Das Pferd im Dienste des Isländers zur Sagazeit
Der isländische Bauernhof und sein Betrieb zur Sagazeit

 
Rezension: Manfred Lohmann

 
Im SEVERUS Verlag sind diese beiden sehr interessanten Bücher neu erschienen. Grau und unscheinbar sind sie in ihrer schlichten, grau-blauen Aufmachung, mit einem zum jeweiligen Thema passenden Cover. Von 1899 bzw. 1902 sind die Vorworte zu den beiden Büchern - alte Texte also, die über die spannende Zeit der Sagas berichten.
Ein wenig skeptisch, das gebe ich gern zu, widme ich mich zunächst dem ersten Band - Das Pferd im Dienste des Isländers zur Sagazeit. Doch schon nach wenigen Seiten bin ich mehr als nur überrascht - der Inhalt ist einfach faszinierend und zieht mich in seinen Bann. Ich mag mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören. Und um es vorweg zu nehmen - auch das zweite Buch - Der isländische Bauernhof und sein Betrieb zur Sagazeit - ist nicht weniger fesselnd. Für beide Bücher gilt: Hinter einer unscheinbaren Aufmachung verbirgt sich ein wahrer Schatz.
Dagobert Schoenfeld beschreibt die damalige Zeit, das Leben der Menschen sehr authentisch und nachvollziehbar. Seine Darstellungen und Schilderungen des Alltags rekonstruiert der Autor sehr genau aus den Sagas. Mit zahlreiche Zitaten in altisländischer Sprache mit der dazugehörigen Übersetzung dokumentiert er seine Schilderungen. Natürlich spart er auch nicht mit den zu seiner Schaffenszeit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, jedoch bleiben die Schilderungen der Sagas sein Hauptthema, das er mit diesen wissenschaftlichen Ausführungen untermauert. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass auch die neuesten Forschungen und archäologischen Befunde die Ausführungen Schoefelds bestätigen.
Beeindruckend werden die Lebensumstände und Lebensbedingungen der damaligen Menschen geschildert. Pragmatisch und aufschlussreich beschreibt der Autor diese Leben ohne sich in überflüssige, blumige Schilderungen zu verlieren. Als Beispiel mag hier die Beschreibung der Pferdehaltung gelten. Sehr sorgfältig analysiert der Autor anhand der Sagas, wie umsichtig und gezielt schon damals die besten Tiere zur Zucht ausgesucht wurden, wie wertvoll und wichtig für das tägliche Leben die Pferde waren und welchen Reichtum das Pferd bedeutete. Man erfährt alles über die Fütterung, oder dass die wertvollen Rennpferde damals schon besonders aufwändig gehalten wurden, wie die Tiere sorgfältig auf ihre spätere Aufgabe vorbereitet wurden. Aber auch über die mystische Bedeutung des Pferdes als Opfertier oder Grabbeigabe berichtet der Autor umfassend.
Gleiches gilt für das Landleben. Der Autor schildert das tägliche Leben auf dem Bauernhof in jener Zeit von der Beschreibung der örtlichen Gegebenheiten, über die Tiere und deren Haltung bis hin zur Bewertung der Arbeitskraft der Menschen und das gesellschaftliche Leben.
So erfährt man, wie vielfältig der damalige Viehbestand bereits war - dass es sogar gezähmte Eisbären auf den Höfen gab. Ein sehr vielschichtiges Bild zeichnet Schoenfeld von den Menschen - vom Sklaven bis zum Gutsherren schildert er sehr genau die jeweiligen Lebensbedingungen.
Emil Dagobert Schoenfeld vervollständigt seine Ausführungen mit zahlreichen Fussnoten, die auf die jeweiligen Sagas bzw. Quellen verweisen. Besonders durch diese Verweise auf die Sagas bringt er seinen Lesern die einzigartige Welt der Sagas näher und zeigt so nachhaltig auf, wie umfangreich und aufschlussreich diese alten, überlieferten Texte sind.
 
