Brennu-Njáls Saga - Die Njalssaga
13. Kapitel:
Rache und Versöhnung

Die erste Rachethat.

1000 Jahre Saga of Burnt Niall

Briefmarkenblock »1000 Jahre Saga of Burnt Niall«
Island 15. September 2011

Von dem Tingfelde ritten Flose und alle Brandstifter mit einander ostwärts nach dem Flußthal. Dort gestattete Flose den Sigfussöhnen, ihre Höfe aufzusuchen, und da er nun erkundete, daß Kaare und Thorgejr mit Gudmund dem Mächtigen nordwärts geritten seien, glaubte er, sie beabsichtigten im Nordlande zu bleiben und ließ die Sigfussöhne sich gute Weile nehmen, um einige Geldsummen einzufordern, die sie verliehen hatten; er bat sie aber, sich wohl zu hüten und sich zu beeilen, so viel sie könnten. Er selbst ritt dann heimwärts nach Svinefjeld. Kaare und Thorgejr hatten indessen nur Gudmund eine Strecke das Geleit gegeben, und als sie sich von ihm verabschiedet hatten, ritten sie wieder südlich über die Thjorsau und weiter über den Markarfluß. Dort trafen sie einige Weiber, welche sie erkannten und sagten: „Ihr tändelt weniger, Ihr beide, als die Sigfussöhne; doch zieht Ihr unbedachtsam einher.“ Sie erfuhren nun von den Weibern, wo die Sigfussöhne die letzte Nacht zugebracht hatten, und waren sogleich einig, ihnen nachzusetzen. Weiter ostwärts trafen sie einen Mann, der hatte sein Pferd mit Torfkörben beladen. „Du bist nicht stark genug, Väterchen,“ sagte er zu Thorgejr. „Was meinst Du damit?“ entgegnete Thorgejr. „Sonst könntest Du auf etwas Jagd machen,“ versetzte der Mann; „die Sigfussöhne sind hier vorübergeritten in derselben Richtung wie Ihr, funfzehn Mann an der Zahl.“

„Wie lange ist das her?“ fragte Thorgejr. „Nicht sehr lange,“ erwiderte der Mann, „und es schien nicht, daß sie es eilig hatten. Sie können kaum über die Au gekommen sein, die östlich von hier fließt.“ Kaare und Thorgejr ritten nun weiter nach Osten zu. Als sie die Au erreichten, sahen sie gesattelte Pferde an derselben stehen. Sie ritten auf sie zu und erblickten einige Männer, die in einem Thale schliefen, und ihre Speere standen zu ihren Füßen. Sie nahmen nun die Speere und schleuderten sie in die Au. „Sollen wir sie wecken?“ fragte Thorgejr. Kaare antwortete: „Darüber bist Du wohl schon selbst mit Dir im reinen, daß Du nicht schlafende Männer überfallen und Meuchelmord üben willst.“ So riefen sie sie denn an, und die Männer erwachten und griffen nach ihren Waffen. Kaare aber und Thorgejr drangen nicht eher auf sie ein, als bis sie sich alle gerüstet hatten. Da lief Thorgejr gegen Thorkel Sigfussohn an. Ein andrer der Brandstifter fiel ihn in demselben Augenblick im Rücken an. Thorgejr aber schwang Rimegyge mit beiden Händen; zuerst trieb er den Knopf der Axt dem Manne, der hinter ihm stand, in den Kopf, so daß seine Hirnschale zersplitterte. „Der wäre fertig!“ rief Thorgejr, schwang die Axt vorwärts und traf Thorkel in die Schulter und hieb ihm den Arm ab. Inzwischen hatte Kaare sich gegen drei Männer zu wehren, gegen Mörd Sigfussohn, Sigmund Lambesohn und Lambe Sigurdsohn. Lambe kam von hinten und stach mit seinem Speer nach ihm. Kaare aber wurde das gewahr, er sprang in die Höhe und spreizte die Beine, so daß der Speer zwischen ihnen hindurchfuhr und sich in die Erde bohrte; indem Kaare nun wieder den Boden berührte, setzte er den Fuß auf den Speerschaft, und dieser zerbrach. Zugleich jagte er mit der rechten Hand seinen Speer durch Sigmund; derselbe kam ihm zwischen den Schultern wieder hervor und Sigmund stürzte todt nieder. Mit der Linken aber hieb er mit seinem Schwert nach Mörd; er traf ihn in die Hüfte und durchschnitt sie bis tief in den Rücken hinein, worauf jener vornüber sank und auf der Stelle todt war. Im nächsten Augenblick drehte er sich auf den Hacken wie ein Kreisel und wandte sich gegen Lambe, daß dieser sich nur durch schleunige Flucht zu retten vermochte. Da eilte Kaare Thorgejr zu Hülfe. Dieser hatte sich gegen Ledolf den Starken gewandt und beide hatten gleichzeitig nach einander geschlagen. Ledolf's Hieb war stark genug gewesen, ein Stück von Thorgejr's Schild mitzunehmen; dieser aber hatte Rimegyge so gewaltig geschwungen, daß die hintere Spitze Ledolf's Schild gespalten, die vordere dagegen ihm das Schlüsselbein zerschmettert hatte und ihm in die Brusthöhle eingedrungen war. Nun kam Kaare herzu und hieb sogleich Ledolf das Bein ab in der Mitte des Schenkels, daß er umfiel und starb. Da rief Ketil von Mörk: „Laßt uns jetzt zu unsren Pferden eilen; gegen dieser Männer Gewalt vermögen wir nicht zu bestehen!“ und die, welche noch am Leben waren, liefen aus Leibeskräften zu ihren Pferden und schwangen sich auf dieselben. „Sollen wir ihnen nicht nachsetzen?“ wandte sich Thorgejr an Kaare; „wir können noch einige von ihnen tödten.“ Kaare aber antwortete: „Es reitet ein Mann als der letzte, welchen ich nicht tödten will; es ist Ketil von Mörk; wir sind mit zwei Schwestern verheiratet und er hat sich auch früher in unsren Sachen aufs beste benommen.“ So bestiegen denn Kaare und Thorgejr ihre Pferde und ritten nach Thorgejr's Wohnung auf Holt. Ketil aber und die neun anderen Brandstifter, die ihr Leben retteten bei diesem Kampfe, ritten geradenwegs nach Svinefjeld und verkündeten, wie viel Unglück sie unterwegs betroffen habe. „Das stand zu erwarten,“ äußerte Flose, „und es mag Euch warnen, daß Ihr in Zukunft nie mehr so sorglos einherzieht.“

