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Das Taufwasser aus dem Heiligen Brunnen
„Das Taufwasser aus dem Heiligen Brunnen“ ist eine weitere Geschichte aus dem Duisburger Sagenschatz. Ihre Erzählform ist stark christlich geprägt und ihre Handlung spielt in der Zeit, als die Normannen die Stadt belagerten …
Den "Heiligen Brunnen" gibt es noch heute; durch die Eroberung der Normannen im Jahre 883 wurde die Stadt Duisburg das erste Mal schriftlich erwähnt.


Das Taufwasser aus dem Heiligen Brunnen


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Als der heilige Ludgerus von einer Insel in der Ruhr bei Werden das Christentum auch zu den Weilern und Dörfern im Westen seiner Niederlassung bringen wollte, gelangte er eine Tages in den Duisburger Wald. Dort traf er die heidnischen Bewohner der ganzen Umgegend beim Heiligen Brunnen versammelt. Er hörte einen in ein weißes Gewand gehüllten Priester Gebete zu den Göttern sprechen, während er mit dem reinen Wasser der Quelle den Erschienenen Haupt und Hände benetzte. Dann sah er die ganze Gemeinde mit ihrem Priester zum Gipfel des Hömbergs hinaufsteigen, wo sie ihren Göttern ein Opfer darbrachten.

Der heilige Ludgerus ging betrübt wieder zu seinem Kloster auf der Ruhrinsel zurück und dachte lange darüber nach, wie er die heidnischen Germanen zwischen Anger und Ruhr für die Sache des Christentums gewinnen könne. Er kam zu dem Entschluss, ihnen von Jesus wie von einem germanischen Helden zu erzählen und von seinen Aposteln wie von dessen tapferen Gefolgsleuten. Oft zog er dann zum Heiligen Brunnen hinaus und predigte dort von dem mächtigen Heiland. Seine frohe Botschaft fand bei den Heiden großen Anklang, so dass nach und nach die gesamte Bevölkerung vom Duisburger Wald bis zum Rheinbogen bei Mündelheim den Gott der Christen verehrte.
Die Taufen nahm der heilige Ludgerus am Heiligen Brunnen vor. Sein Wasser, das bisher den Heiden als Zeichen der Reinigung und Heiligung gedient hatte, wurde nun in gleicher Weise zum Sinnbild der Befreiung von einer schweren Schuld und der Eingliederung in die Gemeinschaft der Reinen und Geheiligten. Auf dem Gipfel des Hömbergs wurde auch dem heiligen Ludgerus ein Opfer dargebracht. Doch war an die Stelle des heidnischen Tieropfers das heilige Messopfer getreten.
Als man in Duisburg die Salvatorkirche gebaut hatte, wurden die Taufen nicht mehr im Duisburger Wald am Heiligen Brunnen vollzogen, sondern in dem neuerstandenen Gotteshaus. Doch wurde an der alten Sitte festgehalten, das Taufwasser aus dem Heiligen Brunnen zu schöpfen. In jeder Woche ging ein Messner am Tage vor der Taufe der in der vergangenen Woche geborenen Kinder zum Heiligen Brunnen, um in einem großen, irdenen Krug dessen reines, klares Wasser herbeizutragen.
Als eines Tages die räuberischen Normannen Duisburg von allen Seiten über lange Zeit belagerten, um es zu erobern und zu plündern, war es dem Messner nicht mehr möglich, aus der Stadt herauszukommen und das Taufwasser am Heiligen Brunnen zu holen. Da entschloss man sich, einen Gang unter der Erde von der Kirche bis zum Heiligen Brunnen zu graben. Die Täuflinge aber mussten lange Zeit bis zu der feierlichen Handlung ihrer Aufnahme in die Kirche warten.
Als die Duisburger die schweren Erdarbeiten beendet und den unterirdischen Gang vollendet hatten, wurde in der Stadt ein Tauffest gefeiert, wie man es bis dahin noch nicht erlebt hatte. Der Messner hatte mehrere Krüge mit Taufwasser vom Heiligen Brunnen herbeischaffen müssen, weil die Zahl der Täuflinge während der langen Bauzeit des unterirdischen Grabens sehr groß geworden war. Auf den Tauffeiern in den Häusern der Bürger musste der Messner mit seinen Begleitern allüberall erscheinen und von seinem abenteuerlichen durch den geheimen Stollen erzählen.
Einige Zeit danach rückte ein mächtiger Herzog aus Ostfranken und ein großer Bischof aus Mainz mit großer Heeresmacht heran und vertrieben die Normannen aus ihrem Lager vor der Stadt Duisburg. Sie zogen ab und setzten ihr Lager in Brand. Von jetzt ab konnten die Duisburger ihr Taufwasser wieder auf dem gewöhnlichen Weg vom Heiligen Brunnen holen lassen. Da der unterirdische Gang nicht mehr benötigt wurde, hielt man ihn auch nicht mehr instand. Die Stützen der Decken brachen, so dass er an vielen Stellen einstürzte.

Quelle:
Der Heilige Brunnen – Duisburger Sagen, Legenden und Erzählungen
Neu erzählt von Karl Heck und Hans Homann
Mercator-Verlag Duisburg, 1967

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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