Brennu-Njáls Saga - Die Njalssaga
2. Kapitel:
Von Gunnar Hamundsohn auf Hlidarende

Gunnar auf Hlidarende.

Gunnar Hámundarson trifft Hallgerdr

Gunnar Hámundarson trifft Hallgerðr zum ersten Mal beim Althing.
Illustration von Andreas Schroeter Schelven Bloch, 1898.

Auf dem Südlande von Island gegen Osten finden sich mehrere Berge oder Hochebenen von größerem oder geringerem Umfang, welche so hoch emporragen, daß sie stets von Schnee und Eis bedeckt sind. Von dort fließen zahlreiche Bäche herab, welche sich gegen Westen oder Südwesten wenden. Der südlichste derselben heißt im Binnenlande Markarfluß und fließt anfangs in westlicher Richtung, dann aber theilt er sich, und ein Arm desselben läuft südwärts und behält den alten Namen, der andere Arm aber wird die Querau genannt, welche ihren Lauf gen Westen fortsetzt und auf ihrem Wege die von Norden kommenden beiden Rangauen aufnimmt. Zwischen dem Markarfluß und der Querau einerseits und der Ostrangau andrerseits springt ein Hochland vor, auf dessen Abhängen gegen die Gewässer hin fruchtbares Ackerland sich findet. Da nun ein solcher Bergabhang in der altnordischen Zunge „Hlid“ genannt wurde, wie heut zu Tage in Norwegen noch „Li“, so hieß der ganze Strich „Fljotshlid“ oder „der Bergabhang am Flusse.“ Auf dem südlichen Theile des Abhangs oberhalb der Querau, nicht weit von der Stelle, wo sie sich vom Markarfluß abzweigt, lag ein Hof, welcher Hlidarende (Ende des Berghangs), genannt wurde. Dort wohnte ein Mann mit Namen Gunnar Hamundsohn, der in dieser Erzählung vielfach erwähnt werden wird. Er war von hohem Wuchs, stark und tüchtig im Waffenhandwerk wie kein anderer, sowohl im Schwert- wie im Speerkampf, besonders aber im Gebrauch des Bogens, denn er verfehlte niemals das erwählte Ziel. Außerdem zeichnete er sich vor allen in Leibesübungen aus, er schwamm wie ein Seehund, kurz in keiner Art von Uebungen, welche dem Manne geziemten, konnte sich jemand mit ihm zu messen wagen und keinen sah man als ihm ebenbürtig an. Er hatte ein freundliches und angenehmes Aeußeres, war blond, hatte helle blaue Augen und eine gerade, etwas aufgeworfene Nase, und sein Haar fiel schwer und voll über die Schultern und hatte eine schöne Farbe. Auch war er von feinen und einnehmenden Sitten, schnell zur That, mildthätig, sanftmüthig und von ruhiger Sinnesart, treu gegen seine Freunde, aber eigen in ihrer Wahl. Dazu war er an Gütern reich gesegnet. Seine Mutter Ranvejg war eine Brudertochter von Mörd Gige, so daß Unne Mördstochter seine Base war. An ihn wandte sich diese denn auch, als sie der Hilfe bedurfte. Denn kurze Zeit, nachdem Mörd seine Sache gegen Rut verloren hatte, wurde er krank und starb. Seine Tochter Unne war noch nicht wieder verheiratet und die einzige Erbin ihres Vaters. Sie aber war verschwenderisch und nicht umsichtig in der Verwaltung ihres Gutes, und das baare Geld schwand ihr unter den Händen dahin, so daß sie endlich nichts besaß, als ihr Land und das Vieh. Daher machte sie sich auf den Weg zu ihrem Vetter Gunnar auf Hlidarende. Dieser empfing sie freundlich und sie blieb dort über Nacht. Am folgenden Tage saßen sie vor dem Hause im ernsten Gespräch und Unne klagte ihm ihre Noth, daß sie des Geldes sehr bedürftig sei. „Ich will Dir von meinen Zinsen lassen, so viel Du brauchst,“ sagte er. „Von Deinem Gelde will ich nicht zehren,“ erwiderte sie. „Wie willst Du es denn gehalten haben?“ fragte er. Sie entgegnete: „Ich will, daß Du Rut wegen meines Gutes belangst.“

„Es sind keine Aussichten vorhanden, daß ich Erfolg haben werde,“ sprach er, „da Dein Vater die Forderung nicht durchsetzen konnte, wiewohl er ein gesetzeskundiger Mann war; ich aber kenne nur wenig vom Gesetz.“ Denn in Bezug auf die Rechtspflege hatte Island die Eigenthümlichkeit, daß das Gesetz eine Menge von Bestimmungen darüber enthielt, wie man bei der Anhängigmachung und der Durchführung einer Sache auf dem Ting vorzugehen habe. Derjenige, welcher auch nur von einer dieser Bestimmungen abwich, gab sich dadurch seinem Gegner gegenüber sofort eine Blöße, so daß er seine Sache verlor. Nun aber war es ein schwieriges Ding, alle Bestimmungen des Gesetzes für jede Art von Klagen zu kennen, zumal da die Isländer noch nicht das ganze Gesetz gesammelt und niedergeschrieben hatten, wie es später in dem Gesetzbuch geschah, welches „Graagaasen“ (die graue Gans) hieß. Auf Gunnar's Einwendung antwortete Unne: „Mehr durch Gewalt und Trotz, als durch Gesetz und Recht gewann Rut die Sache, und ich habe keinen Vetter, der die Sache übernehmen mag, falls Dir dazu der Muth fehlt.“