Fazit
Emil Dagobert Schoenfeld hat mit diesen beiden Werken wirklich ganz besondere Bücher verfasst, die anschaulich und lebensnah das Leben der damaligen Menschen, ihre Kultur und die gesellschaftliche Ordnung beschreiben. Es ist beeindruckend, mit welcher Sorgfalt und Umsicht er die Sagas studiert und seine Erkenntnisse niedergeschrieben hat. Der heutige wissenschaftliche Kenntnisstand bestätigt und unterstreicht die Bedeutung der beiden Werke. Diese Bücher kann ich nur uneingeschränkt empfehlen - ein "Must have it" für jeden, der sich für die Wikingerzeit interessiert.
 

Quelle: Archiv - Praeco Medii Aevi

Pferd zur Sagazeit

Emil Dagobert Schoenfeld
Das Pferd im Dienste des Isländers
zur Saga-Zeit

Eine kulturhistorische Studie.
Aus Fraktur übertragen
 
Erschienen im:
SEVERUS Verlag
August 2011
Paperback, 104 Seiten
ISBN 9783863471149
EURO 24,50

Inhalt:
….so sind das alles Zeichen eines großen Wohlwollens des Isländers der Saga-Zeit für dieses sein Lieblingstier.
Als Wirtschafts- und Luxusgut hatte das Pferd einen hohen Stellenwert für den Isländer um das Jahr 1000. Emil Dagobert Schoenfelds kulturhistorische Studie, mit der er im Alter von 66 Jahren in Rostock promovierte, fußt auf den Isländersagas, den Prosaerzählungen, die um jene Zeit spielen. Beginnend bei der Besiedelung Islands durch die Wikinger, mit der das Pferd auf die Insel gelangte, beschreibt Schoenfeld nicht nur dessen Rolle als Arbeits- und Reittier, sondern auch dessen Funktion in Opferkulten, als Grabbeigabe, Nahrungsmittel und Handelsobjekt.
 
Bauernhof zur Sagazeit

Emil Dagobert Schoenfeld
Der isländische Bauernhof und sein Betrieb
zur Sagazeit

Eine kulturhistorische Studie.
Aus Fraktur übertragen
 
Erschienen im:
SEVERUS Verlag
August 2011
Paperback, 312 Seiten
ISBN 9783863471149
EURO 39,50

Inhalt:
Es tropft Butter von jedem Halme dort zu Lande.
In seiner kulturhistorischen Studie beschreibt Schoenfeld lebhaft und anschaulich die isländische Alltagswelt um das Jahr 1000. Anhand der Isländersagas, jener Prosaerzählungen, die um 1000 spielen und denen die Sagazeit ihren Namen verdankt, zeichnet er das Bild einer wohlhabenden Agrargesellschaft. Neben den ökonomischen Verhältnissen beschreibt Schoenfeld nicht nur eingehend den Gutsbetrieb und die Stellung der Gutsleute, sondern räumt einen großen Teil der Studie auch den Tieren und ihrer Funktion im Betrieb ein. Er bietet dem Leser auf diese Weise einen einmaligen Überblick über die Lebensumstände zu jener Zeit.
 

Dagobert Schoefeld Der Autor Emil Dagobert Schoenfeld
Emil Dagobert Schoenfeld, geboren 1833 in Putzig, Westpreußen, war Pfarrer, Privatgelehrter und Forschungsreisender.
Nach jahrelanger Tätigkeit als Pfarrer und einem Studium der altnordischen Literatur, Geographie und Geschichte promovierte Schoenfeld erst im Alter von 66 Jahren mit einer Dissertation über Das Pferd im Dienste des Isländers zur Sagazeit in Rostock. Ebenfalls verfasste auf seine Dissertation aufbauend sein Werk Der isländische Bauernhof und sein Betrieb zur Sagazeit.
Später wandte sich sein Interesse Asien und Nordafrika zu, wohin er viele Reisen unternahm. 1916 starb er in Jena.


 

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