 

Thorgejr Skoragejr's Vergleich.

Flose war ein Mann von heitrem Gemüth und für seine Gäste ein vortrefflicher Wirth; in vieler Hinsicht war er für die Stellung eines Häuptlings vorzüglich begabt. Er saß nun daheim mit den vielen Gästen, die er hatte, während des übrigen Theils des Sommers und im folgenden Winter. Bald nach Weihnachten kam Hald von Sida und sein Sohn Kol nach Svinefjeld; Flose war hoch erfreut über Hald's Ankunft, und sie unterredeten sich oft über die Lage der Dinge. Flose erzählte, er habe schon große Verluste erlitten. Hald erwiderte darauf, er habe solches erwartet. „Welche Vorschläge willst Du mir nun machen?“ fragte Flose. Hald gab zur Antwort: „Ich rathe Dir, wenn es sich machen läßt, Dich mit Thorgejr zu vergleichen.“

„Glaubst Du, daß dann des Blutvergießens ein Ende sein wird?“ versetzte Flose. „Das eben nicht,“ antwortete Hald, „aber Du hast es mit wenigeren zu thun, wenn Kaare alleinsteht; und vergleichst Du Dich nicht mit Thorgejr, so wird es Dein Tod sein.“ Darnach berathschlagten sie, welchen Vergleich sie Thorgejr anbieten müßten. Man ließ die Sigfussöhne herbeirufen. „Nach Thorgejr's Sinnesart zu urtheilen,“ erklärte Hald, „muß jeder, der an dieser Sache Antheil hat, erwarten, es werde ihm den Tod bringen, falls er sich von diesem Vergleich ausschließt.“ Er legte ihnen nun den Sachverhalt auseinander, so daß alle ihre Zustimmung gaben und sagten, sie wünschten sehr, den Vergleich zu schließen. „Steht Kaare uns allein gegenüber,“ äußerte Grane Gunnarsohn, „dann ist es in unsere Hand gelegt, dafür zu sorgen, daß er uns nicht minder fürchtet, als wir ihn,“ und Gunnar Lambesohn pflichtete seinen Worten bei. „Ihr mögt nur nicht wähnen,“ sagte Hald, „daß es ohne Wunden ablaufen werde, wenn Ihr mit ihm zu thun habt; Ihr werdet noch große Verluste erleiden, ehe das Ende da ist.“ Darauf ritten Hald und sein Sohn Kol von fünf Mann begleitet nach Holt. Hald hatte sich in einen blauen Mantel gehüllt und trug eine kleine silberbeschlagene Axt in der Hand. Thorgejr hatte hatte von seinem Vorhaben Kunde empfangen und wollte ihn mit Ehren empfangen. Er trat vor das Haus mit Kaare und allen seinen Mannen, und zwar hatte er niemals unter dreißig waffengewandte Männer bei sich. Als Hald in den Hofplatz hineinritt, gingen sowohl Kaare als auch Thorgejr ihm entgegen und halfen ihm vom Pferde; sie küßten ihn beide und führten ihn zwischen sich in den Wohnraum, ließen ihn dort auf dem Hochsitz auf der Hochbank Platz nehmen und fragten ihn aus über vieles. Hald blieb die Nacht über und am folgenden Morgen begann er mit Thorgejr über den Vergleich zu reden; er nannte ihm die Anerbietungen, die Flose und die Sigfussöhne ihm machten und begleitete sie mit vielen angenehmen und freundlichen Worten. „Es wird Dir doch bekannt sein,“ antwortete Thorgejr, „daß ich mit den Brandstiftern keinen Vergleich habe eingehen wollen.“

„Damals stand die Sache anders,“ meinte Hald; „damals waret Ihr zornig nach dem Kampf, jetzt aber habt Ihr seit jener Zeit viel Blut vergossen.“

„Das ist freilich wahr,“ erwiderte Thorgejr, „aber welchen Vergleich bietet Ihr denn Kaare?“

„Nur was ihm zur Ehre gereicht, wollen wir ihm bieten, falls er auf einen Vergleich eingehen will,“ versetzte Hald. Kaare selbst bat Thorgejr, den Vergleich anzunehmen; „Dein Loos kann nur ein gutes sein,“ äußerte er. „Nicht will es mir gefallen,“ antwortete Thorgejr, „von Dir mich zu trennen, es sei denn, daß Du auf denselben Vergleich eingehst wie ich.“

