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Sommersonnenwende - Midsumarblót - Litha
Sommersonnenwende - Midsumarblót - Litha


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Zur Sommersonnenwende am 21. Juni hat die Sonne ihren Höchststand und den nördlichsten Punkt ihrer Umlaufbahn erreicht. Die kalten, dunklen Tage des Winters und der Zurückgezogenheit sind lange vorüber. Die Zeit des Sommers und des Wachstums ist da.

Die auf der Nordhalbkugel der Erde lebenden Menschen erleben zu diesem Zeitpunkt den längsten Tag mit der kürzesten Nacht. Der Nordhimmel glüht in violetten und roten Farbtönen und jenseits des Polarkreises kann bei gutem Wetter in der Nacht auch die Mitternachtssonne gesehen werden.

Wir erfreuen uns an der Schönheit und der Fülle der Natur. Nüsse und Beeren wachsen und gedeihen, die Bäume tragen Früchte und auch das Korn reift. Der Nachwuchs im Tierreich tummelt sich und wächst heran. Nun ist die Ernte nicht mehr weit. Wie die reichhaltige Vegetation ist auch unser Leben in dieser Jahreszeit von Vielfalt geprägt und nach außen gerichtet. Überall offenbart sich das in Festen, Feiern und Veranstaltungen.

Auch wenn die Sommersonnenwende den kalendarischen Anfang des Sommers markiert, ist das Midsumarblót das erste absteigende Fest im Jahreskreis. Von nun an verliert die Sonne wieder ihre Kraft und die Tage werden langsam aber sicher kürzer.
Im Mythos der Edda steht der Licht- und Sonnengott Balder (altnordisch: baldr) auf seinem Höhepunkt und ist unverwundbar.
Balder ist der Sohn des Göttervaters Odin und seinem Eheweib Frigg und Bruder von Hödur und Hermodr. Mit seiner Gattin Nanna bewohnt er Breidablick in Asgard, einen lichten Ort, in dem allezeit Frieden herrscht. Mit Nanna hat er den Sohn Forseti, der als weiser Richter bei den Göttern und Menschen gilt. Balder ist im Besitz des Schiffes Hringhorni und des Ringes Draupnir, den er bei seiner Seebestattung von Odin erhält.
Eines Tages träumt Balder von seinem eigenen Tod, worauf seine Mutter Frigg alle Dinge auf Erden Eide schwören lässt, Balder nicht zu verletzen. Nur der junge Mistelzweig scheint ihr so unbedeutend zu sein, dass sie von ihm keinen Eid abnimmt. Durch eine List Lokis tötet der blinde Hödur seinen Bruder Balder mit einem Mistelzweig, den er während eines Spiels der Asen auf Balder schießt.

Die Mistel symbolisiert hier die Mondsichel, die die herannahende Nacht und damit auch den Winter ankündigt, der durch den blinden Hödur verkörpert wird.
In dem Eddalied Vegtamskvidha reitet Odin in das Totenreich, um dort eine Völva (Wala) zu erwecken und bittet sie, Balders schwere Träume und sein Schicksal zu deuten. Sie erzählt von Balders Tod und kündet die Raganrök (altnordisch: "Schicksal der Götter" ), den Untergang der Götter an.
Mittsommer ist der Höhepunkt und der Tod Balders und seine Fahrt ins Reich der Hel finden wir im Haustblót wieder, dem Fest zur Herbst-Tagundnachtgleiche. Dieser Jahresmythos ist zugleich auch immer ein Tagesmythos: der Abend ist Balders Untergang, sein Wiederkommen ist der neue Tag.

Das Fest zur Sommersonnenwende, das Midsumarblót, war bei unseren Vorfahren ein weit verbreiteter Brauch.
Für sie galten die Nächte in dieser Zeit als heilig. Sie zelebrierten das Licht und stärkten die Macht der Sonne mit Freudenfeuern, rollenden Rädern, Kreistänzen und Fackelprozessionen.
Zudem war es eine überaus günstige Zeit, Pflanzen und Kräuter zu sammeln, Heilung zu suchen oder Wahrsagen zu praktizieren, weil die Energie der Sonne im Hochsommer die ganze Natur durchdringt.

Das Mittsommerfest wurde von der Kirche lange bekämpft, schließlich umgestaltet und als Johannistag am 24. Juni adaptiert. Nach dem julianischen Kalender fand die Sommersonnenwende am 24. Juni statt. An diesem Tag wurde das Hochfest von Johannes dem Täufer begangen, das mit der Sonnenwende verknüpft wurde, so dass der 24.06. auch nach der Kalenderreform als Festtag beibehalten wurde.
Das Sonnenwendfeuer wandelte sich zum Johannisfeuer und auch das Johanniskraut steht mit diesem Tag in besonderem Zusammenhang, denn an diesem Tag gesammelt, entwickelte es seine höchste Heilkraft.

