr bei, ihr alle!"

Nun kam die Reihe an Finnr: „Ich für meinen Teil will mich der Gefahr schon aussetzen, daß der König die Vertragsbedingungen zwischen ihm und uns aus eigener Vollmacht bestimmt und festsetzt!"

Und endlich erklärte Árni Árnason: „Bruder Thorbergr, ich bin entschlossen, dir zu folgen! Selbst wenn du mit dem Könige kämpfen willst, auch dann trenne ich mich nicht von dir! — Doch freudiger bereit findest du mich und meine Hilfe, wenn zu weniger harten Dingen du dich entschließen willst."

Die Brüder Thorbergr, Finnr und Árni bestiegen nun gemeinschaftlich eine Barke und ließen sich hinaufrudern zur Stadt. Dort traten sie alle in des Königs Haus.

Hier wurde jetzt ein Vergleich derart abgeschlossen, daß die Brüder dem Könige durch jenen Eid sich verpflichteten.

Für Steinn erlangte Thorbergr den Frieden vom Könige, der indessen die Erklärung hinzusetzte: „Vor sein Antlitz solle Steinn nie wieder treten, sonst aber dürfe er reisen, wohin er wolle."

Die Brüder fuhren nach diesem Ausgleich zu ihrem Heerhaufen zurück nach Hólmr.

Kálfr begab sich nach Eggja, Finnr zum Könige und Thorbergr samt den übrigen heimwärts.

Steinn begleitete die Erlingssöhne nach Jadar, doch mit Frühlingsanbruch reiste er weiter westwärts nach England zu König Knútr, bei welchem er lange Zeit in gutem Einvernehmen verblieb.

 

Quellen:
Professor Dr. E. Christian Dagobert, An nordischen Königshöfen zur Vikingerzeit
Erschienen 1910 im Karl J. Trübner Verlag

 

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