Die wilden Götter

Sagenhaftes aus dem hohen Norden - Kapitel 1: Ein Riese so groß wie die ganze Welt

Von Tor Åge Bringsværd

 

Wo kommt der Nebel her? Das weiß kein Mensch. Und wer hat den ersten Funken gezündet? Niemand weiß es. Eines aber steht fest: Am Anfang war die Kälte und das Feuer. Auf der einen Seite war da Niflheim; dort herrschte Nebel und Frost. Auf der anderen Seite war Muspilheim und dort gab es nichts als ein Meer von zischenden Flammen. Was den Nebel vom Feuer trennte, war ein riesiger bodenloser Schlund; und aus dieser gewaltigen Leere, dem Abgrund zwischen Licht und Dunkelheit, ist alles was lebt hervorgegangen, und das kam so. Irgendwo in Niflheim gab es eine Spalte im Eis, aus der ein mächtiges Wasser schoss. Dieser Strom schäumte auf den großen Schlund zu und stürzte sich hinein. Aber weil es kalt war, fror das Wasser zu großen Eiszapfen und je länger das ging, desto mächtiger wurde das Eis auf der einen Seite des großen Schlundes. Aber da auf der anderen Seite, dort wo Muspilheim lag, tanzten die Funken und die Flammen erwärmten die Luft. Tief im Schlund kämpften Hitze und Kälte miteinander und das Eis fing an zu schmelzen. Was die Kälte geformt hatte, die Wärme erweckte es zum Leben. So entstand das erste Wesen. Es war von menschenähnlicher Gestalt, aber kein Mensch hatte solche Ausmaße. Denn Ymer, so hieß es, war ein Riese und ein größerer Riese hat nie gelebt. Doch wovon sollte dieser Ymer leben? Von Feuer und Eis kann sich kein lebendiges Wesen ernähren. Als er sich umsah, merkte Ymer, dass er nicht allein auf der Welt war. Denn aus dem geschmolzenen Eis war noch ein anderes Ungeheuer hervorgegangen, das Hörner und Euter trug und von sanfter Natur war; eine riesige Kuh, aus deren gewaltigen Zitzen Ströme von Milch rannen. Wer anders als Ymer sollte sie melken? So waren sie beide zufrieden; die Kuh brauchte nicht mehr lange nach einem Abnehmer für ihren Überfluss zu suchen. Und der Riese musste nicht hungern. Trotzdem, irgendetwas fehlte der ersten Kuh, die bei all ihrer Größe, so wie alle andern Kühe war, nur das sie nicht wusste, wonach ihr der Sinn stand. Sie schnüffelte und probierte alles, was in der Nähe war, bis sie ein paar reif beschlagene Steine fand, die nach Salz schmeckten. Davon konnte die Kuh, genau wie alle Kühe, die später auf die Welt kamen, gar nicht genug kriegen, bis sie an einen ganz besonderen Stein geriet. Als sie ihn mit ihrer riesigen Zunge ableckte, ahnte sie nicht, was sie damit angerichtet hatte. Noch am selben Abend nämlich, wuchs aus dem Stein ein Haar hervor. Am anderen Tag, kamen ein Gesicht und dann ein ganzer Kopf zum Vorschein, und am dritten Tag der ganze Leib eines großen, schönen Mannes. So kam Bühre auf die Welt, der Stammvater aller Götter, die wir die Asen nennen. Doch unterdessen war auch Ymer, der erste Riese, nicht faul gewesen. Zwar schlief er viel, aber während er vor sich hin schnarchte, fing er an zu schwitzen, und aus seinen Achselhöhlen, gingen zwei neue Wesen hervor, ein Mann und eine Frau. Auf dieses Wunder waren nun seine Füße eifersüchtig. Sie paarten sich miteinander und gebaren einen Sohn mit sechs Köpfen. So ist das Geschlecht der Riesen oder Trolle entstanden, und von da an gab es kein Halten mehr. Die neuen Geschöpfe bekamen Kinder und ihre Kinder bekamen wieder Kinder, bis auf den heutigen Tag.

