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Die Trinksitten der Nordmänner
Die Trinksitten der Nordmänner


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Ob bei den Wikingern, Germanen oder anderen nordischen Völkern: Das Trinken und die sie oft anschließenden Saufgelage spielten eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Die Trinkeslust förderte das Leben in der Gemeinschaft und diente auch der Demonstration von Rangunterschieden. So ist zum Beispiel in den Liedern der Edda (Liedersammlung), insbesondere in der Heldendichtung, oft ein Trinkgelage Rahmen der Handlung. Bier oder Met waren bei Festen aller Art die wichtigsten Getränke und wurde gerne und viel genossen.

So wird in der Saga von Hákon dem Guten in der „Heimskringla“, einer von Snorri Sturloson im 13. Jahrhundert zusammengestellten Geschichte der norwegischen Könige, das rituelle Trinken im Rahmen eines großen Opferfestes so beschrieben:

„Jarl Sigurd von Hladir brachte sehr häufig Opfer dar., ebenso wie sein Vater Hákon. Jarl Sigurd richtete alle Gastmähler im Namen des Königs aus.
Es war alte Sitte, dass, wenn ein Opfer stattfinden sollte, alle Bauern dorthin kommen sollten, wo der Tempel stand und dorthin ihre Vorräte bringen, die sie benutzen sollten, solange das Fest andauerte. Bei diesem Fest sollten alle Menschen an Trinkgelagen teilnehmen. Es wurden dort auch alle Arten von Vieh geschlachtet und auch Pferde. Alles Blut, das man dabei erhielt, wurde Opferblut genannt, Opferblutgefäße das, worin es sich befand. Mit Opferblutwedeln, die so gemacht waren wie Sprengwedel, sollten alle Altäre und die Wände des Tempels von außen und innen gerötet werden. Das Opferblut sollte auch auf die Menschen gesprengt werden, das Fleisch aber musste zur Bewirtung der Leute gekocht werden. Auf dem Boden in der Mitte des Tempels sollte Feuer sein mit Kesseln darüber.
Man sollte einen vollen Becher (full) ums Feuer tragen und der, der das Gastmahl ausrichtete und der Anführer war, sollte den Becher und das gesamte Opferessen weihen. Zuerst sollte es den Odinsbecher (Odins full) geben – den sollte man auf den Sieg und die Macht seines Königs trinken, dann den Njördbecher (Njardar full) und den Freysbecher (Freys full) für gute Ernte und Frieden. Damals pflegten viele Leute, als nächstes den Gelöbnisbecher (bragafull) zu trinken. Die Menschen tranken auch Becher auf ihre Verwandten, die in den Hügeln bestattet worden waren, und die wurden Gedächtnistrunk genannt.“


Der Begriff „bragafull", hier als „Gelöbnisbecher" übersetzt, wird in der ebenfalls zur Heimskringla gehörenden Ynglinga Saga noch näher erläutert:

„Zu dieser Zeit war es Brauch, wenn ein Erbmahl nach dem Tod von Königen oder Jarlen ausgerichtet werden sollte, dann sollte der, der es ausrichtete und zum Erben erklärt werden sollte, auf der Stufe vor dem Hochsitz sitzen, solange, bis ein Becher hereingetragen wurde, der Gelöbnisbecher (bragafull) genannt wurde. Jener sollte zum Empfang des Gelöbnisbechers aufstehen, ein Gelübde ablegen und anschließend den Becher austrinken. Dann sollte er auf den Hochsitz geleitet werden, der seinem Vater gehört hatte. Damit hatte er das gesamte Erbe des Toten angetreten.“


Inwieweit die obige Schilderung des Opferfestes an sich als authentisch angesehen werden kann, ist fraglich, doch die Beschreibung der Trinksitten kann durchaus als zutreffend angesehen werden. Schwüre bei Trinkgelagen werden in zahlreichen Quellen erwähnt, besonders dann, wenn es sich um eine Totenfeier handelt, in deren Rahmen der Sohn das Erbe des Vaters antritt. Eine sehr amüsante Darstellung eines solchen Erbmahls, bei dem sich die Anwesenden mit ihren Versprechungen, wie bei einer Versteigerung gegenseitig zu übertreffen versuchen, enthält etwa die Saga der Jomswikinger (Jómsvikinga saga). Dass Totenfeiern in der Regel mit Trinkgelagen verbunden waren, ist sicher – im Schwedischen heißen solche Zusammenkünfte noch heute gravöl, „Grabbier“.

