Thema drucken
Das allerste Julfest
www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/yule_image1.jpg
Das allerste Julfest
Eine mystische Geschichte zum Julfest

Aus Irland von einem unbekannten Autor


Es war einmal vor langer Zeit, da lebte eine wunderschöne junge Frau auf einer blauen und grünen Insel. Sie hatte viele Freunde auf dieser Insel, die Feen, Bäume, Blumen, Hasen, Rehe und Vögel - aber sie war die einzige Person die dort lebte.
Sie wollte gerne ihre Freunde und ihr Wissen mit anderen teilen, die so waren wie sie selbst und so fing sie an, Töchter zu gebären. Jeden Monat, wenn der Mond sich versteckte und nicht zu sehen war, brachte sie eine Tochter zur Welt. Die ersten sechs Monate Töchter mit dunkler Haut und dunklen Augen, die anderen Monate brachte sie Töchter mit heller Haut zur Welt. Jedoch im siebten Monat eines jeden Jahres schenkte die erste Mutter einem magischen, heiligen Eichenbaum das Leben.

So vergingen viele Jahre, viele Töchter wurden geboren und auch eine stattliche Anzahl von Eichenbäumen wuchs zu stattlichen Bäumen heran. Die Töchter spielten miteinander oder mit den Tieren, sie kletterten auf die Äste der Eichen und pflückten Blumen mit den Feen.
Eines Tages brachte die erstgeborene Tochter der ersten Mutter selbst eine Tochter zur Welt. Die erste Mutter war sehr stolz und ihre Freude war groß. Ihr bester Freund, eine sehr alte weise und heilige Eiche, gab ihr eine silberne Krone als Geschenk und sagt ihr, dass sie nun eine Großmutter, die Große Mutter, wäre.
Bald darauf wurden auch die anderen Töchter Mütter, gebaren ebenfalls Töchter und die Insel wurde ein noch glücklicherer Platz - bewohnt von Neugeborenen, kleinen Mädchen und Müttern, die alle zusammen mit den Tieren, den Bäumen, den Pflanzen und den Feen in Einklang lebten.

In einer Winternacht jedoch, als der Mond sich wieder einmal versteckte, geschah etwas völlig Unerwartetes.
Es war jene besonders dunkle und kalte Nacht, die längste Winternacht des Jahres, in der sich die Töchter mit ihren Kindern und all die Tiere ganz eng aneinander drängten, um es warm und kuschelig zu haben.
In eben dieser Nacht brachte eine der Töchter ein Kind zur Welt, das anders war als alle Neugeborenen, die man auf der Insel je gesehen hatte. Es war keine Tochter, es war auch kein Eichenbaum - sondern es war ein kleiner Junge.
Nachdem sich das Erstaunen und die Aufregung über das neugeborene Kind gelegt hatte, merkten die Töchter und die Tiere, das es dem kleinen Jungen gar nicht gut ging. Er war nicht so stark wie die anderen Kinder, die gewöhnlich auf der Insel zur Welt kamen. Alle begannen sich zu sorgen und versuchten zu helfen, um ihn zu wärmen. Die Tiere mit dem weichsten und kuscheligsten Fell rückten ganz nahe an die Mutter und den kleinen Jungen heran, die Feen stäubten Zauberstaub auf ihn und die kleinen Mädchen sangen wundervolle Lieder und tanzten durch den Raum.
Aber der kleine Junge konnte nicht warm genug werden und schon bald fehlte ihm sogar die Kraft, zu weinen oder die heilende Milch seiner Mutter zu trinken.

Die Große Mutter war voller Sorge und hatte schreckliche Angst um den kleinen Enkelsohn. Sie versuchte ihre Tränen vor ihren Töchtern zu verbergen und lief deshalb hinaus in den Wald. Der Schnee lag sehr tief und glitzerte weiß. Sie versuchte zu laufen, aber der Schnee lag allzu tief und sie kam nicht vorwärts.
Da kam ihre Freundin, die große mächtige und kluge Eule, ergriff sie und trug sie empor über die mit Schnee beladenen Bäume, tief in den magischen Wald hinein - dorthin, wo die heilige Eiche, ihr ältester und weisester Freund, lebte - ihn wollte die Große Mutter um Rat fragen.

