Tochter des Nordens

 
Rezension: Manfred Lohmann
 
Julia Kröhn erzählt in ihrem Roman eigentlich zwei Geschichten und sorgt damit schon für Dramatik und Spannung und hat so ein sehr interessantes Buch verfasst. Da ist zum einen die "Hauptgeschichte" um Runa aus Norwegen, die sich nach dem Tod des Vaters allein durchs Leben kämpft und Gisla, die uneheliche Tochter des fränkischen Königs, die gegen ihren Willen den wilden König Rollo heiraten soll. Die beiden Frauen fliehen und trotzen gemeinsam allen Schwierigkeiten und der Verfolgung durch gefährliche Feinde.
Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden hier durch das Schicksal zusammengeführt und es entwickelt sich aus einer Zweckgemeinschaft ein tiefe Freundschaft.
Neben dieser "Hauptgeschichte" hat die Autorin noch eine "Nebengeschichte" in ihren Roman eingewebt - die allerdings viele Jahre später spielt. Ein junger Mann klopft schwer verletzt an die Pforte eines Nonnenklosters - und versetzt mit seiner Ankunft die Äbtissin in helle Aufregung - ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit holt sie ein.
Die ständig wechselnden Schauplätze, die unterschiedlichen Erzählperspektiven und die Frage, wie die beiden zeitlich weit auseinander liegenden Handlungstränge zusammenlaufen, erzeugen eine ständige Spannung. Geschickt werden die unterschiedlichen Geschichten durch das Schriftbild hervorgehoben - die Passagen im Kloster sind kursiv gedruckt und bilden jeweils ein eigenes Kapitel. So wird man intensiv in die Geschichte eingebunden - sieht sie aus der Sicht der einzelnen Protagonisten und nimmt teil an ihrem Leben.
Die Autorin siedelt ihren Roman im Frühmittelalter an und zeichnet ein sehr intensives Bild dieser Zeit. Facettenreich beschreibt sie die Lebensumstände und auch die Härte und den Schrecken jener Zeit. Fast schon nebenbei vermittelt der Roman auch viel Wissen über die nordische Mythologie und Lebensweise der Nordmänner. Julia Kröhn entwickelt ihre Charaktere sehr sorgfältig, zeigt die Gegensätze der beiden Frauen und auch die Konflikte zwischen Franken und Normannen sehr deutlich, was dem Roman eine zusätzliche Spannung gibt und das Werk mit vielschichtigem Leben füllt.
 
Fazit:
Julia Kröhn hat einen spanndenden Roman geschrieben, der nicht zuletzt durch seine außergewöhnliche Erzählweise den Leser in seinen Bann zieht. Ein vielschichtiges Buch, das ich gern gelesen habe und empfehlen kann.

 

Quelle: Archiv - Praeco Medii Aevi

Tochter des Nordens

Julia Kröhn
Tochter des Nordens
Historischer Roman
 
Erschienen im:
Bastei Lübbe
Oktober 2011
Taschenbuch, 526 Seiten
ISBN: 978-3-404-16582-7
EURO 9,99

 
Inhalt:
Gegen ihren Willen muss Runa ihre norwegische Heimat verlassen und mit ihrem Vater in die Normandie aufbrechen, wo sich dieser Reichtum und eigenes Land erhofft. Als er kurz vor der Ankunft unerwartet stirbt, ist Runa in der Fremde ganz auf sich allein gestellt.
Das Schicksal führt sie mit der fränkischen Prinzessin Gisla zusammen, als diese in höchster Gefahr schwebt. Runa gelingt es, Gisla zu retten, und diese bietet ihr einen Pakt an: Wenn Runa sie sicher und unentdeckt zu ihrer Mutter geleiten kann, wird sie in ihre Heimat zurückkehren können. Die beiden wissen nicht, dass verborgene Feinde ihnen beiden derweil nach dem Leben trachten …
 
Ursula Niehaus Die Autorin Julia Kröhn
Julia Kröhn wurde 1975 in Linz (Österreich) geboren. Von 1994 bis 2000 Studium der Theologie, Philosophie und Geschichte in Salzburg, anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität. Ausbildung zur Fernsehjournalistin, auf diverse Praktika folgten ein Volonatariat und eine Festanstellung bei der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt. Nach Publikationen in Kleinverlagen erschien 2005 mit “Engelsblut” ihr erster Roman bei einem Großverlag. Heute schreibt Julia Kröhn unter ihrem Eigennamen sowie unter verschiedenen Pseudonymen: Leah Cohn, Carla Federico, Katharina Till. Seit 2001 lebt sie - mit einigen Unterbrechungen – in Frankfurt am Main.
 


 

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