„Nicht der Muth mangelt mir,“ sprach Gunnar, „aber ich weiß nicht, wie ich es anzufangen habe.“

„Dann fahre Du zu Nial auf Bergthorshvol und rede mit ihm,“ versetzte sie, „er wird Dir guten Rath geben können, zumal er Dein Freund ist.“

„Allerdings,“ erwiderte Gunnar, „er pflegt mir guten Rath zu geben wie auch jedem anderen.“ So übernahm Gunnar denn schließlich ihre Sache und gab ihr Geld für den Haushalt und die Wirthschaft, soviel sie bedurfte, worauf sie heimkehrte.

 

Nial Thorgejrsohn.

Zwischen der Querau, dem südlichen Arm des oben genannten Markarflusses und dem Meere befindet sich ein dreieckiges Stück Land, welches wiederum durch einen dritten Arm des Markarflusses, der mitten hindurch strömt, getheilt wird. Die dadurch gebildeten Inseln heißen die Küsteninseln. Auf der einen von ihnen, zur linken Seite des Gewässers, das sie bildet, gerade an der Mündung lag Bergthorshvol. Nial Thorgejrsohn, welcher dort wohnte, war reich an Gut, mild und von edler Sinnesart; er war so gesetzeskundig, daß er darin seinesgleichen nicht fand, dazu klug und besaß die Gabe des zweiten Gesichts; er gab gute Rathschläge und gab sie gern, und was er vorschlug, nahm ein gutes Ende. Von Aussehen war er freundlich, aber eins fehlte ihm und das war damals kein geringes Ding für einen Mann: er hatte keinen Bart. Zu ihm eilte Gunnar, nachdem Unne heimgereist war. Nial empfing ihn wohl, und alsbald gingen sie abseits, um sich zu bereden. Gunnar sprach: „Heilrath zu suchen, kam ich zu Dir.“ Nial entgegnete: „Viele Freunde habe ich zwar, die solches von mir erwarten mögen, niemand aber mehr wie Du.“ Gunnar brachte nun sein Anliegen vor, worauf Nial meinte, es sei eine schwierige Sache. „Und gefahrvoll ist sie,“ fuhr er fort, „wie Du sie auch anfassest; indessen will ich Dir Rathschläge geben, wie sie mir die besten zu sein scheinen; dann wirst Du auch Erfolg haben, falls Du in nichts von ihnen abweichst; thust Du es aber, dann droht Deinem Leben Gefahr.“ Gunnar versprach nun dem Rathe Nial's zu folgen, dieser aber schwieg eine Weile, dann sprach er: „Jetzt habe ich mir das Ding überlegt und es wird Dir gelingen. Morgen in der Frühe mußt Du von Hause fortreiten und zwei Männer mit Dir nehmen; jeder von Euch muß zwei Pferde, ein fettes und ein mageres mit sich führen. Du aber mußt als Ueberkleid einen groben Reisemantel tragen, darunter einen rothbraunen Vadmalsrock und zu unterst Deine eignen feinen Kleider. Eine Handaxt sollst Du mit Dir führen und einige Schmiedewaaren. Alsdann reitest Du westwärts, und wenn Du eine Weile geritten bist, ziehst Du Deinen Hut über die Augenbrauen. Die Leute werden fragen, wer der große Mann ist. Deine Begleiter müssen antworten: Es ist Hedin, der Kaufmann, vom Inselfjord, welcher mit Schmiedewaaren reist. Er ist ein arger und böswilliger Mann, ein Prahler und Schreier, der alles am besten zu wissen glaubt und stets die Leute anfällt, wenn sie nicht thun, wie er will. Du mußt Deine Waaren feilbieten, jedoch stets den Kauf wieder rückgängig machen, stets das große Wort führen und Streit und Zank suchen. Dann reite nach dem Borgefjord und von da nordwärts, bis Du ins Laxauthal kommst. Auf Höskuldstad bleibe über Nacht, allein Du findest keine gute Aufnahme daselbst. Am folgenden Morgen ziehst Du fort und reitest nach dem Hofe, der Rutstad benachbart ist. Dort mußt Du Deine Waaren feil bieten, jedoch das Schlechteste hervorsuchen und die Fehler aushämmern. Der Bauer wird die Fehler schon finden, dann aber mußt Du ihm die Sachen entreißen und ihn arg schelten. Er sagt dann, man könne von Dir nicht mehr erwarten, Du aber fällst sogleich über ihn her; schone jedoch Deine Kräfte, damit man Dich nicht erkennt. Man wird nach Rut senden, damit er euch auseinander bringe. Rut wird Dich zu sich einladen und Du wirst wohl empfangen werden. Er wird Dich im Gespräch über die Leute im ganzen Lande ausfragen. Ueberall mußt Du dieselben verspotten und ihnen Uebles nachreden. Zuletzt wird er mit Dir über Rangauvalle reden. Dort, mußt Du sagen, findet man am wenigsten Männer, seitdem Mörd Gige todt ist; diesen aber mußt Du besonders erheben, auch magst Du ein Lied singen, woran Rut seine Freude haben kann, denn Du bist ja, wie ich weiß, ein Skjald. Er wird über seine Sache mit Mörd zu Dir sprechen und Dich fragen, ob Du sie kennst. Ungefähr, antworte Du ihm und zeige Dich nicht fremd darin. Dann sagt er, es sei nur Dummheit von Mörd gewesen, die Sache auf dem folgenden Alting nicht wieder aufzunehmen, denn er hätte es frei thun können, falls er den Muth dazu gehabt. Du magst nun andeuten, daß Du es wohl wissest. Daraufhin wird er fragen, ob Du gesetzeskundig seiest. Dann antwortest Du: „Zu Hause im Nordlande glaubt man es von mir; indessen könntest Du mir wohl sagen, wie Mörd die Sache wieder hätte aufnehmen sollen, nicht weil es mich besonders angeht, sondern weil es überhaupt nicht schaden kann, es zu wissen.“ Er wird Dir erklären, wie man die Ladung aufnehmen soll; aus freiem Antrieb sagt er Dir die Ladungsworte und Du mußt auf jedes Wort genau acht geben. Schließlich fordert er Dich gewiß auf, die Worte ihm nachzusprechen, wie man zu thun pflegt, wenn man jemandem etwas beibringen will. Geh darauf ein, sprich jedoch die Ladung falsch aus, so daß Rut darüber lacht und keinen Argwohn faßt. Er wird die Worte wiederholen und Du mußt sie nachsprechen, aber diesmal richtig. Endlich mußt Du Deine Begleiter zu Zeugen berufen, daß Du ihn um der von Unne Mördstochter Dir aufgetragenen Sache willen geladen habest. Auf diese Weise hast Du es dann erreicht, ihn zu laden, ohne daß er die Ladung niederzuschlagen vermag oder einen Einwand dagegen vorbringen kann, dieweil er selbst Dir gesagt hat, wie es sein soll. Wenn alle Männer aber in tiefem Schlafe liegen, nimm Du mit Deinen Begleitern ganz in der Stille Euren Zaum und Euer Sattelzeug, schleicht Euch hinaus und reitet auf den fetten Pferden fort, während Ihr die anderen Pferde zurücklaßt. Ueber die Weiden müßt Ihr auf die Berge hinaufreiten und drei Nächte lang dort oben bleiben, denn so lange wird man Euch suchen. Dann reitet Ihr heimwärts, aber nur in der Nacht, während Ihr am Tage stille liegt. Zum Sommer aber wollen wir zum Ting reiten und Euch die Sache durchführen helfen.“ Gunnar dankte Nial für diesen Rath und ritt heim.

