Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld

An nordischen Königshöfen zur Víkingerzeit

Aus der Regierungszeit von König Oláfr Tryggvason, 995—1000:
Von Hallfredr, dem Skalden,
und König Oláfs großer Weihnachtsrede an die versammelten heidnischen Häuptlinge.

 

Der König Oláfr schritt eines Tags die Straße entlang. Da begegnete ihm eine Gruppe von Leuten, deren Anführer ihn begrüßt. Der Fürst fragte nach seinem Namen und der Angeredete gab sich als Hallfredr zu erkennen.

„Bist du ein Skalde?"

Ja, ich verstehe zu dichten!"Es ist dieses der bereits in der vorigen Erzählung genannte und später so berühmt gewordene Skalde Hallfredr vandraeðaskáld Ottarsson. Sein Lebensgang findet sich ausführlich mitgeteilt in
F. Jónsson: Den oldnorske og oldislandske Littera-turt Historie I, 5567., Köbenhavn 1894.

„So solltest du dich doch entschließen, an den wahren Gott zu glauben und dem Heidentume, sowie dem verderblichen Götzendienste abzusagen. Bist du ein tüchtiger und aufrichtiger Mensch, dann mußt du auch die Einsicht gewinnen, nicht länger dem Teufel zu dienen!"

„Du verstehst es, eindringlich darüber zu sprechen, mein König! Doch nicht ohne eine Gegengabe würde ich die Taufe annehmen!"

„Was wünschest du dir denn?"

„Dieses, mein König, daß du in eigener Person die Patenschaft mir leistest. Von keinem andern gedenke ich diesen Liebesdienst anzunehmen!"

„Das will ich dir gewähren*, schloß der Fürst dieses Zwiegespräch.

So wurde denn Hallfredr getauft, und nicht bloß er, sondern auch seine Schiffsgesellen. Doch nur ihm leistete der König den Patendienst.

Das bezeugt Hallfredr in einem längeren Liede, welches er auf den König Oláfr gedichtet hat. Darin heißt es:

Von der Männer Geschlechte

Unter des Nordlands Himmel

War er der Edelste,

Welcher mich hielt

Über der Taufe

Heiligem Wasser! —

Dieses hier ist mein Zeugnis! —

Nach Vollzug der heiligen Handlung übergab der König den Hallfredr seinen beiden Oheimen von mütterlicher Seite, nämlich dem Karlhöfði und dem Jósteinn, damit diese ihn lehren sollten das „credo" und das „pater noster".

Zu ebenderselben Zeit nahmen den Christenglauben an auch der rasche Brandr und zwei Brüder, Söhne des Breiða-Skeggi sowie sämtliche Isländer, welche damals in der Stadt Niðaróss sich aufhielten.

Kurz vor dem nahen Weihnachtsfeste entsandte der König Boten in die Landschaften Strinda, Gaulardair und OrkadalrDiese drei Bezirke befinden sich sämtlich in der Nachbarschaft der damaligen Residenz „Niðaróss", zwischen dem 62. und 64. Breitengrade. und lud zu sich ein die dort ansässigen Häuptlinge sowie andere Großbauern.

Als die Geladenen sämtlich bei Hofe sich einfanden, nahm der König mit ausgesuchter Freundschaft sie auf.

Ein prächtiges Bankett wurde ihnen gerüstet und mit Eifer kredenzt, so daß am ersten Abend die Bauern, sonderlich die neuangekommenen, schwer bezecht waren.

Die Nacht darauf schlief alles in guter Ruhe.

Am nächsten Morgen, nachdem der König angekleidet war, begab er sich zur Messe. Nach Schluß des Gottesdienstes aber ertönte das Trompetensignal zur Versammlung der Hausgemeinde. Zu dieser ging auch der Monarch samt Gefolge.

Als alle versammelt und das Thing eröffnet war, erhob sich König Oláfr zu einer Ansprache.

Seine Rede lautete folgendermaßen:

„Wir hielten einst ab ein Thing im Binnenlande. Es war zu Frosta„Frosta" liegt in nordöstlicher Richtung von Niðaróss und höchstens 20 Kilometer davon entfernt, am östlichen Fjordrande.. Damals forderte ich die Bauern auf, sich taufen zu lassen; doch diese begegneten mir mit dem Ansinnen, ich möchte mich entschließen, an ihrem heidnischen Opfer teilzunehmen. Jenes Thing schloß mit dem Übereinkommen, daß in Maeri„Maeri" ist der ältere Name für Niðaróss. wir uns wieder treffen sollten, um hier das große Opferfest zu veranstalten.

„Nun ist es allen Leuten bekannt, daß ich an vielen Plätzen die Götzen verunglimpft, in ihren Rechten beschränkt, ihre Bildnisse zerbrochen, ihre Tempel und Opferstätten verbrannt, kurz, auf allen Wegen den Götzendienst wüste gelegt habe!

„Um deswillen bin ich überzeugt, ist es meine allerhöchste Pflicht, ihnen einen Ritterdienst zu leisten, damit sie gnädigst annehmen meine Unterwerfung und abwenden von mir ihren grimmen Zorn, auf daß mir bleiben Reich und Würden.

„Nun wohlan denn, soll ich einmal mich entschließen zur Darbringung eines Opfers, um mir gnädig zu stimmen diese Götzen, so will ich denn auch ein Opfer bringen, so kostbar und so groß, wie es den Leuten noch nicht bekannt geworden ist.

„Zu diesem Opfer werde ich also nicht wählen Knechte oder Schurken; o nein, auswählen und darbringen will ich in ihm die vornehmsten Männer und die reichsten Bauern!

„Dich wähle ich dazu aus Ormr lyrgja von Meðalhús, und dich Styrkár von Gimsar, und dich Kár von Grýting, und dich Ásbjörn Thorbergsson von Ornes, dich Ormr aus Lyxa und dich Haldór aus Skerðíngssteðja.

„Ihr seid ja alle hier zur Stelle!

„Aber außer euch werde ich ernennen noch andere sechs, welche in der Landschaft Thrändheimr leben, als die am edelsten Geborenen und höchst Geehrten.

„Alle diese zwölf Männer soll man hinopfern, damit uns beschert werde ein Jahr des Friedens.

„Dieses nur zu dem Zwecke und in dem Drange der Not, daß wir stillen, so es geht, obgleich in einem Wurfe das kaum gelingen wird, den Zornessinn und den Groll dieser Götter, welcher Haß ja seit langem sich gehärtet und gehäuft hat wider unsere Person wegen wiederholter Angriffe und feindseliger Handlungen gegen ihre Gottheit.

„Und betrachten wir nun das Ding von seiner Kehrseite, so muß solch ein Beginnen ja auch euch hochwillkommen sein! Gilt es doch, von euren Göttern nun abzuheben den Lohn eurer Verdienste, das heißt, endlich teilzunehmen an ihren Festen und Versammlungen, welches ihr so lange ersehnt habt in vollem Glauben!

„Das soll nun augenblicklich ins Werk gesetzt werden! Man ergreife die Ausgewählten und führe sie zu ihren Göttern. Man töte sie, so schnell es geht, damit sie zu Gesichte bekommen jene Seligkeit, welche die Götter euch schenken werden für eure lebenslänglichen Liebesdienste.

„Es ist kein Grund weder zum Erbleichen, noch zu Erröten ob meines Wortes; denn falls eure Götzen wirklich gut und mächtig sind, wie ihr das behauptet, dann müssen sie euch ja schenken ewiges Glück zum Lohne, und allermeist dann, wenn ihr nach lebenslänglichem Dienste jetzt den Tod erleidet um ihretwillen!

„Doch nein! Es ist anders, wie mir scheint! Angst überzieht euer Angesicht! Und durch eure Seele zuckt der Gedanke, daß es doch vielleicht nicht so lieblich sein möchte, zu der Versammlung dieser Götter jetzt hinzueilen, wie mancher das glauben machen will! Nun, dieses Erbleichen gibt mir einen Beweis! Ja! Ihr zweifelt an der Allmacht jener Götzen! —

„Steht es so? — Und ich weiß, es steht so! — Dann folgt dem Rat, welchen ich euch jetzt zu geben gedenke: Trauet von nun an niemals mehr jenen Teufeln, welche keinen andern Lohn geben können ihren Knechten, als den Lohn, welchen sie selber haben, und das ist: ein nie endender Brand der Höllenpein!"

„Vielmehr, bekehrt euch zu dem Gotte, welcher ist so mächtig, so milde und so barmherzig, daß er jedem, welcher sein getreuer Dienstmann wird, schenkt die ewige Seligkeit und die nie endende Herrschaft mit ihm in des Himmelreiches Herrlichkeit, nach diesem Leben in Armut, welches wir führen in einer unvollkommenen Welt.-

„Und solch ein Himmelreich verleiht der allwaltende Gott nicht weniger dem Bettler als dem reichen Könige, falls man ihm dient in wahrem Glauben und mit guten Werken!"

„Gleicherweise fällt dieses Reich zu auch nicht minder denen, welche zwar ihr Leben lang ihm widerstanden, dann aber im gebrechlichen Alter mit Entschiedenheit seine Gnade ergriffen, wie auch denen, welche von Kind an zu seinen Diensten bereit waren!"

So schloß der König seine Rede. Aber alle die anwesenden Bauern erklärten, daß sie jetzt glauben wollten an den wahren Gott und baten den König um Frieden.

Sie sämtlich empfingen dann die Taufe und verpflichteten sich vor dem Könige mit Eidschwüren, an diesem rechten Glauben nun auch festhalten zu wollen, sowie jedem heidnischen Opferdienste zu entsagen.

Doch der König behielt alle diese Männer als seine Gäste bei sich so lange, bis sie ihm Geiseln gestellt hatten, entweder ihre Söhne, oder ihre Brüder, oder andere nahe Verwandte.

 

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