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Navigation der Wikinger
Die Navigation der Wikinger - ein nicht gelöstes Geheimnis


www.manfrieds-trelleborg.de/images/kalkspat_sonnenstein_der_wikinger.jpgDie Navigatoren der Wikinger kannten das Nordmeer, aber einen Magnetkompass, wie wir ihn heute kennen, hatten sie nicht. Wie es ihnen dennoch gelang, ferne Küsten zu erreichen, ist und bleibt ein Rätsel. Viele Theorien dazu erwiesen sich als falsch, so auch jene, nach welcher der Kompass aus China nach Dänemark gelangt sein soll.

In Grönland wurde 1948 die Hälfte einer Holzscheibe aus der Wikingerzeit gefunden. Darauf waren 17 Markierungen und ein mittiges Loch erkennbar. Der Kompass der Wikinger? Zahlreiche Forscher suchten vergeblich, die Funktion und Bedeutung zu erklären. Erst 2004 entdeckten Archäologen auf der Insel Wollin ein vergleichbares Stück. Weitere Forschungen und Experimente ergaben, dass es durchaus möglich ist, dass die Wikinger tatsächlich mit einer Mischung aus Kompass und Sonnenuhr navigieren konnten.

Die altnordische Saga von Olaf dem Heiligen erzählt von einem leuchtenden Stein: "Das Wetter war trübe und es war Schneetreiben, wie es Sigurd gesagt hatte. ... Dann ließ der König Ausschau halten und sah nirgendwo unbezogenen Himmel. ... Da ließ der König einen Sonnenstein bringen, und er hielt ihn in die Luft empor und sah, wo es aus dem Steine strahlte, und es bezeichnete genau die Stelle, die Sigurd genannt hatte." Den Sonnenstein der Wikinger gibt es tatsächlich. Er heißt Cordierit und ist ein in Skandinavien häufig vorkommendes Mineral. Cordierit verändert je nach Lichteinwirkung seine Farbe und leuchtet blau oder gelb. Die Farben zeigen die Lage der Polarisationsebene und dadurch den Stand der Sonne an - und das auch dann, wenn man die Sonne nicht sieht. Für die Seefahrer der Wikingerzeit waren durch den Sonnenstein selbst die Nebelbänke des Nordatlantiks kein Hindernis mehr.

Das einfachste und wichtigste Hilfsmittel bei der Navigation waren aber die Naturbeobachtungen. In denn oft hellen Nächte des Nordens war das Navigieren nach dem Sternhimmel zwar oft schwierig oder sogar unmöglich, jedoch dienten in Küstennähe Landmarken zur Orientierung. Ging es auf die offene See hinaus, orientierten sich die Navigatoren an den Fisch- und Vogelzügen. Auch wurde zusätzlich die Wasserfärbung beobachtet oder mit feiner Nase erschnüffelt, ob der Geruch von Vegetation in der Luft lag.

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Die Wikingerscheibe von Uunartoq / Grönland


www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/sonnekompas_nachbildung_museum_visby.jpgIm Jahre 1948 fand der dänische Archäologe C.L. Vebæk bei Ausgrabungen in der Ruine eines mittelalterlichen Nonnenklosters in Südgrönland (so etwa gab es tatsächlich!) ein Holzobjekt, welches offensichtlich die Hälfte einer ehemals runden Scheibe darstellt (Abb. 7). Diese Scheibe weist am Rande ein Zahnmuster auf, das ihr bereits äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit mit der Windrose eines Kompasses verleiht. Noch auffälliger sind jedoch zwei geritzte Linien, die vom zentralen Loch nach rechts verlaufen (Abb. 8). Die Linie A ist offensichtlich eine Gerade, während die etwas tiefer angesetzte Linie B deutlich gekrümmt ist. Nun gibt es noch einige weitere Ritzungen auf dem Holz, aber es ist naheliegend (Thirslund 1998), daß diese beiden Linien die Spur des Sonnenschattens nachzeichnen sollten, der von einem Stab (Gnomon) in der Scheibenmitte zu verschiedenen Zeiten im Jahr geworfen wurde.

Folgt man dieser Hypothese, so muß die Linie A den Schatten zur Tagundnachtgleiche nachzeichnen, denn nur dann beschreibt dieser eine Gerade, und zwar weltweit. Linie B kann nur im Sommerhalbjahr erreicht werden, wenn die Schatten kürzer sind. Nun kann man für fast jede geographische Breite einen Tag im Sommerhalbjahr bestimmen, an dem der Gnomonschatten etwa entlang dieser Linie verläuft. Thirslund vermutet hierfür die Sommersonnenwende zur Wikingerzeit (ca. 1000 n.Chr.). Dann aber legen A und B die geographische Breite fest. Es ergibt sich eine Breite von rund 30°, denn für diesen Wert stimmen die Ritzungen mit den Rechnungen gut überein (blaue Punkte). Auszuschließen ist dies natürlich nicht, denn es gab bekanntlich schon zur Völkerwanderungszeit germanische Reiche in Nordafrika. Auf keinen Fall aber kann aber - wie Thirslund vermutet - die Scheibe für die Wikingerreisen von Norwegen über Island nach Grönland (und eventuell weiter nach Nordamerika) für die Sommersonnenwende konzipiert worden sein. Bei diesen Reisen etwa entlang des 60. Breitengrades verläuft der Sonnenschatten an diesem Tag entlang der roten Punkte, die überhaupt nicht mit der Linie B übereinstimmen. Zeigt die Linie B hingegen den Schattenverlauf während eines unbekannten Tages im Sommerhalbjahr, so läßt sich naturgemäß über die Breite nichts sagen, für die die Scheibe konzipiert wurde.