„Ich werde keinen Vergleich schließen,“ versetzte Kaare; „wohl glaube ich, daß wir die Brandstiftung gerächt haben, aber mein Sohn ist meines Bedünkens noch nicht gerächt, und das halte ich für eine Sache, die mir allein obliegt.“ Als Thorgejr sich noch nicht dazu bewegen lassen wollte, erklärte zuletzt Kaare, er werde den Freundschaftsbund mit ihm brechen, falls er nicht dem Vergleiche beitrete. Da gab Thorgejr nach; er gelobte Hald durch Handschlag, daß Flose und seine Genossen vor ihm sicher sein sollten, bis die Versöhnung stattfände, und Hald versprach ihm dasselbe in Flose's und der Sigfussöhne Namen. Bevor sie sich trennten, schenkte Thorgejr Hald einen Goldring und einen Scharlachmantel und Kaare überreichte ihm einen Silberschmuck mit vier goldenen Kreuzen daran. Hald dankte ihnen sehr für die Gaben und ritt fort. Er kam nach Svinefjeld und erzählte Flose alles, auch den Umstand, daß er es Kaare zu verdanken habe, daß Thorgejr auf den Vergleich einging, obgleich er selbst keinen Vergleich schließen wollte. „Wenige Männer kommen Kaare gleich,“ rief Flose aus, „ich möchte wünschen, ich hegte die Sinnesart, die er hat.“ Nach Verlauf einiger Zeit fand die Versöhnung statt auf einem Hofe zwischen Holt und Svinefjeld. Hald machte den Vorschlag, Thorgejr solle für Nial und seine Söhne den dritten Theil der Buße, der ihm zukomme, empfangen, er selbst aber solle keine Buße leisten für die, welche er erschlagen habe. Thorgejr war damit zufrieden; er erklärte aber, er wolle das Geld nicht bei jedem einzelnen einfordern, sondern Flose solle ihm allein Bürge sein; außerdem solle das Urtheil, welches in der Brandstiftung gefällt sei, ganz und gar in Kraft bleiben und weder die Verbannung noch die Verweisung aus dem Gau aufgehoben werden. Endlich solle es Kaare freistehen, bei ihm auf Holt zu verweilen, wann es ihm beliebe, und dort dürfe ihn keiner angreifen, ebensowenig wie er selbst jemand von den Gegnern dort anfallen dürfe. Flose ging auf alles ein. Darauf schieden sie von einander. Thorgejr ritt heim nach Holt und Hald geleitete Flose ostwärts. „Halte nun diesen Vergleich, mein Sohn,“ sagte Hald zu Flose, „und mache Deine Wallfahrt nach Romaburg (Rom); thust Du es, so wirst Du immerhin ein angesehener Mann bleiben, obgleich Du an solcher Gewaltthat Theil hast.“ Flose versprach es. Darauf trennten sie sich und jeder ritt in seine Heimat, Flose aber hielt sich seitdem zu Hause.

 

Die zweite Rachethat.

Kaare wollte nun nicht länger bei Thorgejr auf Holt verweilen. „Ich werde leicht Blut vergießen,“ sagte er, „so lange ich noch nicht die Rache geübt habe, welche ich suche; geschieht es, so wird man gleich meinen, Du steckest unter einer Decke mit mir, und das will ich nicht verantworten. Dagegen wünsche ich, Du mögest Dir mein Gut und mein und Helga Nialstochter's Eigenthum übertragen lassen, sowie auch sie und meine drei Töchter in Deine Obhut nehmen; dann können meine Todfeinde nicht Hand an sie legen oder etwas finden, was sie in Beschlag nehmen.“ Thorgejr übernahm sogleich durch Handschlag die Vormundschaft über Kaare's Gut. Kaare selbst aber ritt fort; er führte nur zwei Pferde, seine Waffen und Kleider und etwas baares Geld in Gold und Silber mit sich. Er ritt nach Thorsmark, so hieß ein Strich Waldland am oberen Laufe des Markarflusses. Dort lagen drei Höfe, und auf einem derselben wohnte ein Mann namens Björn Hvide. Sein Großvater war ein Freigelassener von Nial's Mutter Asgjerde gewesen, und sein Weib war verwandt mit Gunnar auf Hlidarende. Sie war um des Geldes willen mit Björn verheiratet worden und sie waren vermögende Leute. Zu ihnen begab sich Kaare, und wurde mit offenen Armen aufgenommen. Am Morgen nach seiner Ankunft sagte Kaare zu Björn, er wolle gern bei ihm Aufenthalt nehmen. „Außerdem möchte ich bitten,“ sprach er, „daß Du mit mir ziehen mögest, wohin ich auch gehe; Du hast ein scharfes Auge und bist schnell zu Fuß, und Du wirst auch keine Furcht haben, falls es gilt loszuschlagen.“ Björn antwortete: „Du bist wohl nur zu mir gekommen, weil alle anderen Schlupfwinkel Dir versperrt sind; weil Du aber darum bittest, so will ich Dich nicht einem gewöhnlichen Manne gleichachten, sondern Dir in allen Stücken nach Deinem Wunsche behülflich sein; es fehlt mir weder an scharfem Gesicht, noch an Muth und Mannhaftigkeit.“

„Der Teufel hole Deine Prahlerei,“ versetzte Valgjerde; „ich will Dir gern den Unterhalt darreichen, Kaare, und wessen Du sonst bedarfst; auf Björn's Tapferkeit aber darfst Du nicht allzu sicher bauen.“

„Du kommst immer mit Vorwürfen,“ erwiderte ihr Björn; „kommt es aber zur That, dann stehe ich niemand nach; das ist ja unzweifelhaft genug, da so wenige es wagen, mit mir anzubinden; sie haben den Muth nicht.“ Kaare blieb nun eine Zeit lang auf Thorsmark bei Björn; es erfuhr aber keiner etwas davon. Er ließ Björn seinen Nachbarn mittheilen, er habe ihn nordwärts reiten sehen, und diese glaubten deshalb, er weile bei Gudmund dem Mächtigen in dem Nordlande. Inzwischen begann Flose seine und der übrigen Brandstifter Abreise vorzubereiten. Im östlichen Theile des Landes im Hornefjord kaufte er ein Schiff von einem Thronden und ließ Kol Thorstensohn und Gunnar Lambesohn bei demselben zurück, um es für die Reise auszurüsten, während er selbst zu Hause auf Svinefjeld war. Die Sigfussöhne jedoch wollten nun ihre Höfe im Flußthal aufsuchen, um herbeizuschaffen, was sie für die Reise bedurften. „Jetzt brauchen wir uns nicht vor Kaare in acht zu nehmen, denn er ist ja im Nordlande.“

„Auf solche Gerüchte darf man nicht bauen,“ sprach Flose, „oft hört man etwas aus nächster Nähe, und es ist dennoch unwahr. Ich habe auch einen Traum gehabt, daß mehrere von Euch abberufen würden.“

„Du meinst es gut, wenn Du uns warnst,“ versetzte Ketil von Mörk, „aber das Leben des Menschen geht seinen Gang, wie es vom Schicksal bestimmt ist.“ Beim Abschied bat Flose sie noch, stets in größerer Anzahl beisammen zu sein und sich wohl zu hüten. Sie küßten ihn, er aber sagte, es seien einige unter ihnen, die er niemals wiedersehen werde. Sie ritten nun fort, achtzehn an der Zahl. Sie nahmen ihren Weg nördlich um den Öfjelds Jökul herum und kamen nach Thorsmark. Björn Hvide sah sie kommen und eilte ihnen entgegen. Sie begrüßten ihn freundlich, und die Sigfussöhne befragten ihn über Kaare. „Ich sprach mit ihm,“ antwortete Björn, „aber es ist schon lange her; er ritt damals nach Norden zu. Es schien, als wenn er Euch fürchte; er fühlte sich sehr einsam und verlassen.“

„Ihm soll noch mehr angst und bange vor uns werden,“ rief Grane Gunnarsohn; „wir fürchten ihn gar nicht, denn jetzt ist er allein.“

„Schweig mit Deiner Prahlerei!“ versetzte Ketil. Björn aber erfuhr, daß sie etwa eine Woche lang im Flußthal bleiben und dann zurück reiten würden; diese Nachricht theilte er Kaare mit. Nach sechs Nächten wollte Kaare ostwärts reiten. „Laßt uns heimlich durch Flose's Gerichtskreis reiten,“ sagte er zu Björn, „ich will mich am Algtefjord nach einer Gelegenheit umsehen, zu Schiffe nach Osten zu kommen.“

„Das ist ein sehr gewagtes Unternehmen,“ meinte Björn, „nur wenige außer mir und Dir werden dazu den Muth haben.“

„Giebst Du Kaare nicht gutes Geleit,“ versetzte Valgjerde, „dann sage ich mich von Dir los und geschieden.“