 

Gunnar's Tingstreit mit Rut.

Gunnar folgte dem Rathe, den Nial ihm gegeben hatte. Er ritt mit seinen Geleitsmannen in dem Aufzug, wie Nial vorgeschlagen hatte, fort. Ihnen begegneten einige Männer, welche fragten, wer der große Mann sei, von dem man so wenig sehen könne. Auf die Antwort, es sei Hedin der Kaufmann vom Inselfjord, meinten sie, jetzt könne ihnen nichts Schlimmeres mehr begegnen, seit sie solchen Mann hinter sich hätten. Ueberall trat Gunnar in der ihm von Nial vorgeschriebenen Weise auf, so daß die Leute meinten, das Gerücht habe von Hedin dem Kaufmann nicht zu viel gesagt. Auf Höskuldstad befahl Höskuld seinen Dienstmannen, sie sollten sich mit Hedin nicht einlassen. Auf dem Nachbarhofe von Rutstad gerieth er sogleich mit dem Bauern in Streit. Man ließ Rut holen und Gunnar wurde eingeladen, nach Rutstad zu kommen. Hier fand er gute Aufnahme und einen Platz auf dem Hochsitz auf der niederen Langbank, wo man den Gast sich niederlassen hieß, Rut gegenüber. Das Gespräch kam in Gang und nahm ganz den Verlauf, den Nial vorausgesagt hatte. Zuletzt sprach Rut Gunnar die Ladungsworte vor und dieser sprach sie ihm nach, aber unrichtig. Beim zweiten Male sprach er sie richtig. „Ist es so recht?“ fragte er Rut. „Allerdings,“ entgegnete Rut, „die Ladung kann nicht niedergeschlagen werden.“

