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Brücken und Furten als Opferplätze
Brücken und Furten als Opferplätze


www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/english_viking_age_sword_found_in_scandinavia.jpgFlüsse und Seen waren für die Wikinger wichtige Lebensadern - aber auch zentrale Ritual- und Opferplätze, die oft einer Gottheit geweiht waren und zur Ehrung der Ahnen genutzt wurden.

Julie Lund, Dozentin für Archäologie, Naturschutz und Geschichte an der Universität von Oslo, zeigt in ihrer Dissertation, dass die Menschen in der Wikingerzeit einen "Opferzoll" zu Ehren der nordischen Gottheiten und ihrer Ahnen an Brücken und Furten entrichteten. Diese Opfer waren zumeist sehr wertvolle und besonders schöne Gegenstände, denn die Brücken und Furten symbolisierten nach damaligen Glauben eine Verbindung zwischen den Lebenden und Verstorbenen.
Lange Zeit ging man davon aus, dass diese Art von Opfern an die Götter und zur Ahnenverehrung mit dem Ende der Völkerwanderungszeit ebenfalls endeten, aber es stellte sich heraus, dass diese Tradition in die Wikingerzeit fortgesetzt wurde.

Brücken und Furten als Opferplätze

Die Wikinger vollzogen diese Opferungen und die dazugehörigen Rituale an besonderen Orten in der Landschaft. Brücken und Furten waren für die Menschen besonders wichtig - einerseits waren sie als Verkehrs- und Handelswege von großer Bedeutung für das Leben, anderseits wurden sie als Grenze bzw. Verbindung zwischen den Lebenden und den Verstorbenen angesehen. Wikingersiedlungen und die dazu gehörenden Grabstätten waren fast immer in der Nähe von Flüssen. Die Grabstätten waren immer außerhalb der Orte angelegt und häufig durch eine Brücke oder eine Furt mit dem Ort verbunden.

Julie Lund untersuchte die Grabungsergebnisse von etwa dreißig Opferstätten in Skandinavien, sowie an der Themse im Süden Englands und am Shannon in Irland in Orten, die unter skandinavischen Einfluss in der Wikingerzeit entstanden. Die meisten dieser Opferstätten fand man bei Brücken oder Furten.

Ebenso wurden die Opferstätten häufig nach nordischen Göttern benannt, wie z.B. der in Dänemark gefundene Königssitz und Kultplatz Tissø - was "Tyrs See" bedeutet und damit dem Gott des Krieges und des Things geweiht war. Das zeigt eindrucksvoll, wie wichtig diese besonderen Orte als zentrale Punkte für die religiöse Weltanschauung und der Ahnenverherung für die damaligen Menschen waren.


Wertvolle Gegenstände als Opfergaben

Als Opfergaben wurden die wertvollsten Waffen, mit Silber- und Goldeinlagen wunderschön verziert, sowie feinster Schmuck mit Edelsteinen geopfert. Das im obigen Bild gezeigte herrliche Schwert wurde in Skåne in Schweden geopfert - es ist im Historischen Museum in Stockholm ausgestellt.
In Irland wurden nordische und lokale Artefakte geopfert, was verdeutlicht, wie sehr die zwei verschiedene Kulturen verflochten waren.
Nach nordischen Quellen hatten einige der Gegenstände, die an den Ritualplätzen geopfert wurden, Namen und könnten den verstorbenen Personen schon zu Lebzeiten gehört haben. Vieles deutet darauf hin, dass mehrere Einzelfunde, die als Grabbeigeben interpretiert wurden, aus eben diesen Opferplätzen in Flüssen und Seen stammen, resümiert Julie Lund.

Quelle:
Bild:
Institut für Archäologie, Naturschutz und Geschichte, Universität Oslo
Text:
THORNEWS

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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