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Die Tunika
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Wie nähe ich die Tunika?


Die Tunika ist das Basiskleidungsstück der Wikingergewandung. Während die Männer eine kurze Tunika trugen, war die der Frauen knöchellang. Vom einfachen Bauern oder auch vom Wikinger als Obergewand getragen, diente sie der höhergestellten Gesellschaft als Untergewand. Die Tuniken waren zumeist aus Leinen gefertigt; die der einfachen Leute aus eher grob gewebten, die der Adligen aus feinem Leinen.

Für meine Darstellung als Völva wähle ich für meine erste handgenähte Tunika einen roten, sehr groben Baumwollstoff, der sich optisch kaum von Leinen unterscheidet.
Die Völven gehörten keiner bestimmten Gesellschaftsschicht an, aber als Seherinnen und zauberkundige Frauen standen sie unter dem Schutz Odins und Freyas und wurden sowohl vom „einfachen Volk“ als auch von den Jarlen und Königen hoch geschätzt und verehrt. Daher konnten sie es sich leisten, Kleider aus fein gewebten Stoffen und kostbaren Garnen zu tragen. Die beiden Frauen, die im Oseberg-Schiff bestattet wurden, waren nach heutigen Erkenntnissen höchst wahrschenilich Priesterinnen, also Völven und trugen rote Kleider – eine Farbe, die sonst nur dem Königsgeschlecht vorbehalten war.


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Nachdem ich die notwendigen Maße ermittelt habe, schneide ich den Stoff in Form eines langen Rechtecks zu. Die Größe des benötigten Stoffes für eine lange Tunika wird aus der Schulterbreite und der Körperlänge von der Schulter bis zu den Füßen x 2 errechnet. Weil ich meine Tunika mit einem Gürtel trage, gebe ich noch etwas an Länge hinzu, außerdem müssen zusätzlich ein bis eineinhalb Zentimeter Saum und Nahtzugabe einkalkuliert werden, weil beim Säumen und Zusammennähen der Teile einige Zentimeter Stoff verloren gehen.

Nach dem Zuschneiden des Stoffes (Vorder- und Rückenteil bilden eine lange, rechteckige Stoffbahn) versäume ich zunächst alle vier Seiten, indem ich die Kanten zweimal umschlage, mit Stecknadeln befestige und an der inneren Saumkante entlang festnähe, so dass ein Saum von etwa 1 cm entsteht. Hierzu verwende ich orangefarbenes Häkelgarn aus Baumwolle.
Doch bevor ich mit dem Nähen beginne, bügele ich den Saum – das bringt ihn gleich in Form.




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Jetzt widme ich mich dem Halsausschnitt.
Zunächst falte ich meine Stoffbahn genau zur Hälfte, so dass Vorder- und Rückenteil genau aufeinander liegen (rechts auf rechts) und markiere die Kante vorsichtig mit dem Bügeleisen in etwa dort, wo sich später der Halsausschnitt befindet. Mit Hilfe eines Maßbandes ermittele ich die Mitte der Stoffbreite und markiere sie mit Schneiderkreide. Von hier aus messe ich zu jeder Seite 9 cm und setze auch hier wieder meine Kreide ein. Diese beiden Punkte bilden den äußeren Rand des Ausschnittes.
Nun wird es etwas abenteuerlich, denn um den gleichmäßigen Rand des runden Halsausschnitts auf den Stoff aufzeichnen zu können, verwende ich einen kleinen Teller mit einem Durchmesser von 18 cm. Zuerst lege ich die Stoffbahn mit der der inneren Seite nach oben auf meinen Arbeitsplatz. Dann lege ich den Teller so auf die zuvor entstandene Bügelfalte, dass sein Rand die äußeren Markierungspunkte berührt. Jetzt verschiebe ich den Teller vorsichtig und gleichmäßig um einige Zentimeter nach unten, so dass etwa ein Drittel des Tellers auf dem Rückenteil und zwei Drittel auf dem Vorderteil liegen und zeichne mit meiner Kreide am Tellerrand entlang einen geschlossenen Kreis. Mit Hilfe von einem weiteren, etwas kleineren Teller, zeichne ich in die Mitte des großen einen kleineren Kreis, der die Schnittkante des Halsausschnittes bildet.

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Für den Schlitz am Halsausschnitt ziehe ich eine senkrechte Linie, deren Länge ich dem gesamten Durchmesser des Ausschnitts anpasse. Jetzt schneide ich den Stoff an der inneren Kreislinie entlang aus und den zuvor markierten Schlitz ein. Um einen runden Saum zu erhalten, muss ich noch einige kleine Einschnitte an der runden Schnittkante hinzufügen. Nun kann ich die Kante wieder zweimal umschlagen, mit Stecknadeln sichern, bügeln und an der inneren Saumkante festnähen.




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Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt für die erste Anprobe der Tunika, denn nur so kann ich messen, wie viel Stoff ich für die Ärmel benötige (Saum- und Nahtzugabe nicht vergessen!). Nachdem ich die Maße ermittelt habe, schneide ich den Stoff für die Ärmel zu. Damit die Ärmel am Handgelenk nicht zu weit ausfallen, falte ich den Stoff der Länge nach zur Hälfte aufeinander und zeichne mit der Schneiderkreide eine diagonale Linie, so dass die Breite des Ärmels am Schulteransatz bestehen bleibt, zum Handgelenk hin aber schmaler wird. Auch an der Diagonale muss ich die Nahtzugabe mit einbeziehen, damit der Ärmel am Handgelenk nicht zu eng wird. Nun kann ich den überflüssigen Stoff abschneiden, die Kanten wie zuvor beschrieben säumen und die Längsseiten so zusammen nähen, dass ich einen Schlauch erhalte.



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Der nächste Schritt ist das Einsetzen der Ärmel. Doch bevor ich die Ärmel annähe, fixiere ich sie mit Stecknadeln an der Tunika und mache eine letzte Anprobe um zu überprüfen, ob auch alles gut passt. Nach dem Annähen der Ärmel schließe ich die Seitennähte – allerdings nur bis auf Waden- oder Kniehöhe, damit ich beim Laufen nicht zu sehr eingeschränkt bin. Die Seitenschlitze werden später durch ein Überkleid bedeckt.



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Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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