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Ormurin Langi
Ormurin Langi


Ormurin Langi (Der lange Wurm, Die lange Schlange) war der Name des Langschiffes von König Olav Tryggvason von Norwegen. Es hatte 34 Ruderbänke und der Drachenkopf und der Drachenschwanz am Ende waren vergoldet.
Der Lange Wurm wird im Vergleich mit bekannten Schiffen auf eine Länge zwischen 45 und 55 m geschätzt. Er war sicher nicht breiter als 8 m. Man geht von einer Segelfläche von 200 m² aus. Es wurde von 68 Mann gerudert. Bei doppelter Besetzung waren das 136 Ruderer. Snorri Sturluson zählt dazu noch ungefähr 45 reine Kämpfer auf.

Die färöische Ballade über die Ormurin Langi von Jens Christian Djurhuus, die er um 1830 in Kollafjørður auf den Färöern schrieb, handelt von König Olav Tryggvason und der Seeschlacht von Svold.
Es ist dort bis heute eine der beliebtesten Volksweisen. Das Stück hat 85 Strophen, mit einem Kehrreim jeweils dazwischen. 1884 erschien der Text das erste Mal in gedruckter Form in der Zeitung Dimmalætting und 1891 schließlich in V. U. Hammershaimbs Færøsk Anthologi.


1.
Wollt ihr nun mein Lied hören
wollt ihr den Worten glauben
von König Ólav Trygvason
wird diese Weise handeln.

Refrain:
Lärm tobt in der Halle,
Reih dich ein in den Ring!
Glücklich reiten Norweger
zu Hildes Ting.
(Hildes Ting = Hilda als sinnbildliche Figur des nordischen Krieges)

2.
Der König lässt ein Schiff erbauen
dort am flachen Strande
Ormurin Langi das Größte war
das je gemacht im Lande

3.
Der Knörr entstand in Norwegen
Gutes Holz ward für ihn verwendet:
Siebzig Ellen und vier dazu
war der Kiel zwischen den Steven.

4.
Vergoldet waren beide Steven,
Die Planken waren blau,
Die Mastspitze war auch aus Gold,
das weiß man noch genau.

5.
Der König sitzt auf seinem Thron,
und redet mit den Männern:
"Wir sollten das salzge Meer befahren,
das denke ich schon länger."

6.
"Tragt an Bord die Rüstungen
mit Panzern und blanken Schwertern,
danach legt ihr vom Lande ab,
und segelt fort von Norwegen!"

7.
Froh und glücklich sagten die Männer:
"Herr, wir werden dir folgen,
ob du gehst in Frieden oder Krieg,
wir fürchten nicht die steilen Wogen."

8.
Da kam ein Mann den Berg hinunter
mit großem Bogen in den Händen:
"Der Jarl vom Ringereich
lässt mich hierhin senden."

9.
Der König dann das Wort ergriff
voll Freude und Vergnügen:
"Sag mir doch, du junger Mann,
wie nennt man dich mit Namen?"

10.
"Einar sollst du mich nennen,
der den Bogen zu spannen weiß;
"Tambur" heißt mein tapfrer Bogen,
die Pfeile sind zum Schuss bereit."

11.
"Höre zu, du junger Mann,
willst du mit mir fahren,
tu sollst mein Bogenschütze werden,
den Ormurin bewahren."

12.
Gemeinsam gehen sie zum Strand hinab
mächtige und tapfere Kämpfer,
Stämme zerbarsten und die Erde bebte
als sie den Knörr zum Ufer stemmten.

13.
Sie setzten seine Seidensegel
es ging hinaus aufs Meer:
ja sogar der König selbst
den Ormurin Langi lenkte.

14.
Im Land sprach es sich weit herum,
dass die Norweger unterwegs waren;
Dänemarks König und Schwedens König
berieten sich zusammen.

15.
Dänemarks König und Schwedens König
treffen sich zum Rat,
wie der König Norwegens
schnell um die Ecke gebracht.

16.
Die Botschaft ging an Erik Jarl
- es passte gut ins Thema:
"Er soll mit auf die Reise kommen,
für den toten Vater Rache nehmen."

17.
Erik schließt sich den Königen an
mit Panzer und rotem Schilde:
"Ólav, König von Norwegen
hat meines Vaters Tod verschuldet."

18.
Der Jarl steht auf dem Hallenboden,
einen blanken Speer in den Händen:
"König Ólav soll sehen,
wie Hartes gegen Hartes ich wende"

19.
So gingen sie zum Strand hinunter
- schön war diese Truppe -
Dänemarks König und Schwedens König
und Jarl Erik war der Dritte.

20.
Ihre drei Flotten fuhren
aus dem Öresunde,
Jarnbardur segelte vorweg
der Jarl stand selbst am Ruder.

21.
Dänemarks König das Wort ergriff
er sagte also folgendes:
"Wer den Ormurin Langi nimmt,
darf ihn für sich behalten."

22.
Erik denkt sich sich seinen Teil dazu:
"Obwohl du das probieren mögest,
bekommst du Ormurin Langi nicht
mit dänischer Macht alleine."

23.
Schwedens König sagte dann,
und hielt dabei sein Messer:
"Ich werde den Ormurin Langi nehmen,
und koste es mein Leben."

24.
Erik steht auf dem breiten Deck
scharlachrot gekleidet:
"Du nimmst den Ormurin Langi nicht,
vorher sehe ich dich sterben."

25.
Erik sagt zu seinen Männern:
"Kämpfer werdet ihr treffen;
steht tapfer und mannhaft,
weil der Weg blutig wird."

26.
Die Norweger auf dem Königsknörr
können Messer gut schärfen:
Geht wohl voran in hartem Streit,
ansonsten werden wir sterben."

27.
Erik sagt zu Finn dem Kleinen:
"Du sollst bei mir stehen;
du sollst selber mich verteidigen,
falls ich in Gefahr gerate."

28.
So lagen sie auf dem Sund draußen
und warteten dort lange,
sehnten sich nach dem norwegischen Knörr.
um gegen Norwegens König zu kämpfen.

29.
So lagen sie auf dem Sund draußen,
und planten, zu gewinnen,
hielten Tag und Nacht die Wacht
Norweger wollten sie finden.

30.
Nun soll das Lied zuende sein,
ich singe nicht mehr weiter:
jetzt soll der dritte Teil beginnen;
merkt euch dies, ihr Leute.

31.
Ólav segelt in der Ostsee,
plant nach Hause zu fahren;
als er in den Sund gelangt
sieht er die Schiffsarmada.

32.
Die drei Führer stehen an Land,
halten Ausschau in die Ferne,
im Süden sehen sie den prächtgen Knörr
auf dem Meere gleiten.

33.
Dänemarks König ergreift das Wort:
"Möge mir alles gelingen;
Christus segne meine Augen zwei,
nun sehe ich Ormurin Langi."

34.
Erik stand nicht weit von dort,
und sagt zu seinen Männern:
"Der König von Dänemark
kann den Ormurin noch lange nicht erkennen."

35.
Dort erschien ein größerer Knörr,
die Jungs waren verwundert,
Schwedens König sagt zum Jarl:
"Jetzt sah ich wohl den Ormurin.

36.
Legt nun mit den Schiffen ab,
die Ruder nehmt in die Hände,
lasst den Ólav nicht entkommen
sein Gegenstück soll er erhalten!"

37.
Erik schaut auf das Meer hinaus,
und sagt zu seinen Männern:
"Das schwöre ich beim wahren Gott,
die können den Ormurin noch nicht erkenen."

38.
Dänemarks König und Schwedens König
mit roten Schäften in den Händen:
"Jarl Erik hat wohl Angst,
den Tod seines Vaters zu rächen."

