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Die Runen als Schriftzeichen - Das Ältere Futhark
Die Runen als Schriftzeichen - Das Ältere Futhark


Die Kenntnis von Schrift und ihre Verwendung wurde in allen alten Kulturen als Medium magischer Macht und Aura angesehen. Viele dieser Kulturen hielten ihre Schrift für die Erfindung oder das Geschenk eines Gottes. Zweifellos waren auch die Runen mit sakralen und magischen Zwecken verbunden, was Funde von Grabinschriften, Opfer an Götter, Amuletten usw. belegen. Unter den ältesten Funden sind mehrere Ritzungen auf Lanzen- und Speerspitzen, die die Funktion dieser Waffen mit poetisch-magischen Namen beschwören. Entschlüsselt wurden Begriffe wie "Herausforderer", "Erprober"‚ "Ziel-Verfolger", "Angreifer" oder "Renner".

In der nordischen Mythologie ist Odin der Gott des Runen-Wissens und der Runen-Magie.
Im Hâvamâl (Des Hohen Lied), ein Götterlied der Lieder-Edda, wird in den Versen 139 - 146 berichtet, dass Odin sich selbst opferte und neun Tage kopfüber in der Weltenesche Yggdrasil hing, um so Kenntnis von der Macht der Runen zu erlangen. Diese sieben Verse werden auch als "Odins Runenlied" bezeichnet. Die im weiteren Verlauf des Liedes niedergeschriebenen Verse 147 - 165 werden zwar häufig als "Beschreibung der magischen Kräfte der Runen" dargestellt, jedoch handelt sich hier um 18 "Zaubersprüche", die nicht auf die Runen bezogen sind, sondern in erster Linie Schutz- und Segenssprüche sind.

www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/runen_schriftzeichen.JPGIch möchte hier aber nicht auf die magische und die sakrale Komponente der Runen eingehen, sondern viel mehr auf ihre alltägliche Verwendung als Schriftzeichen.

Als zusammenhängende Schrift sind die Runen von den Germanen des Kontinents nur in geringem Umfang gebraucht worden. Die einzigen hier erhaltenen Runenritzungen finden sich auf Schmuck, Waffen und auf Gebrauchsgegenständen. Auch in England war die Verwendung der Runen zu diesem Zweck eher selten.
Die Verbreitung der Runen zeigt von Anbeginn einen deutlichen Schwerpunkt in Südskandinavien und Jütland. Der weitaus größte Teil der gut 6.500 bisher bekannten Runeninschriften stammt aus dem Skandinavien der Wikingerzeit.
Die ältesten Inschriften werden in das 2. Jahrhundert datiert und stammen aus Moorfunden in Schleswig-Holstein, in Jütland und Fünen in Dänemark, sowie in Südschweden. Als älteste Runeninschrift gilt derzeit der Name „harja“ auf dem Kamm von Vimose, der in die Zeit 150–200 n. Chr. datiert wird.
Runen wurden also für Inschriften zum Gedenken an Verstorbene oder an besondere Ereignisse, wie zur Weihe oder zum Verschenken von Gegenständen, als Besitzerangaben und als Münzinschriften verwendet.
Neuere Funde in Norwegen belegen, dass die Runen weitaus mehr als bisher angenommen zum Übermitteln von Nachrichten und somit zur Kommunikation untereinander verwendet wurden.

Die 24 Runen der gemeingermanischen Runenreihe wurden auf ihre profane Bedeutung hin wissenschaftlich erforscht. Man nennt diesen Zeichensatz auch "Älteres Futhark". Dieser geheimnisvoll klingende Name ist ein Begriff für das Runenalphabet, der aus den Lautwerten der ersten sechs Runen gebildet wird.
Das Wort "Futhark" hat zwar sieben Buchstaben, doch liegt dies daran, dass "th" bei den Runen ein zusammenhängendes Runenzeichen ist, wie im nordischen "Þ".
So wie beim lateinischen Alphabet auch, besitzen Runen Lautwerte, denen entsprechend man sie als Schriftzeichen verwenden kann, Darüber hinaus haben die Runen auch Eigennamen, die sich auf Aspekte des täglichen Lebens der germanischen und nordischen Völker und ihrer Mythologie bezogen.
Im Gegensatz zu den Buchstaben anderer Schriftsysteme weisen die Runen nicht in eine bestimmte Richtung. Darum können sie sowohl links-läufig als auch rechts-läufig geschrieben und gelesen werden, auch zeilenweise abwechselnd rechts- und links-läufig. Eine senkrechte Anordnung der Runen ist ebenso möglich, man kann sie sogar auf den Kopf stellen – dann nennt man sie "Sturzrunen". Innerhalb von Runentexten trennte man die Worte mit Punkten oder kleinen Kerben.
Die Runen bestanden zunächst nur aus geraden, senkrechten und diagonalen Linien. So konnten sie leicht in Stein gemeißelt oder in hölzerne, knöcherne oder metallische Gegenstände geritzt werden.
Das Ältere Futhark oder auch gemeingermanische Futhark entstand ca. 200 v. Chr. und blieb bis etwa 500 n. Chr. die allgemeingültige Form. In Skandinavien blieb das Ältere Futhark bis ins 8. Jahrhundert allgemein in Gebrauch. Im Volk überlebte es bis ins späte Mittelalter.

Die 24 Runen der gemeingermanischen Runenreihe werden in 3 Gruppen, den sogenannten Aettir (altnordisch: Achten) zu je 8 Runen eingeteilt. Den Zahlen 3 und 8 sprach man eine besondere Kraft zu. Jedes Aett (altnordische Schreibweise: Ætt) wird einer Gottheit zugeordnet: Freyr, Hel und Tyr.

Freyr’s Ætt - Die Ebene der Schöpfung
Die Runen des Freyrs-Aett (Fehu-Aett), auch Aett der Bauern (der erschaffenden Kräfte) genannt, wirken im feinstofflichen, schöpferischen Bereich der Welt, auf ihm baut alles weitere auf.

Hel’s Ætt - Die Ebene der menschlichen Bestimmung
Die Runen des Hels-Aett (Hagalaz-Aett), auch Aett der Zauberer (der beschützenden Kräfte) genannt, wirken in der Zwischenwelt und lassen sich am schwierigsten mit dem Verstand erfassen, da sich alles im sogenannten unsichtbaren Bereich abspielt.

Tyr’ Ætt - Die Ebene der Transformation

Die Runen des Tyrs-Aett (Tiwaz-Aett), auch Aett der Krieger (der Kräfte von Traum und Zerstörung) genannt, kommen in der Menschenwelt zum Wirken, sie sind sehr leicht auf das Wirken und Wollen der Lebewesen der Erde zu übertragen.


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Das Ältere Futhark besitzt sechs Vokale: "u", "a", "i", "ei", "e" und "o", und 18 (3 × 6) Konsonanten. Jedes Aett enthält zwei Vokale. Das lateinische Alphabet kennt nur fünf Vokale, daher setzt sich die Rune Eihwaz ( "ei" ) aus zwei lateinischen Buchstaben zusammen. Diese sechs Vokale bezeichnet man auch als Urlaute, weil sie als Laute bei verschiedenen Urgefühlen ausgestoßen werden: Angst "u", Wohlbefinden "a", Ekel und Erschrecken "i", Heiterkeit "ei", Ärger "e" und Ehrfurcht oder Lob "o".


Die Umsetzung des Alphabets in Runenschrift:

Die Zuordnung der lateinischen Buchstaben zu den einzelnen Runen ist keine exakte Entsprechung, sondern eine Hilfestellung, um Runentexte leichter lesen zu können.

Die Umsetzung von lateinischer Schrift in Runenschrift ist nur für (Eigen)-Namen möglich. Dabei richtet man sich nach dem Laut bzw. der Aussprache. Beim "V" benutzt man entweder den F-Laut wie in dem Wort "Vater" oder den W-Laut wie in "Vase". Beim "Y" kann man ebenso entweder den J-Laut oder den I-Laut verwenden. Das "X" setzt sich aus den entsprechenden Runen für "K" und "S" zusammen, das "C" wird durch die Rune Kenaz ( "K" ) ersetzt. Für das "Z" verwendet man die Rune Algiz.



Fotos:
Oberes Foto:
"Trikvetra", Runenstein in Uppsala, Schweden
Quelle: Wikimedia Commons

Unteres Foto:
Runentafel © Siglinde Lítilvölva 2013

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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