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Der Breitwegerich - Plantago major
Die Kräuter des Neun-Kräuter-Segen

Der Breitwegerich - Plantago major


Die blutstillende Wirkung des Wegerich ist schon den Steinzeitmenschen nicht entgangen. Wie Ethnomediziner heute wissen, litten die damaligen Menschen kaum an Zivilisationskrankheiten wie zum Beispiel Krebs, Diabetes, Allergien oder Karies. Allerdings waren Verletzungen mit schwerem Blutverlust neben Rheuma, Lungenproblemen oder Verdauungsbeschwerden, eine der häufigsten Gefahren für die Menschen, die in freier Natur lebten. Blut ist Lebenssaft - und Blutverlust war gleichbedeutend mit dem Verlust des Lebens.
In der Altsteinzeit war der Wegerich eine eher seltene Pflanze, die auf Trampelpfaden von Tieren und an anderen festgetretenen Stellen wuchs. Erst als die Menschen sesshaft wurden und die ersten festen Wege und Dorfplätze anlegten, erhielt der Wegerich die beste Voraussetzung, sich schnell zu verbreiten.

upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ef/Plantago_major_Sturm59.jpgDer Weg zum nährenden Acker war sowohl im Neolithikum, als auch in der Kultur unserer Ahnen nicht nur ein Transportweg, sondern auch ein sakraler Kultpfad - ein Götterweg, auf dem nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche die Fruchtbarkeitsgöttin mit ihrem licht- und samenspendenden, himmlischen Gefährten in einem vierrädrigen Kultwagen aus der Unterwelt zurückkehrte. Andere Wege verbanden das Dorf mit einem "Götterhügel", einem Grabhügel oder Hühnengrab, dem Wohnsitz der Großen Göttin und dem Reich der Anderswelt. Auf demselben Weg, auf dem die Götter anreisten, um die Menschen zu besuchen, reisten die Verstorbenen ins Jenseits. Diese heiligen Wege mussten gepflegt werden, nichts sollte darauf wachsen. Der zähe Breitwegerich ließ sich aber nicht vertreiben und wurde daher mit der Göttin der Unterwelt, Frau Holle, assoziiert.

In der griechischen Mythologie ist Persephone die Göttin der Unterwelt, des Totenreiches, aber auch der Fruchtbarkeit. Sie wurde von Hades, dem Gott der Unterwelt, in die Innenwelten der Erde gezogen (Winter) und kehrte zum Frühjahr wieder zurück auf die Erde.
In der römischen Mythologie entspricht ihr Prosperina - die Namenspatin für den alten, bis ins Mittelalter gebräuchlichen Namen Herba proserpinacia für den Wegerich.

Beschreibung der Heilpflanze:
Die Wegeriche (Plantago) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). In der Gattung Plantago werden etwa 190 Arten unterschieden, zu denen unter anderem der Breitwegerich (Plantago major L.), der Spitzwegerich (Plantago lanceolata L.), der Strandwegerich (Plantago maritima L.) und der Berg-Wegerich (Plantago atrata Hoppe) gehören. Andere Synonyme für den Breitwegerich sind: Breitblättriger Wegerich, Großer Wegerich, Wegebreit, Wegeblatt, Wegtritt, Wegetrene, Rippenblatt, Saurüssel, Mausöhrle, Arnoglosse, Ackerkraut.

Früher verwendeten die Gelehrten in der Literatur für alle Wegericharten den Begriff "Wegerich". Der Gattungsname "Plantago" leitet sich vom lateinischen "planta" (die Fußsohle) ab. Er weist auf die Ähnlichkeit der Blätter mit einer Fußsohle hin. Sein althochdeutscher Name "wegari" ist sehr alt und in der Endsilbe "rich" verbirgt sich das ebenfalls althochdeutsche Wort "rih" (König), weil die Menschen diese Heilpflanze als "Wegbeherrscher" sahen. Der Wegerich gehört zum ureigenen "Heilpflanzen-Schatz" unserer germanischen Vorfahren.

Ursprünglich in Europa heimisch, hat sich diese Heilpflanzenart inzwischen weltweit verbreitet. Der Breitwegerich zeigt uns häufig begangene Stellen an, denn er gehört, ebenso wie der Spitzwegerich, zu den "trittfesten" Pflanzen - seine klebrigen Samen haften an unseren Schuhen, an Tierpfoten und Rädern und breiten sich unter anderem auch auf diese Weise aus. Die europäischen Siedler brachten ihn einst nach Nordamerika, wo er von den Indianern als "Fußstapfen des weißen Mannes" bezeichnet wurde.
Der Breitwegerich wächst an eher trockenen, nährstoffreichen, sonnigen oder halbschattigen, auch verdichteten Standorten auf Wiesen, Ruderalflächen, Trittrasen und in Pflasterfugen. Im Gegensatz zum Spitzwegerich wächst der Breitwegerich direkt auf Wegen und nicht nur an ihren Rändern. Im Verhältnis zu seiner Größe von 5 - 25 Zentimetern wird seine Wurzel sehr lang und kann bis zu 80 Zentimeter ins Erdreich hineinragen. Er ist ein mehrjähriger, sommergrüner Hemikryptophyt und eine eine Rosettenpflanze mit blattachselständigen Blütensprossen und Zugwurzeln. Die Blütenähre des Breitwegerich ist schmal, wird bis zu 20 Zentimeter hoch, doch kaum länger als seine Blätter. Die Blütenkrone besteht aus vier gelblichen Zipfeln; die Staubblätter sind zunächst blasslila und werden später gelbbraun. Die Blüten des Breitwegerich sind geruchlos; durch seine große Anzahl an Pollen (etwa 2 bis 3 Millionen Pollenkörner je Blütenstand) ist er ein wichtiger Auslöser für Heuschnupfen.