 

Der Riese Ymir

Ymir - der Urzeitriese, das erste Lebewesen.
Er entstand aus der Vermischung des Gletschereises von Niflheim mit dem Feuer von Muspellsheim

Am Anfang muss es ziemlich friedlich zugegangen sein auf der Welt. Die Asen und die Riesen kamen gut miteinander aus. Bühre, der allererste Ase, hatte einen Sohn, der sich mit einer Riesentochter zusammentat und aus dieser Liebschaft ist Odin hervorgegangen, der später zum Häuptling aller Götter werden sollte. Aber einem solchen Frieden war auf Dauer nicht zu trauen. Denn der Riese Ymer gab keine Ruhe. Zwar war er faul und träge, und etwas anderes als Milch von seiner Kuh zu saufen und zu schlafen, fiel ihm nicht ein. Doch dabei schwoll sein riesiger Leib immer weiter an, und er gebar immer neue und ziemlich erschreckende Trolle, die bedrohliche Mienen aufsetzten. Bald wimmelte es überall von solchen Riesenkindern. Odin und seinen Brüdern gefiel das gar nicht, denn sie waren in der Minderheit, und sie wussten, wie schlecht es einer Minderheit ergehen kann, wenn sie sich nicht ihrer Haut wehrt. Eines Tages kamen sie zu dem Schluss, dass es so nicht weitergehen konnte. Jetzt reicht es, sagten sie sich, wenn wir nichts tun sind wir bald am Ende. Wir müssen einen Aufstand gegen Ymer, den Großvater aller Riesen, und gegen seine Brut riskieren. Gesagt, getan. In aller Heimlichkeit schneiden Odin und seine Brüder mächtige Spieße aus den Bäumen und schleichen sich an den Riesen heran, der wie immer mit vollem Bauch schnarchend daliegt. Die Überraschung ist auf ihrer Seite. Das Blut spritzt aus den Wunden des Riesen. Ymer brüllt so laut, dass die Gletscher kalben und Eisberge ins Wasser stürzen. Bald haben die Asen gesiegt, und der größte aller Riesen ist tot. Er hat so viel verloren, dass seine Kinder in der Flut ertrinken. Sie werden in den alten Schlund gespült und verschwinden im Abgrund. Wahrscheinlich ist dabei auch die große Kuh mitgerissen worden, denn seitdem hat niemand mehr von ihr gehört, und niemand hat sie wieder gesehenen. Nur zwei der Riesenkinder konnten sich retten, ein Paar das schlau genug war sich im Nebel zu verstecken. Diesen beiden verdankt das Riesengeschlecht sein Überleben. Doch vom Tag der ersten Schlacht an, sind es die Götter, die das Heft in der Hand halten, und sie machen sich sogleich ans Werk. Den toten Ymer schleppen sie bis an den Rand des großen Weltschlundes-eine schwere Arbeit, nach der sie sich erst mal drei Tage ausruhen müssen. Dann legen sie ihn über den Abgrund, der unter dem riesigen Leichnam verschwindet. Sie überlegen lange, was man mit dem Toten anfangen kann. Vielleicht kann man eine ganze Welt aus ihm erschaffen? Er hat so viel Blut verloren, dass es für ein ganzes Meer reicht. Und aus seinem Fleisch, kann man das feste Land machen; aus seinen Knochen Berge und Klippen, aus seinen Knöcheln und Zähnen Gestein und Geröll, aus dem Haar Bäume und Gras. Am Ende bleibt nur noch der Schädel. Die Hirnschale des Riesen setzen die Götter wie eine Kuppel über alles, was sie erschaffen haben, und so ist das Himmelsgewölbe entstanden. Das Gehirn aber werfen sie hoch in die Luft, wo es zerflattert, und so sind die Wolken zustande gekommen, die über den Himmel ziehen.

 

