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Ägir und Ran
Ägir und Ran


www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/aegir.jpgDie Wikinger waren tüchtige Seefahrer und besaßen die zu ihrer Zeit besten Schiffe, die je nach Zweck ihrer Reise unterschiedlich gebaut wurden. Dennoch waren sie während ihrer langen Seereisen, die sogar bis nach Asien reichten, mächtigen Naturgewalten ausgesetzt. Stürme, Gewitter, das tosende Meer - ein Kampf um Leben und Tod, wenn weit und breit kein Land in Sicht war. So wundert es nicht, dass sie ihre Schiffe mit Symbolen wie dem Drachenkopf (drekahöfuðum), einer Spirale als Midgardschlange (Miðgarðsormr) oder anderen Tiersymbolen zum Schutz ausstatteten.
Die Naturgewalten waren für die Wikinger übermächtige Riesen, die es zu bezwingen galt.

In der nordischen Mythologie entstand das Meer aus dem Blut des Urriesen Ymir (EDDA, Völuspa), als dieser von den Göttern zerteilt wurde. Das Element des Wassers war in Ägir und seiner Gattin Ran verkörpert. Er war zum einen der alte Meeresriese und zum anderen das Meer selbst. Der Name des Riesen ist mit „der Wassermann“ zu übersetzen; sein altgermanischer Name „ahwo“ verweist auf das Element Wasser und „ägi“ war das Wort für Meer. Die Wikinger stellten ihn sich vor als alten Mann mit weißem Bart und weißem Haupthaar, das die Schaumkronen der tosenden See verkörperten.

Als Vertreter des wilden, erregten, den Menschen feindlichen Meer war er wohl ein Riese, doch zugleich auch ein Gott, denn das Meer tobt ja nicht immer. Auf seinem Rücken trägt es die Schiffe und fördert die Absichten der Menschen.
Ägir war den Göttern wohl gesonnen und nahm an den Zusammenkünften der Asen teil; seine riesige Halle war der Schauplatz von „Lokis Zankreden“, wo sich die Asen, von Ägir eingeladen, versammelt hatten.

www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/aegirs_ran.jpgÄgirs Hauptattribut ist sein Kessel, ein gewaltiger Braukessel, der ein Sinnbild des sommerlichen Meeres darstellt und den Göttern dazu diente, ihr Bier darin zu brauen. Wenn der Winter die weite Wasserfläche mit Eis bedeckte, war der Kessel dem Meeresgott gestohlen und im Besitz des Winterriesen Hymir. Thor musste ausziehen, um den Kessel wieder heim zu holen. War das Meer vom Eis befreit und der Kessel zurück gebracht, rüstete Ägir den Asen ein prächtiges Gastmahl in seiner Halle, die vom Glanz des Goldes, dem perlenden Schimmer, der bei leicht bewegter Oberfläche auf dem Meer glänzt, beleuchtet war.

In Ägirs Gattin Ran traten die feindlichen Seiten des Meeres viel deutlicher hervor. Der Name „ran“ bedeutet Raub und weist auf ihre unersättliche Gier hin, mit der sie ganze Schiffsbesatzungen in den Tod zog. Mit weit geöffnetem Rachen verschlang sie das gefährdete, sinkende Schiff. Die Ertrinkenden Menschen fing sie mit ihrem Netz ein und zog sie zu sich in die Tiefen des Meeres herab. In ihrer kühlen Wohnung gab es aber eine Halle für jene, die im Wasser umkamen, ähnlich wie Wallhall für die gefallenen Krieger. Man lebte nicht schlecht dort, denn es gab ein reiches Gelage mit Hummer und Dorsch im Überfluss

Die Wellen und Wogen der stürmischen See verkörperten die neun gemeinsamen Töchter der beiden Meeresriesen.
Sie trachteten danach, die Schiffe der Menschen umzustürzen, damit sie der Mutter ins Netz gingen. Ihre Namen sind in der Edda aufgeführt und lauten:

www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/aegirs_tochter.jpgGjalp (die Brausende),
Greip (die Umkrallende),
Eistla (die rasch Dahinstürmende),
Eyrgjafa (die Sandspenderin),
Ulfrun (die Wölfische),
Angeyja (die Bedrängerin),
Imd (die Dunstige),
Atla (die Furchtbare)
Jarnsaxa (die schneidende Kälte)

Ägir und die Seinen sind eine junge, nordische Schöpfung und traten an die Stelle älterer Wasserwesen, die noch heute in den Sagen und den den Märchen fortleben.

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

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