Das Mirakelbuch

 
Rezension: Manfred Lohmann
 
Ein kleines, eher dünnes Büchlein könnte beim Anblick von Michaela Abreschs Erstlingswerk "Das Mirakelbuch" denken. Das Cover passt zum Titel - auf rötlich-ockerfarbenen Untergrund ist eine alte, unleserliche Schrift geschützt hinter Dornenranken zu erkennen. Geheimnisvoll wirkt dieses Cover und macht neugierig auf den Inhalt.
Nach dem Inhaltsverzeichnis findet man eine kleine Übersichtsskizze des Westerwaldes - dem Ort des Geschehens, der Untertitel zum Buch weißt schon auf den Westerwald hin. Eingezeichnet in dieser Skizze sind die Orte, in denen die alten Sagen, die die Autorin zusammengetragen hat, spielen. So weiß man, wo ungefähr die Lesereise hingeht, auf die ich mich begebe.
 
Michaela Abresch beginnt mit ihre historische Zeitreise im Jahr 1324 mit der Geschichte von Gela und ihrer stummen Schwester Aleydis auf der Suche nach einem Engel, führt uns mit der Geschichte von der Äbtissin Klara die mit Johannes ein schlimmes Geheimnis hütet in das Reichenstein Anno 1550, weiter geht die Reise über den Schrecken der Pest und Hexenverfolgung, den Wirren und der schlimmen Zeit des dreißigjährigen Krieges und endet schließlich in Sayn im Jahr 1862, wo sich die letzte der zwölf historischen Geschichten zugetragen hat. Diese letzte Geschichte gab zugleich dem Buch seinen Titel - Das Mirakelbuch.
Die Autorin schließt ihr Werk mit "Historischen Anmerkungen" ab. Zu jeder der zwölf Geschichten beschreibt sie die geschichtlichen Hintergründe, umreißt die damaligen Gegebenheiten. Damit zeigt sich sehr deutlich, wie sorgfältig und präzise Michaela Abresch ihr Buch vorbereitet hat und wie tief diese Sagen und Geschichten mit der tatsächlichen Historie verwurzelt sind.
 
Mit einfühlsamen, der damaligen Zeit entsprechendem düsterem Schreibstil, schildert die Autorin diese Begebenheiten, lässt ihre Leser so Anteil nehmen am Leben ihrer Protagonistinnen. Gerade dieser düstere Stil lässt die damalige Zeit so lebendig werden. Mittelalterlicher Aberglaube, Macht und Einfluss der Kirche und nicht zuletzt die gesellschaftlichen Strukturen sind sehr überzeugend und realitätsnah beschrieben, eindrucksvoll verwebt Michaela Abresch die persönlichen Schicksale mit diesen Lebensumständen.
 

Quelle: Archiv - Praeco Medii Aevi

Mirakelbuch

Michaela Abresch
Das Mirakelbuch
Historische Erzählungen
aus dem Westerwald
 
Erschienen im:
ACABUS Verlag
März 2012
Paperback, 164 S.
ISBN: 978-3-86282-152-5
EURO 11,90

 
Inhalt:
Eng drängten sich die Buchstaben aneinander, nur selten gab es Durchgestrichenes und es war eine saubere, gleichmäßige Handschrift, wie man sie nur durch regelmäßiges Üben erhielt. Das Papier knisterte, als sie die übrigen Seiten durch die Finger gleiten ließ. Bis zur Hälfte war das Buch beschrieben. Da sie sich vom letzten Eintrag den größten Aufschluss erhoffte, beschloss sie zunächst dort weiter zu lesen. Mit der flachen Hand strich sie über die Falz. Dabei bemerkte sie gleich, dass sich das Schriftbild von jenem im ersten Eintrag unterschied. Ungleichmäßig, fehlerhaft schienen die Worte hingeworfen, beinah, als seien sie in größter Eile oder unter erschwerten Umständen geschrieben worden …
 
Ein geheimnisvolles Mirakelbuch in den Habseligkeiten eines stummen Mädchens … Wolfsspuren im frisch gefallenen Schnee … ein ausgesetzter Säugling vor der Klosterpforte … ein blutiger Dolch, von der Tochter des Burgherrn im Wald verscharrt …
Zwölf historische Geschichten, eingebettet in die waldreichen Hügel des Westerwaldes, erzählen von Liebe und Verlust, Angst und Mut, Sehnsucht und Verzweiflung. Sie entführen ihre Leser in die mittelalterlichen Städtchen des Westerwaldes, auf die Bergfriede einstiger Burgen, hinter die Pforten von Klöstern und Kapellen. Und am Ende einer jeden Erzählung ist man sich plötzlich nicht mehr sicher, ob sich das soeben Gelesene nicht tatsächlich in jenen Tagen zugetragen haben könnte …
 
Ursula Niehaus Die Autorin Michaela Abresch:
 
Michaela Abresch, Jahrgang 1965, geboren und aufgewachsen im Westerwald. Nach mehreren Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien ist 'Das Mirakelbuch' ihr erster eigener Erzählband.
Michaela Abresch lebt mit ihrer Familie in Dierdorf, einer Kleinstadt im Westerwald und ist in der pädagogisch-pflegerischen Arbeit mit schwerst mehrfachbehinderten Menschen tätig.
 
"Die Vergangenheit ist wie ein See mit einer unermesslichen Vielfalt an Geschichten, die nur darauf warten, heraus gefischt zu werden. Einige sträuben sich anfangs ein wenig, für sie brauche ich Geduld und die richtigen Worte, sie zu zähmen. Aber die meisten rufen nach mir."

 

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