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Hnefatafl - das Brettspiel der Wikinger
Hnefatafl - das Brettspiel der Wikinger


www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/hnefatafl_1.JPGDas die Wikinger nicht allein kriegerische Seefahrer, sondern auch geschickte Schiffsbauer und erfahrene Händler waren, ist mittlerweile allgemein bekannt. Sie lebten in einer gut strukturierten Gesellschaft und waren offenbar auch spielfreudige und gesellige Menschen. Das belegen zahlreiche archäologische Funde des Wikingerspieles „Hnefatafl“, das heute wieder an Beliebtheit zunimmt.
Hnefatafl war seit frühgeschichtlicher Zeit ein sehr beliebtes Brettspiel und war in der Wikingerzeit von Irland bis in die Ukraine verbreitet. Wahrscheinlich war es nur im normannischen Kulturkreis bekannt. Archäologische Funde gibt es hauptsächlich im Ostseeraum, auf den britischen Inseln und auf Island.
Der älteste archäologische Fund, das Fragment eines Spielbrettes, stammt aus einem eisenzeitlichen Grab aus Dänemark um 400 n.Chr. Die jüngsten Berichte über dieses Spiel sind unter anderem die Aufzeichnungen eines schwedischen Lapplandreisenden über ein samisches Spiel namens „Tablut“ aus dem Jahre 1732.
Das Tafl-Spiel wird zwar in einigen Schriften, wie z.B. den isländischen Sagas erwähnt, aber ein niedergeschriebenes Regelwerk wurde nie gefunden. Dieses konnte nur aus Aufzeichnungen, Fundstücken und Theorien rekonstruiert werden. Dabei hatte diese Form des Zeitvertreibs eine große Beliebtheit – das belegen die zahlreichen archäologischen Funde.
Die Brettgröße und die Spielregeln variierten zwar, aber die strategische Grundidee verbreitete sich über einen Großteil Europas und überlebte weit länger als tausend Jahre - bis zur Verdrängung durch Schach, einem Mitbringsel der Kreuzzüge im 13. Jahrhundert.
Hnefatafl bedeutet „Königszabel“ weil "hnefi" mit „Königsfigur“ übersetzt werden kann. Die Bedeutung von "tafl" ist eindeutiger. Das aus dem Germanischen entstammende "tafl" (oder auch das frühneuzeitliche Wort "Zabel" ) ist das neu-hochdeutsche Wort „Tafel“, welches auch in der Gegenwart einen Tisch im Allgemeinen und ein Spielbrett im Besonderen bezeichnet.

Mythologische und andere Entsprechungen des Hnefatafel

Die beiden ungleich gestalteten Spielparteien im Hnefatafl repräsentierten im Laufe der Geschichte immer wieder bestimmte Situationen:
Im Tablut des 18. Jahrhunderts, das uns durch Carl von Linné überliefert wurde, werden die Verteidiger um den König als „Schweden“ und die Angreifer als „Moskowiten“ (Russen, entsprechend der Hauptstadt Moskau) bezeichnet und deuten auf die Kämpfe zwischen Schweden und Russland im Großen Nordischen Krieg.
In einem Preislied des Skalden Þórbjörn Hornklofi auf Harald Hárfagres kann man den Satz: "Sie kümmern sich sehr um die Krieger, die die Hunnen an Haralds Hof ziehen" lesen. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Spielsteine auch als „Hunnen“ bezeichnet wurden und Hnefatafl auch als Sinnbild der Kämpfe zwischen den Goten und Hunnen während der Völkerwanderungszeit diente.
Der Name Hnefi für den wichtigsten Spielstein, den König, der auch der Name eines Seekönigs war, lässt vermuten, dass dieses Spiel zur Wikingerzeit als Seeschlacht oder als Wikingerfahrt eines Seekönigs, der einzelne oder vier Städte oder Länder erobert, angesehen wurde.
Selbst in der Völuspá (Der Seherin Ausspruch) wird das Tafl-Spiel an mehreren Stellen erwähnt:

Völuspá Verse 7 und 8:

Hittusk æsir
á Iðavelli,
þeir er hörg ok hof
hátimbruðu,
afla lögðu,
auð smíðuðu,
tangir skópu
ok tól gerðu.

Tefldu í túni,
teitir váru,
var þeim vættugis
vant ór gulli,
uns þrjár kvámu
þursa meyjar
ámátkar mjök
ór Jötunheimum

Übersetzung:

Die Asen (Götter) trafen sich
auf dem Idafelde,
um sich Harg (Altar) und Hof (Tempel)
zu errichten,
entzündeten Feuer,
zum Schmieden
von Zangen
und Werkzeug.

Sie spielten Zabel in ihren Gärten,
voller Freude,
Kein Mangel an nichts,
selbst nicht am Golde,
bis drei
sehr übermächtige
Mägde der Dürsen (Riesen)
aus Riesenheim kamen.

