Professor Dr. E. Christian Dagobert Schoenfeld

An nordischen Königshöfen zur Víkingerzeit

Aus der Regierungszeit von Hákon jarl 965—995:
Von Einar Helgason skálaglamm, dem Skalden

 

 

AIs Hákon jarl SigurdarsonHákon jarl Sigurdarson regierte über Norwegen von 965 bis 995. und seine Söhne in der Bucht von HjörúngavagrDiese Seeschlacht, welche im Jahre 986 stattfand, wird als eine der wichtigsten in den Nordlanden bezeichnet. Es lag Hákon mit 180 Schiffen und ca. 10800 Mann gegen die Jómsvíkíngr mit 60 Schiffen und ca. 7200 Mann. Diese waren auf Anstiften von Haraldr Gormsson blátönn (Blauzahn), König von Dänemark (940—985), ausgezogen unter dem Gelübde, sie wollten Hákon aufsuchen wo sie ihn fänden und nicht vor ihm fliehen. Der Sieg entschied für Hákon. Die Bucht von Hjörúngavágr liegt an der Küste Norwegens unter dem 63. Gr. n. Br.
Det norske Folks Historie von P. A. Munch Bd. II, Tl. I, S. 103fr. Christiania 1853.
gegen die Jómsvíkíngr schlachtbereit lagen, befand sich auch eine Anzahl von Isländern in ihrem Gefolge, von denen vier mit Namen angeführt werden: Vigfús, der Sohn des Vígaglúmr, Thórdr, mit dem Beinamen örvahöndLinkshand, Thorleifr skúma, ein Sohn des reichen Thorkell aus dem Dýrafjördr im Westen Islands, und der vierte war Einar Helgason. Man gab ihm den Beinamen Skjáldmeyjar-Einarskjald = Schild und maer, gen. meyjar = Mädchen. und er war ein Hofskalde des JarlEinar skálaglamm, Bruder des aus der Laxdoela-Saga bekannten Osvífr Helgason, wurde auf Island geboren ca. 940, lernte, 25 Jahre alt, auf dem Althing Egill Skallagrímsson kennen und ging bald darauf nach Norwegen, wo er in das Gefolge des Hákon jarl eintrat. Er wohnte der entscheidenden Schlacht bei Hjörúngavágr bei, kehrte bald darauf nach Island zurück, erlitt Schiffbruch im Breidifjórdr und ertrank.
Vgl. Edda Snorra Sturlusonar, Hafn. 1880—1887, III, 687ff.
Auch: Finnur Jónsson, den oldnorske og oldislandske Litteraturs Historie, I, 543 ff. Köbenh. 1894.
.

Doch er stand zur Zeit jener Ereignisse bei dem Jarl in UngnadeDer Grund dieser Ungnade ist nicht bekannt, doch äußerte dieselbe sich darin, daß der Dichter seine drápa, genannt „Vellekla" (d. h. Mangel an Gold), welche er vor der Jómsvíkíngr-Schlacht gedichtet hatte, lange Zeit dem Fürsten nicht vortragen durfte, ein Verbot, welches den Dichter zu der hier beschriebenen Handlung anregt., während er früher reichlichere Ehren von ihm genossen hatte. Zu wiederholten Malen hatte der Dichter es laut ausgesprochen, daß er des Jarls Gefolge zu verlassen gedenke, um zu Sigvaldi überzugehen.

Er sprach seinen Unmut aus in folgendem Gedicht:

Schlaf die Männer umfing,

Als ich ersann mein Lied

Auf den regierenden Fürsten.

Ach! — Verlorene Stunden! —

Vollen Herzens ich kam;

Aber nur leere Beutel

Fand bei Hákon,

Dem Reichen,

Für seinen guten Sang

Der fernher fahrende Dichter! —

„Und nun will ich ganz gewiß hinüber zu Sigvaldi!" sagte er. „Die Ehre, welche der mir erweisen wird, kann nicht kleiner sein als solche, welche der Jarl mir erzeigt."

Mit diesen Worten verläßt Einar das Schiff des Hákon jarl und betritt die Brücke. Dabei gibt er sich den Anschein des Eilens, als wenn er so schnell wie möglich fort wolle; indessen in Wirklichkeit zögert er, um zu beobachten vor allem, in welcher Weise der Jarl diesen seinen Schritt aufnehmen werde.