Das gemeinsame Trinken war ein bedeutender Bestandteil heidnischer Opferfeste. „Ágrip af Nóregs konunga sögum“, eine kurze Geschichte der norwegischen Könige, lässt sogar darauf schließen, dass die Trinkgelage als Merkmal religiöser Feiern auch nach der Christianisierung erhalten blieben:

„Er (König Olaf Tryggvason) war 27 Jahre alt, als er nach Norwegen kam, und in den fünf Jahren, in denen er den Königstitel trug, christianisierte er fünf Länder: Norwegen, Island, die Shetlandinseln, die Orkneyinseln und als fünftes die Färöerinseln. Er errichtete eine Kirche auf seinem Haupthof, schaffte alle Opfer und Opfergelage ab und ließ sie mit Zustimmung der Leute ersetzen durch Feiertagsgelage an Jul und Ostern, das Bier (mungdt) zur Johannesmesse und das Herbstbier (haustöl) zur Michaelsmesse.“
Olaf Tryggvason war von 995 bis 1000 König über Norwegen.


Die Trinkregeln der Wikinger und Nordmänner

Wie in vielen Kulturen unterlag das Trinken bei den Nordmännern gewissen Regeln und konnte in verschiedenen Formen durchgeführt werden.
  • Bei Gemeinschaftsumtrünken (sveitaedrykkjur) wurde ein Trinkhorn oder Becher im Kreis herumgereicht, aus dem alle nacheinander tranken.
  • Beim Zweiertrinken (tvimenningr), auch „Zurhälftetrinken“ (drekka till hálfs) genannt, tranken zwei Personen miteinander aus einem Gefäß.
  • Beim Einzeltrinken (einmenningr) hingegen, sozusagen der härtesten Stufe, leerte jeder Beteiligte ein ganzes Horn. Bei „unehrlichem“ Trinken kam es dabei leicht zu Streitigkeiten, was literarisch häufig erwähnt wird. Als besonders ehrenvoll galt es offenbar, sich vor dem Trinken mit dem auf der anderen Längsbank gegenüber sitzenden Trinkpartner zu erheben, gemeinsam bis zum Feuer in der Mitte des Raumes zuzugehen und ihm von dort aus zuzutrinken.

Die ausführlichen Beschreibungen von Wikinger-Gelagen liefert die Saga von Egil Skalla-Grimsson (Edils saga Skalla-Grimssonar). Sie nennt als Trinkspruch im übrigen nicht das erst deutlich später in Skandinavien gebräuchlich gewordene skål, sondern schlicht und einfach: ”Ich trinke dir zu”. In den literarischen Texten ab dem 13. Jahrhundert wird gelegentlich auch geschildert, dass vor Beginn des Gelages alle anwesenden Männer und Frauen in gemischten Paaren durch Losentscheid zum gemeinsamen Trinken eingeteilt wurden. Die jeweils Überzähligen sollten für sich trinken.

”Und am Abend, wenn volle Becher (full) getrunken werden sollten, war es Brauch von Königen, die auf ihren Ländereien saßen oder bei Gastmählern, die sie ausrichten ließen, dass am Abend paarweise (tvimenningr) getrunken werden sollte, je ein Mann und eine Frau, soweit es aufging, die aber für sich, für die es nicht aufging. Es waren aber Wikingergesetze (vikinga lög), dass sie, wenn sie bei Gelagen waren, alle gemeinsam tranken (sveitaedrykkja).“


Ob dies glaubhaft ist, lässt sich schwer beurteilen. Interessant ist in diesem Zusammenhang jedenfalls eine Episode aus der bereits erwähnten Ynglinga Saga, der zufolge es unter Wikingern nicht üblich gewesen sein soll, zusammen mit Frauen zu trinken:

„König Hjörvards Ehrenplatz war dem König Granmars gegenüber errichtet, und alle Männer saßen auf dieser Bank. Da sprach König Granmar zu seiner Tochter Hildigunn, dass sie sich bereit machen und den Wikingern Bier bringen solle. Sie war eine sehr schöne Frau. Daraufhin nahm sie einen Silberkelch, füllte ihn, trat vor König Hjörvard und sprach: ‚Seid willkommen, alle Ynglingar, zum Gedächtnis an Hrolf Kraki.’ Sie trank die Hälfte und gab den Kelch König Hjörvard. Er nahm ihn und zugleich ihre Hand und sprach, dass sie kommen und bei ihm sitzen solle. Sie sagte, es sei nicht Wikingersitte (vikinga sid) mit Frauen paarweise zu trinken. Hjörvard meinte, es sei davon auszugehen, dass er Veränderung durchführen werde und lieber die Wikingergesetze sein lassen und paarweise mit ihr trinken werde. Darauf hin setzte sich Hildigunn zu ihm, sie tranken zu zweit miteinander und redeten viel während des Abends.“


