Die Saga von den Völsungen - Teil 9

Thule - Altnordische Dichtungen und Prosa
Band 21 - Isländische Heldenromane.

Sigurd tötet den Betrüger Regin

Sigurd tötet den Betrüger Regin

31. Brynhilds Harm nimmt noch zu.

Nach diesem Gespräche legte sich Brynhild zu Bett; die Kunde kam vor König Gunnar, daß sie krank wäre. Er ging zu ihr und fragte, was ihr fehlte. Aber sie antwortete nichts und lag, wie wenn sie tot wäre.

Und als er ernstlich nachforschte, antwortete sie: „Was machest du mit dem Ringe, den ich dir schenkte, und den König Budli mir beim letzten Abschied gegeben hatte, als ihr Gjukunge zu ihm kamt und drohtet, zu heeren und zu brennen, wenn ihr mich nicht erhieltet? Darauf führte er mich zu einer Besprechung unter vier Augen und fragte, welchen ich wählte von denen, die gekommen wären. Ich aber erbot mich, das Land zu verteidigen und über ein Drittel des Gefolges Häuptling zu sein; es war zwischen zwei Möglichkeiten zu wählen, daß ich mich würde vermählen müssen, den er wollte, oder allen Gutes und seiner Freundschaft bar sein; doch meinte er, seine Freundschaft würde mir mehr frommen als sein Zorn. Da bedachte ich bei mir, ob ich seinem Willen gehorchen oder manchen Mann erschlagen sollte – ich fühlte mich aber unfähig, mit ihm zu streiten. Es kam dahin, daß ich mich dem verhieß, der auf dem Hengste Grani mit Fafnirs Erbe geritten käme, durch meine Waberlohe sprengte und die Männer erschlüge, die ich ihm angeben würde. Nun wagte keiner zu reiten als Sigurd allein; der durchritt das Feuer, denn es mangelte ihm nicht an Mut dazu; er erschlug den Wurm und Regin und fünf Könige, nicht aber du, Gunnar, der du erbleichtest wie eine Leiche – du bist kein König noch Kämpe. Ich aber habe gelobt daheim bei meinem Vater, den allein lieben zu wollen, der als der Herrlichste geboren wäre – das aber ist Sigurd. Nun aber bin ich eidbrüchig dadurch, daß ich ihn nicht habe, und deshalb werde ich deinen Tod bewirken. Auch habe ich Grimhild Übles zu lohnen – keine herzlosere und bösere Frau findet sich als sie.“

Gunnar antwortete, so daß es wenige hörten: „Manche Lügenworte hast du gesprochen, du bist ein böses Weib, da du die Frau schmähst, die dich weit überragt – nicht war sie unzufrieden mit ihrem Lose, wie du tust, noch quälte sie tote Männer, noch mordete sie einen, sie lebt mit Lob.“

Brynhild antwortete: „Ich habe keine Heimlichkeiten gehabt noch Untaten verübt, anders ist meine Anlage: geneigter wäre ich, dich zu erschlagen.“

Darauf wollte König Gunnar sie töten. Högni aber legte sie in Fesseln. Da sprach Gunnar: „Ich will nicht, daß sie in Fesseln liege.“

Sie antwortete: „Kümmere dich nicht darum, denn nimmer siehst du mich fortan fröhlich in deiner Halle, weder trinken noch brettspielen, noch verständig reden, nimmer siehst du mich mit Gold gute Gewänder überspinnen, noch dir Rat erteilen.“

Sie sagte, das sei ihr größter Harm, daß sie Sigurd nicht habe. Sie richtete sich auf und begann so heftig zu weben, daß das Gewebe zerriß; sie gebot ihre Kammertüren aufzuschließen, damit man ihre Wehklage weite Wege hören möchte. Da hob Brynhild laute Klage an, und man hörte sie durch die ganze Burg.

