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Die Berserker
Die Berserker

grenjuðu berserkir,
guðr vas á sinnum,
emjuðu Ulfheðnar
ok ísörn dúðu.

es brüllten die Berserker,
der Kampf kam in Gang
es heulten die Wolfspelze
und schüttelten die Eisen.


www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/berserker.jpgSo dichtet der Skalde Thorbjörn HornklofiIhr, ein Augenzeuge der Schlacht am Hafrsfjord , in der Haraldskvæði (Haraldslied) über die sagenumwobenen Krieger und erwähnte damit diese Bezeichnung zum ersten Mal.
In anderen Sagas liest man:
… in der entscheidenden Schlacht im Bocksfjord bei Stavanger, standen sie, in Bärenfelle gekleidet, auf dem Vorderdeck der Schiffe, ….bissen vor Wut in ihre Schilde und stürzten sich auf die gegnerischen Krieger. Wurden sie von einem Speer getroffen, schienen sie keinen Schmerz zu spüren, sondern kämpften wie besessen weiter. Als die Schlacht gewonnen war, sanken die Kämpfer in einen tiefen Schlaf.

In den norwegischen und isländischen Sagas heißt es: .... es brüllten die Berserker, der Kampf war im Gange...".
Auch in der Egil-Saga werden sie beschrieben: Keiner, der auf dem Königsschiff vor dem Segel gestanden hatte war unverwundet, ausser denen, die kein Eisen biss, und das waren die Berserker...

Diese alten Gesänge wurden sicher mit dichterischer Freiheit geschrieben, aber es fällt auf, dass alle Beschreibungen die Berserker als Krieger schildern, die mit einer wilden, geradezu magischen Leidenschaft kämpften. Häufig werden sie auch als „Krieger Odins“ bezeichnet, dem sie ihr Leben weihten.

Wer oder was waren die Berserker nun wirklich? Einfach nur wilde, hemmungslose Krieger, die ohne Rücksicht auf das eigene Leben wild losschlugen - fanatische Krieger eben, rücksichtslos, zum Kämpfen und Töten geboren? Oder standen sie gar unter Drogen, wie oft berichtet wird? Genau weiß man das nicht - sicher ist nur, dass es sich um außergewöhnliche Krieger handelte.

Grundsätzlich sei alles denkbar, aber anhand der Quellen lässt sich nichts beweisen. Die schriftlichen Zeugnisse stammen nicht aus der Zeit Harald Hårfagris, sondern wurden erst viel später aufgeschrieben, - so Professor Schier, Leiter des Instituts für nordische Philologie an der Universität München, - denn der mündliche Bericht (Haraldslied) des Augenzeugen Thorbjörn Hornklofi wurde erst im 12. Jahrhundert niedergeschrieben, 300 Jahre nach der Schlacht im Bocksfjord. Die historischen Quellen sind daher nicht nur rar, sondern auch nicht absolut zuverlässig.

Sicher ist bis heute nicht, woher der Name stammt. "Serkr" bedeutet "Hemd" in der altnordischen Sprache. Die erste Silbe des Wortes Berserker "Ber" kann entweder von den altnordischen Wörtern "berr" (nackt) oder "Bersi" (Bär) abgeleitet werden.
Demnach kämpften Berserker entweder mit nacktem Oberkörper oder mit einem Bärenfell bekleidet - ein kleiner, für die Historiker jedoch wichtiger Unterschied. Mit bloßem Oberkörper kämpften zur damaligen Zeit viele germanische Völker. Bei Tacitus ist z.B. zu lesen, dass die Soldaten der germanischen Hilfstruppen traditionell mit nacktem Oberkörper kämpften. Von den Kelten wird berichtet, dass sie völlig unbekleidet in den Kampf zogen. Der mit nacktem Oberkörper kämpfende Krieger wäre also nicht außergewöhnlich gewesen und wäre wohl kaum als Bestandteil in den Namen einer Kriegerbezeichnung eingeflossen.
Wenn sich die Berserker dagegen in Tierfelle (Bären- oder auch Wolfsfelle) gekleidet haben - was oftmals angenommen wird -, dann wäre das schon etwas Besonderes. Gestützt wird diese Aufassung durch skandinavische bildliche Darstellungen aus dem 6. Und 7. Jahrhundert, in denen bereits Krieger mit Tiermasken abgebildet wurden.

Der Wiener Altgermanist Professor Höfler führt dazu aus: …Der Tierverkleidung haftet etwas Mystisches an. Die Maskierung wurde als Verwandlung erlebt, und zwar sowohl von den Zuschauern wie auch vom Maskierten selbst. Wenn sich ein Tänzer oder Krieger in ein Bärenfell kleidete, ging die Kraft des wilden Tieres - natürlich im übertragenen Sinne - auf ihn über. Er wirkte und fühlte sich stark wie ein Bär. Das Berserkertum läßt sich als die nordische Sonderentwicklung eines Tiermaskenbrauchs beurteilen, der in uralten Maskenkulten wurzelt….

