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Der Quendel - Thymus serpyllum
Die Kräuter des Neun-Kräuter-Segen

Quendel (Feldthymian) - Thymus serpyllum


"Stune hætte þeos wyrt, heo on stane geweox; stond heo wið attre, stunað heo wærce.
Stune heisst dieses Kraut,es wuchs auf dem Stein; es steht gegen Gift, es widersetzt sich dem Schmerz."
Stune ist das dritte Heilkraut im angelsächsischen Neun-Kräuter-Segen und sehr wahrscheinlich der Quendel (Thymus serpyllum), unser einheimischer, wild wachsender Thymian. Quendel ist nicht ganz so aromatisch wie sein "großer Bruder" Thymian vulgaris, der Echte Thymian, der im Mittelmerraum beheimatet ist und erst um 800 n. Chr. von Benediktinern hier kultiviert wurde. Er kann, wie der Echte Thymian auch, in der Küche verwendet werden - in der Volksheilkunde hat Quendel jedoch einen höheren Stellenwert.

upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/71/Thymus_serpyllum_Sturm57.jpgDer Name "Thymian" kommt vom griechischen thymiama und bedeutet "Räucherwerk", ist aber auch mit "Thymos", dem Sitz der Lebenskraft und des Mutes verwandt.
Im klassischen Altertum war Quendel Teil der weiblichen Fruchtbarkeitsmysterien. Während der Thesmophorien, einem alten mysteriösen Fest, dass in Athen und anderen Orten Griechenlands zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter gefeiert wurde und von dem Männer streng ausgeschlossen waren, opferten die Frauen im Tempel Rosen und Thymian.
Obgleich der Quendel in unseren Gefilden heimisch ist, berichtet schon in der Antike Plinius der Ältere (röm. Gelehrter, Offizier und Verwaltungsbeamter) in seiner Naturalis historia, einem bedeutenden literarischen Werk über die Naturkunde, vom Quendel als einen Teil eines Heiltranks, der gegen Gifte aller Art schützen sollte. Plinius bezeichnet ihn als "Serpyllum", was ja noch heute sein wissenschaftlicher Artname ist. Römische Legionäre nahmen Thymianbäder weil sie glaubten, dadurch Mut und Kraft zu erhalten

Beschreibung der Heilpflanze
Die Thymiane oder Quendel sind eine Pflanzengattung in der Familie der Lippenblütengewächse. Einige seiner volkstümlichen Namen sind: Feld-Thymian, Sand-Thymian, Feldkümmel, Geismajoran, Geschwulstkraut, Hollaien, Immenkraut, Kinderkraut, Kranzlkraut, Kudelkraut, Kückenkümmel, Liebfrauenbettstroh, Marienbettstroh, Quandl, Rauschkraut, Rainkümmel, Wilder Thymian, Wilder Zimt, Wurstkraut.

Die vielen Thymianarten sind weit verbreitet; ihre Heimatgebiete liegen in Afrika, in Europa und im gemäßigten Asien. Der Mittelmeerraum bildet das Zentrum der Artenvielfalt des Thymian. Quendel ist der wilde Thymian, der in unseren einheimischen Gefilden beheimatet ist. Dieses sehr widerstandsfähige Heilkraut, das im Gegensatz zu anderen Thymianarten unsere kalten Winter überlebt, bildet auf hellen, trockenen Standorten, in Felshängen und Böschungen duftende Polster. Man findet ihn auch an Wegrändern, trockenen Wiesen und auf Mauern. Alle Thymiane bevorzugen nährstoffarme und sandige Böden. Quendel ist ein mehrjähriger, 10 bis 30 cm hoher Halbstrauch mit starkem, aromatischen Duft. Seine Stängel sind niederligend oder kriechend und entwickeln an den Knoten sowohl Wurzeln als auch aufrechte oder aufsteigende Blütensprosse. Die kleinen, lederigen und gestielten Blätter sind eiförmig bis elliptisch. Die violetten bis rosafarbenen Blüten des Quendel stehen in dichten kugelförmigen Quirlen zusammen.

Heilwirkung
Die Inhaltsstoffe des Quendel sind ätherische Öle, Bitterstoff, Borneol, Carvacrol, Citronellol, Flavone, Gerbstoff, Gerbsäure, Geraniol, Camphen, Pinen, Terpineol, Thymol. Als Droge (getrocknete Kräuter; niederdeutsch "droege" = trocken) werden ihm krampf- und schleimlösende Wirkungen zugesprochen. Sie wird vor allem in der Volksmedizin innerlich und auch äußerlich, z.B. als Badezusatz, verwendet. Husten und Erkältungen, die durch Krankheitserreger verursacht werden, bekämpft der Quendel durch seine antibiotischen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Seine krampflösende Wirkung hilft auch gut gegen Reizhusten, Keuchhusten und Asthma.
Als besser wirksam gilt Quendelkraut aber bei Magen- und Darmstörungen sowie bei Appetitlosigkeit, was neben dem ätherischen Öl auf die Gerbstoffe und den leicht bitteren Geschmack zurückzuführen ist. Quendel ist verdauungsfördernd, reinigend, windtreibend, auswurffördernd, anregend, stimulierend und lindernd. Bei äußerlicher Anwendung hilft er als antiseptisches Mittel für Wunden und bei Verletzungen und als desinfizierendes Mundwasser bei Entzündungen in der Mundhöhle. Als Frauenkraut kann Quendel die Menstruation fördern, Menstruationskrämpfe lindern und den Zyklus regulieren.

Im alten Griechenland diente Thymian als Räuchermittelzusatz, um eine Anregung von Geist und Gemüt zu erzielen. Im Mittelalter wurde er als wertvolle Heilpflanze bei Asthma oder Atemnot genutzt.

Für unsere Vorfahren gehörte Quendel zu den sogenannten Frauenkräutern, die unter anderem auch speziell in der Frauenheilkunde und der weiblichen Hygiene Verwendung fanden. Bei den Germanen war das duftende, kleinwüchsige Kraut Teil des "Bettstrohs der Freya", auf dem die Gebärenden lagen und wurde auch bei Bedarf als Tee bei der Niederkunft getrunken.
Auch im alten Brauchtum hatte Quendel eine wichtige Bedeutung; die Frauen sammelten ihn zur Sommersonnenwende und flochten Kränze aus ihm, um Haus und Hof vor dem Bösen und vor schlechten Einflüssen von Hexen zu schützen. Zusätzlich wurde dieses Pflänzchen gegen schlechte Gerüche eingesetzt.

Aber nicht nur der Mensch schätzte und schätzt dieses Kräutlein aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung. Ameisen sammeln die Samen und pflanzen sie absichtlich neben oder auf ihrem Bau. Bienen lieben den Nektar des Quendel sehr; auf einer mit Quendel bewachsenen Fläche von 1 Hektar kann ein Honigertrag von 149 kg pro Blühsaison ergeben.


Hinweis: Die im Artikel vorgestellten Anwendungen sind keine Anleitungen zu medizinischen Anwendungen!


Verwendete Literatur:
"Naturrituale" und "Mit Pflanzen verbunden" von Dr. phil. W.-D. Storl
"Der Kosmos-Heilpflanzenführer" von Schönfelder
"Kräuter, Küchen-, Heil- und Duftkräuter" von Maria Teresa Della Beffa

Bild:
Quendel, Thymus serpyllum, Abb. in Deutschlands Flora in Abbildungen (Wikipedia, gemeinfrei)

Weiterführende Webseite: Heilkräuter-Seiten http://www.heilkr...

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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