Die Externsteine - einzigartig und mystisch

Ein Bericht von Manfried

 


 

Die Externsteine

Die beeindruckende Silhouette der Externsteine.

Die Externsteine sind ein einzigartiges Naturdenkmal und ein mystischer, sagenumwobener Ort. Sie sind Bestandteil der vorwiegend aus Sandsteinen der Unterkreide-Zeit aufgebauten mittleren Gebirgskette des Teutoburger Waldes. Durch natürliche Erosion vor etwa 70 Millionen Jahren wurde der ursprünglich flach lagernde Unterkreide-Sandstein im Bereich der Gebirgskette an den Externsteinen senkrecht aufgepresst - und seitdem ragt die Gruppe von 13 Sandsteinfelsen wildzerklüftet fast 40 Meter empor. Die markante Felsengruppe ist Bestandteil des gleichnamigen Naturschutzgebietes.

 

Als markanter Geländepunkt mögen die Externsteine bereits während der Steinzeit für unsere Vorfahren Bedeutung besessen haben. Vielfach wird angenommen, dass es sich hier um ein zentrales Heiligtum der vorchristlichen Zeit in Germanien handeln, die spirituelle Nutzung reicht dieser Auffassung nach bis in fernste Vergangenheit zurück. Wie Feuerstein-Geräte, Stielspitzen, Klingen und Steinschlagplätze aus der späten Altsteinzeit beweisen, haben sich Menschen am Fluss der Felsen bereits um etwa 10.000 v. Chr. aufgehalten. Auch von den Jägern und Sammlern der Mittelsteinzeit um 8-4.000 v. Chr. gibt es Belegfunde. Hingegen fehlen gesicherte Funde des Menschen der Jungsteinzeit, Bronze- und Eisenzeit.

Dieses Resümee ergaben die umfangreichen und tiefreichenden Grabungen von Julius Andree im östlichen Vorgelände von Felsen I bis III in den Jahren 1934/35. Zu dieser Zeit wurde auch der in der Romantik im Jahre 1836 angelegte Stauteich der Wiembecke abgelassen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der See aber wieder hergestellt, so dass sich die Felsen wieder in dem dunkelgrünen See spiegeln.

 

Die archäologischen Grabungen erbrachten mittelalterliche Keramikfunde aus dem 10. bis 14. Jahrhundert und frühneuzeitliches Material. Die monumentale Felsengruppe der Externsteine ist seit Jahrhunderten Gegenstand widersprüchlicher Deutungen. Sie verbindet bizarre Naturformen mit Zeugnissen menschlicher Kultur: In den Fels geschlagene Treppen und Räume, sich überschneidende Bearbeitungsspuren am Sargfelsen, das Großrelief der Kreuzabnahme und andere Skulpturen, Inschriften und Zeichen bis zu Gebäuderesten aus dem Mittelalter. Den ersten Deutungsversuch unternahm 1564 der Lemgoer Pfarrer und Historiker Hermann Hamelmann. Er hielt die Externsteine für ein heidnisches Heiligtum, das Karl der Große in ein christliches umgewandelt habe. Seit dem 18. Jahrhundert wurde auch die Ansicht vertreten, dass hier der Standort der von Karl dem Großen 772 zerstörten Irminsul gewesen sei, eines sächsischen Heiligtums.

 

1823 wurde die obere Kapelle, auch Höhenkammer oder Sazellum genannt, erstmalig wegen des in ihr eingearbeiteten "Altares" und einer exakt in Richtung Sonnenaufgang zur Sonnenwende zeigenden, kreisrunden Öffnung als Stätte zur Beobachtung der Gestirne bezeichnet. Zudem wurde ein eingeritztes Symbol als Jùlsymbol bezeichnet. Auf ältere Vorstellungen zurückgreifend entwickelte Wilhelm Teudt um 1925 seine Theorie über germanische Heiligtümer. Neben astronomischen Besonderheiten sollten sich die Externsteine durch eine ungewöhnlich intensive Erdstrahlung auszeichnen. Obwohl diese Ansichten vom überwiegenden Teil der Fachwelt abgelehnt wurden, konnte Teudt viele Anhänger für sich gewinnen.

Die Nationalsozialisten nutzten 1934 Teudts Auffassung propagandistisch aus und gründeten eine "Stiftung Externsteine". Beabsichtigt war eine Rückgestaltung des Ortes zum vermeintlichen "Germanischen Heiligtum". Im Hotel an den Felsen wurde eine Kunstschmiedewerkstatt eingerichtet, die Ausstattungen für Gebäude im "arischen Geist" herstellen sollte. Mit archäologischen Grabungen wurde versucht, diese vormalige germanische Kultstätte nachzuweisen. Die gewünschten Funde blieben jedoch aus. Leider blieb dieser Ruf an den Externsteinen hängen, so dass sie auch heute noch mit faschistischem Gedankengut in Verbindung gebracht werden.