Doch damit war die Welt noch lange nicht fertig. Zum Beispiel fehlen immer noch die Zwerge, die Unterirdischen, die in Grotten und Höhlen leben. Auch sie sind aus Ymers großer Leiche hervorgegangen; denn es waren keine gewöhnlichen Würmer, die sich an ihr gütlich taten - o nein! Ohne die Zwerge sähe die Welt ganz anders aus; man verdankt ihnen die Schmiedekunst, die sie erfunden haben, und manches andere. Allerdings, es ist wenig Verlass auf sie, manchmal schlagen sie sich nämlich auf die Seite der Trolle. Trotzdem - ohne sie geht es nicht. Das sahen auch die Götter ein, und sie erwählten vier von ihnen, um das Himmelsgewölbe zu stützen und die vier Ecken der Welt zu bewachen. Diese vier heißen Osten, Westen, Norden und Süden. Also auch für die vier Himmelsrichtungen müssen wir uns bei den Zwergen bedanken. Nun war es den Asen am Himmel aber noch zu dunkel. Im warmen Muspilheim, ganz im Süden, wo das Feuer zu Hause war, holten sie sich Funken und hefteten sie an den Himmel, dort hängen sie noch heute noch auf der Innenseite des alten Riesenschädels. So sind die Sterne entstanden. Und wie ging es weiter? Nun Odin hatte zwei Brüder. Der eine hieß Wile und war sehr klug. Der andere hieß We und hatte scharfe Augen, gute Ohren und war sehr beredt.

Eines Tages gingen sie alle drei am Strand spazieren und fanden dort zwei große Hölzer, die die Flut an Land getrieben hatte. „Seht nur“, sagte We, „dieses Strandholz sieht ja fast aus wie wir.“ – „Wieso denn“, fragte Odin. „Ganz einfach“, sagte Wile ,“das hier ist der Kopf, das sind die Arme, und zwei Beine haben sie auch.“

Nun muss man wissen, dass die Götter gern spielen. Und so nahmen sie nur zum Spaß, die Stöcke in die Hand, stellten sie auf und kleideten sie ein. Odin hauchte ihnen Leben ein, so dass sie atmen konnten. Wile gab ihnen Vernunft und Verstand, und We verlieh ihnen die Gabe des Gehörs, des Gesichts und der Rede. Warmes Blut pulsierte durch ihre Adern und ihr Haar, ihre Haut, ihre Augen nahmen Farbe an. Nun waren sie kein Strandgut mehr, sondern ein Mann und eine Frau. Die Asen nannten sie Asch und Embla, und von diesen beiden Eltern stammt die ganze Menschheit ab.

Nun gab es zwar Asen, Trolle und Menschen, aber es war sonderbar still auf der Welt. Irgendetwas fehlte! Wahrscheinlich war es Wile, der als erster verstand, was es war.

„Wisst ihr, warum sich hier nichts rührt?“ fragt er seine Brüder. „Uns fehlt die Zeit! Es ist immer dasselbe am Himmel, weder wird es richtig hell noch richtig dunkel. So kann es nicht weitergehen.“

Da fiel ihnen eine Riesenfrau ein, die ganz besonders dunkel war. Sie hieß Nott und sie hatte einen Liebhaber unter den Asen, der mit ihr einen Sohn namens Dag zeugte, und der war ausnehmend hell. Die beiden, sagte Wile, sollten wir besuchen. Das leuchtete Odin ein. Er ging zu Nott und Dag, und beide, Mutter und Sohn, gefielen ihm so sehr, dass er ihnen Pferde und Wagen schenkte.

„Habt ihr Lust, über die ganze Welt zu reisen?“ fragte er.

„Warum nicht“, antworteten sie.

„Aber es geht hoch hinaus“, gab Odin zu bedenken, „so hoch, dass ihr alles sehen könnt, und sie nimmt kein Ende.“

Nott fuhr als erste los. Ihr Ross hatte Raureif in der Mähne, und am Morgen fallen Schaumtropfen aus seinem Maul. Das ist der Tau, der in der Frühe auf den Wiesen liegt. Kaum war Nott auf dem Heimweg, da machte sich Dag auf die Reise. Sein Ross schimmert, und seine Mähne leuchtet blendend hell. Seit der ersten Fahrt dieser beiden kann man Tag und Nacht unterscheiden, man weiß wie spät es ist, und kann die Tage und die Jahre zählen. Das Licht des Tages kommt also nicht von der Sonne, wie wir gerne glauben. Natürlich auch Sonne und Mond sind aus den Funken erschaffen, von denen Muspilheim sprüht, und es ist auch wahr, dass beide auf ihrem Wagen über den Himmel ziehen. Aber wer passt darauf auf, dass sie nicht herunterfallen? Und wer lenkt ihre Pferde? Da sind zwei Menschenkinder, ein Junge und ein Mädchen. Die waren so schön, und ihr Vater war so stolz auf sie, dass er die Tochter Sonne nannte und den Sohn Mond. Das fanden die Asen reichlich übermütig, und sie beschlossen, dem stolzen Vater die Kinder wegzunehmen. Die Tochter muss seitdem die Rösser des Sonnenwagens und der Sohn die Mondpferde lenken. Das ist nicht so einfach; denn die beiden sind immer in Eile. Immerzu sind nämlich zwei Wölfe hinter ihnen her, die nach ihnen schnappen und sie verschlingen wollen. Das sind keine gewöhnlichen Bestien. Es sind die Kinder einer alten Trollfrau, die weit im Osten lebt, im Walde Eisenholz. Diese Frau hat noch viele andere Riesen in die Welt gesetzt, und alle haben die Gestalt von Wölfen. Bis auf den heutigen Tag haben Sonne und Mond den Wettlauf mit ihren Verfolgern gewonnen, und man kann nur hoffen, dass es dabei bleibt.

