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Die Waffenschmiede der Wikinger
Schwertplagiate bei den Wikingern

Die Wikinger hatten begnadete Schmiede, wie die vielen Funde aus der damaligen Zeit beweisen. Im Forum Handwerk wird da noch mehr zu finden sein. Unter diesen waren auch hervorragende Waffenschmiede, die meisterhafte Waffen herstellten. Doch schon damals wurde versucht, mit teilweise sehr plumpen Fälschungen den Namen eines guten Schmiedes zu nutzen, um so minderwertige Arbeiten zu überhöhten Preisen zu verkaufen.

In unserer Zeit sind Markenfälschungen leider recht häufig, jedoch verursachen sie fast nur wirtschaftliche Schäden. Im frühen Mittelalter jedoch waren die Folgen von Plagiaten weitaus gefährlicher: Wikinger, die auf billige Kopien von Meisterschwertern hereinfielen, bezahlten dies oft mit dem Leben.

Britische Wissenschaftler konnten diese Form von Markenpiraterie bei Forschungen zur frühen Schwertproduktion in Europa ausfindig machen. Danach waren insbesondere Schwerter des Schmiedemeisters "ULFBERHT" und seiner Nachkommen gesuchte Qualitätsware, die damals konkurrenzlos und somit auch entsprechend teuer war.

Metallurgische Untersuchungen des Archäometallurgen Alan Williams von der Wallace Collection in London an Schwertern aus England und Deutschland belegen, dass nicht alle Waffen, die den Schriftzug des Schmiedemeisters tragen, auch die entsprechende Qualität aufweisen.

Bei seinen Untersuchungen stellte er fest, dass die äußerlich nahezu identischen Schwerter mit Ulfberhts Namenszug völlig unterschiedliche Konsistenzen zeigten. Während die echten Ulfberht-Schwerter einen für diese Zeit extrem hohen Kohlenstoffgehalt aufwiesen, bestand bei den Fälschungen der innere Kern aus Eisen und nur die äußere Schicht aus hartem Stahl. Echte Ulfberht-Schwerter aber wurden vollständig aus Stahl gefertigt, was sie beinahe unzerstörbar machte. Er schließt daraus, dass Konkurrenten unter der Marke "ULFBERHT" minderwertige Ware zu hohem Preis auf den Markt brachten.

Laut Williams liegt das Geheimnis dieser großen Qualitätsunterschiede im verwendeten Ausgangsmaterial. Gewöhnliche Wikingerschmiede gewannen ihr Material während des 9. und 10. Jahrhundert mit sogenannten Rennöfen. Darin erhitzten sie Eisenerz mit Holzkohle auf rund 1200 Grad Celsius, bis der Abfall - die sogenannte Schlacke - abfloss. Übrig blieb ein Klumpen Eisen, das Renneisen, auch "Ofensau" genannt. Die war jedoch alles andere als homogen und musste erst noch mühsam ausgeschmiedet werden. Fast alle Schwerter jener Zeit haben deshalb in ihrem Inneren ein weiches Herz aus Eisen. Nur die äußere Schicht – an den tödlich scharfen Kanten - war aus hartem Stahl.

Ulfberht jedoch bezog den Stahl für seine Schwerter von Händlern aus Afghanistan, Persien und Indien. Die dunklen Barren aus dem Orient, die über das Kaspische Meer und die Wolga hinauf nach Skandinavien angeliefert wurden, waren aufgrund einer optimalen Zusammensetzung der Legierungselemente von unvergleichlicher Qualität. In der Verarbeitung dieses für damalige Verhältnisse excellenten Ausgangsmaterials lag das Erfolgsgeheimnis des genialen Schmiedemeisters Ulfberht.

Der Schmelzvorgang als erster Arbeitsgang war bei allen Schmieden gleich. Um aber die hohe Qualität seiner Schwerter zu erreichen, wurde das Renneisen nochmals über Tage hinweg zusammen mit Kohle bei 1300 bis 1400 Grad Celsius in luftdichten Tiegeln erhitzt, bis es sich ganz von der Schlacke trennte. Heraus kam ein extrem kohlehaltiger Tiegelstahl, flexibel genug, um durchgängige Klingen aus ihm zu schmieden, dennoch so hart, dass die Schneiden sehr lange scharf blieben.

www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/wikingerschwert.jpgÄußerlich erkennen konnte man die Schwerter Ulfberts nur an ihrem markanten Schriftzug:

Original = +VLFBERH+T
Kopie = +VLFBEHRT+


Mit der richtigen Schreibweise des Markennamens taten sich sowohl die Fälscher bei der Herstellung als auch die Käufer beim Kauf der Schwerter schwer. Denn mit +VLFBERH+T markierte nur die Werkstatt des echten Ulfberht ihre Klingen. Laut Williams tragen alle Schwerter der Studie, die aus Stahl mit diesem hohen Kohlenstoffanteil geschmiedet sind, die Aufschrift mit der Endung H+T.