Gudrun fragte ihre Kammermägde, warum sie so unfroh und betrübt wären: „Was fehlt euch denn? Warum gebärdet ihr euch wie unsinnige Menschen? Welches Schreckbild ist euch erschienen?“

Da antwortete eine Frau ihres Gefolges, die Svafrlöd hieß: „Das ist ein unseliger Tag, unsere Halle ist voll von Harm.“

Da sagte Gudrun zu ihrer Freundin: „Stehe auf! Wir haben lange geschlafen, wecke Brynhild; wir wollen ans Weben gehen und fröhlich sein!“

„Das tue ich nicht,“ antwortete sie, „daß ich sie wecke oder mit ihr rede; manchen Tag trank sie weder Met noch Wein, sie hat der Götter Zorn empfangen.“

Da sprach Gudrun zu Gunnar: „Geh hin zu ihr,“ sagte sie, „und sag ihr, daß ich ihren Kummer beklage.“ Gunnar antwortete: „Es ist mir verboten, zu ihr zu gehen und ihr Gut zu verteilen.“

Dennoch ging er zu ihr und versuchte auf manche Weise, ihr Worte abzugewinnen, konnte aber keine Antwort bekommen. Da ging er fort und suchte Högni auf und bat ihn, zu ihr zu gehen; der sagte aber, daß er keine Lust dazu habe, ging jedoch dennoch hin und erlangte ebenfalls nichts von ihr.

Da ward Sigurd aufgesucht und gebeten, zu ihr zu gehen. Der erwiderte kein Wort, und dabei blieb es an den Abend. Am andern Tage aber, als er von der Jagd kam, ging er zu Gudrun und sprach: „Das habe ich geahnt, daß ihr zorniges Erbeben etwas Großes zu bedeuten habe – Brynhild wird sterben.“

Gudrun antwortete: „Mein Herr, sehr wunderlich geht es mit ihr zu: sie hat nun schon sieben Tage und Nächte geschlafen, so daß keiner wagte, sie zu wecken.“

Sigurd antwortete: „Sie schläft nicht – sie beschäftigt sich mit großen Plänen gegen uns.“

Da sprach Gudrun unter Tränen: „Das ist ein großer Harm, deinen Tod zu wissen: geh lieber, besuche sie und besänftige so ihren Zorn.“

Sigurd ging hinaus und fand den Saal offen; er dachte, sie schliefe, schlug die Decken vor ihr zurück und sprach: „Wach auf, Brynhild, die Sonne scheint über die ganze Burg, genug ist geschlafen – wirf den Harm von dir und nimm Fröhlichkeit an.“

Sie sprach: „Wie konntest du so dreist sein, daß du kommst, mich zu besuchen? Keiner war schlimmer gegen mich bei diesem Betruge.“

Sigurd antwortete: „Warum redest du nicht mit Männern – was betrübt dich denn?“

Brynhild entgegnete: „Dir will ich meinen Zorn sagen.“

Sigurd sprach: „Betört bist du, wenn du wähnst, ich wäre dir feindselig gesinnt – der ist dein Mann, den du erkoren.“

„Nein,“ sagte sie, „nicht Gunnar war es, der durch das Feuer zu mir ritt, nicht er brachte mir als Brautschatz Erschlagene. Ich wunderte mich über den Mann, der in meinen Saal kam, und ich glaubte, deine Augen zu erkennen, doch konnte ich sie nicht genau unterscheiden wegen der Hülle, die auf meinem Schutzgeiste lag.“

Sigurd sagte: „Ich bin kein vornehmerer Mann als die Söhne König Gjukis – sie erschlugen den Dänenkönig und einen mächtigen Häuptling, den Bruder König Budlis.“

Brynhild antwortete: „Manches Böse haben wir ihnen aufzuzählen, erinnere uns nicht an unsern Harm. Du, Sigurd, erschlugst den Wurm und rittest durch das Feuer um meinetwillen – Gjukis Söhne waren dort nicht.“

Sigurd erwiderte: „Keineswegs ward ich dein Mann noch warst du meine Frau, und ein ruhmreicher König zahlte dir den Brautschatz.“

