Die Gewürzhändlerin


Rezension: Marion Lohmann
 
Petra Schiers Gewürzhändlerin ist ein von Anfang an fesselnder Roman, in dem die Stellung der Frau im Spätmittelalter, die durch die niedrige Geburt der Hauptperson Lucia noch erschwert wird, sehr einfühlsam und wirklich aus Sicht der Frau geschrieben. Wenn man sich in die Person der Protagonistin hineinversetzt, wie sie mit Herz und Verstand kämpft und oft auf verlorenem Posten steht, leidet man richtig mit.
 
Die Autorin schildert realitätsnah, wie schwer es Frauen, die über Herz, Intelligenz und Verstand verfügten, dazu noch lesen und schreiben konnten und dann auch noch hübsch waren, in der Zeit hatten. Das Leben der Bauerntochter Luzia in Koblenz um 1350, ihre erste Anstellung bei dem Gewürzhändler Martin und ihre Liebe zu diesem Mann beschreibt Petra Schier in ihrem Werk gefühlvoll realistisch - und als Martin unter Mordverdacht gerät, ist Lucias ganzes kriminalistisches Geschick gefordert, um seine Unschuld zu beweisen.
Aber damit nicht genug - das Geheimnis um eine Reliquie macht den Roman zusätzlich sehr spannend und fesselnd.
Was hat es auf sich mit dem Teil eines silbernen, mit Edelsteinen besetzten Kreuzes, den Luzia seit zwei Jahren an einer Kette um ihren Hals trug und warum oder woher hat ihre Dienstherrin Elisabeth ebenfalls einen Teil dieser kostbaren Reliquie, die ihre Vorfahren bei den Kreuzzügen auf dem Kreuzberg erbeutet hatten - handelt es sich bei dieser kostbaren Reliquie wirklich um einen Teil des Gralschatzes mit besonderen Kräften - und wer besitzt das noch fehlende Teilstück.
Ich habe das Werk in kürzester Zeit regelrecht "verschlungen", weil ich dem Rätsel des Kreuzes und seiner Macht auf die Spur kommen wollte.
Natürlich ist diese Reliquie eine "Erfindung" der Autorin, wie Petra Schier in ihrem Nachwort zu ihrem Werk schreibt, aber diese Geschichte ist sehr feinfühlig und glaubhaft in den Handlungsverlauf eingewoben und zeigt so sehr eindrucksvoll den festen Glauben der Menschen der damaligen Zeit an die Macht der Reliquien, wodurch der damals recht schwunghafte Reliqienhandel erst möglich wurde.
 
Petra Schier hat für ihren Roman umfangreich und gründlich recherchiert. Diese sehr umfassende Recherche macht das Werk so authentisch und es gelingt der Autorin wirklich meisterhaft, die Lebensumstände der damaligen Zeit anschaulich und realistisch zu schildern. Ihr hervorragender Schreibstil rundet dieses Buch ab und macht das Lesen zu einem wirklichen Genuss.
 
Fazit
Der Roman hat mir ausgesprochen gut gefallen. Er ist fesselnd, spannend und einfühlsam geschrieben - ich fühlte mich in das Mittelalter versetzt - ein sehr empfehlenswertes Buch.
 

Quelle: Archiv - Praeco Medii Aevi

Die Gewürzhändlerin

Petra Schier
Die Gewürzhändlerin
Von der Eifel an den Rhein:
Ein Frauenschicksal im Mittelalter.
 
Erschienen im:
Rohwolt Verlag
Dez. 2011
rororo - Taschenbuch, 544 S.
ISBN: 978-3-499-25628-8
EURO 9,99

 
Inhalt:
Luzia verbringt mit ihrer Herrschaft die Wintermonate in Koblenz. Die Bauerntochter ist überwältigt: Das Leben in der Stadt ist so aufregend! Ihr Glück scheint vollkommen, als der Gewürzhändler Martin Wied sie um ihre Mitarbeit bittet: Ingwerwurzeln, Safranfäden, Paradieskörner, Zitronenöl, Muskatnuss - Luzia entdeckt ihre Passion.
Ihr Verkaufstalent, ebenso wie ihr hübsches Äußeres, bleibt auch anderen nicht verborgen. Ausgerechnet Siegfried Thal, der Sohn von Martins größtem Konkurrenten, will Luzia zur Frau. Noch bevor Martin ihr seine eigenen Gefühle offenbaren kann, wird er des Mordes angeklagt. Überzeugt von seiner Unschuld, beginnt Luzia nach dem wahren Täter zu suchen …
 
Die Autorin Petra Schier
Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet mittlerweile als freie Lektorin und Autorin. Schon in ihren ersten beiden Romanen «Tod im Beginenhaus» und «Mord im Dirnenhaus» löste die Apothekerstochter Adelina mit Scharfsinn und Dickköpfigkeit Kriminalfälle im mittelalterlichen Köln.


 

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