„Dann lade ich Dich um der von Unne Mördstochters mir anvertrauten Sache willen,“ sprach Gunnar so laut, daß seine Begleiter es hörten; Rut aber faßte keinen Argwohn. Schließlich ging man schlafen. In derselben Nacht erwachte Höskuld auf Höskuldstad, weckte alle seine Hausgenossen und sagte: „Ich will Euch einen Traum erzählen, den ich gehabt habe. Mir schien, ich sah einen großen Bären aus meinem Hofe hinausgehen; zwei Junge folgten ihm, sie wandten sich nach Rutstad und gingen dort hinein. Nun frage ich Euch, ob Ihr an jenem großen Mann, der gestern Abend unser Gast war, etwas Besonderes gesehen habt.“ Ein Mann antwortete, er habe einen Goldschmuck und ein Stückchen rothes Tuch unter dem Aermel des Mannes hervorlugen sehen; außerdem habe derselbe einen goldenen Ring am Finger getragen. „Dann war der Bär Gunnar von Hlidarende's Schutzgeist!“ rief Höskuld; denn die heidnischen Nordländer glaubten, jeder Mann habe seinen Schutzgeist, der in Gestalt eines Thieres vor ihm hergehe oder ihm nachfolge. „Jetzt auf nach Rutstad,“ befahl Höskuld. Sie weckten Rut. „Sind Gäste hier?“ fragte Höskuld. „Ja, Hedin, der Kaufmann,“ erwiderte Rut. „Nein, ein besserer Mann als der,“ sagte Höskuld, „es ist Gunnar von Hlidarende.“

„Dann hat er mich in Schlauheit und List überboten,“ versetzte Rut. „Wie das?“ fragte Höskuld. Rut sprach: „Ich habe ihn belehrt, wie er die Sache aufnehmen solle; ich lud mich selbst und er sprach mir nach; so hat er denn die ganze Sache so angelegt, wie sie aufrecht erhalten werden kann.“

„Das war nicht Gunnar's Anschlag allein,“ meinte Höskuld, „Nial von Bergthorshvol hat ihn ausgeklügelt.“ Sie suchten nun Hedin den Kaufmann, allein er war fort. Sie sammelten Mannschaft und durchsuchten die ganze Gegend während drei Tagen, ohne ihn zu finden. Darnach ritt Gunnar von den Bergen hinab südwärts, bis er zu Hause anlangte. Als die Altingszeit herankam, ritt Gunnar zum Ting, wie auch Rut und Höskuld mit großem Gefolge dahin zogen. Sie gedachten Gunnar anzufallen, allein sie getrauten sich dessen schließlich doch nicht. Als der Gerichtshof eingesetzt war, machte Gunnar die Sache anhängig, wie solches im Gesetze vorgeschrieben war, mit Zeugenverhör und Eidesleistung, und zuletzt hieß er Rut die Einwände nennen, die er zu seinen Gunsten machen könne. Rut erwähnte nicht, ob er schuldig sei, die Mitgift zurückzuzahlen oder nicht, er wandte aber ein, daß mit den von Gunnar gestellten Zeugen ein Fehler gemacht sei, so daß die Klage nicht vorgebracht werden könne. Allein Nial war zum Gericht gekommen und sagte, Gunnar werde seine Sache leicht gewinnen, falls er sie vor dem Gericht durchführen wolle. „Keineswegs will ich das,“ versetzte Gunnar, „aber ich will Rut dieselbe Wahl lassen, die er meinem Vetter Mörd ließ. Sind die Brüder Höskuld und Rut so nahe, daß sie mein Wort vernehmen können?“

„Wir vernehmen es,“ erwiderte Rut, „was willst Du von uns?“ Gunnar rief laut: „Alle, welche hier zugegen sind, mögen des Zeugen sein, daß ich Dich zum Holmgang herausfordere, Rut. Wir werden heute noch auf dem Holm in der Öxarau kämpfen. Willst Du aber nicht mit mir kämpfen, dann händige sogleich heute alles Gut aus.“ Darauf verließ er das Gericht mit seinem Gefolge, und auch Höskuld und Rut gingen nach Hause; die Sache aber wurde nicht weiter verfolgt und auch kein Einwand gegen sie erhoben. „Niemals zuvor habe ich mich einem Holmgang entzogen, zu dem ein Mann mich herausgefordert hat,“ sagte Rut, als er in seine Hütte eingetreten war. „Du darfst aber nicht mit Gunnar kämpfen, wenn ich Dir rathen soll,“ antwortete Höskuld, „denn Du kannst ihn ebensowenig bestehen, wie Mörd Dich. Lieber mögen wir beide das Gut an Gunnar aushändigen.“ Rut nahm diesen Rath an. Die Brüder fragten ihre Bauern, wie viel sie zuzahlen würden, und diese versprachen, so viel beizutragen, als Rut wünsche. Beide gingen sogleich nach Gunnar's Hütte. Er empfing sie in der Thür und sie legten das Geld in seine Hand. „Genieße es, wie Du es gewonnen hast,“ sprach Höskuld. „Ohne Trug gewann ich es und ohne Furcht empfange ich es,“ versetzte Gunnar. „Aerger wäre es gewesen, wenn wir um des Weibes willen dem Wolfe Blut zu lecken gegeben hätten.“