Brynhild antwortete: „Nie sehe ich Gunnar so, daß mein Herz ihm zulacht – grimm bin ich gegen ihn, wenn ich es auch vor andern verhehle.“

„Das ist entsetzlich“, sagte Sigurd, „einen solchen König nicht zu lieben. Was grämt dich denn am meisten? Mir scheint, wie wenn seine Liebe dir besser wäre als Gold.“

Brynhild antwortete: „Das ist das Schmerzlichste meiner Leiden, daß ich es nicht zuwege bringen kann, daß ein scharfes Schwert in deinem Blute gerötet werde.“

Sigurd erwiderte: „Fürchte das nicht – nicht lange wird man zu warten brauchen, bis ein scharfes Schwert in meinem Herzen stehen wird, und du kannst dir nichts Schlimmeres wünschen; denn du wirst mich nicht überleben, und unsere Lebenstage werden von jetzt an hinfort zu zählen sein.“

Brynhild antwortete: „Großer Haß gab dir diese Worte ein; aber seitdem ihr mich um alle Wonne betrogen, achte ich das Leben für gar nichts.“

Sigurd erwiderte: „Lebe und liebe König Gunnar und mich, und all mein Gut will ich dafür geben, daß du nicht stirbst.“

Brynhild antwortete: „Du kennst meinen Sinn nicht recht – du ragst über alle Männer, aber dir ist keine Frau verhaßter geworden als ich.“

Sigurd erwiderte: “Anderes ist wahrer: ich liebe dich mehr als mich selbst, obgleich ich dem Betruge unterlag – und das ist nicht mehr zu ändern; denn stets, als ich wieder zur Besinnung gekommen war, härmte es mich, daß du nicht meine Frau warst. Doch suchte ich, soviel ich konnte, den Gedanken von mir fern zu halten, daß ich in der Königshalle war, und freute mich doch, daß wir alle beisammen waren. Es kann auch sein, daß das in Erfüllung gehen muß, was geweissagt ist, - aber davor soll mir nicht bangen.“

Brynhild antwortete: „Zu lange hast du gezaudert, mir zusagen, daß mein Harm dich betrübt, aber nun finden wir dir dafür keine Heilung mehr.“

Sigurd erwiderte: „Gerne wollte ich, daß wir beide ein Bett bestiegen, und du meine Frau wärest.“ Brynhild antwortete „Solches soll man nicht reden, ich mag nicht zwei Könige in einer Halle haben; eher will ich mein Leben lassen, als daß ich König Gunnar betrüge“ – und sie gedachte daran, wie sie sich auf dem Berge trafen und sich Eide schwuren – „aber jetzt ist das alles gebrochen, ich will nicht länger leben.“

„Ich erinnerte mich deines Namens nicht,“ sagte Sigurd, „und erkannte dich nicht eher, als bis du vermählt warst – das ist der größte Harm.“

Da sprach Brynhild: „Ich schwur den Eid, den Mann zu nehmen, der durch meine Waberlohe ritte, und den Eid wollte ich halten oder sonst sterben.“

„Lieber als daß du stirbst, will ich dich nehmen und Gudrun verlassen,“ sprach Sigurd; aber so schwollen vor Kummer seine Seiten, daß die Brünnenringe entzweisprangen.

„Ich will weder dich,“ erwiderte Brynhild, „noch einen andern.“

Sigurd ging hinweg. So heißt es im Sigurdliede:

Hinaus ging Sigurd

Voll schwerer Sorgen

Fort vom Gespräch,

Der Freund der Helden,

Daß das stahlgeflochtne

Streithemd dem Fürsten

An beiden Seiten

Zu springen drohte.

Als Sigurd in die Halle trat, fragte Gunnar, ob er wisse, welcher Kummer sie quäle, und ob sie ihre Sprache wieder habe. Sigurd sagte, daß sie sprechen könne. Nun ging Gunnar abermals, sie aufzusuchen und fragte, worin ihr Kummer bestünde, und ob man ihr mit irgend etwas helfen könne.

