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Ogma - Schutzgott der Beredsamkeit
Die Kelten hatten für ihre Sprache einen eigenen „Schutzgott der Beredsamkeit“ - Ogma, der seine Zuhörer mit seinen kunstvollen Worten „zu fesseln" verstand.

Die Sprache war bei den Kelten eine hohe Kunst, mit der die Bewahrung und Weitergabe von heiligem Wissen, die eigene verbindende Mythologie und die gesellschaftlichen kulturellen Normen weitergegeben wurden. Diese hohe Kunst voller reichhaltiger Symbolik und Humor, oftmals verschlüsselt und nur den in der Mythologie Eingeweihten zugänglich, wurde vor allem von den Fili und Vates bei ihren Vorträgen an Samhain gepflegt. Diskussionen entwickelten sich oft zu Wettbewerben, wer wohl der bessere „Sprachkünstler“ sei.

Sprache war bei den Kelten Kunst und höchstes Gut - aber nur in mündlicher Form. Die Schrift als sprachlicher Ausdruck war bei diesen „Heiden“ aus religiösen Gründen ein Tabu. Ausnahmen von diesem Tabu galten ausschließlich für die Druiden und zwangsläufig - aber eingeschränkt - für die Händler. Daher gibt es auch nur wenige schriftliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit.

Die keltische „Ogam Schrift“ entwickelte sich etwa vom 3. - 6. Jahrhundert - absolut sicher ist diese Datierung aber nicht. Das Ogam-Alphabet bestand aus 13 Konsonanten (b, c, d, f, g, h, l, m, n, p, r, s, t), fünf kurzen Vokalen (a, e, i, o, u) und fünf langen Vokalen (á, é, í, ó, ú). Geschrieben wurden die einzelnen Buchstaben durch Gruppen von ein bis fünf Kerben für die Konsonanten bzw. Punkten für die Vokale.

Es galt aber in erster Linie das gesprochene Wort - auch bei Verträgen oder Abmachungen gab man sich „das Wort darauf“. Wissen wurde grundsätzlich nur mündlich weitergegeben.

Diese hoch entwickelte Sprachkunst stärkte das Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl der Kelten. Das aber war den weniger redegewandten Römern (besonders der „Oberschicht“) nicht recht. So kompensierten die militärisch überlegenen Römer ihre rhetorische Unterlegenheit dadurch, indem sie die feine, kultivierte keltische Ausdrucksweise als leere Phrasen und Prahlerei bezeichneten und stattdessen auf ihr eigenes Schrifttum verwiesen - erfolgreich übrigens, denn mit Cäsars „De Bello Gallico“ musste ich mich in meiner Schulzeit reichlich „beschäftigen“.

was ich Cäsar heute noch "übel" nehme
Bearbeitet von Manfried am 09-01-2011 20:01

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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