Wie aber wurde diese Scheibe überhaupt eingesetzt? Betrachten wir einmal ihre Verwendung zur Tagundnachtgleiche. Bei passender Gnomonlänge erreicht der kürzeste Schatten zur Mittagszeit die Linie A, wo diese dem Gnomon am nächsten ist. Die Scheibe liegt dabei horizontal, was man auf dem Wikingerschiff durch Deckung mit dem Meereshorizont in einfacher Weise bewerkstelligen konnte. Damit ist die Nord-Süd-Richtung festgelegt (Mittag!). Nach dem Mittagszeitpunkt werden die Schatten wieder länger. Nun muß man die horizontal gelagerte Scheibe etwas drehen, damit der Schattenendpunkt wieder auf Linie A liegt. Diese Drehung kompensiert exakt die azimutale Wanderung der Sonne, so daß der kürzeste Abstand Gnomon-Linie A wiederum die präzise Nord-Süd-Richtung angibt. Es ist bezeichnend, daß der entsprechende Zahn der oben erwähnten Randzähnung durch sechzehn parallele Kurzkerben markiert ist.


Quelle:
Archäologie online - Archäoastronomie

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Forscher enträtseln Sonnenstein der Wikinger

Wie konnten die Wikinger ohne Kompass auf dem offenen Meer navigieren? Geheimnisvolle Sonnensteine sollen den Nordmännern die Richtung gezeigt haben, doch ihre Existenz war lange umstritten. Jetzt wollen Forscher in einem Schiffswrack ein altes Original entdeckt haben.

Den Wikingern gelangen verblüffende seemännische Leistungen. Sagenumwobene Sonnensteine sollen sie sicher über die Meere geführt haben - und jetzt sind französische und britische Forscher überzeugt, im Wrack eines gesunkenen britischen Segelschiffs aus dem 16. Jahrhundert einen solchen Stein gefunden zu haben. In einer am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society A" veröffentlichten Studie schreiben sie, der Stein sei wie vermutet aus dem Mineral Kalzit.

Seit Jahrzehnten wird über solch transparente Sonnensteine spekuliert, die den Wikingern dabei geholfen haben sollen, mit ihren Schiffen Tausende von Kilometern in Richtung Island und Grönland zurückzulegen. Die Steine sollen es ermöglicht haben, den Stand der Sonne zu ermitteln - auch bei Wolken und sogar eine zeitlang nach Sonnenuntergang.
Einen Beweis für die Existenz solcher Steine gab es aber nicht. Im November 2011 berichteten Forscher um Guy Ropars von der Universität Rennes in der Bretagne von dem Fund eines Steins in einem britischen Schiffswrack im Ärmelkanal, der in ihren Augen die Theorie erhärtet, dass solche Sonnensteine tatsächlich genutzt wurden.

Über eine chemische Analyse eines kleinen Teils des Steins wies eine Forschergruppe um Ropars nun nach, dass der jetzt gefundene, rund fünf Zentimeter lange Stein tatsächlich aus Kalzit ist. Das Mineral spaltet Licht in zwei Strahlen auf. Wenn man durch einen solchen Block blickt, sieht man Objekte dahinter doppelt - daher der Name Doppelspat. Der Stein kommt in Skandinavien häufig vor.

"Kalzit ist magisch"

Mit einem gleich beschaffenen Kristall konnten die Forscher auch bei schwachem Sonnenlicht den Stand der Sonne mit großer Genauigkeit feststellen. Dies gelang sogar 40 Minuten nach Sonnenuntergang. "Für uns gibt es keinen Zweifel: Kalzit ist magisch", sagte Ropars.

Kalzit bricht Sonnenlicht in Abhängigkeit von seiner Position zur Sonne. Beim Blick durch den Stein sind zwei unterschiedliche Bündel des Sonnenlichts zu sehen. Durch Drehen des Steins kann eine Position erreicht werden, in der die Intensität beider Lichtbündel identisch ist. In diesem Moment zeigt der Kristall genau die Richtung der Sonne an.
Dass der Sonnenstein im 16. Jahrhundert - und damit Jahrhunderte nach Erfindung des Kompasses - an Bord eines britischen Schiffes mitgeführt wurde, erklären die Wissenschaftler damit, dass über die Funktionsweise des Kompasses damals noch wenig bekannt war. Weil eine Kompassnadel in der Nähe von Kanonen an Bord stark ausschlägt, könnte der Sonnenstein als zweites Navigationsinstrument gedient haben.

Bereits 2007 hatte Ramón Hegedüs von der Lorand-Eötvös-Universität in Budapest mit Kalzit experimentiert. Zumindest bei leicht bewölktem Himmel funktionierte die Methode, bei Nebel hingegen nicht. So waren damals noch Zweifel geblieben, ob Sonnensteine den Wikingern tatsächlich geholfen haben könnten.

Quelle:
www.spiegel.de/wissenschaft

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