 

Bleibt nur noch die Frage, wo der Wind herkommt. Auch er ist aus dem Geschlecht der Trolle hervorgegangen, aber er gehört nicht zu den Wolfskindern, sondern hat die Gestalt eines riesigen Adlers. Er wohnt im hohen Norden, und sobald er sich in die Lüfte erhebt und mit seinen gewaltigen Schwingen schlägt, stürmt es, und überall fliegen die Pfannen vom Dach. Eigentlich war die Welt nun so ziemlich fertig. Natürlich gab es dauernd Streit zwischen Asen und Trollen; aber manchmal setzt sich der eine oder die andere über die alte Feindschaft hinweg. Und dann kam es zu heißen Liebschaften. So war ja auch die Nacht entstanden. Sogar Odin fand nichts dabei, hin und wieder eine Trollfrau zu umarmen; denn auch in Jotunheim, wo die Trolle zu Hause sind, gab es schöne Mädchen. Doch vor allem sind die Riesen gefährliche Wesen, denen man nicht über den Weg trauen kann. Besonders die Menschen müssen sich vor ihnen hüten; denn wer kommt schon gegen einen Riesen auf?

Das sah auch Odin ein und so beschloss er, den Menschen zuliebe eine Burg zu bauen. Nicht irgendwo am Rand der Welt, sondern in der Mitte. Dort befahl der Häuptling der Götter, einen Bauplatz zu roden. Allerdings, eine Frage bereitete den Asen Kopfzerbrechen. Ziegel und Balken waren noch nicht erfunden. Wo gab es ein Material, das fest genug war, um eine Burg zu errichten? Die Asen erinnern sich an die Erschaffung der Welt, und da fiel ihnen etwas ein, was sie damals weggeworfen hatten, weil sie dachten, dass es zu nichts nütze war. Das waren die Augenbrauen und die Wimpern Ymers, des ersten Riesen. Die waren so dick und stabil, wie die besten Balken. Es dauerte nicht lange und die Burg war fertig. Eine weitläufige Mauer umgab den Bezirk, der Mitgard heißt und der zur Heimat der Menschheit wurde. Dort konnten sie sich sicher fühlen. Selbstverständlich dachten die Asen nicht daran, sich mit den Menschen allzu gemein zu machen. Sie wollten gern in ihrer Nähe wohnen, aber nicht im selben Haus.

 

Asgard

Asgard (altnord. Ásgarðr „Heim der Asen“) - der Wohnort der Asen.
Über die Regenbogenbrücke Bifröst ist Asgard mit Midgard verbunden.