„Uebel wird es Dir gelohnt werden,“ sagte Rut zu Gunnar. „Mag es gehen, wie es will,“ antwortete dieser. Darauf ging Höskuld mit seinem Gefolge nach seiner Hütte zurück. Er war furchtbar zornig. „Ob wohl niemals Rache über Gunnar kommen wird wegen seines unbilligen Verfahrens gegen uns?“ wandte er sich an Rut. „Sicherlich,“ entgegnete dieser, „aber wir werden weder Freude noch Vortheil davon haben. Es ahnt mir, daß er einst genöthigt sein wird, Freundschaft mit unserem Geschlecht zu suchen.“ Nachher redeten sie nicht mehr über die Sache. Gunnar zeigte Nial das Geld. „Das ging vortrefflich,“ sagte Nial. „Du warst es, der die Sache förderte,“ erwiderte Gunnar. Hernach ritt man heimwärts vom Ting. Gunnar brachte Unne alles Geld und wollte selbst nichts davon annehmen. „Nun aber meine ich,“ sagte er, „daß ich in Zukunft mehr Hülfe und Beistand von Dir und Deiner Sippe fordern darf, als von anderen Männern,“ worin sie ihm Recht gab. Gunnar aber hatte durch Hinausführung dieser Sache überall große Ehre gewonnen.

 

Gunnar's Fahrt nach Norwegen.

Eines Sommers kam ein Schiff nach Island und landete an der Südküste in der Nähe von Hlidarende. Der Steuermann war Halvard Hvide (der Weiße) von der Bucht. Er hielt sich während des Winters bei Gunnar auf Hlidarende auf und redete ihm oft zu, er solle doch nach Norwegen fahren. Gunnar antwortete nicht viel darauf, indessen meinte er, es sei nicht unmöglich, daß er es thäte. Im Frühjahr ritt er nach Bergthorshvol, um bei Nial sich Rath zu holen. „Du mußt reisen,“ sagte dieser; „wohin Du auch kommen magst, überall wird man Dich für einen Ehrenmann halten.“ Dabei versprach Nial, während seiner Abwesenheit Gunnars Gut in Obacht zu nehmen und seiner Mutter beim Betriebe des Hofes zur Hand zu gehen. Gunnar dankte ihm und ritt heim. Halvard redete ihm wiederum zu, er möge abreisen, worauf Gunnar ihn fragte, ob er in diesem Falle auch mit ihm nach dem Ostlande fahren wolle. Halvard sagte zu, denn er habe selbst schon alle Länder besucht zwischen Norwegen und Garderige. Die Nordländer verstanden nämlich unter dem Namen Ostland alle Länder längs der östlichen und südöstlichen Küste der Ostsee, und Garderige gehörte dazu, denn es war der Name des heutigen Rußlands. Darauf hin beschloß Gunnar die Reise und nahm seinen Bruder Kulskjäg (Schwarzbart) mit, einen großen starken Mann, brav, muthig und unerschrocken. Sie fuhren also mit Halvard nach Norwegen. Den folgenden Winter brachten sie in Tönsberg, oder, wie es damals hieß, in Tunsberg zu. „Hast Du ein Langschiff?“ fragte Gunnar Halvard einmal. „Zwei habe ich,“ antwortete dieser. „So laßt uns Heerzüge machen,“ sagte Gunnar, „und Mannschaft sammeln, die mit uns fährt.“ Sie fanden ohne Mühe tüchtige Mannschaft, denn ruhmvoll war schon der Name Gunnars. Als alles bereit war, fuhren sie mit beiden Schiffen nach der Insel Hisingen in der Mündung der Götaelv, denn dort hatte Halvard einen Vetter Namens Ölve und bei diesem wollten sie Hilfe suchen für ihre Fahrt. Ölve nahm sie freundlich auf und als er hörte, daß sie Heerzüge machen wollten, um sich Gut zu sammeln, meinte er, sie seien nicht stark genug dazu. „Eure Stärke will ich mehren,“ sagte