Mit dem Fuße schon auf dem Bollwerk, kommt ihm noch eine Strophe in den Mund, und er spricht, hinübergewandt zu Sigvaldi:

Nun hinüber Zu Sigvaldi,

Goldumschildet,

Kampfbereit! —

Sicher nimmer

Wird verstoßen

Dieser König

Seinen Sänger! —

Kommt, ihr Waffen! —

Auf! — An Bord! —

Nun bemerkte es Hákon jarl, daß der Skjáldmeyjar-Einar fort wolle und ruft ihn alsbald an, mit der Aufforderung, zu ihm zurückzukehren zum Zwecke einer Aussprache.

Einar begibt sich zurück.

Jetzt greift der Jarl nach zweien kostbaren Wagschalen, die in seinem Besitze sich befinden. Es waren Wertstücke, gefertigt aus reinem Silber und dann ganz übergoldet. Zu ihnen gehörten zwei Gewichte, das eine derselben geschmiedet aus Gold, das andere geschmiedet aus Silber, und beide überdeckt mit eingeschnittenen Bildnissen in Menschengestalt.

Man nannte diese beiden Gewichte Zaubergewichte; in Wirklichkeit waren es aber Gegenstände für den täglichen Gebrauch, nur daß ihnen eine übernatürliche Kraft zugeschrieben wurde. Darum, wenn der Jarl vor einer wichtigen Entscheidung stand, bediente er sich stets dieser Gewichte.

Sein Verfahren war dabei folgendes: Er setzte in jede der Wagschalen je eines dieser Gewichte und sprach dabei es aus, welch eine Bedeutung jedes derselben für ihn haben solle.

Und stets hielten die Gewichte Wort. Es trat diejenige Schicksalsentscheidung ein, welche der Jarl sich wünschte. In solchem Falle wurde nämlich jenes Gewicht, welches auf des Jarls Schicksalsfrage die Antwort erteilen wollte, unruhig in seiner Schale und hob an zu tönen, so daß es einen lauten Klang gab.

Diese kostbaren Wagschalen waren es, welche der Jarl jetzt dem Einar als ein Geschenk verehrte. Der Skalde, hoch beglückt darüber, gab den Plan seiner Flucht nun auf und ging nicht zu Sigvaldi.

Von solch einem Geschenke erhielt Einar für alle Zeit seinen Zunamen, indem er fortan nur genannt wurde der Einar skálaglamm (Schalenklang).

Im Gefolge des Jarl befand sich ebenfalls Thorleifr, ein Isländer, mit dem Beinamen skúma (der Unheimliche, der Finstere). Von ihm erzählt man, daß er im Walde aus einer Baumwurzel eine gewaltige Keule sich schnitt, die er dann zu jenem Platze hintrug, wo die Küchenjungen Speisen über dem Feuer kochten. Hier ließ er die Seitenflächen jener Keule ringsum durch die Flamme ansengen und nahm sie, also hergerichtet, in die Hand. Auf diese Weise angetan, begab er sich zu Eiríkr, dem Sohn des Hákon, welcher eben hinabschritt zu seinem Schiffe, begleitet von Einar skálaglamm. Zu ihnen schlägt sich der Thorleifr und hält mit ihnen gleichen Schritt.

Als Eiríkr den Skalden bemerkt, richtet er an ihn die Frage: „Thorleifr! Was bedeutet das? — Wozu trägst du jene große Keule in deiner Hand?"

Thorleifr gibt die Antwort in folgendem Liede:

Diese Waffe! —

Was sie soll? —

Ei! — Zermalmen Búis Beine;

Wunden wecken

Dem Sigvaldi,

Und den Seinen

Senden Tod! — ! —

Aber Hákon,

Dir, dem Fürsten,

Hut und Hilfe! — ! —

So ich lebe,

So ich schwinge

Solch ein Holz

In starker Faust! —

Und nun gehen sie im Gefolge Eiríkrs auf das Schiff, wo sich die vier Isländer zusammenfanden, nämlich Thorleifr skúma, Einar skálaglamm, Vigfús Vfgaglúmsson und Thórdr Órvahónd.

Die Seeschlacht verlief für Hákon siegreich.

 

Quellen:
Professor Dr. E. Christian Dagobert, An nordischen Königshöfen zur Vikingerzeit
Erschienen 1910 im Karl J. Trübner Verlag

 

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