 

Altar mit Rundfenster

Der Altar mit dem Rundfenster

Unbestritten ist jedoch, dass die Externsteine als Beobachtungsplatz der Sonne, des Mondes und der Sterne genutzt wurden. In der Höhenkapelle, dem Sacellum, lassen sich durch ein kreisrundes Loch und eine Peilvorrichtung exakt die Sommersonnenwende und der nördlichste Stand des Mondes bestimmen. Schon Kultstatus haben die alljährlichen Treffen hunderter spiritueller Menschen an den Externsteinen, um fröhlich und friedlich miteinander zu feiern und gemeinsam die aufgehende Sonne zur Sommersonnenwende zu begrüßen.

 

Neuere Forschungen durch Johannes Mundhenk belegen, dass die untere Kapelle der Externsteine im Jahre 1115 durch den Paderborner Bischof Heinrich II. geweiht worden ist. In den folgenden Jahrzehnten wurde an diesem Ort eine Heilig-Grab-Gedenkstätte errichtet.

Das Kreuzabnahme-Relief als Kernstück der Anlage ist um 1150 entstanden und steht damit am Anfang der christlichen Monumentalplastik. Es ist das bedeutendste Zeugnis seiner Art in ganz Nordwest-Europa. Seine Vorbilder sind in den Miniaturen byzantinischer Elfenbeinschnitzerei und der frühen Buchmalerei zu suchen. In der Gestaltung der Hauptfiguren, die in zeitgenössischer sächsisch-fränkischer Tracht dargestellt sind, und in der Gesamtkomposition zeigt sich ein überragender Meister, der die starren Formen der Vorbilder überwunden und sein Kunstwerk den Verhältnissen in der freien Natur angepasst hat.

 

Sage vom Externsteine, am Teutoburger Walde

Kreuzrelief an den Externsteinen

Das Kreuzabnahme-Relief an den Externsteinen

Nach einer mündlichen Überlieferung aus dem Jahr 1818

 

Als das Kreuz Christi bey uns gepredigt wurde, so ärgerte sich der Teufel, daß er immer eine Gegend nach der andern verlor. Er hatte lange die Gegend vom Externsteine nicht besucht und hoffte immer, daß es über den Damm nicht herüber könnte. Da er aber überall flüchten mußte, so wollte er sich nun nach dem Externsteine zurückziehen. Er kam an und sah eine große Menge Menschen, die vor dem Kreuze niederfielen, das man noch an den Felsen ausgehauen sieht, und die zu der Capelle auf der Spitze des steilsten Felsen und zu dem Grabe am Abhange des vordersten Felsen eine Procession hielten. Das verdroß den Teufel. Er sah einen Priester mit einem Cruxifix von der Capelle kommen, er ergriff ein großes Felsenstück und schleuderte es nach ihm. Aber die Macht des Kreuzes gab dem Steine eine andere Richtung und er blieb auf einer Felsenspitze hängen. Da sprach der Priester den Fluch über ihn aus, und der Teufel flüchtete bey dem ausgehauenen Kreuze vorbey, an dem untersten Abhange des Berges zu dem Grabe. Hier faßt er mit seinen Krallen hinein, die noch deutlich darinn zu sehen sind, konnte es aber nicht zerstören. Da stemmte er sich gegen den großen Felsen, um ihn niederzuwerfen. Er drängte so gewaltig, daß er ein tiefes Loch in den Felsen drückte, und die Flamme schlug daran in die Höhe, wie noch deutlich zu sehen. Der Felsen blieb aber unbeweglich stehen, weil das Kreuz daran ausgehauen war. Da ging der Teufel fluchend fort und drohte, der Stein, den er zuerst gegen den Priester schleuderte, der solle noch einmal eine Bürgerfrau aus der Stadt Horn umbringen. Die Bürger aus Horn gaben sich alle Mühe, diesen Stein herunterzubringen, der ganz lose zu liegen scheint, es war ihnen aber bis jetzt unmöglich. Seit einem Jahre geht die Landstraße zwischen dem, worauf der Stein liegt, und einem andern Felsen durch.

 

Quelle:
Landesverband Lippe
Wünschelruthe - Ein Zeitblatt
Bilder: Wikipedia

 


 

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