Die Getränke der Wikinger und Nordmänner

Die Wikinger liebten alkoholartige Getränke, für deren Konsum sie berühmt waren. Am liebsten tranken sie Bier, Wein und Met. Das Bier der Wikingerzeit darf man sich geschmacklich nicht vorstellen wie das Bier unserer Tage. Es wurde aus den verschiedenen Getreidesorten hergestellt und mit Beeren, Gagel (strauchartige Pflanze) und Sumpfporst (Heidekrautgewächs) gewürzt. Bei Ausgrabungen konnten Reste eines mit Honig gesüßten Bieres nachgewiesen werden. Die Bierhefe war obergärig wie bei unserem Kölsch oder Hefeweizenbier.
  • Für Bier gab und gibt es im Altnordischen unterschiedliche Namen: z.B. Ol (gesprochen öl, so heißt „Bier“ noch heute in den skandinavischen Sprachen), bjòrr (deutlich erkennbar ist die Verwandtschaft zum deutschen Wort „Bier“) und mungát. Dabei wird bjòrr häufig für importiertes Bier verwendet, mungát eher für zu Hause gebrautes, einheimisches und schwächeres Bier. Am häufigsten ist jedoch die neutrale Bezeichnung Ol anzutreffen, die keine Aufschlüsse über Herkunft oder Beschaffenheit des Bieres zulässt.
  • Wein, wie wir ihn heute kennen, wurde nicht von den Wikingern angebaut und hergestellt. Er wurde nur teuer eingekauft, oder, was wahrscheinlicher ist, aus Beutezügen mitgebracht.
  • Met, also Wein aus gegorenem Honig, spielt zwar in der nordischen Sagenwelt eine wichtige Rolle, war in der Herstellung aber schwieriger und wurde deswegen bei weitem nicht so häufig getrunken wie Bier.


Allerdings kann man für die Wikingerzeit und das Mittelalter keine ganz klare Trennlinie zwischen den Getränken Bier und Met ziehen, denn es gab vielfach Mischformen davon (beispielsweise honiggesüßtes Bier oder kräutergewürzter Met).

Der Römer Tacitus berichtet voller Ehrfurcht über die im Norden lebenden Barbaren:

„Dann gehen sie in die Geschäfte, nicht selten zu Trinkgelagen, stets in Waffen. Tag und Nacht durchzechen gilt keinem als Schande. Die natürliche Folge solcher Trunksucht sind häufige Handel, und selten bleibt es bei Schmähwörtern, meist kommt es zu Wunden und Totschlag. Aber auch Versöhnung mit Feinden, Abschluss von Eheverbindungen, Wahl der Häuptlinge, selbst Frieden und Krieg werden meist beim Becher beraten, gleich als sei nur zu solcher Stunde die Seele offen für einen aufrichtigen Gedanken oder für einen großen leicht erwärmt.“


Die Lieder der Nordmänner waren nicht nur Lieder zum Trinken, wie wir sie heute kennen, sondern eher eine Art von Kommunikationsform, um von Göttern, Helden und Schicksalen zu erzählen. Diese Geschichten wurden dann bei den Gelagen am Feuer zum Besten gegeben. Je nach Thema hatten diese Lieder oft mehr als 30 Strophen. Die Edda, das Hauptwerk der altnordischen Mythologie, spielt dabei eine herausragende Rolle.


Quelle:.

Skål!: Alte Trinksprüche und Sauflieder
Regionalia Verlag GmbH, Rheinbach
ISBN: 978-3-939722-40-3

Siehe auch: Das Sumbel

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
Trinksprüche der Nordmänner



Wir weihen diesen Trunk der wiedergeborenen Sonne,
der Mutter Erde
und den Müttern unseres Stammes.
Viel Glück im neuen Jahr und danke für das alte

Germanenspruch (um 100 vor Chr.)



"Thor weihe dieses Horn ...
( "Hammerzeichen", "Handbewegung" ) ...
Wir weihen diesen Met den Asen und Vanen,
der heiligen Mutter Erde
und unseren Ahnen und denen,
und denen, die kommen werden. Heia!"

Einfache Metweihe aus der Überlieferung der Germanen (um 300 vor Chr.)



Leeret mit Andacht das Horn,
den Met, der den Göttern entstammt-
Wer redet vorschnell im Zorn
der trinke, bis Weisheit entflammt.

Spruch aus dem Norden (um 300 vor Chr,)



Auf das Fleisch für den Hunger,
auf den Met gegen den Durst
Auf gute Freunde für Spaß
Und Walhall, wenn du stirbst

Überlieferung aus dem Norden (um 1000)



"Heil Asen, Heil Asinnen,
und alle hochheiligen Götter!"