„Sei Du nur ruhig, Frau,“ erwiderte Björn, „ich werde keine Scheidung zwischen uns veranlassen, ich bin stets muthig und kühn beim Waffenkampf, das können viele bezeugen.“ So ritten denn Björn und Kaare ostwärts bis sie zur Skaptau kamen, ungefähr in der Mitte zwischen dem Markarflusse und Svinefjeld, und dort legten sie sich in einen Hinterhalt. Die Sigfussöhne brachen an dem Tage, welchen sie vorher bestimmt hatten, von Hause auf. Auf Thormark fragten sie nach Björn. Valgjerde erzählte, er sei ausgeritten, um einiges Geld einzufordern, und sie glaubten ihr und zogen weiter. An der Skaptau theilten sie sich. Ketil setzte die Reise ostwärts fort, die übrigen aber legten sich nieder, um zu schlafen. Sie merkten nichts, bis Kaare herankam und sie weckte. Er aber eilte sogleich nach einer Landspitze an der Au und bat Björn, hinter ihn zu treten; er dürfe sich aber nicht zu weit nach der Seite hin hervorwagen. „Das hätte ich freilich nicht gedacht,“ sagte Björn, „daß ich einen anderen Mann als Schild vor mir haben solle; allein es muß wohl so sein, wie Du es wünschest.“ Nun kamen die Gegner herangestürmt. Modolf Ketilsohn war der schnellste. Er stieß mit seinem Speer nach Kaare, dieser aber hielt den Schild vor, so daß Modolf's Speer sich darin festbohrte; dann drehte er den Schild so gewaltsam, daß der Speer brach. Nun zog er sein Schwert und hieb nach Modolf, und dieser hieb entgegen. Kaare's Schwert aber traf das des Modolf am Griff, dieses sprang ab gegen Modolf's Handgelenk und schnitt ihm die Hand ab und darauf drang es ihm zwischen die Rippen, daß er augenblicklich todt umfiel. Grane Gunnarsohn schleuderte einen Speer gegen Kaare, dieser jedoch fing ihn mit der Linken im Fluge auf und warf ihn zurück. Der Speer durchbohrte Grane's Schild und Schenkel und haftete in der Erde, und jener konnte sich desselben nicht eher entledigen, als bis die Seinigen ihm halfen, worauf sie ihn in ein kleines Thal schleppten und ihn mit Schilden zudeckten. Ein Mann gedachte Kaare den Fuß abzuhauen, da aber kam Björn hervor und schlug ihm die Hand ab, worauf er schleunigst wieder hinter Kaare zurücksprang, Kaare aber durchhieb dem Manne beide Hüften. Darauf drang Lambe Sigfussohn auf Kaare ein und schlug nach ihm mit seinem Schwert. Kaare hielt dem Hieb die Fläche des Schildes entgegen, daß Lambes Schwert nicht schnitt, im selben Augenblick aber stieß er ihm sein Schwert unterhalb der Brust in den Leib, daß es ihm zu den Schultern herausdrang und ihm den Tod gab. Ferner sprang Thorsten Gejrlevsohn auf Kaare zu von der Seite her, aber Kaare traf ihn quer über die Schultern und spaltete ihn in zwei Theile. Endlich versetzte Kaare noch dem Bauern Gunnar von dem Hofe Skaal, der in der Nachbarschaft lag, eine tödliche Wunde. Inzwischen hatte Björn drei Männer verwundet, die Kaare anfallen wollten; er war aber niemals so weit hervorgekommen, daß er selbst dabei in Gefahr kam. Er wurde deshalb ebensowenig verwundet wie Kaare, während alle Ueberlebenden unter den Gegnern Wunden aufzuweisen hatten. Sie rannten zu ihren Pferden; Grane ließen sie liegen, wo er lag und sprengten fort. Sie waren so in Furcht gesetzt, daß sie nirgends einen Hof berührten und nirgends das Geschehene verkündeten, sondern sie hielten nicht eher inne mit ihrer Flucht, bis sie nach Svinefjeld kamen. Kaare aber ritt nach Skaal; dort kündigte er sich als den Urheber des Todes der Gefallenen sowie von Grane's Wunden an und sagte, es sei rathsam Grane unter Dach und Fach zu bringen, wenn er am Leben bleiben solle. Dann ritt er mit Björn weiter.

 

Die dritte Rachethat.

"Wozu sollen wir nun unsre Zuflucht nehmen?“ sprach Kaare zu Björn; „laß mich sehen, wie klug Du bist.“

„Meinst Du denn, es gelte nun, alle unsre Klugheit zu zeigen?“ versetzte Björn. „So ist es,? war Kaare's Antwort. „Dann weiß ich einen Rath,“ sagte Björn, „und wir wollen sie recht an der Nase herumführen. Wir müssen uns den Anschein geben, als wenn wir nordwärts ritten; sobald wir aber hinter jener Anhöhe sind, müssen wir längs der Skaptau abbiegen und uns an einer Stelle verbergen, während man nach uns sucht, falls man es beabsichtigt.“

„Daran habe auch ich gedacht,“ erwiderte Kaare. „Siehst Du,“ sagte Björn, „ich bin eben so klug wie tapfer.“ So ritten sie denn vorwärts bis sie zu einem Moor kamen, das ringsum von Lavafelsen umgeben war. „Siehe Du nun nach den Pferden,“ sprach Kaare zu Björn, „und halte gute Wacht, ich bin schläfrig,“ worauf er sich niederlegte. Björn aber ließ ihm nicht lange Ruhe. Er weckte ihn und sagte: „Du hast doch recht vielen Nutzen von mir; jeder andere hätte sich auf die Beine gemacht, denn jetzt kommen Deine Feinde über Dich.“ Kaare trat deshalb unter eine Felsspitze. „Wo soll ich denn stehen?“ fragte Björn. „Entweder stellst Du Dich hinter mich,“ antwortete Kaare, „oder Du sprengst fort so schnell Du kannst.“

„Nein,“ sagte Björn, „das gäbe nur Stoff für böse Zungen. Außerdem ist ihnen auch sehr daran gelegen, mich zu fangen; sie würden mir nachsetzen und Du hättest doch keinen Vortheil von mir.“ Bald darauf erschienen einige Lastpferde, welche über das Moor hingetrieben wurden; und es waren drei Männer bei ihnen. „Sie sehen uns nicht,“ versetzte Kaare. „Dann laß sie nur vorüberziehen,“ erwiderte Björn. Unmittelbar darauf aber kamen sechs andre Männer herangeritten. Sie sprangen alle zugleich von den Pferden und wandten sich gegen Kaare und Björn. Voran lief Glum Hildesohn. Er stieß mit seinem Speer nach Kaare, dieser aber drehte sich auf den Hacken, so daß der Stoß ihn verfehlte und den Berg traf. Björn wurde des gewahr und hieb sogleich die Spitze von Glum's Speer ab. Kaare schlug nach ihm mit dem Schwert, traf ihn in den Schenkel und trennte ihm das Bein vom Leibe, wovon er sogleich starb. Da stürmten zwei Brüder gegen Kaare heran, die Thorbrandsöhne Vedbrand und Asbrand. Er durchstieß mit seinem Schwert Vedbrand und hieb Asbrand beide Füße ab. Zugleich aber wurde er sowie auch Björn verwundet. Schließlich kam Ketil von Mörk heran und stach nach Kaare mit dem Speer. Kaare aber sprang in die Höhe, so daß Ketil's Speer in die Erde fuhr, darauf sprang er auf den Schaft und dieser zerbrach. Er faßte Ketil mit den Händen, und Björn war sofort bereit ihn zu erschlagen. „Halt ein,“ rief Kaare, „ich schenke Ketil das Leben, ihn möchte ich niemals tödten.“ Ketil sprach kein Wort, sondern ritt seinen Gefährten nach und verkündete ihnen und allen Begegnenden, was geschehen sei. Alle Bauern versammelten sich und suchten drei Tage lang nach Kaare und Björn, doch fanden sie sie nicht. Die Bauern ritten heim nach ihren Höfen, während Ketil mit seinen Mannen ostwärts nach Svinefjeld zog. Flose sagte nicht viel zu ihrem Schicksal. „Es ist ungewiß,“ äußerte er, „ob es damit sein Bewenden haben wird; aber kein Mann unter allen, die auf Island leben, kommt Kaare gleich.“

 

Flose's Abreise.