Völuspá Vers 61:

Þar munu eftir
undursamligar
gullnar töflur
í grasi finnask,
þærs í árdaga
áttar höfðu.

Übersetzung:

Danach werden sie
wundersame
goldene Zabelsteine
im Grase finden,
wie in alten Tagen werden
sie sie (die Spielsteine) wieder besitzen.


Viele der deutschsprachigen Eddaausgaben übersetzten jedoch unterschiedlich. Arthur Häny schreibt von goldenen Tafeln, Karl Joseph Simrock von goldenen Bällen. Man kann aber deuten, dass das Zabelspiel Hnefatafl ein Abbild des in der Völuspá beschriebenen "kosmischen Geschehens" selbst ist. Wotan und die 12 anderen Asengötter verteidigen Midgard (Konakis, Thron) gegen die Riesen, die Midgardschlange und den Fennrisswolf (Ragnarök).

Das Tablut

Die Regeln einer Variante des Hnefatafl, nämlich des Tablut, wurden 1732 von Carl von Linné auf dessen Reisen durch Lappland aufgezeichnet. In seinem Reisetagebuch notierte er ausführlich die Spielregeln für das saamische Tablut. Eine Zeichnung in seinem Reisetagebuch stellt ein 9 x 9 Felder großes Zabelbrett dar. In der Aufzeichnung sind die Felder der Startaufstellung farbig markiert. Der König befindet sich zu Beginn des Spiels auf dem Thron, der hier „Konakis“ genannt wird und wird von acht Verteidigern, den „Schweden“ beschützt. Die Angreifer, „Moskowiten“ genannt, sind zu sechzehnt. Der König gewinnt, wenn er eines der äußeren Felder erreicht. Sieht der Verteidiger einen Fluchtweg auf ein Außenfeld, muss er seinen Gegner mit dem Ruf „Raicki !“ warnen. Erkennt er zwei Fluchtwege und das Verhindern des Sieges im nächsten Zug ist unabwendbar, sagt er „Tuicku !“. Eine Spielfigur ("Zabelmann" ) gilt als geschlagen, wenn sie in einer Reihe mit zwei Gegnern steht. Der König wird geschlagen, indem er von allen vier Seiten von seinen Gegnern umringt ist, wobei ein Gegner durch den Konakis ersetzt werden kann, da nur der König allein den Thron besetzen darf.

Beschreibung des Tablut:

www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/hnefatafl_2.JPGTablut wird auf einem Spielbrett mit 9 x 9 Feldern gespielt. Das Spielfeld kann aus Holz, aber auch aus weichem Leder oder einem anderen geeigneten Material sein.
Der eine Spieler besitzt acht weiße Figuren oder Spielsteine (Zabelmannen) und einen König, der Spielgegner sechzehn schwarze Spielsteine.
Der Spieler mit weniger Spielsteinen genießt größere Freiheiten und besitzt das Recht, die Steine seines Gegners gefangen und vom Brett zu nehmen. Die Spielsteine des Gegners sind in ihrer Anzahl stärker, in ihren Bewegungsmöglichkeiten aber eingeschränkter. Das Spielfeld in der Mitte des Spielbretts ist deutlich als Konakis (Thron) gekennzeichnet.
Allein der König darf den Thron betreten. Er ist gefangen, sobald er von vier Gegnern umgeben ist oder von drei Gegnern plus dem Thron. Gelingt es ihm, unter dem Schutz seiner Verteidiger ein beliebiges Feld am Spielfeldrand zu erreichen, hat er gewonnen.
Jede Figur bewegt sich nach der Grundaufstellung senkrecht oder waagerecht über beliebig viele freie Felder. Diagonale Spielzüge sind nicht erlaubt. Eine Spielfigur ist gefangen, sobald sie von zwei gegenüberliegenden Seiten durch gegnerische Figuren eingeschlossen wird. Eine Figur kann jedoch ungestraft zwischen zwei gegnerische Spielfiguren ziehen, ohne dabei gefangen zu werden.

Regelwerk des Tablut

www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/hnefatafl_3.JPGDie Ausgangsstellung:

Zu Beginn des Spieles befindet sich der König auf seinem Thron in der Mitte des Zabelbrettes. Seine acht Verteidiger stehen um ihn versammelt auf den umgebenden Spielfeldern. Vor den Mannen des Königs steht in jeder "Himmelsrichtung" eine Vorhut.
Die Angreifer sind in vier Vierergruppen aufgeteilt, die sich wie ein T mit einer Ein-Mann-Vorhut vor drei Mannen an jeder Kante des Spielfeldes befinden.
Ziel der Verteidiger ist es, die Flucht des Königs auf eine der Eckburgen zu ermöglichen. Das Ziel der Angreifer ist zunächst die Verhinderung dieser Flucht. Hierzu sollten zuerst alle Burgen besetzt bzw. belagert werden. Darüber hinaus muss der König gefangen genommen werden.