Lokasenna aus der Edda (um 1200)



Odin sei Dank, für alles, was wir haben

Volksmund aus dem Norden (um 1260)



Quelle:.

Skål!: Alte Trinksprüche und Sauflieder
Regionalia Verlag GmbH, Rheinbach
ISBN: 978-3-939722-40-3

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
Oh wie fein, ich hätte da noch eine kleine Ergänzung.

Grade jetzt zum Jahreswechsel war es üblich seine Ritualgetränke mit verschiedenen Gewürzen und Ähnlichem anzureichern.

Dabei ist es interessant zu wissen warum der Fliegenpilz als Glücksbringer und Glückbote heute immer noch Verwendung bei uns findet!

Zwischen Weihnachten und Neujahr werden kleine Pappmachenachbildungen von Fliegenpilzen verkauft. Der Fliegenpilz gilt gemeinhin als ein glücksverheißendes Symbol für das kommende Jahr, für die lichterfüllte Zukunft. Seine typischen Farben Rot und Weiß sind schließlich die Farben der Kostüme der Weihnachtsmänner.

Der Ursprung des Fliegenpilzes wird nach südgermanischer Überlieferung mit Odin/Wotan und dessen wilder Jagd (Wildes Heer/Wütis Heer) assoziiert:

"Der Gott Wotan ritt am Weihnachtsabend auf seinem Pferd aus und wurde plötzlich von Teufeln verfolgt. Das Pferd fing an zu galoppieren, und dabei tropfte rotgesprenkelter Schaum von seinem Maul. Wo der Schaum hinfiel, erschienen im folgenden Jahr die bekannten weißgefleckten, roten Hüte der Fliegenpilze. Der Fliegenpilz war früher auch unter dem Namen "Rabenbrot" bekannt."


Nun waren aber die Raben ebenfalls dem Wotan/Odin heilig; mehr noch, er besaß zwei Raben - Hugin, "Gedanke/Denken", und Munin, "Gedächtnis/Erinnerung", genannt -, die ihm stets berichteten, was in der Welt vor sich geht. Diese beiden Raben, gleichzeitig die seherischen, schamanischen Augen des Gottes, als auch die wichtigsten Funktionen des Gehirns symbolisierend, ernährten sich - der Sage nach - vom Rabenbrot, dem Fliegenpilz. Der Fliegenpilz aber ist ein uraltes Sakrament der Seher und Schamanen der nördlichen Hemisphäre.
Der gezielte Genuss des Pilzes bewirkte Einblicke in die Geheimnisse der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, er ließ Lichterscheinungen und Lichtwesen auftreten und schenkte aphrodisische Seligkeit. Wer den Fliegenpilz einnimmt, gibt seinen inneren Raben, seinem Denken und seiner Erinnerung, gutes Futter, wie es sich für das Minnebier, den "Erinnerungstrunk", gebührt. Und im Julfest geht es um die Erinnerung an die Ahnen und das Denken an die Zukunft.

Der Fliegenpilz ist in allen germanischen Gebieten Mittel- und Nordeuropas weit verbreitet. Er ist sicherlich die häufigste wilde Rauschpflanze und tauchte früher unter dem volkstümlichen Namen Narrenschvamm in der Literatur auf. Es heißt auch, dass die Germanen ihren Rauschtrünken neben Honig und Eichenrinde auch Narrenschwämme zusetzten." Die sibirischen Kamschadalen und Korjaken lassen Mixturen aus getrocknetem Fliegenpilz, der bei ihnen Muchumor oder Naliv heißt, ausgepressten Rauschbeeren und Getreiden (Wildgräser, Gerstenarten) gären und nehmen dieses Bier rituell zu sich:" "Der Muchumor der Korjaken, ein Gebräu aus Fichten, Tannen, Roggen, Gerste und einer bei ihnen wachsenden Pflanze Naliv genannt, das angeblich so gut schmeckt, dass die Armen, die sich dieses Getränk nicht erzeugen, da nur die Vornehmen es bei ihren Festen genießen, sich um die Häuser derselben lagern und wenn einer derselben sein Wasser abschlägt, dasselbe in Schalen auffangen und sich von demselben berauschen. Der Wirkstoff des Fliegenpilzes wird unverändert mit dem Urin wieder ausgeschieden. Wer also den Urin eines Fliegenpilz-berauschten trinkt, der wird selber einen Rausch erleben.


Ein Autor dieses Berichtes ist leider nicht bekannt.
Birta Svensdottir hat folgendes Bild angehängt:
fliegenpilz.jpg

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