Es verstrich nur kurze Zeit bis Flose ostwärts nach dem Hornefjord ritt und alle seine Waaren sowie seine und der Sigfussöhne Reisebedürfnisse dahin führen ließ. Er blieb selbst bei dem Schiffe, bis alles zur Abfahrt bereit war, und als ein günstiger Wind wehte, stachen sie in See. Sie hatten eine lange Ueberfahrt und schlimmes Wetter, wodurch sie gänzlich verschlagen wurden. Einmal bekamen sie drei schwere Sturzseen über Deck, und Flose erklärte, es seien Brandungen, weshalb sie dem Lande nahe sein müßten. Aber es herrschte ein dichter Nebel, so daß sie nichts sehen konnten. Das Unwetter nahm inzwischen zu, und in einer Nacht wurden sie auf den Strand geworfen, ehe sie dessen gewahr wurden. Die Männer wurden geborgen, allein das Schiff war zertrümmert und alles Gut ging verloren. Als es Tag wurde, erkannten zwei von Flose's Mannen das Land und erklärten, sie seien früher dort gewesen; es war eine der Orkneyinseln, mit Namen Rosö (Rowsa). „Dann hätten wir eine bessere Landungsstelle finden können,“ meinte Flose, „denn die Nialsöhne Grim und Helge, die ich tödtete, waren Dienstmannen des hiesigen Jarls Sigurd Hlödvesohn.“ Doch faßte er endlich den Beschluß, sich in die Gewalt des Jarls zu geben. „Es ist ja nichts anderes zu thun,“ äußerte er, „er hat unser Leben in seiner Hand.“ Er bedeutete aber die Seinigen, sie dürften nichts erzählen von ihren Thaten, bevor er selbst mit dem Jarl geredet habe. Darauf gingen sie landeinwärts und trafen bald auf einige Männer, die ihnen den Weg nach dem Hofe des Jarls zeigten. Sie traten vor den Jarl, und Flose und alle übrigen grüßten ihn. Der Jarl fragte, was sie für Männer seien, worauf Flose seinen Namen nannte. Der Jarl hatte bereits den Brand von Bergthorshvol erfahren und erkannte die Männer sogleich. „Was hast Du mir zu melden von meinem Dienstmann Helge Nialsohn?“ fragte er Flose. „Daß ich ihm das Haupt abgeschlagen habe,“ war Flose's Antwort. „Ergreifet sie alle,“ befahl der Jarl, und es geschah. In diesem Augenblick jedoch kam einer von des Jarls Dienstmannen herbei, namens Thorsten, welcher ein Sohn Hald's von Sida und ein Bruder von Flose's Frau Stenvör war. Als er sah, daß Flose Gefangener sei, trat er vor den Jarl und bot ihm für Flose alles, was er hatte und besaß. Der Jarl indessen verharrte lange in seinem Zorn. Aber Thorsten war beliebt und es fanden sich deshalb viele brave Männer, die seine Bitte unterstützten und für Flose um Gnade baten. Da nahm der Jarl Flose zu Gnaden an; er schenkte ihm und allen seinen Mannen die Freiheit und folgte dem Brauche mächtiger Männer, indem er Flose in dieselbe Stelle eintreten ließ, die Helge Nialsohn gehabt hatte. So wurde Flose Dienstmann des Jarls Sigurd und setzte sich bald hoch in Gunst bei ihm.

 

Kaare's Abreise.

Nun bleibt noch von Kaare und Björn Hvide zu erzählen übrig, daß sie sich versteckt hielten, bis man aufhörte, nach ihnen zu suchen. Dann ritten sie heimwärts nach Thorsmark. „Lohne mir nun meine Begleitung wohl,“ sagte Björn zu Kaare, „und lobe mich sehr vor meiner Frau, denn mir glaubt sie nicht.“

