Die Kinderhexe

 
Rezension: Mrion Lohmann
 
Mit seinem Buch Die Kinderhexe führt Roman Rausch seine Leser in die Zeit des dreißigjährigen Krieges nach Würzburg. Dort wütet in jener Zeit die Hexenverfolgung unter Julius Echter mit all ihren Schrecken.
 
Kathi, ein gerade mal zehnjähriges Mädchen und bereits seit längerer Zeit bei einem Apotheker in der Lehre, ist die Hauptperson in diesem Roman. Als Kathi durch die Hexenverfolgung ihre der der Hexerei angeklagte Amme Babette verliert, schwört das Mädchen Rache. Zusammen mit ihrer Freundin schmiedet sie einen wahrhaft finsteren Plan. Sie beschuldigt ihrerseits diejenigen, die ihre geliebte Pflegemutter verleumdeten, der Hexerei - nicht ahnend, welche gewaltige Lawine von Verfolgung, Leid und Tod sie damit auslöst - bis dass sie selbst der Hexerei angeklagt wird.
 
Mit sehr viel Einfühlungsvermögen, ehrlich und schonungslos zeigt Roman Rausch, wie grausam und tödlich die Zeit des Hexenwahns gewesen ist, in der jeder jeden beschuldigen konnte und Aberglaube sowie Wehrlosigkeit die Menschen verängstigte. Sicher, mit schlichten und doch treffenden Worten zeichnet der Autor ein düsteres Bild dieser so dunklen Zeit Würzburgs.
Es gelingt ihm, die Situation der Menschen, besonders die der Kinder so realitätsnah zu schildern, dass man mit den Kindern, die unter ihren Lehrern, Lehrherren und Eltern sowie der Geistlichkeit zu leiden hatten, mitleidet. Nur zu gut kann man sich vorstellen, welche Nöten und Ängste sie so ausgestanden haben.
Wirklich realistisch werden die Verhör- und Foltermethoden gedanklich nachvollziehbar beschrieben, ohne dass der Autor sich dabei in blutrünstige Ausführungen verliert. Auch die Motivation für die Verleumdungen unschuldiger Menschen arbeitet Roman Rausch sorgfältig heraus. So erfährt man, dass nicht selten Neid, Macht- und Habgier Menschen veranlasste, Nachbarn, Freunde und sogar Familienmitglieder der Hexerei zu beschuldigen, um sich so ihrer zu entledigen.
Mit düsteren, unter die Haut gehenden Bildern beschreibt er die grausame Zeit der Hexenverfolgung, die selbst vor Kindern nicht halt machte.
Der Roman ist packend geschrieben und bestens recherchiert. Der Autor besticht durch seinen einfachen, klaren Schreibstil.
 
Fazit:
Roman Rausch hat hier ein Buch geschrieben, das mich mit seinen beeindruckenden, Schilderungen vom Leiden der Menschen - besonders dem der Kinder - und der Unverfrorenheit einiger Menschen von der ersten bis zur letzten Seite fesselte. Dieser Roman ist sehr empfehlenswert und wertvoll.

 

Quelle: Archiv - Praeco Medii Aevi

Die Kinderhexe

Roman Rausch
Die Kinderhexe
Hexen müssen brennen
- und wenn es Kinder sind.
 
Erschienen im:
Rohwolt Verlag
Dez. 2011
rororo - Taschenbuch, 384 S.
ISBN: 978-3-499-25710-0
EURO 8,99

 
Inhalt:
Würzburg zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges: Grausam wütet der Hexenwahn, die Scheiterhaufen lodern höher als je zuvor. Als auch die alte Hebamme Babette sterben muss, schwört ihr Pflegekind Kathi Rache. Zusammen mit einer Freundin gibt sie an, auf einem Hexensabbat Bürger der Stadt gesehen zu haben. Die Nachricht vom Hexenflug der Mädchen verbreitet sich wie ein Lauffeuer, und bald kann niemand mehr seiner Haut sicher sein. Immer mehr Männer und Frauen fallen den tödlichen Bezichtigungen zum Opfer. Und am Ende sehen sich auch die Kinder selbst vom Feuertod bedroht …
 
Der Autor Roman Rausch
Roman Rausch, 1961 in Würzburg geboren, arbeitete nach dem Studium der Betriebswirtschaft im Medienbereich und als Journalist. Für seine Trilogie um den Kommissar Johannes Kilian wurde er 2002 auf der Leipziger Buchmesse mit dem Book on Demand Award ausgezeichnet. Im gleichen Jahr gründete Roman Rausch gemeinsam mit Blanka Stipetic die Schreibakademie storials (www.storials.com).


 

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