er, „aber obwohl Du, Halvard, solches von mir erwarten kannst um unsrer Vetterschaft willen, so setze ich doch mehr Hoffnung auf Gunnar. Ich will euch zwei Langschiffe mitgeben, eins von zwanzig und eins von dreißig Ruderbänken; das eine will ich mit meinen Dienstmannen, das andre mit Bauern bemannen. Ich weiß aber nicht, ob ihr aus dem Flusse werdet herauskommen können, denn ich habe erfahren, daß in der Mündung zwei Brüder, namens Vandel und Karle, mit ihren Schiffen liegen.“ Sie machten sich bereit und fuhren ab, Gunnar und Kulskjäg zusammen auf einem Schiff, Halvard auf dem anderen. Bald sahen sie die Vikingerschiffe. Gunnar sagte: „Wir wollen uns schlachtfertig halten, falls sie gegen uns andringen; im andren Fall wollen wir nicht mit ihnen anbinden.“ Die Vikinger trennten ihre Schiffe, so daß eine Durchfahrt zwischen denselben entstand. Diese suchte Gunnar zu gewinnen. Als er an Vandels Schiff nahe vorüberschoß, warf dieser einen Haken hinüber auf sein Schiff und zog es an sich, während zu gleicher Zeit Karle mit seinem Schiff sich an die andre Seite desselben legte. Gunnar führte ein gutes Schwert, welches ihm Ölve gegeben, hatte aber seinen Helm nicht aufgesetzt. Sogleich sprang er hinüber auf das Vorderdeck von Vandel's Schiff und schlug einem Manne die Todeswunde. In demselben Augenblick schleuderte Karle einen Speer nach Gunnar's Leib quer über sein Schiff hinweg. Aber Gunnar sah ihn kommen, wandte sich so rasch, daß niemand seinen Bewegungen zu folgen vermochte, erfaßte mit der Linken Karle's Speer im Fluge und warf ihn zurück, so daß der Mann, auf den er zielte, tödlich getroffen dahin sank. Kulskjäg ergriff nun einen Anker und stürzte ihn hinüber in Karle's Schiff und der Ankerhaken traf den Schiffbord und zerbrach ihn, so daß die dunkle See sich hinein ergoß und alle Mannen sich auf das andre Schiff hinüber retten mußten. Inzwischen sprang Gunnar zurück auf sein eignes Schiff, und als seine Mannschaft sah, wie unerschrocken er kämpfte, that jeder, was in seinen Kräften stand. Halvard kam nun auch herbei und es entspann sich ein heftiger Kampf. Gunnar brauchte Schwert und Speer, bald schlug, bald schleuderte er und viele verloren das Leben durch seine Hand, Kulskjäg aber folgte ihm treulich. Sie sprangen beide zuletzt hinüber auf Vandel's Schiff, wohin auch Karle gekommen war, und als nun Gunnar längs dem einen und Kulskjäg längs dem andren Bord vordrang, wandte sich Vandel gegen Gunnar und Karle gegen Kulskjäg. Vandel hieb nach Gunnar, aber das Schwert traf seinen Schild und blieb darin haften. Gunnar drehte den Schild so gewaltsam, daß das Schwert am Heft brach; darauf erhob er sein Schwert zum Schlag gegen Vandel und schwang es so rasch, daß drei Schwerter auf einmal in der Luft zu sein schienen und Vandel nicht wußte, gegen welches er sich decken solle. Als aber der Hieb saß, schlug er ihm beide Beine ab, so daß er hinfiel und starb. In demselben Augenblick stieß Kulskjäg Karle seinen Speer durch die Brust, so daß auch er den Tod fand. So gewannen sie den Sieg und große Beute. Darauf fuhren sie südwärts nach Dänemark und von dort ostwärts nach Smaaland (in Schweden) und waren überall siegreich.