„Ich will nicht leben,“ sagte Brynhild, „denn Sigurd hat mich betrogen und nicht minder dich, da du ihn in mein Bett in einer Halle steigen ließest. Als Weib zweier Männer will ich nicht weiterleben, eines von uns dreien muß sterben, Sigurd oder du oder ich – denn er hat das alles Gudrun erzählt, aber sie wirft es mir vor.“

 

32. Sigurd wird verraten.

Darauf ging Brynhild hinaus, setzte sich an die Wand ihrer Kammer und hielt viele Harmreden; sie klagte, daß ihr alle verleidet wäre, beides, Land und Macht, da sie Sigmund nicht hätte. Abermals kam Gunnar zu ihr.

Brynhild sagte: „Du sollst Macht und Hort verlieren, dein Leben und mich, und ich will zurückkehren zu meinen Verwandten und betrübt dort sitzen, wenn du Sigurd nicht erschlägst und seinen Sohn – zieh nicht den jungen Wolf auf!“

Da ward Gunnar bekümmert in seinem Gemüte und wähnte nicht zu wissen, was ihm obläge, da er durch Eide mit Sigurd verbunden war; bald dies, bald das kam ihm in den Sinn – jedoch das erschien ihm als die größte Schmach, wenn seine Frau von ihm ginge. Gunnar sprach: „Brynhild ist mir lieber als alles, aller Frauen hehrste ist sie, und eher will ich das Leben lassen als ihre Liebe verlieren.“

Er rief seinen Bruder Högni zu sich und sprach: „Ich bin in große Bedrängnis geraten;“ er sagte ihm, daß er Sigurd töten wollte, und erklärte, daß er ihn, der ihm traute, betrogen hätte: „So gebieten wir über das Gold und alle Macht.“

Högni erwiderte: „Es ziemt uns nicht, den Schwur zu brechen durch Unfrieden; auch haben wir eine große Stütze an ihm – keine Könige sind uns gleich, wenn dieser hunische Herrscher lebt, und einen solchen Schwager bekommen wir niemals wieder; erwäge auch, wie gut es für uns wäre, einen solchen Schwager und solche Schwestersöhne zu haben. Auch sehe ich wohl, wie es sich damit verhält: Brynhild hat es angestiftet, ihr Rat bringt uns in schwere Schande und Schaden.“

Gunnar antwortete: „Dies soll geschehen, ich sehe, was zu tun ist: wir wollen unsern Bruder Gutthorm aufreizen, er ist jung und unerfahren und steht außerhalb aller Eide.“

Högni sprach: „Der Rat scheint mir übel angebracht, und wenn er in die Tat umgesetzt wird, so werden wir dafür Bestrafung empfangen, daß wir einen solchen Mann verraten haben.“

Gunnar antwortete: Sigurd solle sterben, „oder aber ich will sterben“.

Er hieß dann Brynhild aufstehen und fröhlich sein. Sie stand auf, sage jedoch, daß Gunnar nicht eher mit ihr in dasselbe Bett kommen sollte, als bis diese Tat ausgeführt wäre.

Wieder besprachen sich die Brüder miteinander. Gunnar sagte, das wäre ein gültiger Grund, ihn zu erschlagen, weil er Brynhild das Magdtum genommen habe: „Wir wollen Gutthorm aufreizen, diese Tat zu vollbringen.“ Sie boten ihm Gold und große Macht, dies auszuführen. Sie nahmen eine Schlange und Wolfsfleisch, ließen es sieden und gaben es ihm zu essen, wie der Skalde sagt:

„Einen Waldfisch nahmen einige,

Das Wolffleisch schnitten andere,

Andere Gutthorm

Vom Wolf zu essen gaben.

Ins Gebräu sie mischten

Auch mancherlei andres

In Zaubertränken.“

Und durch diese Speise und durch alles zusammen und durch Grimhilds Vorstellungen ward er so wild und kampfwütig, daß er versprach, diese Tat zu vollbringen. Sie verhießen ihm große Ehre zum Lohne dafür. Sigurd hatte keine Ahnung von diesem Verrat; auch konnte er sich nicht seinem Geschick entziehen noch seinem Lebensziele; er war sich auch nicht bewußt, Arglist von ihnen verdient zu haben.