Eine weitere weit verbreitete Meinung ist es, dass der Vergleich mit dem Bär oder Wolf auch von dem für die Berserker typischen Schreien und Heulen vor dem Kampf abgeleitet wird. Eine einfache, aber sehr logische Erklärung. In der Vatnsdœla saga, die sich ebenfalls auf die Schlacht am Hafrsfjord bezieht, heißt es dazu:

….Das war die größte Schlacht, die König Harald schlug. Da waren bei ihm Rögnvald von Moer und viele andere große Anführer und die Berserker, die Ulfhednar genannt wurden. Sie hatten Kittel aus Wolfsfell anstatt Brünnen und verteidigten den Vordersteven auf dem Schiff des Königs….

Man kann daher mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um Krieger in Tierfellen, vornehmlich Bär- oder Wolfsfellen tobende und brüllende Krieger gehandelt hat.
Weitere Charakteristika der Berserker sind die angebliche Unverwundbarkeit und die oft zitierte Berserkerwut sowie die Bezeichnung „Krieger Odins“. In der Ynglinga Saga wird das in einem Abschnitt, der von dem Gott Odin handelt und die Berserker als dessen Männer bezeichnet werden, so geschildert:

… Seine Männer aber kamen ohne Brünne und waren toll wie Hunde oder Wölfe. Sie bissen in ihre Schilde und waren stark wie Bären oder Stiere. Sie erschlugen Menschen, aber weder Feuer noch Eisen konnten ihnen etwas anhaben. Das wird Berserkerwut (berserksgangr) genannt …

Über die sagenhafte und oft zitierte Berserkerwut ist vieles geschrieben worden. Offensichtlich gehörte das Brüllen und Heulen und die Verwendung von Tierfellen dazu, um so eine Assoziation zu wilden Tieren hervorzurufen und den Gegner einzuschüchtern. Hinzu kam ja noch das „in die Schilde beißen“ als zusätzlicher Ausdruck ungeheuerer, schon irrsinniger Wut. Diese Handlungsweise wird in der Saga von Hervör beschrieben:

… Da zogen die Arngrimsöhne die Schwerter, bissen in die Schildränder und die Berserkerwut überkam sie. Sie gingen zu sechst auf jedes der beiden Schiffe. Aber dort waren so gute Kerle an Bord, dass alle ihre Waffen ergriffen, keiner von seinem Platz floh und keiner ein Wort der Furcht sprach. Die Berserker aber gingen an der einen Bordseite nach vorne, an der anderen zurück und erschlugen sie alle. Dann gingen sie an Land hinauf und heulten…

Wodurch dieser Wutrausch letztlich hervorgerufen wurde, ist reine Spekulation. Einerseits gibt es Annahmen, dass die Berserker sich durch Meditationen oder bestimmte Riten (Odins Weihe) in eine Art Trance versetzten, die sich zu dieser Wut steigerte. Andere Ansätze gehen davon aus, dass durch die Einnahme von Rauschmitteln (Fliegenpilze) die Berserkerraserei ausgelöst wurden. Beide Theorien lassen sich allerdings durch Texte weder belegen noch widerlegen, dazu ist die Quellenlage zu rar.
Die angebliche Unverwundbarkeit der Berserker lässt sich durchaus auf diese Berserkerwut zurückführen. Es ist möglich, dass sie in ihrer Raserei Schmerzen und Verletzungen nicht wahrnahmen und bis zur völligen Erschöpfung weiterkämpften, was ebenfalls zur Einschüchterung der Gegner beitrug. Bezeichnend ist, das diese „Unverwundbarkeit“ nur während des Kampfes anhielt - danach fielen die Krieger in einen tiefen Schlaf völliger Erschöpfung oder starben sogar, wie die Schilderung des Kveld-Ulfs in der Saga von Egil Skalla-Grimsson zeigt:

Nachdem Kveld-Ulf als Rache für die Ermordung seines Sohnes eine ganze Schiffsbesatzung niedergemetzelt hat, ist er so geschwächt, dass er sich hinlegen muss und letztendlich stirbt.

