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Schmiedegrube aus der Wikingerzeit
Schmiedegrube aus der Wikingerzeit im Garten.

www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/schmiedergrube.jpgLeif Arne Nordheim aus Sogndalsdalen (Norwegen, Provinz Sogn og Fjordane) wollte nur seinen Garten etwas umgestalten und einige Steine wegräumen - er ahnte nicht, welche historische Schätze sich unter diesen Steinen verbargen ....

"Auf den ersten Blick bemerkte ich nichts Besonderes, nachdem die großen Steine weggeräumt waren", berichtet Leif Arne Nordheim, "als ich jedoch in der letzten Woche weiter arbeitete, fand ich eine Zange, die einem Schmied gehört haben könnte", schildert er seine "Ausgrabung" weiter, "doch dann ragte plötzlich ein Schwert aus dem Boden und ich erkannte, dass dieses Schwert wohl ein paar hundert Jahre alt sein dürfte."

Leif Arne Nordheim stellt sofort alle Arbeiten ein und meldet den unerwarteten Fund an die zuständige Behörde. Die hinzugezogenen Archäologen stellten fest, dass das gefundene Schwert und auch die anderen Gegenstände aus der Wikingerzeit stammen.

Dem Finder war nicht bewusst, dass sein Haus auf derartig geschichtsträchtigem Boden steht. Ihm sei nur bekannt, dass ein Feldweg hinter seinem Haus früher mal viel befahrener Handelsweg gewesen sein soll und dass ca. einen Kilometer von seinem Haus entfernt der Runenstein von Eggja gefunden wurde, so der Besitzer des Fundortes.

Ein Einzigartiger Fund
Ein Archäologenteam vom Museum in Bergen übernahmen nun die weiteren Ausgrabungsarbeiten und bergen einen ganz besonderen Fund. Eva Moberg, Kuratorin und Mitglied des Teams, stellt die Einzigartigkeit des Fundes heraus: "Es handelt sich hier offensichtlich um eine Schmiedegrube aus dem 8. Jahrhundert, der frühen Wikingerzeit, - so ein Fund ist selbst für Norwegen sehr selten - 1913 gab es einen ähnlichen Fund und es ist sicher eine große Entdeckung für Norwegens Geschichte."

Ausdrücklich lobt Eva Moberg das umsichtige Handeln von Leif Arne Nordheim und sichert ihm zu, dass nach Abschluss der Ausgrabungen der Garten so hergestellt wird, wie der Besitzer es geplant hatte.

Die gefundenen Objekte werden nach ihrer Restauration im Museum in Bergen ausgestellt und in einem eigenen Schaukasten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Für Leif Arne Nordheim wird die Angelegenheit nach Abschluss der Ausgrabungen abgeschlossen sein ... "aber es bleibt eine Erinnerung fürs Leben und es ist schön, wenn man etwas über die Geschichte des Landes herausfindet", fügt er an.


Quelle:
Text:
NRK-Sogn og Fjordane

Foto:
VIDAR GUDVANGEN / NRK

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

Weitere Funde in der Schmiedegrube -
Ein "Kulturbeutel" im Grab des Wikingers


Bei den weiteren Grabungen an der Fundstelle in Leif Arnes Garten fanden die Archäologen Asle Bruen Olsen und Howell Roberts vom Museum der Universität Bergen ganz erstaunliche Gegenstände und die aufwändige Grabstelle des Schmiedes.
Dieser Fund lässt Forscher staunen: Die Beigaben sind bemerkenswert, denn im Grab befanden sich nicht nur Schmiedewerkzeuge, sondern auch Bad-Utensilien für die Wikingerbart-Pflege.
"Bestattungen mit Schmiedewerkzeugen sind zwar ungewöhnlich, aber gar nicht so selten", so Roberts, "aber die Anzahl von Objekten in diesem Grab und der Erhaltungszustand sind tatsächlich außergewöhnlich. Es handelt sich wahrscheinlich um den beeindruckendsten Fund dieser Art, der in der Region im ganzen vergangenen Jahrhundert gemacht wurde."

Rasiermesser und Schere

Obenauf lagen die Schmiedewerkzeuge und Waffen. Unter anderem besaß der Tote drei Hämmer, zwei Ambosse, Zangen, ein Schwert und eine Axt. Darunter fanden sie feinere Geräte - den Kulturbeutel des Schmieds: Rasiermesser und die Schere, mit denen er seinen Bart getrimmt hatte, waren ihm offenbar wichtig genug gewesen, um sie ins Jenseits mitzunehmen. Selbst Wikinger haben ihre Bärte nicht ungehemmt wachsen lassen.

Ganz unten in der Grabgrube lag schließlich Holzkohle vermischt mit kleinen Knochenresten - die sterblichen Überreste des Schmieds, die nach der Einäscherung auf dem Scheiterhaufen übrig geblieben waren. "Noch sind die Knochen zwar nicht eindeutig identifiziert", gibt Roberts zu, "aber wir sind uns ziemlich sicher, dass es sich hier um die verbrannten Reste eines Menschen handelt."

Zwischen der Asche und den Knochen lagen jene Gegenstände, die der Tote wohl direkt am Körper getragen hatte, als die Flammen ihn verzehrten: Perlen und ein Kamm aus Knochen. Die schiere Anzahl der Artefakte spricht für den Reichtum des Mannes. Insgesamt konnten die Archäologen an die 200 Objekte und Fragmente bergen.
"Wir vermuten, dass die Zeitgenossen des Schmieds zeigen wollten, wie geschickt er bei der Arbeit war, indem sie so viele Objekte mit in sein Grab legten", erklärt Roberts Kollege Asle Bruen Olsen auf der norwegischen Webseite "forskning.no". "Er wird wahrscheinlich viele dieser Werkzeuge selber angefertigt haben."

Alles spricht dafür, dass der Handwerker aus der Region stammte, in der er auch begraben wurde. "Und er genoss wahrscheinlich ein hohes Ansehen in der Gesellschaft", schließt Olsen.

Quelle:
Text: www.spiegel.de

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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