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Der Julbock
Der Julbock

Erstaunlich finde ich es immer wieder, das sich das Christentum, mal wieder zur Weihnachtszeit, so unglaublich vielen heidnischen Bräuchen bedient!
Nun bedient sich ich ja eigentlich nicht die Kirche, sondern die Menschen, die Ihre Traditionen bewahren und weiter geben möchten. Das man nun dem Christentum angehört hat niemals (einige) die "Heiden" davon abgehalten die Riten und Feste auch zum Weihnachtsbrauch beizubehalten. Einen Brauch, der grade in Skandinavien ein fester Bestandteil des christlichen Weihnachtsfestes ist, möchte ich hier beschreiben, denn es gibt über den Julbock viele Erzählungen und unterschiedliche Riten.

www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/Julbock.jpgAllgemein ist zu sagen das der aus Stroh gebundene Bock ( Ziegenbock) ein Teil des Rituales zur Verehrung der Sonne war, also ein fester Bestandteil der Wintersonnenwende und des Julfest (Mitte Dezember und Mitte Januar). Er stand für Fruchtbarkeit und Erneuerung, woran auch das Stroh des Bock-Körpers erinnert.
Im Mittelpunkt dieses wichtigen Festes stand früher der Gott Odin oder Wodan und sein Sohn Thor oder Donar .Odin war der Gott der Erkenntnis, der Runenmagie oder der Totengeleite. Deshalb wurden in der Julzeit besonders die Toten, also die Ahnen und Vorväter, geehrt.
In heuigen nordischen Bräuchen erscheinen erstmals die Julböcke, die zu Anfang der Julzeit (heutzutage am l. Advent) zu Ritualen verwendet werden. Diese Opferpuppen werden in der Mitwinternacht oder am 24. Dezember verbrannt, um die wiedergeborene und zurückkehrende Sonne zu begrüßen. Ein Opfer an die Götter zu denen auch natürlich Speisen und Getränke gehörten.

In der Julzeit wurde auch der Vegetations- und Fruchtbarkeitsgott Freyr, der das Wachstum des Getreides (Strohkörper des Bocks) bewirkte und somit den Grundstoff des Bieres zur Verfügung stellte, verehrt.
In der Saga von Hervör wird das Julopfer an Freyr beschrieben:
"König Heidrek brachte Freyr ein Opfer dar; er wollte Freyr den größten Eber anbieten, auf dessen Borsten man in allen wichtigen Angelegenheiten schwören musste. Dieser Eber nun sollte als Sühneopfer dargebracht werden; dort pflegten die Männer die Hände auf seine Borsten zu legen und heilige Gelübde abzulegen."

Skandinavische Sagen stellten sich den Julbock als dämonisches Wesen mit Hörnern vor, der einen Ziegebock glich, jedoch größer war. Im Sommer hält er sich in tiefen Wäldern oder unzugänglichen Bergen versteckt. In der Adventszeit kommt er jedoch zu den Höfen und Häusern, um dann am Heiligabend in die Häuser der Menschen einzudringen. Im Haus nahm er häufig zuerst hinter dem Ofen Platz. Dort wurde er meist mit Julbier besänftigt damit er keinen Schabernack trieb!
Auch wenn der Julbock fast als ein "böser" Dämon erscheint, der z.B. kleine Kinder holte, wenn man ihn nicht mit einem Opfer besänftigte, war er jedoch immer das schon erwähnte, doch positive, Fruchtbarkeitssymbol.

Thors wagenziehende Böcke Tanngrísnir (Zähnefletscher) und Tanngnjóstr (Zähneknirscher) erinnern dabei an die Darstellung des Julbocks. Aus der germanischen Mythologie kennt man ebenfalls den Widder der auch als Fruchbarkeitssymbol verehrt wird.
In einer bekannten Thor-Geschichte werden die Böcke zum Mahl geschlachtet, erstehen anschließend aber wieder auf.
Neben dieser wiederkehrenden Fruchtbarkeit sind auch verschiedene Beziehungen zu Blitz und Gewitter belegt, deren Symbol häufig Ziegenhörner sind.
Man erzählt sich das durch Blitzschlag getötete Ziegen nicht verspeist werden durften, sie wurden als Thorsopfer betrachtet.

Tradiotionen unterscheiden sich aber auch in der Handhabung mit der Stohziege. Während die einen ihm Opfer brachten mit Speisen und Bier, verbarnnten die anderen den Bock und bewarten die Asche um damit ihre Felder zu bertreuen, um sie fruchtbarer zu machen.
Ebenfalls ist es auch heute noch Brauch, in einigen Teilen von Skandinavien, das junge Männer sich verkleiden. Sie schlüpfen in eine Art Ziegenkostüm vobei die getragende Maske mit Ziegenbart und Hörnern an den Bock erinnert. Sie tanzten dabei laut durch die Straßen und meckerten wie Ziegen. Dem Mädchen das den Bock als erstes schreien hört rät man bald zu heiraten.
Auch das Julklapp erinnert an dieses laute Ziegengemecker. Geschenke werden mit viel "Geschrei" unter den Julbaum "geworfen".
Manche stellen den Julbock unter den Tisch um ihn an den Feierlichkeiten teil haben zu lassen, in vergangenden Zeiten hat der Julbock die Geschenke gebracht. Das Wort Weihnachtsmann im Finnischen heißt heute noch "Joulupukki", das übersetzt bedeutet: JULBOCK.

Ich wünsche allen eine schöne und feierliche Julzeit! Gedenkt der Ahnen, tanzt, esst, trinkt und lacht, denn:

Hast du einen Gast am Tisch, hast du die Götter am Tisch!

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