„Ich werde dich schon loben vor ihr,“ antwortete Kaare, und darauf ritten sie in den Hof ein. Die Hausfrau empfing sie freundlich und fragte, wie es abgelaufen sei. „Es sieht noch schlimmer aus, als zuvor,“ lautete Björns Entgegnung. Sie lächelte, wandte sich an Kaare und fragte, wie Björn ihm geholfen habe. „Ungedeckt ist man im Rücken, hat man nicht einen guten Freund da,“ versetzte Kaare. „Björn hat mir guten Beistand geleistet, er hat drei Männer verwundet und ist selbst verwundet worden; er hat mir genützt nach bestem Vermögen.“ Nach Verlauf von drei Nächten ritten sie zu Thorgejr und erzählten ihm, was geschehen sei. Es war leicht ersichtlich, wie sehr diese Nachrichten ihn erfreuten; er dankte Kaare und fragte, ob er noch mehr Thaten zu thun gedenke. Kaare erwiderte, er werde noch Gunnar Lambesohn und Kol Thorstensohn erschlagen, falls er sie treffen könne. „Uebrigens möchte ich Dich um eins bitten,“ setzte er hinzu. „Deinem Wunsche will ich Folge leisten,“ entgegnete Thorgejr. Kaare bat ihn nun, für Björn Sorge zu tragen, ihm einen anderen Hof zu verschaffen und ihn gegen Rache zu schützen. Thorgejr sagte zu und hielt sein Versprechen; er übernahm selbst Björn's Hof und verschaffte ihm einen anderen und brachte einen Vergleich zu Stande zwischen ihm und allen denjenigen, welche gegen ihn Klage erheben konnten. Kaare jedoch ritt zu Asgrim Ellidagrimsohn, verkündete ihm seine letzten Thaten, und Asgrim wurde hoch erfreut darüber. „Was für Absichten hegst Du jetzt?“ fragte er Kaare. „Ich will außer Landes ziehen ihnen nach,“ war Kaare's Antwort, „ich will ihnen auflauern und sie tödten, wo ich sie finde.“

„Wahrlich, Dir kommt niemand an Tapferkeit gleich,“ rief Asgrim aus. Nachdem Kaare noch einige Nächte bei ihm verweilt hatte, ritt er zu Gissur Hvide. Dieser nahm ihn mit offnen Armen auf, und Kaare blieb eine Zeit lang bei ihm und erhielt beim Abschied ein treffliches Schwert von ihm. Endlich ritt er nach Eyre und suchte Schiffsgelegenheit bei Kolben dem Starken von den Orkneyinseln, mit welchem er schon lange befreundet war. Kolben war ein muthiger und kühner Mann; er empfing Kaare voll Freuden und gelobte ihm, er wolle in allen Stücken sein Loos mit ihm theilen. Mit ihm stach also Kaare einen halben Monat nach Flose's Abfahrt in See. Er hatte eine schnelle Ueberfahrt und kam an Land auf Fridarö zwischen Hjaltland und den Orkneyinseln. Dort hatte er einen guten Freund, namens David der Weiße. Bei diesem kehrte er ein und blieb bei ihm den Winter über, und erfuhr alles, was sich auf Rosö zugetragen hatte.

 

Kaare's letzte Rachethaten.

Zur Weihnachtszeit erhielt der Jarl Sigurd auf Rosö Besuch von seinem Schwager, dem Jarl Gille von den Südinseln (Hebriden), auch kam ein König zu ihm von Dublin, namens Sigtryg Seidenbart. Am Weihnachtstage, als Sigurd mit seinen Gästen und seinen Mannen zu Tische saß, wünschten König Sigtryg und der Jarl Gille zu hören, wie es bei dem Brande von Bergthorshvol zugegangen sei und was sich dabei zugetragen habe. Gunnar Lambesohn wurde zum Erzählen ausgewählt, es wurde ihm ein Stuhl hingestellt und er begann seine Sage. Gerade zur selben Zeit kam Kaare mit Kolben und David nach Rosö, und sie ließen einige wenige Männer beim Schiffe zurückbleiben, während sie selbst zum Hofe des Jarl's hinaufgingen. Dort saß der Jarl mit seinen Gästen noch beim Trunke, Gunnar Lambesohn war mit seiner Erzählung beschäftigt, und Kaare sowie seine Begleiter blieben draußen stehen und lauschten. Gunnar log und entstellte alle Ereignisse. „Wie fand sich Skarphedin in den Brand?“ fragte König Sigtryg. „Anfangs ging es lange gut,“ versetzte Gunnar, „aber zuletzt weinte er.“ Da konnte Kaare sich nicht länger halten, er stürmte herein mit gezogenem Schwert, sprang durch die Halle gerade auf Gunnar zu und durchhieb ihm den Hals, so daß sein Haupt über den Tisch gerade vor den König und die Jarle hinflog und der ganze Tisch sowie der Jarle Gewand vom Blute triefte. „Ergreift Kaare und tödtet ihn,“ rief Jarl Sigurd, denn er erkannte ihn sogleich. Aber Kaare war sehr beliebt seit der Zeit, wo er des Jarl's Sigurd Dienstmann gewesen war, und keiner rührte die Hand, um ihn anzutasten. Kaare sprach: „Viele werden sagen, o Herr, daß ich diese That um Euretwillen vollbracht habe, indem ich Euren Dienstmann rächte.“ Flose versetzte: „Kaare hatte Ursache genug zu seiner That, denn er hat keinen Vergleich mit uns geschlossen.“ So entfernte sich denn Kaare, ohne daß man ihm nachsetzte. Er segelte mit David nach Schottland und kam nach der Nordostspitze des Landes, welche Katanes (Caithnes) genannt wurde. Dort weilte er lange bei einem angesehenen Manne mit Namen Skjegge und später fuhr er nach Bretland, dem heutigen Wales. Dahin war Kol Thorstensohn gelangt und war gerade im Begriff, sich mit einer angesehenen Frau zu verehelichen. Eines Morgens kam Kaare zu einer Burg, in welcher Kol gerade stand und Silber zählte. Er erkannte ihn sogleich wieder, lief mit gezogenem Schwert auf ihn zu und hieb ihm das Haupt vom Rumpfe, welches noch zu zählen fortfuhr, als es vom Halse flog. „Verkündet Flose, daß Kaare Sölmundsohn Kol Thorstensohn erschlagen habe,“ sprach Kaare und ging wieder zu seinem Schiffe hinab. Dann fuhr er nach Schottland zurück und blieb dort den Winter über.