Auf den Kopien aber ist die Schreibweise oft +VLFBEHRT+. Das Kreuz hinter dem T ist die typische Schreibweise für Schwerter aus Eisen, bei denen nur die Klingenränder aus Stahl sind.

Wenn der Besitzer eines gefälschten Ulfberht-Schwertes Glück hatte, bemerkte er die Fälschung beim Schleifen der Klinge. Denn der Stahlmantel bei den Plagiaten war dünn, nach wenigen Schleifgängen stieß er bereits auf den weichen Eisenkern. Die weniger Glücklichen allerdings bemerkten erst auf dem Schlachtfeld, dass sie kein echtes Ulfberht in den Händen führten. Durch den hohen Anteil von Schlacke war das Material in den minderwertigen Klingen spröde, so dass es schon vorkommen konnte, dass Stücke von der Klinge bei heftigen Schlägen einfach absprangen.

Wer dieser Meisterschmied war, ist nicht genau bekannt. Es wird vermutet, dass er ursprünglich aus Franken stammte oder dort sein Handwerk erlernte. Für dies Annahme spricht auch, dass sich die Wikinger mit den für sie ungewöhnlichen Buchstaben, die so anders als die bekannten Runen waren, schwer taten. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit kennzeichneten auch seine Erben noch ihre Schwerter mit dem Namen – sonst wäre er an die 300 Jahre alt geworden. Ulfberht war also viel eher eine Marke als der Rufname eines begabten Schmiedes. Die Mehrzahl der Schwerter mit dieser Kennzeichnung fanden die Archäologen in Skandinavien und an der Ostseeküste.

Als im 11. Jahrhundert die Herrschaft der persischen Samaniden endete und russische Fürsten die Macht übernahmen, kam auch der Handel mit Tiegelstahl entlang der Wolga zum Stillstand. Die Ulfberht-Schmiede musste die Schwerterproduktion einstellen.

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

"Hightech"-Schwert aus dem Mittelalter

Spektakulär ist ein sehr gut erhaltenes Schwert aus dem 10. Jahrhundert, das bei Baggerarbeiten in der Weser bei Großenwieden entdeckt wurde. Die knapp einen Meter lange Waffe weist auf der Klingenvorderseite die Namenssignatur +VLFBERH+T (Ulfberht) auf, auf der Rückseite findet sich ein von je drei senkrechten Strichen eingeschlossenes Rautenmuster. Damit gehört es zu den legendären Ulfberht-Schwertern.

Diese „Hightech“-Waffen des Mittelaters wurden im fränkischen Reich gefertigt, gelangten aber trotz eines Ausfuhrverbotes in großer Zahl auch in die Hände der feindlichen Wikinger und Slawen. Im fränkischen Kerngebiet sind sie sehr selten.

Typisch für diese Schwerter ist eine Klinge aus einem sehr hochwertigem, gehärtetem Eisen, das qualitativ fast an modernen Stahl heranreicht, wie die Archäologen erklären. Dadurch war die Klinge auch ohne Damaszierung scharf, stabil und trotzdem leicht. Der Schwertgriff besteht aus weicherem Eisen, in die Klinge ist zudem eine Blutrinne eingekerbt. Weitere Analysen ergaben, dass der Griff zusätzlich mit Blechen aus einer Zinn-Blei-Legierung und der Knauf mit zwei sich kreuzenden Lederbändern verziert waren.

"Das jungsteinzeitliche Kupferbeil und das hervorragend erhaltene Ulfberht-Schwert aus dem frühen Mittelalter werfen ein völlig neues Licht auf unsere Landesgeschichte“, sagte die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić. „Die Funde belegen, dass schon sehr frühe Kulturen ausgeprägte technologische und künstlerische Fertigkeiten besaßen, komplexe Handelsbeziehungen aufbauten und außerordentlich mobil waren.“


Quelle:
scinexx.de

.. sich erinnern heißt nicht Asche streuen, sondern das Feuer weitergeben ..

Dass damals bereits solch weit reichende Handelsbeziehungen bestanden, finde ich immer wieder bemerkenswert. Wie lange es wohl gedauert haben mag, bis Ulfberht all seine Materialien für ein Schwert zusammenhatte...
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