 

Gunnar im Ostlande.

Gunnar und Kulskjäg blieben während des Winters mit ihrem Gefolge auf der See. Im folgenden Sommer steuerten sie nach Reval; dort begegneten sie einigen Vikingern, ließen sich sogleich auf einen Kampf mit ihnen ein und gewannen den Sieg. Darnach steuerten sie ostwärts nach Ösyssel oder Ösel, wie es heut zu Tage heißt, und lagen dort eine Zeit lang unter einer Landspitze. Eines Tages sah Gunnar einen Mann von der Höhe der Landspitze herabkommen. Er ging sofort ans Land, um ihn zu treffen, redete ihn an und fragte nach seinem Namen und dieser antwortete, er hieße Tofe. „Was ist Dein Begehr?“ fragte Gunnar. Tofe sprach: „Ich suche Dich. Denn ich will Dir ansagen, daß einige Heerschiffe unter der Landspitze an der andren Seite liegen. Zwei Brüder sind die Befehlshaber. Der eine nennt sich Halgrim, der andre Kulskjäg; sie sind beide gewaltige Streiter und haben so treffliche Waffen, daß ihresgleichen nicht zu finden ist. Halgrim hat eine Hellebarde, (Atgejr: so nannte man eine Waffe, die aus einer an einem Speer unterhalb der Spitze befestigten Axt bestand) die hat er durch Zauberkunst besprechen lassen, so daß keine andre Waffe ihm je den Tod bringt; außerdem hat sie noch die Eigenschaft, daß man alsbald merkt, wenn eine Todeswunde geschlagen werden soll, denn dann klingt sie weithin vernehmbar. Kulskjäg aber hat ein kurzes Schwert (eine Sax nannte man es) und auch dies ist eine herrliche Waffe. Ein Drittheil mehr Mannschaft haben sie als ihr. Schon spähten sie aus, daß ihr hier ankert und rüsten sich jetzt, euch anzufallen. Drum müßt ihr entweder gleich die Anker lichten oder ihr rüstet gleichfalls, sobald es geschehen kann. Gewinnt ihr den Sieg, so will ich Euch ihr Gut zeigen, denn vieles liegt auf dem Lande verborgen. Ich aber weiß, wo es liegt.“ Gunnar schenkte Tofe einen Goldring für die Botschaft, dann ging er zu seinen Mannen, erzählte das Gehörte und hieß sie sich alle zum Kampfe rüsten. Kaum waren sie fertig, so sahen sie die Schiffe in schneller Fahrt auf sich zukommen. Bald hob auch der Kampf an und dauerte lange, es sank mancher Mann dahin, doch die meisten schlug Gunnar's Hand. Mit seiner Mannschaft sprang Halgrim hinüber auf Gunnar's Schiff und dieser wandte sich wider ihn. Mit seiner Hellebarde stach Halgrim nach ihm. Doch dabei kam Gunnar die Sprungfertigkeit zu statten, die er besaß; denn im vollen Waffenkleide konnte er höher springen, als er selbst war und eben so weit vorwärts wie rückwärts. Nun sprang er rückwärts über einen Balken, der quer über das Schiff lag, doch hielt er den Schild vor den Balken hin. Den Schild traf Halgrim, die Hellebarde durchbohrte ihn und drang tief in den Balken. Sogleich beugte sich Gunnar weit vornüber und hieb Halgrim über die Hand. Doch schnitt das Schwert nicht, das machte der Zauber; lahm aber wurde Halgrim's Hand, sie ließ die Hellebarde und diese fiel auf den Boden. Flugs faßte sie Gunnar und durchstieß Halgrim, und darauf sang er ein Lied, worin er gelobte, er selbst wolle sie führen sein Leben lang. Inzwischen waren die beiden Kulskjäge zusammengerathen und lange schwankte der Sieg zwischen ihnen. Da kam Gunnar heran und schlug dem anderen Kulskjäg die Todeswunde. So waren die fremden Vikinger ohne Häuptling, darum baten sie um Frieden. Den gestand Gunnar ihnen zu und er hieß sie ihre Waffen und Kleider behalten und zurückfahren nach ihrem Heimatland; das übrige Gut aber nahm er an sich nebst dem Eigenthum der todten Männer. Nach dem Kampfe kam Tofe und bot ihm an, ihn zu dem Gute zu führen, das die Vikinger verborgen hatten; er sagte, es sei mehr und besser als das, was sie bisher gewonnen. Gunnar ging daher mit ihm nach einem Walde hinauf und hier führte ihn Tofe an eine Stelle, wo ein großer Haufen Reisholz lag. Sie schleppten das Reisholz bei Seite und fanden darunter sowohl Gold als auch Silber, Kleider und gute Waffen, und dies trugen sie zu den Schiffen hinab. Gunnar fragte nun Tofe, wie er ihm es lohnen solle. Dieser antwortete: „Von Geburt bin ich ein dänischer Mann, aber gefangen wurde ich von den Vikingern, die mich hier auf Ösyssel an's Land setzten; hier habe ich bisher freudlos und freundlos geweilt; nun will ich Dich bitten, mich zurückzubringen zu meiner Sippe.“ Das versprach ihm Gunnar und nahm ihn mit sich.

 

Gunnar's Heimfahrt.