39.
Böse ward der Jarl darauf,
er sagt im schlechten Sinne:
"Was anderes als Wortbruch
sollen die Norweger bekommen."

40.
Erik steht auf grünem Rasen
fängt jetzt an zu gehen:
"Seid nun schnell auf euren Decks
jetzt sehe ich Ormurin Langi!"

41.
Alle sahen den Ormurin kommen
alle waren verwundert,
aus Seide waren die Segel gemacht,
und der Steven war vergoldet.

42.
Legten sie sich den Weg voran
sowohl mit Schwertern und Lanzen,
die Norweger sahen auf Ormurin,
und zweifelten entgegen zu halten.

43.
Ólav sagt zu seinen Männern:
"Teuer sollen sie mich kaufen,
Niemals fürchtete ich den Streit,
und heut werd ich nicht laufen."

44.
"Macht das Schiff nun kampfbereit,
hinunter mit den Segeln,
man soll sehen, wie Norweger
geschickt mit Schwertern umgehen."

45.
Úlvur der Rote auf dem Vorschiff stand
Er hatte immer Glück
"Fahrt nicht zu weit nach vorn
der Ormurin ist viel zu lang"

46.
Der König auf dem Achterdeck,
in Scharlach war er gekleidet:
"Nun sehe ich, mein Stevenmann
ist sowohl rot als auch feige."

47.
"König, du sahst mich nie so ängstlich
ich traute mich immer zu kämpfen,
pass du nur auf das Achterdeck auf,
und ich werde den Steven verteidigen."

48.
Ólav steht an Deck
und redet zu seinen Männern:
"Wem gehören diese vielen Schiffe?
Ich kenne die noch gar nicht."

50.
Da antwortete Torkil, des Königs Bruder,
er sagte also Folgendes:
"Dänemarks König und Schwedens König
wollen dich tot sehen."

51.
"Geht es gegen Norweger,
sind die Dänen bange,
besser wär's wenn sie zuhause säßen
um Vogelschwärme zu fangen."

52.
"Besser können die Schweden
mit Opferschalen hantieren,
als sich uns so zu nähern,
dass das blutige Schwert gezückt werden muss."

53.
Ólav ging das Achterdeck hinauf
und fragte sich desweiteren:
"Wem gehören diese großen Schiffe,
die hier an Backbord liegen?"

54.
Antwortete Herningur, des Königs Schwager,
er sagte also Folgendes:
"Die gehören Erik Hákunsson,
dem Tapfersten von allen."

55.
Darauf antwortete Ólav nun,
was man weithin erfahren hat.
"Scharf werden Hildes Spiele,
wenn Norweger gegeneinander kämpfen."

56.
Schwedens König kämpfte gegen Ólav
einen Morgen lang,
es war wie ins Feuer zu schauen,
die Schiffe krachten zusammen.

57.
Die Norweger köpften und stachen
mit Schwertern und mit Lanzen,
die Schweden fielen so schnell
wie Gras vom Stein verweht.

58.
Der schwedische König schreit ganz laut,
sie beten auf ihrem Fluchtweg:
"Ich habe verloren die meisten Leut
der Anblick macht mich traurig."

59.
Dänemarks König drängte voran
wollte wohl gewinnen,
Die Norweger aber standen fest
und konnten die Dänen ausdünnen.

60.
Rauch stieg auf vom Schlachtgetümmel
Der Sund färbte sich rot
Damit war klar, dass die Dänen
fliehen mussten.

61.
Erik steuert auf den Ormurin zu
mit dem glitzernden Schwert in den Händen:
"Nicht, dass Ólav damit prahlen soll,
dass ich mich schnell abwende."

62.
Knarrende Planken, Knörr an Knörr
keiner wollte fliehen:
Köpfe und Körper fielen ins Meer,
Schrecklich war's zu sehen.

63.
Einar steht vor dem Achterdeck
mit dem Wunderbogen, von dem es heißt,
dass jeder Pfeil ein Treffer ist
und der Feind einen weiteren Mann vermisst.

64.
Einar spannt den Wunderbogen,
der Pfeil spannt sich in der Sehne,
der Pfeil fliegt über den Kopf des Jarls
die Ruderpinne spritzt in Spähne.

65.
Einar spannte den Bogen noch einmal,
wollte den Jarl nun fällen,
der Pfeil flog zwischen Arm und Seite,
nichts konnte den Jarl verprellen.

66.
Erik sagt zu Finn dem Kleinen:
"Ich muss dich mal was fragen,
wer ist das mit den scharfen Schüssen
der will an meinen Kragen?"

67.
Darauf sagte Finn der Kleine:
- blutig waren die Hände -
"Es ist jener große Mann,
vor dem Achterdeck steht er."

68.
Der Jarl sagte dann wiederum:
"Dan rate ich dir dringend.
Schieß den großen Mann dort ab,
sonst muss ich um mein Leben ringen."

69.
"Bei dem Mann kann ich gar nichts machen
weil er nicht dem Tod geweiht ist,
Die Bogensehne werde ich stoppen,
da der Mann Glück hat."

70.
Einar spannte ein drittes Mal
wollte den Jarl nun treffen,
da brach die Sehne mit Stahlgewalt,
der Bogen kaputt nun.

71.
Alle hörten die Sehne zerreißen,
der König wunderte sich sehr:
"Was ist das auf meinem Schiff,
wo kommt der ganze Donner her?"

72.
Da antworte Einar der Bogenschütze:
- schmeißt seinen Bogen hin -
"Nun ist Norwegen für dich verloren,
o König, mein Herr!"

73.
"Das Reich liegt in den Händen des Herrn
und nicht im Zauberbogen,
nimm dir einen von meinen Bögen,
schau, was die vermögen."

74.
"Schwach sind des Königs Bögen!"
Möchte Einar lieber nicht sagen.
"Ich nehme mir Schild und Schwert,
an Hieben werd ich nicht sparen."

75.
Noch stand Volk an beiden Steven
darf ich kurz erinnern,
doch traurig ging es Mittschiffs zu,
weil sich dort das Volk verringerte.

76.
Erik sprang an Bord des Ormurin
mit dem Schwert in der Hand.
Herning kam vom Achterdeck
um gegen ihn zu kämpfen

77.
Gekämpft wurde auf dem Mittelschiff
möchte ich erzählen,
der Jarl musste rückwärts springen
zurück an Deck von Jarnbardur

78.
Der Jarl wählte sich starke Kämpfer
rar sind solche Leute,
sprangen schnell an Bord,
da musste Herning weichen.

79.
Úlvur der Rote vom Vorschiff springt
nun ist der Steven ledig,
so floss Blut auf dem Ormurin,
so dass das Schiff nun rot erschien.

80.
Hart war der Kampf am Mittelschiff
Schwerter schlugen auf Schilder
Úlvur und Einar sind tapfere Kämpfer,
Eriks kämpfer fallen.

81.
Erik ein weiteres Mal
hatte das Achterdeck erreicht,
da sahr er, dass der Steven
des Ormurin war genommen.

82.
Der Jarl erhob sich das dritte Mal
"Jetzt werde ich nicht nachgeben,"
da fielen Úlvur und Herning
mit allen ihren Männern.

83.
Der König rief vom Heck hinab:
"Nun ist die Niederlage klar;
springt ins Meer, meine Männer
hier gibts kein gutes Ende."

84.
Der König sprang ins Meer hinein,
die Kämpfer folgten ihm,
des Königs Bruder der letzte war,
sie taten, wie der König befahl.

85.
Erik bekam so Ormurin Langi,
was kein andrer konnte,
er nahm das Ruder selbst in die Hand
und steuerte ihn aus dem Sunde.

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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