 

Ende.

König Sigtryg's Anliegen bei dem Jarl Sigurd war, ihn um Hülfe zu bitten gegen einen anderen König auf Irland, welcher Brian hieß. Der Jarl weigerte sich lange, zuletzt aber gab er dennoch nach und sagte seinen Beistand zu, und als er nach Irland zog, folgten ihm fünfzehn von Flose's Mannen, welche an der Brandstiftung theilgenommen hatten. Flose jedoch zog nicht mit ihm, denn er wollte sich nun auf die Wallfahrt nach Romaburg begeben, er segelte vielmehr mit dem Jarl Gille nach den Südinseln. Auf Irland kam es zu einer großen Schlacht, die bekannt ist unter dem Namen der Briansschlacht. König Sigtryg zog den kürzeren und mußte fliehen, und der Jarl Sigurd fiel mitsamt allen fünfzehn Brandstiftern. Als Flose diese Zeitung auf den Südinseln erkundete, wollte er nicht länger verweilen; er empfing ein gutes Schiff von dem Jarl Gille, sowie alles, was er bedurfte, und viel Silber. Er segelte nach Bretland und hielt sich dort eine Zeit lang auf. Hier erfuhr er Kol Thorstensohn's Tod und ließ ihn bestatten und gab viel Geld hin um eine Grabstätte für ihn, aber er äußerte niemals ein bittres Wort über Kaare. Darauf segelte er südwärts über das Meer und vollendete seine Wallfahrt zu Fuß, bis er die Romaburg erreichte. Dort genoß er solches Ansehen, daß er vom Papste selbst Absolution empfing, jedoch mußte er viel Geld dafür zahlen. Er zog heimwärts auf dem östlichen Wege (zu Lande) und kam unterwegs zu vielen mächtigen Männern, weilte auf ihren Burgen und genoß viel Ehre bei ihnen. Den Winter über war er in Norwegen bei dem Jarl Erich; mancher Mann that ihm viel Ehre an, und beim Abschied empfing er vom Jarl eine Menge Mehl. Im Frühling segelte er nach Island; er kam an Land im Hornefjord und ritt von da nach Svinefjeld. So hatte er denn nun alles ausgeführt, wozu er verbunden gewesen war, hatte die Bußen gezahlt und war die bestimmte Zeit im Auslande gewesen.

Kaare Sölmundsohn gedachte auch nach Romaburg zu wallfahrten. Er fuhr über das Meer in demselben Sommer wie Flose, trat seine Wallfahrt in der Normandie an und erreichte sein Ziel. Nachdem er Absolution empfangen hatte, zog er zurück auf dem westlichen Wege (zur See). In der Normandie nahm er sein Schiff und segelte nordwärts nach Dover in England und von dort fuhr er westlich vorbei an Bretland und allen schottischen Fjorden. Als er nach Katanes kam, übergab er das Schiff an Kolben und David den Weißen und blieb selbst bei dem Bauer Skjegge im folgenden Winter. Im nächsten Sommer wollte er nach Island fahren. Skjegge gab ihm ein Schiff und er gewann eine Besatzung von achtzehn Mann dafür, es wurde aber schon spät an der Jahreszeit, ehe sie fertig wurden. Dennoch stachen sie in See. Sie hatten eine lange Ueberfahrt, doch erreichten sie endlich Ingolfshövde; hier zerschellte das Schiff, aber die Mannschaft rettete sich. Es erhob sich ein schweres Unwetter, und als die Männer Kaare fragten, wozu sie ihre Zuflucht nehmen sollten, versetzte er, es sei wohl am besten, nach Svinefjeld zu gehen, welches nicht weit entfernt landeinwärts lag. „Wir wollen doch versuchen,“ meinte er, „wie brav sich Flose gegen uns benehmen wird.“ Denn Flose war in demselben Jahre im Frühling zu Hause angekommen. Sie gingen also nach Svinefjeld hinauf, während das Unwetter noch raste. Flose befand sich im Wohnraum. Er erkannte Kaare sogleich, als dieser eintrat, sprang auf und empfing ihn, küßte ihn herzlich und räumte ihm einen Platz ein im Hochsitz. Er bat Kaare, den Winter über bei ihm zu bleiben und Kaare nahm das Anerbieten an. Sie söhnten sich gänzlich aus, und als gerade Helga Nialstochter in demselben Winter, wo Kaare bei seiner Heimfahrt sich auf Katanes aufgehalten hatte, gestorben war, gab Flose ihm seine Brudertochter Hildegunne zum Weibe, welche mit Höskuld dem Goden von Hvidenes verheiratet gewesen war. Man erzählt, Flose habe sein Ende gefunden, als er einst in seinen alten Tagen ins Ausland fahren wollte, um sich Bauholz zu holen. Er hielt sich einen Winter über in Norwegen auf. Im folgenden Sommer wurde er spät fertig, und man redete davon, daß sein Schiff schlecht sei. „Es ist gut genug für einen alten Mann, der bald sterben wird,“ äußerte er und belud es und stach in See. Man hat aber seitdem niemals etwas von dem Schiffe vernommen.

 

Und damit schließen wir die Nialssaga.

 

Quellen:
Text:
Hans Henrik Lefolii: Nial Saga, 1866. Aus dem Dänischen übersetzt 1878 von Johannes Claussen - gemeinfrei -
Bild:
Wikimedia Commons - gemeinfrei -

 

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