Nach dem Siege bei Ösyssel fuhr Gunnar mit Kulskjäg und Halvard nach Dänemark. Er besaß nunmehr zehn Schiffe und viel Gut. Er steuerte hinein nach Hedeby in Dänemark, welches jetzt Schleswig heißt, und ging dort an Land. Damals waltete König Harald Gormsohn über das Reich Dänemark und hielt sich gerade dort im Lande auf. Man erzählte ihm von Gunnar und rühmte ihn als einen so trefflichen Mann, daß er seinesgleichen nicht auf Island fände. Da sandte König Harald einen Boten zu Gunnar und lud ihn zu sich. Gunnar nahm die Einladung an, Harald nahm ihn sehr ehrenvoll auf und ließ ihm einen Sitz neben sich bereiten. Am Königshofe blieb Gunnar einen halben Monat. Der König hatte seine Freude daran, Gunnar in verschiedenen Waffenübungen mit seinen Mannen sich versuchen zu lassen. Aber es fand sich keiner, der es ihm gleichthun mochte in irgend einer Leibesübung. „Nach deinesgleichen wird man lange suchen müssen,“ sagte der König zu ihm und bot ihm an, er wolle ihm zu einer vortheilhaften Heirat und zur Stellung eines mächtigen Häuptlings verhelfen, falls er in seinem Reiche sich niederlassen wolle. Allein Gunnar dankte dem Könige für das Anerbieten und sagte, er wolle vor der Hand erst nach Island zurückfahren zu seinen Freunden und Vettern. „Dann wirst Du niemals zu uns zurückkehren,“ sagte der König. „Das mag das Geschick bestimmen,“ antwortete Gunnar, und beim Abschied gab er dem König ein gutes Langschiff und viel Gut. Der König aber schenkte ihm ein Prachtgewand, ein Paar goldumsäumte Handschuhe, ein Stirnband mit goldenem Aufsatz und einen gerdischen oder russischen Hut. Darnach fuhr Gunnar nordwärts nach Hisingen, wo Ölve ihn mit offenen Armen empfing. Gunnar stellte ihm seine beiden Schiffe zurück und sagte, ihr Inhalt sei der Antheil, der ihm zukomme. Ölve nahm das Gut an, pries Gunnar ob seiner offenen Hand und bat ihn, einige Zeit bei ihm zu weilen. Doch auf Halvard's Anrathen beschloß Gunnar nach Drontheim zu fahren und Hakon Jarl zu besuchen, der nunmehr über Norwegen regierte. Auch hier wurde er ehrenvoll empfangen und der Jarl bot ihm an, den Winter über bei ihm zu bleiben; Gunnar nahm es an, denn er war wohlgelitten von allen, und beim Julfest empfing er einen Goldring vom Jarl. Gunnar faßte Zuneigung zu Bergliot, einer Nichte des Jarl's, und es war diesem leicht anzumerken, daß er sie ihm gegeben hätte, wenn er nur ein Wort darüber hätte fallen lassen. Als der Frühling nahte, fragte der Jarl Gunnar, was er jetzt vorhabe, und Gunnar erwiderte, er wolle nunmehr nach Island fahren. „Mißwachs haben wir hier im Lande gehabt,“ sagte der Jarl, „und es wird darum die Ausfuhr nach Island nur gering sein, doch will ich Dir trotzdem Mehl und Holz mit auf's Schiff geben.“ In kurzer Frist machte Gunnar sein Schiff segelklar. Halvard und Kulskjäg schlossen sich ihm an, und sie erreichten das Land im Frühsommer. Gunnar selbst ritt vom Schiffe heimwärts und sandte Männer hin, um es zu löschen. Alle empfingen die Brüder voll Freude, diese waren aber auch sanft, mild und freundlich gegen ihre Hausgenossen und gar nicht hochmüthig ob ihrer Fahrt. Gunnar fragte, ob Nial zu Hause sei, und als ihm die Frage bejaht wurde, ließ er sein Pferd vorführen und ritt von Kulskjäg begleitet nach Bergthorshvol. Hocherfreut wurde Nial, als er sie sah und bat sie, die Nacht über zu bleiben; Gunnar erzählte nun von seinen Fahrten. „Du bist ein trefflicher Mann,“ sprach Nial zu ihm, „und hast viele Prüfungen und Kämpfe bestanden, doch wirst Du deren noch mehr erfahren, denn viele Neider werden Dir erstehen.“

„Gern möchte ich doch mit allen auf gutem Fuß stehen,“ meinte Gunnar. „Kaum mag Dir das gelingen,“ sprach Nial, „und Du wirst oft für Dein Leben kämpfen müssen.“

„Mag es so kommen, wenn es nur für eine gute Sache ist,“ erwiderte Gunnar. „Die wird Dir nicht fehlen,“ versetzte Nial, „wenn Du nur nicht für andere entgelten mußt.“ Nial fragte Gunnar, ob er zum Alting zu reiten gedenke, denn dieses war nicht mehr fern. Gunnar bejahte es und fragte hingegen, ob Nial es auch beabsichtige. „Keineswegs,“ entgegnete dieser, „und gern sähe ich, daß Du Dich ebenfalls fern hieltest.“ Gunnar ritt heim und beim Abschied schenkte er Nial reiche Gaben und dankte ihm für die Aufsicht über seinen Hof und sein Gut. Kulskjäg redete Gunnar eifrig zu, zum Ting zu reiten. „Dein Ansehen wird dadurch wachsen,“ sagte er, „denn viele werden kommen und Dich begrüßen.“

„Nicht steht mein Sinn dahin, mich selbst zur Schau zu stellen,“ entgegnete Gunnar, „doch scheint es mir gut, mit braven Männern zusammenzutreffen.“ Halvard war nun auch gekommen und erbot sich, sie zum Ting zu geleiten, und so ritt denn Gunnar aus und alle anderen mit ihm. Als sie zum Ting kamen, waren sie so gut gekleidet und gerüstet, daß niemand ihnen gleichkam, und aus jeder Hütte, an der sie vorbeikamen, liefen die Bewohner hervor, um sie zu bewundern. Gunnar ritt nach dem Platze, wo die Anwohner des Rangau ihre Hütten hatten und nahm dort Aufenthalt mit seiner Sippe. Viele Männer erschienen, um sich mit ihm zu unterreden und Zeitung zu erfragen. Er war heiter und freundlich gegen alle und sagte ihnen, was sie wünschten.

 

Quellen:
Text:
Hans Henrik Lefolii: Nial Saga, 1866. Aus dem Dänischen übersetzt 1878 von Johannes Claussen - gemeinfrei -
Bild:
Wikimedia Commons - gemeinfrei -

 

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