Heilwirkung
Seinem althochdeutschen Namen entsprechend - „König der Wege“ - kümmert sich der Breitwegerich um die inneren Wege des Menschen, nämlich um die gesamte Wegstrecke des Verdauungsapparates, angefangen bei der Mundhöhle (Aften und Zahnschmerzen), der Atemwege (hier wird der Spitzwegerich bevorzugt), des Gehörs und um den Gehörgang, des Urogenitalssystems, aber auch um die Blutbahnen, so dass er als altes, blutreinigendes und blutstillendes Heilmittel bekannt ist. Wird der Breitwegerich richtig eingesetzt, fördert er die Heilung bei Ohrenentzündung, Magen- und Darmbeschwerden, Blasenleiden und Hauterkrankungen wie zum Beispiel Dermatitis. Außerdem gilt er als unterstützende Heilpflanze bei chronischen Infektionen und Krebserkrankungen.
Der Breitwegerich enthält Schleimstoffe, Gerbstoffe, Flavone, Aucubin und Mineralien in einem optimalem Verhältnis zueinander, was seine umfangreiche Heilkraft erklärt. Er wirkt unter anderem abschwellend, blutreinigend, blutstillend, entzündungshemmend, wundheilend, kühlend, zusammenziehend, harntreibend und hustenlindernd.

Der griechische Militärarzt Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) schrieb den Blättern der verschiedenen Wegerich-Arten austrocknende und adstringierende Eigenschaften zu. Er empfahl sie als Umschlag gegen Geschwüre aller Art, Brandwunden, Hundebisse und Blutflüsse. Dioskurides kannte auch die Anwendung der Wegerich-Wurzel gegen den Kropf: "… einige gebrauchen die Wurzeln als Halsband gegen die Drüsen, sie zerteilen sie."
Auch der römische Autor Plinius der Ältere (23 bis 79 n. Chr.) empfahl den Saft des Wegerichs als bewährtes Mittel gegen den Stich von Skorpionen und den Biss wilder Tiere.
In alten Zeiten wurden alle Pflanzenteile des Breitwegerich für medizinische Zwecke verwendet: als Tee wurde er gegen Ruhr, Magenleiden, Bleichsucht und Epilepsie eingesetzt, bei Augen- und Ohrenerkrankungen verwendete man den frischen Pressaft, die Blätter und Wurzeln des Wegerichs galten als bewährte Arznei bei Blasen- und Milzgeschwüren und die Wurzel alleine bei Wechselfieber.

In der Antike und im Mittelalter wurde der Wegerich auch als Rheuma-Pflanze geschätzt. Die damaligen Ärzte bezeichneten jene Beschwerden als Rheuma (griechisch: Fluss), die ihrer Auffassung nach durch einen im Körper umherfließenden Krankheitsstoff ausgelöst wurde, der sich in den Gliedmaßen verteilte und zu Gelenkbeschwerden führte.

Nach den alten Mythen ist es der Pflanzengeist des Wegerich, der den Seelen der Verstorbenen auf ihrer Reise ins Jenseits den grünen Teppich, die "grüne godeswang" (grüne Gotteswiese) ausbreitet und ihnen schützend und heilend zur Seite stand. Wenn ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickte, war der Übergang - die Geburt - für die werdende Mutter eine gefahrenvolle Wegstrecke. Darum hielten germanische Frauen während der Geburt eine Wegerichwurzel in der linken Hand, die sie vor Kindbettkomplikationen wie Sturzblutung oder Fieber bewahren sollte.

Der Wegerich ist - wie der Beifuß auch - eine Heilpflanze, deren Heilwirkung schon seit Urzeiten bekannt ist. Unsere Vorfahren waren fest davon überzeugt, dass Beschwörungsformeln die Heilkraft der Pflanzen erhöht. Im angelsächsischen Neun-Kräuter-Segen wurde Plantagio major als "Mutter aller Kräuter" bezeichnet: "Und du, Wegerich, der Kräuter Mutter, nach Osten geöffnet, im Innern mächtig; über dir knarrten Wagen, über dir weinten Frauen, über dir schriehen Bräute, über dir schnaubten Stiere. Allen hast du widerstanden, und dich widersetzt; ebenso widerstehe dem Gift und der Ansteckung und dem Übel, das über Land fährt."
Gift, Ansteckung und Übel, das über das Land fährt - hier wird sicherlich die Pest angesprochen. Um sich vor der Pest zu schützen, nähten die Menschen getrocknete Wegerichwurzeln in Säckchen ein und trugen sie als Amulett um den Hals.


Hinweis: Die im Artikel vorgestellten Anwendungen sind keine Anleitungen zu medizinischen Anwendungen!


Verwendete Literatur:
"Naturrituale" von Dr. phil. W.-D. Storl
"Der Kosmos-Heilpflanzenführer" von Schönfelder
"Heilpflanzen - Die wichtigsten Arten entdecken und bestimmen" von Renate Hudak
"Der große Naturführer Kräuter - Küchen,- Heil,- und Duftkräuter" von Maria Teresa Della Beffa
"Das große Kräuter Heilbuch" von Johann Künzle

Bild:
Breiter Wegerich, Plantago major, Abb. in Deutschlands Flora in Abbildungen (Wikipedia, gemeinfrei)

Weiterführende Webseite: Heilkräuter-Seiten http://www.heilkr...

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
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