Vielfach wird auch als „Berserkertypisch“ bezeichnet, dass sie immer zu zwölf Männern auftraten - nicht mehr und nicht weniger. Diese zwölf Kämpfer sollen ausgereicht haben, um Schlachten zu entscheiden. Diese Auffassung stützt sich auf die zwölf Brüder, die alle Berserker sind, in der Saga von Hervör und König Heidrek (Hervarar saga ok Heiðreks konungs). Dort heißt es:

Arngrim reiste mit seiner Frau Eyfura nordwärts zu seinem Erbbesitz und ließ sich auf der Insel Bolm nieder. Sie hatten zwölf Söhne. Der älteste und berühmteste hießt Angantyr, der zweite Hjörvard, der dritte Hervard, der vierte Hrani und zwei Haddinge - mehr von ihnen sind nicht namentlich genannt. Sie alle waren Berserker, so starke und große Kämpfer, dass sie nie mit mehr Männern als zu zwölft in den Krieg ziehen wollten. Und nie gingen sie in eine Schlacht, ohne dass sie den Sieg erhielten. Dadurch wurden sie in allen Ländern berühmt und es gab keinen König, der ihnen nicht alles gegeben hätte, was sie haben wollten.

Diese zwölfköpfige Gruppe von Berserkern wird auch in anderen Sagas erwähnt, wie z.B. in der Grettis saga, in der zwölf Berserker die Gegend unsicher machten. Auch Harald Schönhaar hatte zwölf Berserker mit an Bord. Gruppen von zwölf Personen waren aber auch bei nicht militärischen Gruppen eine durchaus gebräuchliche Stärke, also keineswegs typisch für die Berserker. Aus der Zahl Zwölf Rückschlüsse zu ziehen, es habe sich bei den Berserkern um geheime oder gar magische stets zwölfköpfige Kriegerbünde gehandelt, ist reine Spekulation.
Berserker werden meistens als große, kräftige und wild aussehende Männer beschrieben. Zweifellos waren sie herausragende Kämpfer und gefürchtet. In späteren Dichtungen werden ihnen viele zusätzliche Eigenschaften bis hin zur Gestaltenwandlung zugeschrieben wie z.B. in der Saga von Göngu-Hrolf (Göngu-Hrólfs saga):

Eirik hatte in seinem Heer viele Berserker und herausragende Kämpfer, von denen vier namentlich genannt werden. Zwei von ihnen waren Brüder. Der eine hieß Sörkvir, der andere Brynjolf. Sie waren groß, stark und es war schwierig mit ihnen auszukommen. Sie waren so zauberkundig, dass sie Waffen im Kampf stumpf machten. Sörkvir war der stärkere der beiden und ein guter Turnierreiter.
Der dritte Mann war ein Verwandter des Königs, der Thord hieß und Læsø-Glatze genannt wurde. Er war groß und stark und stammte von der Insel Læsø in Dänemark. Dort war er aufgewachsen.
Sein Ziehbruder hieß Grim und wurde mit Beinamen Ägir genannt, ein starker und durch und durch schlechter Mann. Niemand kannte seinen Herkunftsort oder seine Familie, denn die Völva Groa hatte ihn am Strand von Læsø gefunden. Sie war Thords Mutter und hatte Grim aufgezogen und ihm so viel Zauberei beigebracht, dass ihm darin niemand in Skandinavien gleichkam. Seine Beschaffenheit war anders als die aller anderer Menschen. Einige Leute meinen, dass Grims Mutter eine Meerfrau gewesen sein müsse, weil er sich sowohl im Meer als auch in Seen fortbewegen konnte wie er wollte. Deswegen wurde er Ägir genannt. Er aß rohes Fleisch und trank Blut sowohl von Menschen als auch von Tieren. Er nahm oft die Gestalt verschiedener Lebewesen an und änderte sein Aussehen so schnell, dass man ihn kaum ins Auge fassen konnte. Sein Atem war so heiß, daß er selbst Männer in Rüstung zu verbrennen schien. Er spie auch Gift oder Feuer auf Menschen und tötete dadurch sowohl Menschen als auch Pferde. Deshalb widerstand ihm keiner.
König Erik vertraute ihm und den anderen sehr. Sie ließen es auch nie daran fehlen, Böses zu vollbringen.


Durch diese und andere Schilderungen wurden die Berserker schon zu früher Zeit zu unwirklichen und unbezwingbaren Übermenschen gemacht - so wie sie in der heutigen Fantasy-Welt immer noch zu finden sind. Damals wie heute waren und sind die Berserker als die Bösewichter schlechthin in der Literatur bzw. Filmen und Spielen äußerst beliebt. Die Realität des mittelalterlichen Nordens sah für die Berserker aber nicht so rosig aus, denn etwa zweihundert Jahre nach der Schlacht im Bocksfjord begann die Christianisierung Skandinaviens. Die alten heidnischen Sitten und Gebräuche, insbesondere die brüllenden Kämpfer in den Tierfellen,wurden verboten. In der Grágás, einer alten nordischen Gesetzessammlung aus dem Jahr 1123, heißt es unter anderm:

Wenn ein Mann in Berserkerraserei wütet, wird er dafür mit dreijähriger Landesverweisung bestraft


Ab diesem Zeitpunkt verschwanden die Berserker und man hat nie wieder etwas von ihnen gehört.

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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