Deshalb errichteten sie hoch über Mitgard eine ganz besonders prächtige Burg, die sie Asgard nannten und damit es ganz klar war, wer hier das Sagen hatte, legten sie zwischen ihrer Festung und der Welt der Menschen eine große leuchtende Brücke. Sie heißt Bifrost und der bedeutet soviel wie „Der zitternde Weg“ die Menschen nennen sie den Regenbogen. Über diese Brücke können nur die Asen reiten, denn das Rot im Regenbogen ist flammendes Feuer. So hält man sich ungebetene Gäste vom Leib. Bescheiden kann man es nicht nennen, wie sich die Götter eingerichtet haben. In Asgard gibt es viele prächtige Häuser und Festsäle und es ist klar, dass das aller schönste Schloss Odin gehört. Es ist innen und außen vergoldet und liegt genau in der Mitte. Hier hat Odin seinen Hochsitz. Wenn er sich auf seinen Thron niederlässt, kann er die ganze Welt überblicken. Er sieht, dass die Erde rund ist, natürlich nicht wie ein Ball, sondern wie eine große Scheibe mit Kreisen, die ineinander liegen wie die Jahresringe eines alten Baumes. Ganz draußen schäumt das große Weltmeer. Im äußersten Rand des Erdkreises liegt Jotunheim und Einöd, wo die Riesen oder Trolle zu Hause sind, im inneren liegt Mitgard, wo die Menschen wohnen; ganz im Zentrum, in Asgard, haben sich die Asen eingerichtet und in der Mitte der Mitte wohnt Odin, der sein Schloss auf einer Wiese gebaut hat. Genau dort haben die Götter auch ihren Hofbaum gepflanzt, die Esche Yggdrasil. Ihre Krone reicht bis in den Himmel und ihre immergrünen Äste streckt sie über die ganze Welt aus. Eigentlich könnte Odin zufrieden sein. Hat er nicht alles wunderbar eingerichtet? Aber manchmal macht er sich Sorgen; denn er sieht allerhand Dinge, die ihn bekümmern. Zum Beispiel die Sache mit den Alben. Wo diese sonderbaren Geschöpfe nur herkommen. Er kann sich nicht erinnern, dass die Asen sie geschaffen haben.

 

Klar ist nur, dass sie mit den Trollen und Zwergen verwandt sind. Vielleicht machen sie sogar gemeinsame Sachen mit ihnen? Er muss feststellen, dass die Alben manchmal heimlich über die Mauern von Mitgard klettern. Es gibt weiße und schwarze Alben. In Tausenderlei Verkleidungen schleichen sie sich unter die Menschen ein. Die sagen dann, sie hätten nachts Gespenster gesehen oder Meer-ungeheuer - unterirdische Wesen mit Klauen und Schwänzen. Das sind die Huldren. Manchmal locken sie die Menschen in tiefe Höhlen unter der Erde, um sie dort gefangen zu halten und zu heiraten. Wieder andere sind arge Kinderdiebe. Oft vertauschen sie die Neugeborenen in der Wiege und hinterlassen der Mutter ein Wechselbalg. Odin weiß, dass das keine bloße Einbildung ist. Er weiß Bescheid, er kennt die Mächte der Finsternis und ihre Verwandlungskünste, und es ist ihm klar, dass sie sich vermehren können wie die Hasen, wenn man sie gewähren lässt. Allerdings nicht nur die schwarzen Alben, sondern auch die weißen. Das sind freundliche Geister. Auch unter den Huldren gibt es viele, die den Menschen, die sie ehren, gern zu Hilfe kommen. Aber auch Odin versteht nicht alles, was es gibt auf der Welt. Was sind das alles für Wesen, die er nicht geschaffen hat? Wo kommen sie her? Wenn er den Blick gen Süden wendet, auf das glühende Muspilheim, dann entgeht es ihm nicht, dass auch dort ein Volk, von fremden Wesen haust, die wie lebende Fackeln brennen. Aber das ist noch gar nichts! Was ihn noch viel mehr erschreckt: Er merkt, dass es noch andere Götter als die Asen gibt auf der Welt. Sie nennen sich die Wanen und wohnen auf einer Burg die Wanheim heißt. Es scheinen friedliche Götter zu sein, die sich vor allem um die Pflanzen und Tiere kümmern. Die helfen auch den Bauern bei ihrer Arbeit und mit den Alben stehen sie auf vertrautem Fuß. Das wäre nicht so schlimm; nur fragt sich Odin, ob die Welt denn Platz für zwei Göttersippen hat. Wer weiß, ob das auf Dauer gut gehen kann! Odin denkt, dass man immer mit dem schlimmsten rechnen muss. Vielleicht stellt sich eines Tages, dass diese Wanen gefährlicher werden können. Und deshalb versammelt er die Asen um sich und sagt ihnen: Wir müssen auf alles gefasst sein. Wenn es Krieg gibt, ist es aus und vorbei mit dem sorglosen Leben auf Asgard! Dann geht es um`s Ganze. Seid ihr bereit?

 

Quelle:
Den Text stellte Peter Trouvain vom Forum "Nordische Mythologie" dankenswerterweise zur Verfügung.
Website: nordische-mythologie.aktiv-forum.com

 

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