Doch als die Eule die Lichtung erreichte, wo die heilige erste Eiche lebte, stockte der Großen Mutter der Atem. Dort lag kein Schnee auf dem Boden und in der Mitte der schneefreien kreisrunden Fläche lag ihr Freund, die heilige Eiche. Der einst so mächtige Baum war zu Boden gefallen und zu einen großen Haufen von Ästen und Holzscheiten zerbrochen. Sie rannte herbei und kniete neben den zerbrochenen Baum nieder und ihre Tränen, die über ihre Wangen kullerten, wurden zu Eistropfen.
Noch während sie versuchte zu verstehen, was mit ihrem lieben Freund geschehen war, kam ein weißer Wolf in den Kreis und ließ sich neben ihr nieder. Zuerst küsste der Wolf ihre Tränen weg und flüsterte dann der Großen Mutter ein Geheimnis ins Ohr.
Die Große Mutter begriff die weisen Worte des Wolfes und mit seiner Hilfe sowie Unterstützung der Eule sammelte sie rasch einige der Äste von ihrem Freund der Eiche und gemeinsam kehrten sie damit zu den Töchtern und dem kleinen Jungen zurück.

Mit den Geschenken der Eiche und dem geheimen Wissen des Wolfes entfachte die Große Mutter das allererste Feuer, das man auf der Insel jemals gesehen hatte.
Die Feen waren zunächst erschrocken, hatten sie doch noch niemals etwas ohne Flügel so tanzen gesehen. Die Tiere lachten, denn außer bei den Frühlingsblumen hatten sie niemals zuvor so helle Farben gesehen. Die Töchter wussten nicht ob sie lachen oder weinen sollten, denn sie hatten niemals mitten im Winter etwas so Warmes gefühlt, das sie an den warmen Sand an einem Sommertag am Strand erinnerte.
Die Große Mutter brachte den kleinen Jungen nahe ans Feuer heran - näher als jeden der anderen. Nach einer Weile öffnete er seine Augen, erst nur ein kleines bisschen und bewegte etwas die Finger doch dann lächelte er und bewegte auch seine Zehen. Als ihm warm genug war kuschelte er mit seiner Mutter, trank Milch und bald waren sich alle sicher, dass es dem kleinen Jungen nun schon viel besser ginge. Die Töchter, die Feen, die Tiere - sie alle freuten sich und waren glücklich, so dass sie fröhlich um das Feuer herum tanzten, ihre Lieblingslieder sangen und kleine Geschenke für das Feuer herbeibrachten, um ihm für seine Hilfe zu danken.

Der kleine Junge wuchs zu einem starken, kräftigen Mann heran und das verdankte er dem Geschenk, das die erste Eiche so selbstlos für ihn gegeben hatte. Er hatte viele Söhne und lehrte sie alle, zur Zeit des siebten Dunkelmondes Eicheln in den Boden zu legen, damit immer viele Eichen auf der Insel wachsen sollten.

Jeden Winter aber, in der längsten, kältesten und dunkelsten Nacht des Jahres, entzündeten die Menschen, die auf der blauen und grünen Insel lebten, ein ganz besonderes Feuer.
Sie fällten einen sorgsam ausgesuchten Baum, den sie mit glänzenden Verzierungen und glitzerndem Feenstaub ehrten. Dann nahmen sie nur einen ganz besonderen Ast, sagen ihr Lieblingslieder und schmückten diesen ganz besonders schön. In einer feierlichen Zeremonie schenkten sie diesen Ast dann dem Feuer als ein besonderes Geschenk.
Sodann saßen alle in einem Kreis um das Feuer, erfreuten sich an seinem flackernden Licht und seiner Wärme und den Kindern wurde die Geschichte von dem Geschenk der ersten Eiche erzählt und das Geheimnis, das der weiße Wolf einst der Großen Mutter verriet, wurde allen weitergegeben …


Seitdem werden in der längsten Nacht des Jahres Kerzen angezündet oder ein Feuer entfacht und erinnern an die Geschichte von der Eiche, der Großen Mutter und dem weißen Wolf, der ihr das Geheimnis verriet:
"Egal wie kalt und dunkel es auch sein mag, die Sonne wird immer wiedergeboren werden und uns wieder Licht und Wärme bringen."

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

Springe ins Forum:

6,099,023 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang