Manfrieds Trelleborg » Archäologie und Wissenschaft » Aus Forschung und Wissenschaft
 Thema drucken
Nordische Götter in Paderborn
Nordische Götter in Paderborn

Archäologische Sensationsfunde 2013 in der Paderborner CREDO-Ausstellung

Im schwedischen Uppåkra (nahe Lund) stieß man in den letzten Jahren auf eine archäologische Sensation: die einzig erhaltene vorchristliche Tempelanlage in Nordeuropa. Über viele Jahrhunderte hinweg wurden hier nordische Götter verehrt. Bei den umfangreichen Grabungen, insbesondere in den Jahren 2000 und 2004, entdeckten die Archäologen wertvolle Funde, die für die Wissenschaft aufgrund ihrer Vielfalt und Erhaltung von besonderer Bedeutung sind. Zahlreiche dieser Exponate, darunter kostbare Kultgefäße, Opfer- und Votivgaben, werden im kommenden Jahr in der großen kunst- und kulturhistorischen Ausstellung in Paderborn „CREDO – Christianisierung Europas im Mittelalter“ zu sehen sein.

Die schwedischen Leihgeber Dr. Per Karsten, Direktor des Historischen Museums der Universität Lund, und Sammlungsleiter Dr. Hampus Cinthio gaben heute einen ersten Vorgeschmack auf die zu erwartenden Exponate und die Tempelanlage. Im Gepäck hatten sie die Replik eines der kostbaren Opfergefäße, die im 7. Jahrhundert absichtlich – vielleicht im Rahmen einer Zeremonie – im Fußboden des Kultbaues vergraben worden waren. Der Kultbecher mit Darstellungen ineinander verschlungener Menschen, Schlangen und Pferde vermittelt Botschaften, die für heutige Betrachter geheimnisvoll bleiben. Das Gefäß kam sicher im Rahmen von Trankopfern zum Einsatz.

„Der Befund von Uppåkra ist einzigartig in Nordwesteuropa“, erklärt Dr. Per Karsten. „Mit ihm können wir ein vorchristliches Kultzentrum fassen, das rund 1000 Jahre Bestand hatte – vom 1. Jahrhundert nach Christus bis um das Jahr 1000. Die in und nahe bei der Anlage geopferten Kultgegenstände geben nicht nur Hinweise auf die religiösen Vorstellungen der heidnischen Skandinavier, sondern zeigen darüber hinaus, dass Uppåkra einst ein bedeutender Handelsort mit internationalen Beziehungen war.“ Im 10. Jahrhundert verlor Uppåkra an Bedeutung. Nur wenige Kilometer entfernt gründete der dänische König Sven Gabelbart die Bischofsstadt Lund, die sich zu einem wichtigen christlichen Zentrum in seinem Reich entwickelte. Ein Ort mit enger Verbindung zu Paderborn: 1072 wurde der aus Paderborn geflüchtete Kleriker Ricwal hier zum Bischof ernannt. „Wir freuen uns“, so Dr. Per Karsten, „dass im Zuge der CREDO-Ausstellung dieser europäische Kulturaustausch möglich wird, der die Bedeutung dieses besonderen Fundes von Uppåkra für beide Länder unterstreicht.“
„Dank des Entgegenkommens des Historischen Museums der Universität Lund können wir diese einzigartigen Exponate aus Uppåkra im Rahmen der CREDO-Ausstellung erstmals außerhalb von Schweden zeigen“, freut sich Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, in dessen Ausstellungsteil „Lux mundi“ die Funde präsentiert werden. „Dies ist eine besondere Auszeichnung für uns. Auf diese Weise geben wir den Besucherinnen und Besuchern nicht nur vertiefte Einblicke in die Prozesse der Christianisierung Skandinaviens, sondern heben auch die Bedeutung dieser Region für die Christianisierung Nordeuropas hervor.“

www.credo-ausstellung.de/wp-content/uploads/Rekonstruktion-Uppakra-Di%C2%9Aoezesanmuseum-Paderborn-300x168.jpgZur Präsentation der kostbaren Funde in der Ausstellung wird das Innere des hölzernen Kulthauses nach den Ausgrabungsbefunden rekonstruiert und Uppåkra wieder neu zum Leben erweckt. Der 13 Meter lange und 6,5 Meter breite Holzbau wird von Ausstellungsgestalter Tido Brussig realisiert. Er hat die Ausstellungsarchitektur für alle drei Standorte der CREDO-Ausstellung entwickelt – dem Diözesanmuseum Paderborn, dem Museum in der Kaiserpfalz und der Städtischen Galerie am Abdinghof. Brussig gestaltete bereits zahlreiche Schauen – unter anderem in der Neuen Residenz Bamberg, im Deutschen Museum in München oder im Museum für Kommunikation in Frankfurt.


Quelle: (Text und Bild)
www.credo-ausstellung.de

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

Springe ins Forum:

5,981,285 eindeutige Besuche

Top Zum Seitenanfang