Gutthorm ging am nächsten Morgen hinein zu Sigurd, als er noch in seinem Bett ruhte. Aber als Sigurd ihn anblickte, wagte Gutthorm nicht, ihn anzugreifen und ging wieder hinaus. Ebenso erging es zum andernmal. Sigurds Augen waren nämlich so scharf, daß keiner wagte hineinzuschauen. Und zum dritten Male ging er hinein, da war Sigurd eingeschlafen. Gutthorm zückte das Schwert und stieß es in Sigurd, so daß die Schwertspitze im Polster unter ihm stecken blieb. Sigurd erwachte von der Wunde, Gutthorm aber ging hinaus zur Tür: da nahm Sigurd das Schwert und warf es nach ihm; es traf ihn im Rücken und schnitt ihn mitten durch – nach der einen Seite fiel das Fußstück, nach der andern aber fielen das Haupt und die Hände zurück in die Kammer.

Gudrun war in Sigurds Armen eingeschlafen, aber sie erwachte mit unsagbarem Harme, da sie in seinem Blute schwamm; so sehr jammerte sie mit Weinen und Wehklagen, daß Sigmund sich von seinem Kopfkissen aufrichtete und sprach: „Weine nicht,“ sagte er, „deine Brüder leben dir zur Freude. Aber einen allzu jungen Sohn habe ich, als daß er sich vor seinen Feinden hüten könnte. Schlimm aber haben sie für ihre Sache gesorgt – niemals erhalten sie einen solchen Schwager noch Schwestersohn, der auch mit ihnen in den Kampf ritte, wenn er es erreichen würde, aufzuwachsen. Jetzt ist das in Erfüllung gegangen, was vor langem geweissagt worden war, und wir haben nicht daran glauben wollen – aber keiner kann sich dem Geschick entziehen. Das hat Brynhild geraten, die mich mehr liebte als jeden andern Mann. Das kann ich beschwören, daß ich an Gunnar niemals Verrat begangen habe: ich hielt unsere Eide und war kein allzu naher Freund seiner Frau. Wenn ich das vorher gewußt hätte und mich mit meinen Waffen auf meine Füße stellen könnte, dann sollten viele ihr Leben verlieren, ehe ich fiele, und all die Brüder erschlagen werden; noch schwieriger sollte es ihnen werden mich zu erschlagen als den größten Wisent oder Wildeber.“ Da ließ der König sein Leben.

Gudrun aber holte mühsam Atem. Das hörte Brynhild und lachte laut, als sie ihr Seufzen vernahm. Da sprach Gunnar: „Nicht lachst du deshalb, weil du im innersten Herzen froh wärest – warum verlierst du deine Farbe? Ein großes Ungeheuer bist du, es ist wohl zu erwarten, daß du todgeweiht bist. Keiner hätte es mehr verdienst als du, den König Atli vor sich erschlagen zu sehen, du müsstest eigentlich dabeistehen – nun müssen wir beschäftigt sein um unsern Schwager und Brudermörder.“

Sie antwortete: „Keiner erhebt den Vorwurf, daß nicht genug getötet sei. König Atli kümmert sich nicht um eure Drohungen und Zornesausbrüche, er wird länger leben als ihr und größere Macht haben.“

Högni sprach: „Nun ist das in Erfüllung gegangen, was Brynhild weissagte – diese böse Tat können wir nie wieder gut machen.“

Gudrun sprach: „Meine Gesippen haben meinen Mann erschlagen: jetzt werdet ihr an der Spitze der Schar in den Krieg reiten, und wenn ihr zum Kampfe kommt, da werdet ihr merken, daß Sigurd euch nicht mehr zur einen Hand ist, und dann werdet ihr sehen, daß Sigurd euer Heil und eure Stärke war; wenn er ihm gleiche Söhne hätte, so könntet ihr unterstützt werden durch seine Nachkommen und seine Verwandten.“

Niemand wußte es sich zu erklären, daß Brynhild das lachenden Mundes erbeten hatte, was sie jetzt weinend beklagte.

Da sprach sie: „Das träumte mir, Gunnar, ich hätte ein kaltes Bett, und du rittest in die Gewalt deiner Feinde – euerm ganzen Geschlechte wird es übel ergehen, denn ihr seid eidbrüchig. Eurer Blut habt ihr zusammengemischt, Sigurd und du – aber dessen gedachtest du nimmer, da du ihn verrietest. Übel hast du ihm gelohnt, was er dir Gutes erwies, und daß er dir stets den Vorrang ließ. Damals als er zu mir kam, da zeigte es sich, wie treulich er seine Eide hielt, denn zwischen sich und mich legte er das scharfschneidige Schwert, das in Gift gehärtet war. Aber gar schnell ludet ihr Schuld auf euch ihm gegenüber und mir, als ich daheim bei meinem Vater war und alles hatte, was ich wünschte. Ich dachte nicht, daß einer von euch mein werden sollte, als ihr drei Könige dorthin auf seinen Hof geritten kamt. Atli aber nahm mich zu einer Besprechung bei Seite und fragte, ob ich den haben wollte, der Grani ritte – der aber war dir nicht gleich. König Sigmunds Sohn verhieß ich mich da und keinem andern. Euch aber wird es nicht wohl ergehen auf euerm Wege – wenn ich auch sterbe.“

Da sprang Gunnar auf, schlang die Arme um ihren Hals und bat, sie möchte leben bleiben und Gut zur Buße annehmen. Auch alle andern suchten ihr ihren Entschluß auszureden, sterben zu wollen. Sie aber stieß jeden von sich, der ihr nahte, und sagte, es nütze nichts, sie von dem zurückhalten zu wollen, was sie vorhätte.

Da rief Gunnar Högni herbei und fragte ihn um Rat; er bat ihn, hinzugehen und zu versuchen, ob er ihren Sinn besänftigen könne; er sagte, es wäre ein großes Bedürfnis vorhanden, sie zu beschwichtigen, bis einige Zeit verginge.

Högni antwortete: „Niemand halte sie vom Sterben zurück, denn sie ist uns nicht zum Heile und keinem andern, seitdem sie hierher kam.“

Nun gebot sie, viel Gold herbeizubringen und hieß alle herzukommen, die Gut empfangen wollten. Dann ergriff sie ihr Schwert, stieß es sich unter den Arm in die Brust, lehnte sich zurück gegen die Kissen und sprach: „Es nehme hier nun Gold, wer es nur haben will.“

Alle schwiegen. Brynhild sprach: „Empfangt das Gold und genießet seiner wohl!“

Weiter sagte Brynhild zu Gunnar: „Jetzt will ich dir kurz sagen, wie es später kommen wird: bald werdet ihr euch mit Gudrun versöhnen unter Beihilfe Grimhilds der Zauberkundigen. Eine Tochter Gudruns und Sigurds wird Svanhild heißen, die als die schönste aller Frauen wird geboren werden, Dann wird Gudrun gegen ihren Willen an Atli gegeben werden. Du aber wirst Oddrun zur Frau haben wollen, doch Atli wird es verbieten: da werdet ihr heimlich zusammenkommen, und sie wird dich lieben. Atli wird dich verraten und in den Schlangenzwinger setzen.“

Darauf wird Atli selbst mit seinen Söhnen erschlagen werden – Gudrun wird sie töten. Dann werden mächtige Wogen Gudrun nach Jonakrs Burg tragen, da wird sie treffliche Söhne gebären. Svanhild wird aus dem Lande gesendet und König Jörmunrek vermählt werden – aber Bikkis treuloser Rat wird sie verderben: damit ist euer ganzes Geschlecht dahin, und Gudruns Harm ist um so größer.

 

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Zum Teil 10 oder zum Inhaltsverzeichnis der Völsungen-Saga

 

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