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Hatten die Wikinger Verbindung zum Islam?
Hatten die Wikinger Verbindung zum Islam?
1.000 Jahre alte Grabfunde lassen es vermuten


Schwedische Forscher haben arabische Schriftzeichen gefunden, die in Begräbniskleidung aus Schiffsgräbern der Wikinger eingewebt wurden. Die Entdeckung wirft neue Fragen über den Einfluss des Islam in Skandinavien auf.

ichef.bbci.co.uk/news/660/cpsprodpb/8DBC/production/_98248263_1.jpgSchwedische Forscher haben arabische Schriftzeichen gefunden, die in Begräbniskleidung aus Schiffsgräbern der Wikinger eingewebt wurden.

Sie wurden über 100 Jahre lang aufbewahrt und als typische Beispiele für Bestattungsbekleidung aus der Wikingerzeit abgetan.

Aber eine neue Untersuchung der Kleidungsstücke, gefunden in Gräbern aus dem 9. und 10. Jh., hat bahnbrechende Einblicke in den Kontakt zwischen den Wikingern und der muslimischen Welt gebracht.

Man entdeckte in dem mit Seide und Silberfaden gewebten Muster die Worte „Allah“ und „Ali“.



Erneute Untersuchung erbrachte die erstaunlichen Ergebnisse

Den Durchbruch gelang der Textilarchäologin Annika Larsson von der Universität Uppsala. Sie untersuchte erneut die Überreste von Begräbniskleidungen aus Boots- und Kammergräbern, sowohl von männlichen als auch von weiblichen Bestatteten.

Sie interessierte sich für die vergessenen Funde, nachdem sie erkannte, dass das Material aus Zentralasien, Persien und China stammt. Annika sagt, dass die winzigen geometrischen Muster, nicht größer als 1,5 cm, nichts ähneln, was sie zuvor in Skandinavien gesehen hätte.

„Ich konnte sie nicht verstehen, doch dann erinnerte ich mich, wo ich ähnliche Entwürfe gesehen hatte: in Spanien, auf maurischen Textilien.“



Das Rätseln konnte beginnen

Annika Larsson merkte schnell, dass sie sich gar nicht mit Wikinger-Mustern beschäftigte, sondern mit der alten arabischen Kufi-Schrift. Es gab zwei Wörter, die sich immer wieder wiederholten. Eine davon identifizierte sie mithilfe eines iranischen Kollegen. Es war der Name „Ali“, der vierte Kalif des Islam. Aber das Wort neben Ali war schwerer zu entziffern.

Um das Rätsel zu lösen, vergrößerte sie die Buchstaben und untersuchte sie von allen Seiten, auch von hinten. „Ich sah plötzlich, dass das Wort“Allah“ (Gott) in Spiegelschrift geschrieben war“, so Larsson.

Die Archäologin entdeckte die Namen bislang auf mindestens 10 der fast 100 Stücke, die sie bearbeitet. Das Spannende war: sie tauchen immer zusammen auf.



Neue Funde, neue Fragen

Der neue Fund wirft nun faszinierende Fragen über die Toten in den Gräbern auf. „Die Möglichkeit, dass einige der Toten in den Gräbern Muslime waren, ist nicht völlig auszuschließen“, sagt sie.

„Dank DNA-Analysen aus anderen Wikingergräbern wissen wir, dass einige der Bestatteten aus Orten wie Persien stammen, wo der Islam sehr dominant war. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die Bestattungsbräuche der Wikingerzeit von islamischen Ideen wie dem ewigen Leben im Paradies nach dem Tod beeinflusst wurden.“

Ihr Team arbeitet nun mit der Abteilung für Immunologie, Genetik und Pathologie der Universität zusammen. Ihr Ziel ist die geografische Herkunft der Toten in Trauerkleidung zu ermitteln.



Ihre Entdeckung ist eine Neuheit in Skandinavien

Der Kontakt zwischen den Wikingern und der muslimischen Welt ist durch historische Berichte und die Entdeckung islamischer Münzen auf der Nordhalbkugel längst hergestellt. Vor zwei Jahren untersuchten die Forscher einen Silberring aus einem Frauengrab in Birka und fanden den auf dem Stein eingravierten Satz „für Allah“.

Wiederum war der Text Kufic, der im 7. Jahrhundert in der irakischen Stadt Kufah entwickelt wurde, eine der ersten arabischen Schriften, mit denen der Koran niedergeschrieben wurde.

Was Larssons Entdeckung so interessant macht, ist, dass es das erste Mal war, dass historische Gegenstände mit dem Namen „Ali“ in Skandinavien ausgegraben wurden. „Der Name Ali wiederholt sich immer wieder neben Allah“, sagt sie. „Ich weiß, dass Ali von der größten muslimischen Minderheit, den Schiiten, hoch verehrt wird, und habe mich gefragt, ob es eine Verbindung gibt.“



Die Schrift lässt sich auf Schiiten zurück verfolgen

Ali war der Cousin und Schwiegersohn des Propheten Muhammad, nachdem er seine Tochter Fatima geheiratet hatte. Er wurde der vierte Führer der muslimischen Gemeinschaft nach Mohammeds Tod. Obwohl sowohl Sunniten als auch Schiiten Ali als wichtigen Gefährten Mohammeds verehren, hat er bei den Schiiten einen höheren Status. Die Schiiten sehen ihn als spirituellen Erben des Propheten.

„Die Verwendung von Ali deutet auf eine schiitische Verbindung hin“, sagt Amir De Martino, Programmleiter für Islamstudien am Islamic College in London.

„Aber ohne die Formulierung „waly Allah“, die den Namen begleitet, was so viel bedeutet wie „Freund Allahs“, wäre das nicht aus der schiitischen Kultur. Man hätte vermuten können, dass es nur falsch kopiert wurde“, fügt De Martino hinzu, Chefredakteur von Islam Today.

Die Namen Allah und Ali werden oft in rätselhaften Mustern in den Gräbern und Büchern bestimmter schiitischer Glaubensrichtungen dargestellt. Jedoch werden sie immer von dem Namen Muhammad begleitet. Diese können manchmal Spiegelschrift enthalten.



Annika verspricht sich viel für die Zukunft

Für Annika ist ihre Entdeckung sehr vielversprechend für die Zukunft. „Jetzt, da ich die Muster der Wikinger anders betrachte, bin ich überzeugt, dass ich in den verbleibenden Fragmenten dieser Ausgrabungen und anderen Textilien aus der Wikingerzeit mehr islamische Inschriften finden werde. Wer weiß? Vielleicht tauchen sie auch in nicht-textilen Artefakten auf.“


Quellen:
Text: Epoch Times
Foto:BBC-News

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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