Bewegen der Zabelsteine:
  • Alle Zabelsteine ziehen wie der Turm im Schach nur in senkrechter und waagerechter Richtung. Hierbei kann eine beliebige Anzahl freier Spielfelder zurückgelegt werden.
  • Ein Ziehen in diagonaler Richtung oder ein Überspringen eigener oder gegnerischer Zabelmänner ist nicht zugelassen.
  • Jeder Spielzug muss auf einem freien Spielfeld enden.
  • Der erste Spielzug wird immer von den Angreifern ausgeführt.
  • In jeder Spielrunde muss ein Spielzug ausgeführt werden.

www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/hnefatafl_4.JPGSchlagen von Spielsteinen:


Das Schlagen eines Spielsteines erfolgt durch "Gefangennahme zwischen zwei gegnerischen Zabelsteinen,
wenn diese in waagerechter oder senkrechter Richtung unmittelbar neben dem entsprechenden Spielstein gezogen wurden.



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Auch dem König ist es erlaubt, auf diese Weise gegnerische Zabelmannen gefangen zunehmen bzw. zu schlagen





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Wird allerdings ein Zabelstein zwischen zwei gegnerische Zabelsteine gezogen, gilt dies nicht als Gefangennahme.
Im Gegenteil, der Gegner muß sogar einen Zug mehr zum Freigeben des Spielfeldes aufwenden, um diesen Stein schlagen zu können



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Die Eckburgen gelten sowohl für Weiß als auch für Schwarz als gegnerische Zabelmannen.
Um also einen Gegner unmittelbar neben einer solchen Eckburg zu schlagen, benötigt man nur einen Zabelmann




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Bei entsprechender Stellung im Spiel ist es auch möglich, mit einem Zug zwei gegnerische Zabelsteine zu schlagen





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Unter der Ausnutzung einer Eckburg ist ein Zweifachschlag möglich





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Auch das gleichzeitige Schlagen von drei Zabelsteinen kann durchaus gelingen





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Geschlagene Zabelsteine werden vom Brett entfernt. Ein Schlagzwang besteht jedoch nicht.
Das Spiel gilt als gewonnen, wenn der König gefangen genommen wurde oder wenn ihm die Flucht auf eine der Burgen gelungen ist.



www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/hnefatafl_12.JPGGewinn durch Gefangennahme des Königs


Der König wird auf dem Konakis oder auf jedem anderen gewöhnlichen Spielfeld durch vier gegnerische Zabelsteine gefangen genommen





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Befindet sich der König auf einem dem Konakis in waagerechter oder senkrechter Richtung benachbarten Feld, genügen drei gegnerische Spielsteine, um den König zu stellen.




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Am Rand des Zabelbrettes ist eine Gefangennahme des Königs mit drei schwarzen Steinen ebenfalls möglich





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Versucht ein Verteidiger des Königs, die Flanke seines Herren zu decken und ihn so vor dem Schlag zu retten,
dann ist aufgrund der gleichzeitigen Gültigkeit des Zweifachschlaggesetzes dennoch eine Gefangennahme des Königs möglich, wenn auch der zweite Spielstein von gegnerischen Zabelsteinen umstellt ist.



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Gewinn durch Königsflucht





www.manfrieds-trelleborg.de/images/articles/hnefatafl_17.JPGDas Schildwallgesetz

Das Schildwallgesetz besteht in der gleichzeitigen Anwendung des Zweifachschlages und der Gefangennahme des Königs am Spielfeldrande auf die einfachen Zabelmannen. Mit dem Schildwallgesetz soll verhindert werden, dass sich eine Seite, insbesondere die der Angreifer, am Rande des Zabelbrettes in Sicherheit ausruht.
Wenn also mehrere Zabelsteine einer Farbe an einer Kante des Zabelbrettes nebeneinander stehen und sich vor jedem dieser Steine ein gegnerischer Zabelmann befindet, dann ist es möglich, durch Flankieren der gegnerischen Zabelsteine, die gesamte Reihe mit einem Male zu schlagen.
Im Gegensatz zu den bislang aufgeführten Arten des "Gefangennehmens" gelten hier die Fluchtburgen nicht als Zabelmannen.

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Nach dem Schildwallgesetz kann nicht neben den Eckburgen geschlagen werden.
Auf diese Weise kann nur der König gefangen genommen werden




Das Schildwallgesetz kommt im Spiel nur selten zur Anwendung.
Vielmehr verleiht es die Möglichkeit, Aufreihungen von gegnerischen Zabelmannen an den Spielfeldkanten durch Bildung einer Kette aus eigenen Zabelsteinen aufzulösen, da der Gegenspieler den gleichzeitigen Verlust mehrerer seiner Zabelmannen vermeiden möchte.
Diese gegenüberstehenden Reihen von Zabelmannen erinnern an einen Schildwall, nach dem dieses Gesetz benannt wurde.

Und allen die es nicht wissen, sei es gesagt: Völva bedeutet, 'Sie, die sieht',
aber nicht die Zukunft, wie man allgemein glaubt, sondern die wahre Natur des irdischen Lebens.
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