Zu dem Fest der Sommersonnenwende gab es viele Bräuche und Riten, die wichtige Bestandteile der Feierlichkeiten waren und sich bis heute im skandinavischen Raum, besonders in Schweden, erhalten haben.


www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/sonnenwendfeuer.jpg Das Sonnenwendfeuer

Das Sonnenwendfeuer symbolisiert die Sonne auf ihrem Höhepunkt und wird heute meist am Vorabend des Johannistages entzündet, früher aber direkt am Sonnwendtag oder in dem Augenblick, in dem sie unter den Horizont sank. Die Flammen des Mittsommerfeuers loderten auf einem Berg, an Kreuzwegen oder auf den Feldern. Es diente dem Schutz und der Reinigung und mancherorts wurden Strohpuppen darin verbrannt, um böse Geister und negative Kräfte zu verbannen.
Die heilkräftige Asche des Sonnenwendfeuers nahm man mit und vergrub sie zum Schutz gegen Feuer und Blitzeinschlag neben dem Haus oder unter der Türschwelle und streute sie für ein gutes Gedeihen der Pflanzen, besonders dem Flachs, in die Gärten und auf die Felder.
Der Tanz um das Sonnenwendfeuer, vermutlich im Sonnenlauf und der Sprung über das Feuer sind uralte Bräuche.
Der Feuersprung schenkte den Menschen Gesundheit für das ganze Jahr und den Paaren Fruchtbarkeit. Mit ihrem gemeinsamen Sprung über die lodernden Flammen weihten sie den beschlossenen Bund ihrer Zusammengehörikgeit.


Das Räderrollen

Zur Darstellung des Sonnenlaufs wurden hölzerne Räder einige Tage vor den Feierlichkeiten in Wasser gelegt, damit sie aufquollen und nicht verbrannten; anschließend mit Stroh umwunden, am Mittsommerfeuer entzündet und mit Hilfe einer Stange, die man durch die Nabe steckte, brennend ins Tal, in einen Fluss oder in einen See gerollt. Gelangte das Rad noch brennend in das Gewässer, bedeutete das eine gute Ernte.
Das hinab rollende brennende Rad symbolisierte das Niedersinken der Sonne und das Abnehmen der Tageslänge. Das Eintauchen des brennenden Rades in das Wasser versinnbildlichte die Fahrt des getöteten Sonnengottes in das Reich der Hel, denn in Teichen, Seen und Flüssen vermuteten unsere Vorfahren Zugänge in das Totenreich. Das brennende Sonnenrad sollte gleichzeitig die Kraft der Sonne auf die Felder und die Erde bringen.


www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/mittsommer_skansen.jpg Der Mittsommerbaum (Majstången)

Ein weiterer Brauch, der sich vor allem in Schweden bis in unsere heutige Zeit erhalten hat, ist das Aufstellen der Majstången. Die Silbe "Maj" hat hier nichts mit dem Monat Mai zu tun, sondern geht auf das altertümliche Verb maja („mit Blumen schmücken“) zurück.
Der Stamm wurde feierlich mit Birkenblättern, Blumen oder Blumenkränzen und Kräuterbündeln geschmückt und aufgerichtet, anschließend im Kreis umtanzt. Dieser Brauch ähnelt in vielem dem deutschen Maibaumaufstellen.


Mittsommerbäume, an deren Spitze ein senkrecht hängender Kranz befestigt war, erinnern an die Darstellung der Jera-Rune des älteren Runen-Futhark. Sie entspricht der Ár-Rune des jüngeren Futhark und bedeutet "gutes (Ernte-) Jahr". Diese Rune wird im altnorwegischen Runengedicht mit dem sagenhaften Friedenskönig Fròdi in Verbindung gebracht, der dem Fruchtbarkeitsgott Freyr entspricht und um eine gute Ernte angerufen wurde.


Kräuter sammeln

Mittsommer ist die Hoch-Zeit der Natur und das Midsumarblót das bedeutendste Fest nach dem Julfest. Die Menschen feierten die Fülle der Natur und den Wohlstand, die sie ihnen in dieser Zeit schenkte. Die enorme Bedeutung des Festes offenbarte sich auch im üppigen Blumenschmuck. Kräuterstäuße und Blumenkränze zierten nicht nur die Menschen, sondern auch ihre Wohn- und Kultstätten, Brunnen und Quellen, ja sogar das Vieh wurde geschmückt.
Blühende Kräuter und Pflanzen wurden geerntet, um daraus Heil- und Räuchermittel herzustellen; manchen von ihnen schrieb man in der Mittsommernacht auch besondere magische Eigenschaften zu, vor allem dem Eisenkraut und dem Johanniskraut.
In Schweden ist es heute noch üblich, dass unverheiratete Mädchen in dieser Nacht sieben Sorten wilder Blumen von sieben verschiedenen Wiesen pflücken, die sie dann unter ihr Kopfkissen legen. Der Legende nach träumen sie von dem Mann, den sie irgendwann einmal heiraten werden. Sie müssen aber beim Pflücken absolut still sein und dürfen niemandem erzählen, von wem sie geträumt haben, denn sonst geht der Traum nicht in Erfüllung.


Das Festmahl

Jedes Blót war auch mit einem Opfer für die Götter und einem Festmahl verbunden. Es war üblich, dass alle Bauern Vieh und so viele Lebensmittel und Bier mitbrachten, die man benötigte, so lange das Midsúmarblót dauerte. Das Vieh wurde rituell geschlachtet, aber es starb nicht ausschließlich für ein religiöses Ritual. Das Fleisch wurde gesotten, zu Speisen verarbeitet, gesegnet und von den Festteilnehmern verzehrt. Das Blut der Tiere fing man in Opferschalen auf und besprengte damit die Götterbilder, die Altäre, Tempelwände, aber auch die Menschen.


Die Sommersonnenwende und das mit ihr verbundene Midsumarblót war das fröhlichste Ereignis im Jahreskreis unserer Ahnen. Freudenfeuer, Kreistänze, üppige Gelage und auch Liebschaften waren üblich, denn niemand wollte in dieser Nacht alleine sein.
Die Menschen feierten ausgelassen, sich dessen bewusst, dass von nun an die nährende Kraft der Sonne wieder schwinden und der Jahreskreis sich bald wieder schließen wird ...

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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