Thema drucken
Wendeschuhe
Wendeschuh


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/wendeschuh_1.jpgHier gibt es zahlreiche Schnittmuster für den Schuh, aber typisch für die Schuhe war wohl das verwendete Ziegenleder als Oberleder und der starken, dicken Rindledersohle.
Viele Abbildungen zeigen einen knöchelhohen oder stiefelartigen Schuh. Da solche Schuhe zu den "Luxusartikeln" zählten, wurden bei der Unterschicht Holzschuhe getragen oder das Leben barfuss beschritten.

In einen Projekt haben wir versucht einen wendegenähten Schuh selber zu fertigen. Hier findet ihr nun eine bebilderte Anleitung wie die Schuhe entstanden.Meine Vorlage entspricht einem "Haithabu-Schuh", allerdings mit nur zwei (im Museum mit drei Verschlüssen abgebildet)Verschlüssen und Holzknebelknöpfen.


Als Erstes sollte man seine Schuhgröße ermitteln:

www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/wendeschuh_2.jpgDen Fuß auf ein Stück Papier übertragen. Dabei sollte man darauf achten das man den „Fußabdruck“ auf dem Papier noch etwas in Form bringt, d.h. den Fuß eventuell zu verschmälern an den Seiten, damit man später keinen Breitfuß-Schuh hat!
Ist die Form der Sohle fertig, kann sie anschließend auf das Rindsleder übertragen und ausgeschnitten werden, ein scharfes Skalpell oder Messer sind dabei hilfreich. Um eine Schablone für das Oberleder zu bekommen, gibt es einen, wie ich finde, ganz tollen Trick:
Wenn ihr, wie wir, eine Socken fressende Waschmaschine habt, ist bestimmt eine einsame Socke übrig, die man jetzt verwenden kann. Die Socke anziehen und dann, eng anliegend (aber nicht zu eng) den Fuß mit Socke in Klebeband einwickeln.
Am Besten dabei helfen lassen, da die Klebestreifen sorgfältig und glatt angebracht werden sollten.
An der Stelle, wo auch später beim Leder die „echte“ Naht verläuft, die Socke aufschneiden (oberhalb des Fußrückens).

www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/wendeschuh_3.jpgWenn man diese Form jetzt ohne Sohle aufklappt, hat man genau seine Fußform. Diese kann nun zur bessern Stabilität auf Pappe übertragen werden und als Schnittform für das Oberleder verwendet werden.

Zusätzlich haben wir für eine Verstärkung an der Ferse und an der Verschlußseite, die entsprechenden Lederteile ausgeschnitten und mit eingenäht. Wenn alle Lederstücke ausgeschnitten sind, kann mit dem Nähen begonnen werden.





www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/wendeschuh_4.jpg
Die gut sichtbare Hauptnaht, auf der Oberseite des Fußrückens, hat Dennis im Wendeschlingstich genäht und dabei darauf geachtet das er nur einen halben Stich macht. Das soll heißen, dass er nicht durch das ganze Leder gestochen hat, sondern immer nur bis zur Hälfte der Lederdicke. Das hat den Effekt, dass beim späteren Wenden, der Schuh von Aussen keine sichtbare Naht hat und so aussieht, als ob die Teile nur aneinandergefügt wurden. Zusätzlich hat er einen Lederstreifen als Verstärkung angenäht.

www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/wendeschuh_5.jpgDie zusätzlichen Verstärkungsstücke sollten nun ebenfalls angenäht werden. Wenn alles zusammengefügt ist kann das Oberleder mit der Sohle verbunden werden. Dazu haben wir einen extra dicken, gewachsten Zwirn verwendet.

Als kleine, nicht „A“ Hilfestellung, haben wir vor dem Nähen, das Oberleder an den Rand der Sohle geklebt. Nun kann begonnen werden mit einen Sattlerstich die Sohle mit dem Oberleder zu verbinden. Eine Ahle zum Vorstechen ist dabei absolut notwendig, da die stärke des Leders sonst jede Nadel abbrechen lässt. Um später einen zusätzlichen Schutz vor Feuchtigkeit zu haben hat Dennis die Ränder der Schuhsohle mit flüssigem Bienenwachs behandelt, was auch das Leder vor dem Ausreißen schützt.


www.manfrieds-trelleborg.de/images/forumbilder/wendeschuh_6.jpgSind jetzt endlich alle Teile miteinander verbunden kann der Schuh gewendet werden.Den Schuh an der Ferse anfangen umzukempeln und dann mit Hilfe eines stabilen Stocks o.ä. die Schuhspitze rausdrücken. Dies braucht etwas Kraft und Anstrengung, mehr als wir geglaubt haben. Denn je kleiner der Schuh, desto schwerer das Wenden! Dennis Schuhe waren weit weniger schwer umzustülpen.
Der Schuh ist fast fertig!

Nun sollte man sich Gedanken über den Verschluss für den Schuh machen und ich habe mit Hilfe einer Papierschablone einen Doppelknopfverschluss angenäht. Da man diese Nähte sehen kann, habe ich dicken Leinengarn verwendet, damit auch die Knöpfe befestigt und die Knopflöcher verstärkt.

Weil ich meinen Schuh noch etwas „aufhübschen“ wollte, habe ich mit Hilfe eines Lötbrenners ein Rankenornament auf das Leder gemalt. So...und wenn man jetzt denkt, man wäre fertig...nix da! Noch mal von Vorne...man hat ja schließlich zwei Füsse!

Viel Spaß und vor allen gute Nerven!

Schöööön ... da bekomme ich Lust, mir auch Wendeschuhe herzustellen ... jubel ... kann man da auch Fell drauf befestigen ... für die Schuhe einer Völva? ... Zwinker

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
Na klar kannst du Fell drauf machen...so kleine Stiefelchen shen bestimmt toll aus!friends
Springe ins Forum:

5,629,245 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang